Erschlagener Feuerwehrmann in Augsburg: Mutmaßlicher Täter ist Türke, Libanese und Deutscher

Von Jürgen Fritz, Mo. 09. Dez 2019, Titelbild: YouTube-Screenshot

Am späten Freitagabend wurde in Augsburg ein 49-jähriger Feuerwehrmann, der mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar auf dem Heimweg vom Christkindlesmarkt war, von einem jungen Mann aus einer siebenköpfigen Gruppe so heftig auf den Kopf geschlagen, dass er zu Boden stürzte und kurz darauf vor den Augen seiner Frau verstarb. Die Polizei hat inzwischen sechs der sieben Jugendlichen ausfindig machen können. Auch gibt es erste Angaben bezüglich des Migrationshintergrundes zu dem mutmaßlichen Haupttäter, der dem Feuerwehrmann den Schlag versetzte.

Plötzlich erhält der Feuerwehrmann einen Schlag an den Kopf

Freitagabend gegen 22.40 Uhr. Zwei Ehepaare, ein 49 jähriger Mann, der Mitglied der Augsburger Berufsfeuerwehr ist, seine Frau und ein befreundetes Ehepaar, befinden sich auf dem Nachhauseweg vom Augsburger Christkindlesmarkt. Hierbei kommen sie am Königsplatz vorbei. Dieser ist bekannt für seine Drogenszene. Hier treffen sich aber auch viele Jugendliche. Die Kriminalität gilt hier als ausgesprochen hoch, wobei Passanten bislang meist unbehelligt blieben.

Doch nun kommt es aus Gründen, die bis jetzt noch nicht geklärt werden konnten, zu einem verbalen Streit mit einer siebenköpfigen Gruppe von Jugendlichen. Im Verlauf dieses Streits schlägt dann einer der Jugendlichen dem 49-jährigen Feuerwehrmann plötzlich gegen den Kopf. Dieser Schlag muss so heftig gewesen sein, dass der Mann zu Boden stürzt. Auch der andere befreundete Mann, ein 50-Jähriger, erhält von mindestens einem der Jugendlichen massive Schläge ins Gesicht, die so heftig sind, dass er Verletzungen erleidet. Nur die beiden Ehefrauen werden nicht tätlich angegriffen. Nach dem Streit fliehen die Täter Richtung Bahnhofsstraße.

Der Mann stirbt vor den Augen seiner Frau

Doch nun bekommt das Ganze eine unfassbar tragische Wendung. Denn der Feuerwehrmann der an den Kopf geschlagen wurde und zu Boden stürzte, erlitt aus bislang noch nicht bekannten Gründen so schwere Verletzungen, dass er kurz darauf diesen erliegt. Vor den Augen seiner Frau! Notärzte versuchen noch, den 49-Jährigen wiederzubeleben – ohne Erfolg. Keine 50 Minuten nach dem Schlag ist der Mann tot. Er stirbt noch vor Ort im Rettungswagen.

Weitere Details zum Tatablauf nannten die Ermittler bislang nicht. Die Polizei will aber heute, am Montag, um 14.30 Uhr die Öffentlichkeit über weitere Erkenntnisse informieren. Die Ehefrau des Getöteten ist so schwer traumatisiert, dass sie das ganze Wochenende nicht vernehmungsfähig war.

Die Polizei vermutet, dass es sich bei dem Aufeinandertreffen zwischen den beiden Paaren und der Gruppe am Freitagabend um eine Zufallsbegegnung handelte. Woran genau der 49-jährige Mann gestorben ist, muss nun durch eine gerichtsmedizinische Untersuchung festgestellt werden.

Kollegen versammeln sich am Tatort mit Tränen in den Augen

Am Sonntagvormittag versammelten sich am Königsplatz mehr als 100 Beamte der Berufsfeuerwehr, Pensionisten und die Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehren, um ihres getöteten 49-jährigen Kollegen zu gedenken. „Es herrscht tiefe Bestürzung und Fassungslosigkeit in unseren Reihen“, beschreibt Feuerwehrchef Andreas Graber gegenüber der Augsburger Allgemeine die Stimmung. Viele Feuerwehrleute hatten während der Andacht, bei der ein Trompetensolo geblasen wurde, Tränen in den Augen. Der tote Kollege war Mitglied der Schicht, die auch am Sonntag im Dienst war.

Man trauere um einen Kollegen, sei in Gedanken aber vor allem bei der Familie, so Graber. Das sei die eigentliche Tragödie, unabhängig vom Beruf des Opfers. Kollegen beschreiben den 49-Jährigen als „tollen, ruhigen Typen“. Der Mann aus dem Landkreis Augsburg hinterlässt neben seiner Ehefrau, die die Tat und das Sterben ihres Ehemannes mit ansehen musste, eine 19-jährige Tochter.

Polizei kann sechs der sieben Jugendlichen festnehmen, mutmaßlicher Haupttäter ist polizeibekannt und hat Migrationshintergrund

Die Kriminalpolizei richtete am Samstag eine 20-köpfige Ermittlungsgruppe ein, um den Fall aufzuklären. Dazu wurden insbesondere Videos der Überwachungskameras auf dem Königsplatz ausgewertet. So und dank weiterer „interner Fahndungsmaßnahmen“ war es möglich, dass sowohl der mutmaßliche Haupttäter als auch ein weiterer Verdächtiger am frühen Sonntagnachmittag festgenommen werden konnten. Die beiden sollen heute, am Montag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Beide mutmaßlichen Täter leben in Oberhausen. Einen Flüchtlingshintergrund haben sie nicht, aber die Mitglieder der Gruppe sind zwar teils in Augsburg geboren und aufgewachsen, haben jedoch wohl größtenteils einen Migrationshintergrund.

Die beiden mutmaßlichen Haupttäter seien ferner polizeibekannt. Sie sollen unter anderem mit Drogendelikten aufgefallen sein. Nach derzeitigem Ermittlungsstand geht die Polizei davon aus, dass nur der Hauptverdächtige den 49-jährigen Feuerwehrmann geschlagen hat.

Türkische, libanesische und deutsche Staatsbürgerschaft

Laut Informationen, die der Augsburger Allgemeine vorliegen, soll es sich bei dem mutmaßlichen Haupttäter um einen 17-Jährigen handeln, der sowohl die türkische wie auch die libanesische und die deutsche Staatsangehörigkeit habe. Ein zweiter Festgenommener, ebenfalls 17 Jahre alt, vermutlich der zweite Schläger, sei ein Italiener.

Bis zum Sonntagabend nahm die Polizei dann vier weitere mutmaßliche Gruppenmitglieder fest, so dass insgesamt sechs der siebenköpfigen Gruppe ausfindig gemacht werden konnten. Bei einem handelt es sich um einen 19-jährigen Augsburger, der sich am Nachmittag auf Anraten seines Verteidigers im Polizeipräsidium stellte.

Kameraüberwachung des Königsplatzes gab der Polizeiarbeit nützliche Hinweise

Die Tat löste in ganz Deutschland Bestürzung aus. Der Königsplatz gilt unter den Augsburger Plätzen in puncto Kriminalität, insbesondere was sogenannte Rohheitsdelikte (Raub, Körperverletzung etc.) anbelangt, als sehr stark belastet. Von Januar bis September 2019 registrierte die Polizei bereits 86 derartige Straftaten am Königsplatz. Zum Vergleich: Im ganzen Vorjahr (2018) waren es nur 82 Taten.

Seit 2014, als der umgebaute Königsplatz (Kö) eröffnet wurde, ist der Park zum Treffpunkt von Drogen- und Alkoholabhängigen geworden. Durch das freie WLAN sei der Kö zumindest in den vergangenen Jahren auch Anziehungspunkt für Flüchtlinge geworden, die an Gewalttaten auf offener Straße überproportional beteiligt sein sollen.

Seit etwa einem Jahr überwacht die Polizei den Königsplatz mit 15 Kameras. Die Aufnahmen werden in Echtzeit auf Monitore übertragen. Eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung finde allerdings nicht statt. Nach zwei Wochen werden die Aufzeichnungen, so sie nicht benötigt werden, gelöscht. Die Kameradaten haben hier wohl geholfen, den genauen Ablauf der Tat und die Tatverdächtigen so schnell zu ermitteln.

Pressekonferenz der Ermittler vom Montagnachmittag, den 09.12.2019

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