Frankfurter Buchmesse: Wie Kubitschek alle austrickste

Ein Gastbeitrag von Jouwatch, Sa. 13. Okt 2018

Kennen Sie den Ausdruck „Jemanden vorführen und der Lächerlichkeit preisgeben“? Subversion ist das Mittel der Wahl im Kampf gegen die selbstgerechte linke Pest. Ein herrlich geistreiches Bubenstück lieferte Götz Kubitschek diese Tage ab. Anstatt sich mit seinem Antaios-Verlag von der Messeleitung der Frankfurter Buchmesse an den Katzentisch verbannen zu lassen, dreht er den Spieß einfach um und wirft die Messeleitung der allgemeinen Belustigung zum Fraß vor.

Aus Raider wird jetzt Twix, sonst ändert sich nix

Viel Unmut gab es bei „rechten“ Verlagen, etwa bei der Jungen Freiheit, dass sie zur Frankfurter Buchmesse als Ausstellungsfläche ein etwas abgelegenes Areal zugewiesen bekommen hatten: eine Sackgasse, durch die niemand einfach so hindurchschlendert. Doch einer war nicht gewillt, das mit sich machen zu lassen: Götz Kubitschek, der Chef des Antaios-Verlages. Der trat einfach mit einem „neuen“ Verlag an.

Gut möglich, dass sich Kubitschek an diesen Werbeslogan für einen Schokoriegel erinnert hat. Er verkaufte seinen Verlag kurzerhand an den Zahnarzt Thomas Veigel, einen AfD-Funktionär. Kubitscheks Ehefrau, Ellen Kositza, leitet den „neuen“ Verlag. Der wiederum bekam einen besonders treffenden Namen verpasst, durch den Kubitschek, Veigel und Kositza zu heißen Anwärtern auf den Nobelpreis für Pfiffigkeit geworden sind: Aus Antaios wurde Loci. Prompt klappte es auch mit der Zuteilung einer publikumswirksamen Ausstellungsfläche. Loci präsentierte sein Angebot inmitten linker Kleinverlage. Die Berichterstattung über den Coup tat ihr Übriges, um  für Antaios- Loci die verdiente Aufmerksamkeit zu generieren.

Loki wird zu Loci, alles oki-doki

Es ist das „c“ in Loci, das die Göttlichkeit der Inspiration verrät. Loki mit „k“ ist nämlich der nordische Gott des Feuers, aber auch Gott des Schabernacks und der Verwandlung. Das Kalkül Kubitscheks vermutlich: Verwandle das „k“ in ein „c“ – und den nordischen Gott in lateinischen Schnee. Kubitschek kennt seine Pappenheimer und weiß, dass sie sich in der nordischen Mythologie nicht auskennen.

Oder, wie sich SPIEGEL-Kolumnist Stöcker ausdrücken würde: Götz Kubitschek sind die Interdependenzen von Ignoranz und Arroganz jederzeit bewußtLoci ist ein schönes Wort für einen Verlag auf einer Buchmesse, deren Leitung zwar ignorant, aber meinungsstark ist. Loci ist der Schenkelklopfer für die Literaturfreunde der Republik.

Der Mainstream ist nicht sonderlich amüsiert

Regelrecht angepisst berichtet der Tagesspiegel von Kubitscheks Coup.

So liegen am Stand des Verlags natürlich auch ein paar  Antaios-Bücher wie ‚Mit Linken leben‘ aus, in der rechten Ecke der Koje aber eben auch ein paar echte Loci-Fake-Bücher, Buchattrappen wie ‚Deutscher als ich geht eigentlich nicht‘ von Kemal Yilmaz oder ‚Aufgeblättert. Zugeschlagen. Mit Rechten lesen. Das Buch zur Sendung‘. Einen Flyer dazu gibt es auch, ‚erscheint später‘ steht da unter den aufgeführten vier Titeln, für einen Preis von 19 Euro 18, und ganz oben prangt ein Zitat des Dadaisten Richard Huelsenbeck, ‚Gegen die weltverbessernden Theorien literarischer Hohlköpfe‘.“

Es ist zum Brüllen. Lustig finden soll es trotzdem niemand. Der Tagesspiegel gallig:

Wie zwei Pfauen paradieren nun Kubitschek und Kositza durch die Gänge der Halle 4.1. – was sind sie doch für Tausendsassas! Haben der Buchmesse ein Schnippchen geschlagen, sind eben doch da!, haben über den ‚Aufnahmezustand selbst entschieden‘, wie sie stolz verkünden, und zwar nicht in der von der Buchmesse den rechten Verlagen zugewiesenen Sackgasse weiter vorn in der Halle, sondern inmitten der kleinen linken Verlage.

Darüber lachen Tausende

Was für ein Tort (Verdruss)! Anstatt sich demütig gesenkten Blicks mit der zugedachten Rolle als Aussätzige der Buchmesse abzufinden, zeigen Kubitschek und Kositza auch noch unverschämtes Selbstbewußtsein. Das ist ja wohl die Höhe. Einfach herrlich.

Gute Güte, das ist Realsatire, über die man nicht mal wirklich lachen kann. Subversion für nichts.

Doch, darüber lachen Tausende. Und zwar schallend. Seit bald zwei Jahrzehnten bin ich der Ansicht, dass es nicht viel bringt, mit Linken zu argumentieren. Linke argumentieren nicht, sondern sie pichen ihren Gegnern Etiketten auf die Stirn. Mit Rechten, Homophoben, Islamophoben und Xenophoben  – und überhaupt mit allen, die dem „Leugnismus“ (Christian Stöcker, SPIEGEL) anhängen, braucht man sich gottlob gar nicht erst abzugeben, weil eh jeder weiß, was „das für welche sind“. Das alles passiert aber nur deswegen, damit eben nicht jeder wissen soll, „was das für welche sind“.

Gehörig Subversion im Kopf hilft gegen jeden alten Zopf

Publikumswirksam entlarven muss man die Pharisäer, ihnen Fallen stellen, in die sie hineintappen, um sie dann der Lächerlichkeit zum Fraß vorzuwerfen. Subversion ist das Mittel der Wahl im Kampf gegen die selbstgerechte linke Pest.

Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Wer die Lacher auf seiner Seite hat, gewinnt. Er gewinnt überhaupt, nicht nur die Sympathien. Die alten ’68er-Spontis haben es vorgemacht und vorläufig gewonnen. Und was für die ’68er funktioniert hat, das funktioniert auch gegen sie. Es ist nicht so, dass man vom Gegner nicht lernen könnte. Man kann.

Die ’68er von damals sind heute nicht umsonst die Alt-’68er. Ewig jung bleibt allein die Weisheit: „Gehörig Subversion im Kopf hilft gegen jeden alten Zopf.“

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Dieser Artikel erschien zuerst auf Jouwatch, einem der führenden freien Medien. Er erscheint hier mit freundlicher Genehmigung von Jouwatch.

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Titelbild: YouTube-Screenshot von Götz Kubitschek und Ellen Kositza

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