Über die weibliche Ergebenheit und alte Knaben

Von Beatryx Chabeso Pirchner

In mindestens jedem zweiten Fall sei die Klage über Sexismus bloß eine Simulation des Begehrtseins, eine Chiffre des Sichbegehrtfühlenwollens seitens derer, die nicht begehrenswert sind, meint Michael Klonovsky. Beatryx Chabeso Pirchner wirft ihren je eigenen Blick auf das derzeit aus durchsichtigen Gründen hochgepeitschte Thema.

Die gegenwärtige Sexismus-Debatte irrlichtert fatal an der Realität vorbei. Während hunderttausende von notgeilen und frauenverachtenden Schoko-Zipfelmännern ins Land eindringen und ihre ‚Wertschätzung‘ Frauen gegenüber mittels Antanzen („Du Fotze, isch fick‘ disch!“), Abgreifen, Ausrauben, Einzel- oder Gruppenvergewaltigungen bis hin zur lebenslangen Verstümmelung und schließlich Ermordung von Mädchen und Frauen unter Beweis stellen – und das jeden Tag, jede Nacht, zu jeder Stunde und an jedem Ort – meckern die #MeToo-Heldinnen über vergleichsweise harmlose und oft Jahrzehnte zurückliegende Ereignisse, in denen ein besoffener oder sonstwie beeinträchtigter Rüpel seine Heterosexualität haptisch zum Ausdruck brachte.

Ich staune über die Welle an medialer und politischer Aufmerksamkeit und Solidarität für die ‚Überlebenden‘ (z.B. des dicken, vermutlich impotenten, Weinstein u.a.), welche allerdings den Opfern brachialster Frauenverachtung und Missbrauchs niemals in auch nur annähernder Weise zuteil wird. Oftmals sind es gerade auch die #MeToo-Heldinnen, welche den exotischen Zipfelmännern die „Stange“ halten und für deren ungebremste Zuwanderung und Verbleib plädieren. Gut für die Frauen, das gibt frisches Eiweiß! Aber so denken die ja nicht. Sie denken einfach, das seien arme, verfolgte Burschen, denen wir „Reichen“ helfen müssten. Gutes Herz. Menschlichkeit. Brüderlichkeit. Und das Kleinmädchenherz teilt dann sogar seinen Plüschteddybär mit diesen Krankzipfeln, die nichts anderes im Hohlschädel haben als einen kleinen Motor, der dem Schwanz ‚Zustich‘ signalisiert, sobald sich ein Weib auftut. Selbst wenn es sich gar nicht auftut.

Nicht falsch verstehen! (Heute muss man ja alles kleinkindhaft erklären). Keineswegs goutiere ich einen Lümmel, dem es in den Sinn kommen würde, mir oder anderen Frauen an die Wäsche zu gehen. Seltsamerweise hat das in meinem ganzen Leben noch kein einziger gewagt. Das bringt mich jetzt wirklich zum Nachdenken. Ich war ja eine Göttin, wie ihr vielleicht anhand meiner mittlerweile vergilbten Fotos mitbekommen habt, und kein einziger hat es je gewagt? Ich denke noch immer nach. Nein. Kein einziger! Nicht in den Lokalen, in denen ich gespielt und gesungen habe, nicht auf den tausenden Jazzfestivals, die ich besuchte, nicht auf der Uni, nicht auf der Akademie, nicht hier, nicht im Ausland (trotz zahlloser betörender Minne-Performances ebendort). Eher war es so, dass die Kerle eine Armlänge von mir Abstand hielten. Nicht etwa, weil ich gestunken hätte. Das habe ich nur als Kind, wenn ich beim Bauern den alten, furzenden Fritz (Ackergaul) geritten habe. Ja warum denn nur hielten die Männer Abstand oder sich (haptisch) so zurück? Zefix!?

Auch der alte, ‚brandgefährliche‘ Unhold Pilz saß einst in einem Wiener Wirtshaus (in den frühen 90-ern) neben mir und flüsterte mir zu, dass der Monsignore S. (der saß mir gegenüber und redete intensiv auf eine Frau ein) „der Schlimmsten einer sei, was Frauenaufreißen betreffe“. Er (Pilz) selber sei ja bei Weitem nicht so schlimm, aber keineswegs uninteressiert, und briet ein wenig verbal an. Mein abtörnendes Grinsen hat ihn dann wohl ad hoc dazu bewogen, sich die angebrochene Nacht einsam vorzustellen. Es wurde auch gesoffen, aber jegliche Haptik blieb außer Kraft. Warum nur?

Ja, schüchterne und weniger schüchterne Anfragen gab es wohl hie und da. Aber keine leidenschaftliche Entgleisung. Nie. Ich weiß nicht warum. Vielleicht lag es an meiner Fähigkeit, kastrativ zu grinsen oder ungebeten erwachendes Mannstum (verbal) welken zu lassen. Möglicherweise. Die verbale Hinrichtung beherrschte ich ja immer schon.

Es könnte auch daran liegen, dass nichts an mir auf die geringste Ergebenheit hindeutet. Soviel Sensibilität haben so gut wie alle Männer, dass sie das spüren. Sie suchen sich solche Mädchen und Frauen aus, denen die Ergebenheit schon am gesamten Habitus anzumerken ist. Jene, bei denen ein Nein eben nicht wirklich nein bedeutet. So aber sind sehr viele Frauen. Unsicher. Irgendwie wollen sie begehrt werden, andererseits aber auch nicht von jedem – verständlich. Allerdings ist dieser Frauentypus im allgemeinen nicht besonders wählerisch. Wie auch immer, es ist die latente oder offene Ergebenheit (und das unbedarfte Anhimmeln der oft prominenten Männer), die den meisten Frauen zum Verhängnis wird. Der Angehimmelte will halt dann irgendwann zupacken, was sich ihm scheinbar oder offen anbietet. Manche (Prominente) gehen sogar davon aus, dass jede ihn anhimmle. Also greifen sie überall zu, die alten Knaben.

Wenn die Weibchen aber, wie jetzt, die Gunst der Stunde wittern, twittern sie laut und scharf Protest. Vöglein halt. Jetzt nämlich ist ‚Kampf dem Sexismus‘ angesagt, aber nur weil der Zeitgeist mit all seinen Kanonen gerade Krieg gegen die weißen Zipfelmänner führen will.

Bei den dunklen wiederum hält er sich extrem zurück, der politisch korrekte Zeitgeist. Und während jeden Tag neue MeToo-Vöglein zwitschern und einen weißen Sex-Onkel verpfeifen, verwüsten gerade die Turbo-Schokozipfel brachial alles, was ihnen als Weiblichkeit in die Quere kommt. Und das alles unter Ausschluss des Interesses der Öffentlichkeit. Glück gehabt.

*

Zur Autorin: Beatryx Chabeso Pirchner ist eine österreichische Künstlerin und Essayistin. Zuletzt erschien von ihr zusammen mit Werner Reichel und Günther Christian (Hrsg.), Birgit Kelle, Michael Ley u.a. das Buch Infantilismus – Der Nanny-Staat und seine Kinder.

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Bild: Privatbild Beatryx Chabeso Pirchner

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3 thoughts on “Über die weibliche Ergebenheit und alte Knaben

  1. maru

    „Die verbale Hinrichtung beherrschte ich ja immer schon.“

    Die Erfahrung habe ich auch gemacht, daß verbale Schlagkraft meist schon ausreicht. Oder öffentlich bloßstellen. Wenn sie einen anstieren, laut durchs ganze Lokal oder U-Bahn-Abteil sagen „Können Sie mal woanders hinglotzen, sonst komme ich da mal rüber“. Dann starren ihn alle an, was ihm peinlich ist.
    Oder wenn sie richtig frech werden, kann man auch dezent drohen: „Bürschchen, wenn du mir weiter auf die Pelle rückst, mache ich Karateschlag Nr. 38“. Das wirkt fast immer lusthemmend auf diese Kerle. Zumindest auf die einheimischen.

    Die zugelaufenen Typen verstehen einen ja meist nicht. Da bin ich noch am ausprobieren, was bei denen wirkt. Gut kommt, wenn man sie spiegelt und den Dominanzanspruch einfach umdreht, sie z.B. von oben herab abwertend direkt anstarrt. Das können sie nicht ertragen. Oder sich ihnen gegenüber möglichst breit macht; z.B. in der U-Bahn oder auf der Straße (die beanspruchen öffentliche Gehwege für sich und erwarten, daß Frauen oder überhaupt Einheimische ihnen ausweichen). Da gehe ich direkt durch mit spitzen Ellenbogen und meckere sie an, daß sie mir gefälligst Platz machen sollen. Die sind darüber derart schockiert, daß sie völlig verdattert dastehen und einen ungläubig anschauen. Solche Frauen kennen die nicht. Überraschungsangriff.
    Meine Erfahrung ist, man muß da AUTORITÄR auftreten. Die Sprache verstehen sie – sie betteln ja geradezu darum, daß man sie in ihre Grenzen verweist. Da hilft man doch gerne aus:)

    Gefällt 1 Person

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