Warum Gil Ofarim keine Reue zeigen kann

Von Jürgen Fritz, Sa. 07. Feb 2026, Titelbild: RTL-Screenshot

Zwei Wochen lange versuchte, Ariel Gil Ofarim zum Reden zu bringen, was er im Oktober 2021 gemacht hat, wollte ihn dazu bringen, dass er sich entschuldigt und Reue zeigt. Doch das kann Gil nicht, aus einem ganz einfachen Grund.

Gil Ofarims Problem ist nicht mangelnde Wahrhaftigkeit, sondern seine gestörte Wahrnehmung

Ich war ja damals einer der Ersten, der starke Zweifel an der Darstellung von Gil Ofarim anmeldete, was sich in dem Hotel in Leipzig im Oktober 2021 tatsächlich abgespielt hat. Ich hatte mir das sehr schnell gedacht, dass er da eine Geschichte erzählt, die sich so niemals zugetragen haben kann. Mir schien das von Anfang an extrem unglaubwürdig, dass ein großes, renommiertes Hotel so agieren würde, noch dazu da viele Gäste das ja hätten sehen und hören müssen. Die Frage war schon damals, ob Gil Ofarim bewusst gelogen oder sich das tatsächlich selbst eingeredet hat. Ich glaube Letzteres war und ist auch weiterhin der Fall. Er lügt nicht, sondern er glaubt das alles selbst. Das heißt, das Problem ist nicht seine Wahrhaftigkeit, sondern seine Wahrnehmung. Deswegen kann er sich auch nicht aufrichtig entschuldigen. Das ist unmöglich, weil er ja glaubt, das, was er sagte, habe gestimmt.

Und das ist auch genau der Grund, warum er jetzt dieses Jahr im Dschungelcamp immer sagte, er könne nicht frei sprechen, er hätte eine Verschwiegenheitsvereinbarung unterschrieben. Was er damit meinte, war mir die letzten Tage klar: Das ergibt ja nur dann einen Sinn, wenn er noch immer glaubt, das hätte sich so zugetragen, wie er es damals erzählte. Am Donnerstagvormittag schrieb ich erstmals öffentlich:

Dass er das vor Gericht dann alles zurücknahm und sich dort bei dem geschädigten Hotelmitarbeier entschuldigte, das machte Ofarim nur deshalb, um das Gerichtsverfahren loszuwerden und eine Verurteilung zu vermeiden. Deswegen war es ihm jetzt im australischen Dschungel natürlich nicht möglich, die gleichen oder ähnliche Vorwürfe erneut öffentlich zu formulieren. Und jetzt hat er in der Ausstrahlung am Freitagabend das im Gespräch mit Simone Ballack auch zum ersten Mal ausgesprochen.

Ariel hat in ihrer berechtigten Kritik übertrieben, wurde maßlos, während Gil es schaffte, viele positive Eigenschaften zu zeigen

Ich finde das ziemlich irre, was für eine Wahrnehmung Gil bezüglich des Hotelvorfalls hat. Er erinnert mich hier sehr an die Sozialisten, die sich einreden, sie wären gute Menschen, und deren Wahrnehmung der Realität, von der sie sich vollkommen abkoppelt haben und nur noch in ihrer von Ideologie durchtränkten Traumwelt leben. Das ist das Eine bei Gil.

Das Andere aber ist, dass Gil sich im Dschungelcamp im Grunde tadellos verhält. Er lässt sich nicht provozieren, bleibt immer ruhig, ist zu jedem freundlich, setzt sich für die Gruppe ein, holt in allen Prüfungen Sterne, ist anderen gegenüber nicht nachtragend und unglaublich tolerant. Er ist also insgesamt in seiner Wahrnehmung ziemlich irre, hat aber ansonsten sehr, sehr viele positive, angenehme Seiten. Genau das scheint ihn beim Publikum auch sehr beliebt zu machen inzwischen, weil er all diese heftigen, zum Teil unfairen, gemeinen Anfeindungen mit einer Engelsgeduld erträgt und nie auf ähnlich gemeine Art zurückschlägt. Das bringt ihm viele Sympathien, auch bei mir.

Wie einige andere mit ihm dagegen umgehen oder umgegangen sind, ganz besonders natürlich Ariel, das ist schon arg. Diese Unversöhnlichkeit, diese Härte, bis hin zur Brutalität, dieses extreme sich über andere erheben und permanent auf einen anderen Menschen einzuschlagen, ihn als „Verbrecher“ zu titulieren und bösen Menschen, all das ist vollkommen maßlos. Die Kritik ist ja berechtigt, dass er nie zu dieser Angelegenheit redet, aber wenn man versteht, warum er darüber nicht reden kann, nämlich weil er glaubt, das sei wirklich alles so gewesen, wie er es damals erzählte und er kein neues Strafverfahren will, dann hat es natürlich keinen Sinn, sein Reden erzwingen zu wollen.

Die Konfrontation Ariel und Gil hatte natürlich hohen Unterhaltungswert, weil es spannend war zu sehen, wie Ofarim mit diesem enormen Druck umgeht, der von Ariel und auch anderen, übrigens meist Frauen, auf ihn ausgeübt wurde und wird. Dieser hohe Unterhaltungswert kam dadurch zustande, dass man sehen wollte, ob es Ariel oder anderen gelingt, Gil so sehr zu reizen, dass der mal aus seinem Phlegma ausbricht, es nicht mehr schafft, sich zu beherrschen, und was dann zum Vorschein kommt, ob man dann quasi sein wahres Gesicht zu sehen bekommt, welches er sehr gut zu verstecken weiß. Das ist ungemein spannend.

Deswegen wurden Ariel und Gil bis zum Donnerstagabend auch beide noch nicht rausgewählt. Dass es am Freitagabend dann aber Ariel erwischen würde, hat mich dann doch überrascht. Damit hatte ich gar nicht gerechnet, weil ja jetzt dieses Spannungsmoment deutlich an Intensität verliert. Vielleicht hängt es ja damit zusammen, dass Gil sich Simone Ballack offenbart hat, so dass der Zuschauer nun aus seinem eigenen Mund gehört hat, wie er heute darüber denkt. Somit gab es für Ariel nicht mehr so viel aufzudecken. Und unter dem menschlichen Aspekt war das doch sehr fragwürdig, wie einige, ganz besonders Ariel mit Gil umgegangen ist. Gerd Buurmann hat einen sehr guten Text dazu verfasst, in dem es um Vergebung gemäß der jüdischen und christlichen Morallehre geht.

Gil kann keine Reue zeigen, was schade ist, aber jeder Mensch ist sehr viel mehr als nur sein schlimmster Fehler

Andererseits könnte man freilich sagen, Ariel wollte Gil ermöglichen, dass er endlich mal Reue zeigt, weil das für ihn persönlich eine Chance wäre für einen Neuanfang. Dann wären die Menschen wahrscheinlich auch viel versöhnlicher mit ihm. Gil kann aber deswegen keine Reue zeigen, weil er ja meint, er sei im Recht, alle anderen (der Hotelmitarbeiter, die Gäste, die Polizisten, die Staatsanwälte, die Richter, die Medien …) würden lügen, hätten die Videoaufnahmen manipuliert usw. usf.

Das heißt, Gil steckt – sofern meine These stimmt, dass sich der Vorfall im Hotel in Leipzig völlig anders abgespielt hat, als Gil das darstellte – in einer Falle, aus der er wohl nicht mehr raus kommen wird, weil seine Selbst- und Fremd-Wahrnehmung so sehr gestört ist. Weil er glaubt, er habe gar nichts Falsches gesagt und getan, kann er nicht bereuen und weil er nicht bereuen kann, kann er keinen Neuanfang finden und auch keine Vergebung bei seinen Mitmenschen. Tragisch. Sehr tragisch.

Was ihm im Dschungelcamp allerdings gelingen könnte, ist, dass er einen ganz anderen Gil zeigt. Und in diesem Punkt hat Buurmann Recht: Jeder Mensch ist sehr viel mehr als nur eine negative Seite, mehr als ein schlimmer Fehler, mehr als eine große Schwäche. Man sollte, egal was jemand getan hat, niemanden auf seine schlimmste Verfehlung reduzieren. Dass Gil sich selbst keine Chance geben kann auf einen Neuanfang, weil er sich in diese Geschichte und seine Fehlwahrnehmung so sehr verrannt hat, ist mehr als schade. Dass er im Dschungelcamp aber mehrere ganz andere Seiten von sich zeigen kann, das ist schön.

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