Wie ein Witz, dem man die Weltherrschaft überließ: Post von Sarah Bosetti für D. Trump

Von Jürgen Fritz, So. 07. Jun 2020, Titelbild: Sarah Bosetti-Screenshot

„Ich persönlich glaube, dass er zu allem fähig ist“, sagt der langjährige Diplomat und ehemalige US-Botschafter in Berlin John Kornblum diese Tage über seinen Präsidenten Donald Trump. Das Problem mit diesem sei, dass er einfach nicht sprechen könne. Keine drei Sätze könne er am Stück sagen und wenn er etwas ablese, gingen meist seine Emotionen mit ihm durch und dann komme etwas Schlimmes heraus. Mehr als drei Sätze am Stück sagen, kann dagegen Sarah Bosetti. Und ihre Emotionen versucht sie im Griff zu behalten, so dass nichts Schlimmes heraus kommt, auch wenn ihr das beim Thema Trump nicht leicht fällt, Dinge zu sagen, die nicht strafbar sind. Doch hören Sie selbst.

Alles, was Trump in der aktuellen Krise von sich gibt, hat nur geschadet

Alles, was Trump in der derzeitigen Krise nach George Floyds Tod bisher von sich gegeben habe, „hat nur geschadet“, sagt John Kornblum, der schon 1964 in den diplomatischen Dienst der USA eintrat. 1987 ging er nach Brüssel, wo er als stellvertretender ständiger Vertreter der USA bei der NATO fungierte. 1991 berief ihn Präsident George Bush Sen. zum Botschafter der Vereinigten Staaten bei der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). Während Bill Clintons Präsidentschaft stieg Kornblum zum stellvertretenden Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium auf und von 1997 bis 2001 war er dann Botschafter seines Landes in Deutschland.

Kornblum, dessen Großeltern aus Ostpreußen stammen und der Deutsch und Politikwissenschaft studierte, sprach schon 2016, nach Trumps Wahl zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten, von einer „Zeitenwende“, deren Verlauf nicht abzusehen sei. In einem Interview mit dem Tagesspiegel sagte er diese Woche, dass alles, was Trump in der aktuellen Krise von sich gegeben habe, „nur geschadet hat“. Ergo organisiere sich das Land um ihn herum. Die Bundesstaaten würden nun einfach übernehmen. Das müsse nichts Schlechtes sein, da die Staaten ja auch sehr mächtig seien – allerdings werde das System gerade auf gefährliche Weise getestet.

Über 70 Prozent der wahlberechtigten US-Bürger erreicht Trump mit seinem Auftreten nicht

Mitten in einer gigantischen Krise fehle es in den USA an nationaler Führung. Die Wirtschaft stecke in großen Schwierigkeiten und jetzt brächen auch noch die alten Wunden des Rassismus auf, Amerikas Ur-Sünde. Und das mitten in der Corona-Krise (die USA zählen inzwischen über 112.000 offizielle COVID-19-Tote, mehr als jedes andere Land der Erde).

Trump habe es geschafft, die 30 Prozent vor allem weißer Wähler zu motivieren, die sich abgehängt fühlten, die angebliche „schweigende Mehrheit“. Und aufgrund des Wahlrechts in den USA habe das gereicht, „die Stimmenmehrheit hatte er ja nicht gewonnen“. In der Tat holte Trump bei der Wahl im November 2016 nur knapp 46,1 Prozent der abgegebenen Stimmen gegenüber ca. 48,2 Prozent für Hillary Clinton, die fast 2,9 Millionen Stimmen mehr holte. Und bezogen auf alle Wahlberechtigte errang Trump, der vor allem davon profitierte, dass fast 40 Prozent der Wahlberechtigten zuhause blieben, weil Hillary es nicht schaffte, sie zu mobilisieren, lediglich 27,6 Prozent aller Wahlberechtigten. Nehme man Trump dies weg, dass viele nicht zur Wahl gehen, indem man die Themen besetzt, die diesen Menschen wichtig seien, sehe es schlecht aus für ihn. Denn die anderen 70 Prozent werde (eher sogar 72 bis 73 Prozent) werde er mit seinem derzeitigen Auftreten nicht überzeugen.

Mit seinem konfrontativen Verhalten riskiert Trump, seine Gegner zu mobilisieren

Trump sei eigentlich ratlos, meint Kornblum. Er habe lediglich zwei Antworten im Angebot: Er dränge darauf, die Wirtschaft wieder zu beleben, und wolle Recht und Ordnung wiederherstellen. Die Wirtschaft werde sich aller Voraussicht nach aber nicht schnell genug erholen, während die Wut mancher Weißer dann immer noch da sein werde. Und mit seinem konfrontativen Verhalten riskiere er derweil, dass Schwarze und andere Minderheiten tatsächlich zur Wahl gingen„was sie 2016 nicht ausreichend getan haben“. (Die Wahlbeteiligung lag tatsächlich nur bei ca. 60,2 Prozent, eventuell sogar etwas niedriger.)

Eventuell müsse man sich gar Sorgen machen, dass Trump eine Niederlage am Ende nicht akzeptieren würde. Das sei zumindest nicht auszuschließen. Schon jetzt attackiere er ja dauernd die Idee, per Briefwahl abstimmen zu lassen, und behauptet, dass dies Wahlbetrug Vorschub leisten könnte, erläutert Kornblum seine Besorgnis. Trump werde zunehmend darüber sprechen, dass die Wahl 2020 „gestohlen“ werden könnte. Die Sorge sei daher groß, dass er sogar so weit gehen könnte, eine Krise gezielt auszulösen, um eine Niederlage nicht akzeptieren zu müssen. „Ich persönlich glaube, dass er zu allem fähig ist“, sagt der langjährige und erfahrene US-Diplomat.

Über 80 Prozent der Deutschen sehen in Trump eine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA

Ganz ähnlich sehen das laut Civey auch 80 bis 85 Prozent der Deutschen. Nur ca. 15 Prozent erachten Trumps Auftreten als bedenkenlos:

Civey Trump = Gefahr für die nationale Sicherheit

Sarah Bosetti: Post für Donald Trump

Und gänz ähnlich geht es auch Sarah Bosetti, die wieder einmal deutliche und doch elegante Worte findet: 

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