Von Jürgen Fritz, Di. 10. Feb 2026, Titelbild: YouTube-SPIEGEL-Screenshot
Warum ist der Fall Ofarim von so großer gesellschaftlicher Bedeutung? Weil hier erstmals beim Dschungelcamp das Volk so radikal versagte und Ofarim mit 67 Prozent zum Sieger wählte. Das zeigt, wie sehr die Zuschauer sich von ihm blenden ließen und stellt damit das Prinzip der Demokratie selbst in Frage, weil man sich nun fragt: Über welche Urteilskompetenz verfügt der Demos?
Das Schockierende an diesem Fall: 45 bis 67 Prozent der Zuschauer ließen sich von Ofarim blenden und sind ihm voll auf den Leim gegangen
2004 wurde Costa Cordalis Dschungelkönig, dann Désirée Nick, 2008 Ross Antony, 2009 Ingrid van Bergen, 2012 Brigitte Nielsen, 2016 Menderes Bağcı, 2017 Marc Terenzi, 2019 Evelyn Burdecki, 2020 Prince Damien, 2022 Filip Pavlović, 2024 Lucy Diakovska und 2025 Lilly Becker. Meist war es in der Reality Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ so, dass der Richtige gewonnen hat. Und das war wichtig, denn das Dschungelcamp zeigte immer und immer wieder: Das Publikum, die Bürger lassen sich auf Dauer mehrheitlich nicht blenden. Die Zuschauer haben mehrheitlich ganz klar ein Gespür dafür, wer den Sieg wirklich verdient hat. Einzelne Zuschauer können Kandidaten in die Irre führen, aber nie die große Mehrheit. Das hat sich nun Anfang 2026 geändert. Und das macht die Brisanz des Dschungelcamps 2026 aus. Denn erstmals ließen sich in der Schlussabstimmung fast 67 Prozent der Zuschauer von Gil Ofarim blenden. Schon beim ersten Voting nach einer Woche im Dschungel, als die Zuschauer zum ersten Mal anrufen konnten, um festzulegen, wer im Camp bleiben soll und wer ausziehen muss, kam Ofarim bei zwölf Kandidaten auf mehr als 45 Prozent der Anrufe, während die Zweitplatzierte (Ariel) gerade mal auf 15 Prozent kam. Ofarim lag bei den Zuschauern die letzten zehn Tage im Camp jeden einzelnen Tag auf Platz eins, jedes Mal weit vor allen anderen.
Natürlich hing dies auch sehr stark damit zusammen, dass alle anderen Dschungelcamp-Teilnehmer Ofarim von Anfang an geschnitten, teilweise heftig attackiert und sogar beschimpft haben, vor allen Dingen Ariel („Verbrecher“, „Lügner“, „böser Mensch“), was bei sehr vielen Zuschauern zu Solidarisierungseffekten geführt haben dürfte, weil die meisten Menschen eben doch ein feines Gespür für Recht und Unrecht haben und weil solch heftige Attacken und so systematisches Schneiden einer Person in einer Gruppe kaum richtig und fair sein kann. Nur haben diese 45 bis 67 Prozent der Zuschauer eines übersehen: Sie haben ihre berechtigten kritischen Blick ausschließlich auf die anderen gewendet, nicht aber auf Ofarim. Sie sind aus ihrer Solidarisierung mit dem Opfer der Aggression blind geworden dafür, warum ihm diese Ablehnung und Aggression entgegenschlug, weil sie a) zu bequem waren, sich mit dem Fall zu beschäftigen und weil sie sich b) von Ofarim blenden ließen und ihm auf den Leim gegangen sind. Ja, der Umgang mit Gil Ofarim im Camp war oftmals nicht in Ordnung, weil man so mit einem anderen Menschen nicht umgeht, aber deswegen jemanden zum Sieger wählen, der es so gar nicht verdient hat, das war eine schlimme Fehlleistung des Publikums, wahrscheinlich die schlimmste seit der ersten Ausstrahlung 2004. Wie sehr die Zuschauer, die Bürger, das Volk, der Souverän unserer Demokratie, hier versagt haben, wird deutlich, wenn man sich ansieht, wer das eigentliche Opfer der Aktion von Gil Ofarim 2021 war.
Nun spricht der Hotelmitarbeiter Markus W. erstmals öffentlich in einem Interview über den Fall
Denn der Hotelmitarbeiter Markus W., gegen den Ofarim im Oktober 2021 schwere Vorwürfe erhoben hatte, er hätte zu Ofarim gesagt: „Packen Sie Ihren Stern (Davidstern) ein!“. Wenn er ihn einpacke, dürfe er ins Hotel einchecken, dem er also judenfeindliche Diskriminierung vorgeworfen hatte, meldete sich zu Wort und gab Anne Hähnig von der ZEIT erstmals ein Interview zu diesem Fall und erzählte, was sich dort tatsächlich zugetragen hat. Im Hotel hatte es damals eine technische Panne gegeben, so dass Gäste bis zu 20 Minuten lang warten mussten, bis sie endlich einchecken konnten. Dies hatte Ofarim sehr verärgert, dass er so lange warten musste. Er sei aufgebracht gewesen und habe gedroht, seinem Ärger Luft zu machen mittels des Internets. „Als er an der Reihe war und seine Karte bekommen sollte, da sprach er mich an. Er war sehr aufgebracht, zeigte mit dem Finger auf mich und pöbelte“, so Markus W. „Dann drohte er: Wenn er in seinem Zimmer sei, werde er die Zustände hier öffentlich machen, das werde viral gehen. Ofarim klatschte dabei in die Hände und sagte: Bäm, bäm, bäm.“
Daraufhin habe er, Markus W., Ofarim den Meldeschein weggezogen und ihm gesagt, dass er unter diesen Umständen nicht Gast im Hotel sein könne. Dann verließ Ofarim das Hotel, setzte sich auf einen Bordstein, legte seine Opfermiene auf und nahm ein Video auf, in dem er Markus W. Antisemitismus vorwarf. Am nächsten Tag postete er dieses Video auf Instagram, so dass dieses sehr schnell viral ging und einen enormen Shitstorm gegen das Hotel und gegen Markus W. hervorrief. Dieser schildet weiter, dass er von dem Video auf dem Weg zur Arbeit erfahren habe. Er habe es gar nicht glauben können. Vor dem Hotel fanden Demonstrationen statt. „Das gesamte Hotel war sehr schnell in einem Ausnahmezustand. Kollegen weinten. Sämtliche Mitarbeiter hatten es schwer, mit dieser Situation umzugehen, weil einen darauf auch niemand vorbereiten kann“, so Markus W. in dem ZEIT-Interview weiter. Aus Sicherheitsgründen habe ihn die Hotelleitung daraufhin sogar nach Hause geschickt. Seine Social-Media-Konten seien „übergelaufen“. Es habe sogar eine Morddrohung per E-Mail gegen ihn gegeben. Am Abend habe ihn dann sein damaliger Chef angerufen und habe ihm angeboten, ihn für einige Tage an einen sicheren Ort zu bringen. „15 Minuten später holte mich eine Limousine ab. Es war wie in einem Film“, so Markus W. wörtlich. „Ich fühlte mich wie mit dem Rücken zur Wand.“ Daraufhin habe er sich vollkommen zurückgezogen und habe in den Wochen darauf sogar Familienfeiern gemieden, „aus Angst davor, dass irgendwer ein Foto von mir machen könnte, auf dem ich feiernd oder lachend zu sehen bin“. Ihm sei bewusst gewesen, dass dies sein berufliches Ende bedeuten könnte. Der 37-Jährige arbeitet heute in einem anderen Hotel.
Ofarim macht im Dschungelcamp weiter und rückt Markus W. und das Hotel erneut in ein schlechtes Licht
Als Mitcamper Ofarim im Dschungelcamp zu dem Fall und was er damals getrieben hat, fragten, ist dieser zunächst immer ausgewichen, sagte, er wolle darüber nicht reden, dann auch er dürfe darüber nicht reden. Dabei berief er sich dann irgendwann auf eine angebliche „Verschwiegenheitserklärung“. Im Gespräch am Lagerfeuer mit Simone Ballack, das am Freitagabend ausgestrahlt wurde, äußerte sich Ofarim dann aber doch zu dem Fall und stellte neue Falschbehauptungen auf. Schon zuvor hatte Ofarim immer wieder mit nebulösen Aussagen operiert, er „habe die Schuld auf sich genommen“. Nun behauptete er sogar, er sei „freigesprochen“ worden, was nicht stimmt. Die Videoaufnahmen wären nicht die Originalaufnahmen gewesen, was ebenfalls nicht stimmt. Es hätten „mehrere Sekunden“ gefehlt. Gefehlt haben von den 20 Minuten = 1.200 Sekunden lediglich zwei Sekunden, auf denen Ofarim gar nicht zu sehen war, die also keinerlei Rolle spielten. Immer wieder arbeitete Ofarim mit Formulierungen, die ein völlig falsches Bild zu erzeugen geeignet waren.
Dazu äußerte sich nun Markus W. wie folgt. Die Andeutungen des Musikers im Dschungelcamp wirkten auf ihn „sehr befremdlich“ und würden ihn auch massiv ärgern. Markus W. wörtlich: „Mir geht es nicht gut damit“, wie Ofarim „sich jetzt inszenieren konnte“. Denn es hinterlasse bei ihm den Eindruck, dass die öffentliche Wahrnehmung des Falles jetzt wieder kippe, so Markus W. Und genau das ist ja wohl auch der Plan und die Intention von Ofarim, der jetzt Markus W. und auch dem Hotel nach 4,3 Jahren quasi zum zweiten Mal eine reinwürgt. Ofarim übt mithin zum zweiten Mal Rache an Markus W. und dem Hotel dafür, dass man es 2021 wagte, ihn 20 Minuten warten zu lassen und ihn dann sogar des Hotels verwiesen hat. Das zeigt, dass Ofarim sich seither nicht wirklich grundlegend geändert hat, zumindest nicht in diesem Punkt.
„Er inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin“
Markus W. weiter: Die Staatsanwaltschaft habe Tatsachen ermittelt, die vor Gericht Bestand hatten. Ofarim habe diese Tatsachen irgendwann auch bestätigt, ein Geständnis abgelegt, sich entschuldigt und das Video gelöscht. Und dann wörtlich: „Nun habe ich den Eindruck, dass all das wieder in Frage gestellt wird. Er inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin, und das ist schwer für mich.“ Er, Markus W., habe sich auf die Einstellung des Verfahrens eingelassen (Ofarim wurde niemals freigesprochen, sondern Markus W. willigte im November 2023 in die Einstellung des Verfahrens ein, nachdem Ofarim vor Gericht ein Geständnis ablegte, zugab, dass er gelogen und die Antisemitismusanschuldigungen frei erfunden hatte, sich dafür entschuldigte und das Video löschte), weil er „die Sache endlich abschließen wollte“. Nun frage er sich: „Ist es denn nie vorbei?“
Was Ofarim nun im Dschungelcamp neuerlich für Behauptungen aufstellt, mache ihn „fassungslos“. „Weder das Gericht noch der Videogutachter haben die Glaubwürdigkeit der Aufnahmen in Zweifel gezogen – ebenso wenig wie die Aussagen der Zeugen“, stellt W. in dem Interview unmissverständlich klar. Es gebe auch keinen Schweigedeal oder eine Verschwiegenheitsverpflichtung, wie Ofarim im Dschungelcamp immer wieder behauptete. Ofarim könne völlig frei über den Fall sprechen, was damals in der Lobby des Hotels passiert sei. Er dürfe nur die Unwahrheit über Markus W. nicht wiederholen (also dass der ihn wegen des Tragens einer Davidstern-Kette nicht ins Hotel gelassen habe), sprich Ofarim darf Markus W. natürlich nicht erneut verleumden. Ofarim habe damals im Zuge des Vergleichs vor Gericht eine Unterlassungserklärung abgegeben, dass er nicht mehr fälschlich behaupten werde, Markus W. habe ihn wegen des Tragens eines Davidsterns des Hotels verwiesen. Und er dürfe auch keine ähnlichen Äußerungen von sich geben, dass es eine antisemitische Handlung gegeben habe. Das sei alles.
Ofarim machte vor Gericht einen für sich selbst sehr günstigen Deal, um einer strafrechtlichen Verurteilung zu entgehen
Das Strafverfahren wegen Verleumdung nach § 187 StGB wurde damals eingestellt unter verschiedenen Bedingungen beziehungsweise Auflagen. Eine Bedingung war, dass Ofarim ein Geständnis ablegt und zugibt, dass der Antisemtismusvorwurf frei erfunden war. Eine andere Bedingung für die vorläufige Einstellung des Verfahrens gemäß § 153a Abs. 2 S.1 i.V.m. Abs. 1 Strafprozessordnung (StPO) war die Auflage einer Zahlung in Höhe von 10.000 Euro, je zur Hälfte der Jüdischen Gemeinde zu Leipzig und dem Trägerverein des Hauses der Wannseekonferenz – „als zumindest symbolische Abhilfe für den nicht unerheblichen Schaden für den Kampf gegen Antisemitismus“. Das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung sei beseitigt, so das Gericht damals, insbesondere gebiete die Wiederherstellung des Rechtsfriedens keine Kriminalstrafe. Primär sei es darum gegangen, zuverlässig festzustellen, was wirklich geschehen sei. Demgegenüber habe die Verhängung einer Strafe untergeordnete Bedeutung. Davon sind auch die Vorwürfe des Betrugs und der falschen Versicherung an Eides statt eingeschlossen.
Der Weg der Schadenswiedergutmachung sei eingeschlagen, da sich beide auf eine Entschädigung (in Höhe von 20.000 Euro) geeinigt hätten und Markus W. die Entschuldigung Ofarims akzeptiert habe. Dadurch habe Markus W. zudem volle Rehabilitierung erhalten, wofür eine Entschuldigung wertvoller sei als ein Gerichtsurteil. „Ein Urteil ist anfechtbar, eine Entschuldigung ist es nicht“, so die Kammer. Er habe einen Fehler gemacht, aber sich dazu bekannt. Er habe um Entschuldigung gebeten und sie erhalten, womit die Sache vom Tisch sei. Unsere Gesellschaft kenne keine ewige Verdammnis, stellt die Kammer klar. Dieser Deal war für Ofarim äußerst günstig, denn dadurch ist er nicht vorbestraft. Dabei gab das Gericht zu erkennen, dass die Zeichen wohl auf Verurteilung wegen Verleumdung standen.
Ist Ofarim ein notorischer Lügner? Wenn ja, wieso haben das die Zuschauer nicht gemerkt?
Der Zentralrat der Juden hob damals hervor, dass Ofarim neben der Öffentlichkeit auch die jüdische Gemeinde belogen habe und all denen, die tatsächlich von Antisemitismus betroffen sind, großen Schaden zugefügt hat. Es sei richtig, bei einem Antisemitismusvorwurf auf der Seite des Betroffenen zu stehen, ihm beizustehen und die Antisemitismuserfahrung zunächst nicht in Frage zu stellen. Umgekehrt dürfe so ein Vorwurf aber niemals grundlos erhoben werden. „Und das ist hier leider passiert“, so der Zentralrat weiter.
Im ZEIT-Interview betont Markus W., er habe ursprünglich keine Interviews gegeben, da er darauf vertraut habe, „dass in unserem Rechtsstaat die Wahrheit herauskommt“. Nun habe er jedoch das Gefühl, dass die öffentliche Wahrnehmung des Falles wieder kippe. Ofarim „inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin.“ Die 20.000 Euro Schadensersatz hat er übrigens bis heute, mehr als vier Jahre nach der Tat, noch immer nicht erhalten.
Soweit Markus W. im Interview mit der ZEIT. Somit stehen drei Fragen im Raum: 1. Ist Gil Ofarim nicht nur ein einmaliger, sondern ein notorischer Lügner, Betrüger und Blender, der das, was er 2021 schon tat, nun auf subtile Weise fortsetzt und damit Markus W. und dem Leipziger Hotel erneut massiv schaden will und auch tatsächlich schadet? 2. Was sagt das über die Zuschauer (das Volk) aus, wenn diese Ofarim zu 45% bis 67% zum Sieger wählten? 3. Und was sagt es über die anderen Camper aus, dass diese im Dschungelcamp alle spürten oder merkten, dass mit Gil Ofarim etwas nicht stimmt, dass er keine aufrichtiger, kein ehrlicher, kein glaubwürdiger Mensch ist und dass er deshalb auf keinen Fall Dschungelkönig werden darf, dann nach dem Voting der Zuschauer aber kein einziger die Courage besaß, bei seiner eigenen Wahrnehmung und Einschätzung zu bleiben?
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