Die Linke hat den Kulturkampf bereits verloren – Was wir derzeit erleben, ist nur der Pendelausschlag zurück zur Mitte

Ein Gastbeitrag von Jörg Gebauer, Fr. 29. Jun 2018

Deutschland im Kulturkampf zwischen linkem Konstruktivismus und positivistischer, liberal-konservativer Zurückhaltung: Dort die Anmaßung, bestimmen zu wollen, wie andere zu leben haben (links), hier die rechtsstaatlich-freiheitliche Grundidee, dass es so etwas wie eine selbstbestimmte Privatsphäre geben muss. Dort ein gesellschaftlicher Baukasten der neuen Welt und des neuen Menschen, hier die Erkenntnis, dass der Mensch a) immer schon so war, b) so bleibt und nicht zuletzt c) sich auch ändern kann, ohne vorherige staatliche Reglementierung.

Kam man mit der illegalen Massenimmigration einem Befreiungsschlag der mittleren Schichten zuvor?

Wir erleben den Abgesang einer zurechtgelegten, konstruierten Welt, genauer: den Abgesang einer zurechtgelegten Ideologie. Diese Ideologie ist sozio-historisch eine Derivation, eine Abweichung. Sie hat mit den residual-tatsächlichen gesellschaftlichen Verhältnissen nur insoweit etwas zu tun, als dass die mittleren Schichten über ein halbes Jahrhundert hinweg in einen Sozialstaat und in eine vorgegaukelte Medien-Kulisse hineingedrängt wurden, ohne strenggenommen den Sozialstaat samt seiner medialen öffentlich-rechtlichen Beschallung überhaupt in diesem gigantischen Umfang benötigt zu haben. Es drohte wahrlich ein Wachsen der Erkenntnis, dass der Staat es nicht bewerkstelligen könne – ein Befreiungsschlag der mittleren Schichten.

Dem kam man zuvor: Die ungesetzliche, willkürliche Einwanderung sollte den Durchschnitts-Michel nämlich auf seine Plätze verweisen:

  • Halt’s Maul, wenn die Mieten steigen.
  • Halt’s Maul, wenn Deiner verzogenen Brut jetzt auch noch der Niedriglohn-Sektor  (wenigstens) als Alternativ-Option weggenommen wird.
  • Halt’s Maul, wenn Du keine Zinsen mehr auf Dein Erspartes bekommst.
  • Halt’s Maul, wenn der Strompreis steigt.
  • Halt’s Maul, wenn das Lern-Niveau in den Schulen sinkt.
  • Halt’s Maul, wenn Du in Deinem Jahres-Urlaub nun schon zum dritten Mal hautnah erlebst, wie unbeliebt die Deutschen geworden sind.

Die Linke hat den Kulturkampf bereits verloren – Was wir derzeit erleben, ist nur der Pendelausschlag zurück zur Mitte

In dem Video unten sprechen, spielen und singen ja nicht etwa die Gören für sich oder für die Grünen oder für die Linken. Nein, sie singen auch für die übermächtigen linken Flügel von CDU, SPD und FDP. Sie führen ein Stück auf für ARD/ZDF sowie für die Gleichschaltung ihrer eigenen Hals-Verlängerungen. Ja, sie glauben an den neuen Menschen ohne Heimat, ohne Familie, ohne Rechtsstaat, ohne Herkunft – aber mit erregender, ungewisser Zukunft.

Denn: Wir basteln es uns schon zurecht. Es kann doch nur besser werden. Zur Not passen wir uns an. Das können wir allemal am besten. Sie fühlen sich ungefähr so wie Merkel 1989. Nur war die wenigstens so diszipliniert, erstens einzusehen, dass die DDR wirklich erst mal Geschichte ist. Und sie war zweitens so diszipliniert, leise – nur als graues Mäuslein – zu agieren, bis ihre Stunde kommen sollte.

Zurück zu dem Video: Wie kann man eigentlich nur so blöde sein, seine eigene Defensive derart zu zelebrieren? Das Ganze ist affektiert. Das Schauspiel ist doch nichts anderes als Pfeifen im WaldeSie haben den Kulturkampf bereits verloren. Ganz Europa, nein der ganze Westen ist gewaltig nach rechts gerückt. Das ist jetzt der Pendelausschlag nach rechts, hin zurück zur Mitte. Nach 50 Jahren (1968) kultureller Offensive der Linken. Mehr nicht.

Video: „Wir fordern die Abhorstung“

Das folgende Video des rbb (Rundfunk Berlin-Brandenburg) bitte unbedingt anschauen: Protest gegen Innenminister Seehofer „Wir fordern die Abhorstung“

*

Zum Autor: Jörg Gebauer ist ausgebildeter Staatswissenschaftler (Magister in Politik, Jura und Soziologie). Daneben hat er Kriminologie, Volkswirtschaftslehre und Staatsphilosophie sowie Pädagogik studiert. Von 1979 bis 2014 war er Mitglied der SPD. Unter anderem gehörte er dem Juso-Bundesausschuss fünf Jahre lang an und war von Februar 1990 zuerst Mitglied der „Einsatzgruppe Deutsche Einheit“ und im direkten Anschluss daran Mitarbeiter des Deutschen Bundestages bis Juni 1992. Dort unter anderem tätig für den ehemaligen Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski („Ben Wisch“). Zuvor war er drei Jahre Angestellter der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Seit 1992 ist Jörg Gebauer als Berater in der freien Wirtschaft tätig.

**

Titelbild: Screenshot aus dem rbb-Video

***

Aktive Unterstützung: Jürgen Fritz Blog ist vollkommen unabhängig, werbe- und kostenfrei (keine Bezahlschranke). Es kostet allerdings Geld, Zeit und viel Arbeit, Artikel auf diesem Niveau regelmäßig und dauerhaft anbieten zu können. Wenn Sie meine Arbeit entsprechend würdigen wollen, so können Sie dies tun per klassischer Überweisung auf:

Jürgen Fritz, IBAN: DE44 5001 0060 0170 9226 04, BIC: PBNKDEFF, Verwendungszweck: Jürgen Fritz Blog. Oder über PayPal  5 EUR – 10 EUR – 20 EUR – 30 EUR – 50 EUR – 100 EUR