Harald Laatschs Interview mit der mutmaßlich vergewaltigten Frau von Cottbus

Von Jürgen Fritz, Sa. 27. Apr 2019

Wie bereits berichtet, erstattete eine Frau am 8. April in Cottbus Strafanzeige wegen Vergewaltigung gegen einen augenscheinlich aus dem Nahen Osten stammenden Mann, der nur gebrochen Deutsch spreche. Sie sei bereits am 3. April von diesem niedergeschlagen und dann sexuell missbraucht worden. Am 11. April veröffentlichte der AfD-Abgeordnete Harald Laatsch, der angibt, mit der Frau ausführlich gesprochen zu haben, den Text des Interviews. Laatsch gibt hieran an, die Frau habe erzählt, dass die Polizei sie aufgefordert hätte, mit niemandem über die Tat zu reden. JFB dokumentiert den kompletten Interview-Text, den Harald Laatsch veröffentlichte.

Vorbemerkung

Was diesen Fall so bitter aufstoßen lässt, noch mehr als dieses schlimme Verbrechen, wenn wir der Frau Glauben schenken wollen und nicht annehmen, sie habe das erfunden oder verdreht, ist vor allen Dingen das Verhalten der Polizei. Sollten die Angaben von Laatsch und dem Opfer der angezeigten Vergewaltigung tatsächlich so stimmen, würde das tiefgreifende Fragen zur Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft aufwerfen, vielleicht auch wer diese anhält, so zu agieren.

Denn erst drei Tage nach der Strafanzeige der Frau und nachdem sich die (mutmaßliche) Tat in den sozialen Medien bereits herumgesprochen und für Aufregung gesorgt hatte, veröffentlichte die Polizei überhaupt erstmals eine Gemeinsame Medieninformation der Staatsanwaltschaft Cottbus und der Polizeidirektion Süd mit der Überschrift „Verdacht des Landfriedensbruches“, in welcher die angezeigte Vergewaltigung auch nur beiläufig quasi im Kleingedruckten ganz am Ende dieser „Gemeinsamen Medieninformation“ erwähnt wurde:

„Klarstellend wird mitgeteilt, dass es entgegen der Behauptungen in den sozialen Medien den Fund einer toten Frau am Stausee zu keiner Zeit gegeben hat. Richtig ist, dass die Polizei wegen des Verdachts einer Vergewaltigung am Stausee, die am 03.04.2019 begangen worden sein soll und am 08.04.2019 angezeigt wurde, gegen Unbekannt ermittelt.

In diesem Zusammenhang sind auch Umfeldermittlungen in der Jugendherberge geführt worden. Falsch ist hingegen die Behauptung, zwei Flüchtlinge hätten nicht kooperiert und seien geflohen.“

In „Niederlausitzt aktuell“ ließ die Polizei am gleichen Tag, also ebenfalls am 11. April Ähnliches verlauten. Der Text war überschrieben mit: „Gerüchte um Vergewaltigung und Tote. Vermummte greifen Jugendherberge Bagenz an“. Auch hier ließ die Polizei sich auf etwas seltsame Art über die angezeigte Vergewaltigung aus:

Die Polizeidirektion Süd stellt klar, dass es entgegen der Behauptungen in den sozialen Medien den Fund einer toten Frau am Stausee zu keiner Zeit gegeben hat. Richtig ist, dass die Polizei wegen des Verdachts einer Vergewaltigung am Stausee, die am 03.04.2019 begangen worden sein soll und am 08.04.2019 angezeigt wurde, gegen Unbekannt ermittelt. In diesem Zusammenhang sind auch Umfeldermittlungen in der Jugendherberge geführt worden. Falsch ist hingegen die Behauptung, zwei Flüchtlinge hätten nicht kooperiert und seien geflohen. (…)

Die Polizeidirektion stellt dazu klar: Bei Vergewaltigung handelt es sich um ein höchst sensibles Thema, bei dem sich die Opfer in einer psychischen Sondersituation befinden und aus Scham oder anderen Gründen meist erst Tage oder Wochen später an entsprechende Stellen wenden und Ermittlungen beginnen können. Zudem spielt das öffentliche Interesse dabei keine Rolle, es geht einzig und allein um die Persönlichkeitsrechte der Frau, die an erster Stelle stehen.“

Das Interview

Nun also zu dem Interview, welches der AfD-Abgeordnete Harald Laatsch sehr glaubhaft versichert, mit der vergewaltigten Frau geführt zu haben. Den folgenden Text veröffentlichte er am 11. April um 22:09 Uhr auf Facebook (Hervorhebungen und kleine Rechtschreibkorrekturen durch JFB):

»Am 3.4. ereignete sich südlich von Cottbus eine Vergewaltigung, die bis heute von der Polizei und Staatsanwaltschaft totgeschwiegen wurde. Stattdessen erleben wir heute eine große Medien-Inszenierung der Brandenburger- und besonders der Cottbuser Behörden um Hooligans. Dabei wurden T-Shirts, Gartenfackeln und eine Schreckschußpistole gefunden, wie man sie in meiner Kindheit in jedem Spielzeugladen kaufen konnte.

Ich habe mit der Betroffenen ein Gespräch geführt, in dem Sie mir sagte, sie lege wert darauf, dass die Spekulationen um ihre Person aufhören und möchte deshalb richtigstellen, was ihr widerfahren ist. Eine zweite Frau war bei dem Gespräch anwesend, die in der gleichen Region regelmäßig mit ihrem Hund spazieren geht und jetzt sagt: „Ich traue mich hier nicht mehr ohne männliche Begleitung Gassi zu gehen“.

– Darf ich über das, was wir besprechen, berichten?

Ja, bei Facebook lese ich allerlei Spekulationen über mich, ich möchte dass das aufhört, will aber nicht, dass mein Name erscheint.

– Ich höre heraus, Sie sind nicht von hier?

Nein, mein Mann stammt von hier, ich komme aus dem Südwesten.

– Darf ich fragen, wie alt Sie sind?

Sie nennt ihr Alter um die 40, dass ich hier zur Wahrung der Anonymität nicht konkret veröffentliche.

– Wohnen Sie hier in der Gegend?

Ja, ich gehe hier jeden Tag um 16 Uhr mit meinem Hund spazieren. Drei Tage vor dem Vorfall wurde ich von einem Mann verfolgt, das war am Montag der 01. April.

– Wo sind Sie entlang gegangen?

Meist gehe ich über den Damm am Stausee entlang und an dem hölzernen Unterstand entlang der Jugendherberge zurück.

– Wann hat sich der Vorfall ereignet?

Am Mittwoch den 3.4. um 16 Uhr bin ich los, es muss so gegen 16.30 Uhr gewesen sein.

– Am Stausee ist es doch sehr ruhig, da müssen Sie doch gehört haben, dass sich jemand annähert?

Ich hatte Kopfhörer auf, deshalb habe ich das nicht mitbekommen. Zuvor hatte ich den Mann gesehen, der mir schon am Montag nachging. Am Dienstag habe ich ihn angesprochen, warum er mir nachlaufe, er sagte in gebrochenem Deutsch „Ich machen nix“. Ob er verstanden hat, was ich ihn fragte, kann ich nicht sagen.

– Sie haben den gleichen Mann also vor dem Vorfall gesehen?

Ja, er stand an dem hölzernen Unterstand und lief dann los, als wenn er joggen würde.

– Können Sie den Mann beschreiben?

Er trug einen schwarzen oder dunkelblauen Jogginganzug und roch stark nach Schweiß, das fiel mir auf, als ich ihn am Dienstag ansprach.

– Kennen Sie den Mann, wohnt der hier im Ort?

Nein, er sah aus wie ein Orientale (Sie nannte eine konkrete Nation als Beispiel, die ich hier wegen einer dadurch unter Umständen entstehenden falschen Fährte verallgemeinere.)

– Was passierte genau?

Ich erhielt einen Schlag auf den Kopf, der mir heute noch weh tut und verlor das Bewusstsein.

– Und dann?

Ich wurde vergewaltigt. Als ich wieder zu Bewusstsein kam, ging ich zurück. Ich stand unter Schock, war traumatisiert, konnte mich zu nichts mehr aufraffen. Wäre mein Mann nicht gewesen, ich hätte mich umgebracht.

– Wie geht es Ihnen jetzt?

Schlecht, ich muss ständig weinen, nehme Beruhigungsmittel. Traue mich kaum aus dem Haus.

Die andere Frau fügt hinzu, so geht es mir auch. Gehe nur noch in männlicher Begleitung nach draußen.

Die Betroffene redet weiter. Ich wurde ja schonmal in meiner Heimat sexuell belästigt und fühlte mich hier, in der Abgeschiedenheit und Natur endlich wieder sicher und geborgen.

– Und jetzt?

Ist dieses Gefühl zerstört. Ich glaube, momentan fühle ich mich nirgends mehr sicher. Das war doch so idyllisch, so ruhig und friedlich hier. Hab mich hier so wohl gefühlt, jetzt habe ich nur noch Angst und weine ständig.

– Werden Sie wegziehen?

Wo sollen wir denn hin? Woanders fühle ich mich auch nicht mehr sicher und immer wieder neu anfangen…

– Haben Sie Anzeige erstattet?

Zunächst nicht, ich konnte einfach nicht. Wollte nicht nach draußen, wollte nicht mit anderen reden, mich untersuchen lassen. Erst eine Bekannte hat mich überredet, ich müsse das anzeigen. Am 8.4. habe ich es dann gemacht.

Bis heute (11.4.) wurde nichts darüber berichtet, ich habe gute Kontakte hier nach Bagenz, die mir schon seit Tagen erzählen, dass ein großes Polizei-Aufgebot vor Ort und bei der Jugendherberge sei und das Nachts ein Hubschrauber gekreist wäre, aber nichts war in den Medien darüber zu finden?

Die Polizei hat mich aufgefordert, mit niemanden darüber zu reden.

– Warum?

Das hat man mir nicht gesagt.

– Und jetzt?

Ich will nicht mehr die vielen Spekulationen lesen, in denen es schließlich um mich geht. Ich möchte Klarheit schaffen und Ruhe haben.

Nun entstehen Spekulationen ja besonders dann, wenn Polizei, Medien und Staatsanwälte in konzertierter Aktion versuchen, Taten zu verdunkeln.

Deshalb spreche ich ja mit Ihnen.

– Sind Sie sicher, dass ich alle Inhalte unseres Gespräches wiedergeben kann, auch Ihre Suizid-Gedanken.

Ja, ich bin mir sicher. Sie müssen mir aber versprechen, meinen Namen nicht zu nennen.

– Das verspreche ich Ihnen. Herzlichen Dank für Ihr Vertrauen.«

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Titelbild: Screenshot von Harald Laatsch

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