Die fünf Ebenen der Sexualität

Von Jürgen Fritz, Sa. 14. Feb 2026, Titelbild: JFB

Das Geschlecht (sex) eines Menschen wird definiert durch seine Keimzellen, durch die binäre Unterscheidung zwischen Spermien (männlich) und Eizellen (weiblich). Daneben gibt es noch vier andere Ebenen der Sexualität: die Chromosomen, die Geschlechtsmerkmale, die „Geschlechtsidentität“ (gender) und die sexuelle Orientierung.

A. Zum Wesen der Sexualität

Der Begriff Sexualität geht zurück auf das Lateinischische sexus als Begriff für das biologische Geschlecht von Lebewesen. Sexualität bezeichnet die Gegebenheit von zwei verschiedenen Fortpflanzungstypen (Geschlechtern) von Lebewesen derselben Art, die nur jeweils zusammen mit einem Angehörigen des anderen Geschlechts zu einer zygotischen Fortpflanzung fähig sind, bei der meist eine Eizelle und ein Spermium verschmelzen. Sexualität dient dabei einer Neukombination von Erbinformationen.

Bei vielen Wirbeltieren hat das Sexualverhalten zusätzliche Funktionen im Sozialgefüge der Population hinzugewonnen, die nichts mehr mit dem Genomaustausch zu tun haben müssen. Im weiteren Sinn bezeichnet Sexualität die Gesamtheit der Lebensäußerungen, Verhaltensweisen, Empfindungen und Interaktionen von Lebewesen in Bezug auf ihr Geschlecht.

B. Sexualität und  Liebe (Eros)

Zwischenmenschliche Sexualität wird in allen Kulturen auch als ein möglicher Ausdruck der mit sexueller Begierde einhergehenden Liebe zwischen zwei Personen verstanden, da Sexualakte zwischen Menschen diesen sehr mächtige Lustgefühle zu erzeugen vermögen, man diese Lustgefühle besonders gerne mit Personen teilt, die man liebt – zu denen man sich also besonders hingezogen fühlt und deren Wohl einem ganz besonders am Herzen liegt -, zumal der Liebende den Geliebten ja glücklich machen möchte und wenn die Liebe gegenseitig ist, dann beide einander dieses Glück schenken wollen und dieses gemeinsame empfundene Glück im Sexualakt die Liebe und die innere Bindung der Liebenden wiederum noch mehr verstärken und vertiefen kann.

Auf diese Weise ist es also möglich, dass aus dieser gemeinsam ausgelebten Liebe neues Leben, ein neuer Mensch entstehen kann, der dann von beiden Elternteilen, Mutter und Vater, etwas in sich trägt, so dass diese beiden in dem gemeinsam gezeugten Kind quasi ein Stück weit weiterleben. Dies ist freilich nicht die einzige Möglichkeit, wie aus der sexuellen Vereinigung von Mann und Frau ein Kind gezeugt werden kann. Dies geht auch ohne Liebe, rein über sexuelles Begehren, im Extremfall völlig einseitigem solchen, wenn der Eine den anderen vergewaltigt. Dies wäre quasi das andere Ende der Skala, das konträre Gegenteil zum Sexualakt, der einen Liebesakt darstellt. Die meisten von uns, ich vermute letztlich alle, würden sich wohl wünschen, sie selbst wären ein Produkt nicht eines rein auf Begehren beruhenden Sexualaktes, sondern wären gerne ein Ergebnis eines Liebesaktes.

Zum Wesen der erotischen Liebe siehe Platons berühmten Symposion-Dialog, in welchem das Wirken des Gottes Eros gewürdigt wird. Eros, so macht Platon, der die Worte seinem literarischen Sokrates in den Mund legt, der seine diesbezügliche Weisheit wiederum von der weisen Diotima empfangen haben will, sei weder gut und schön noch schlecht und hässlich. In seinem Naturell verbinde Eros vielmehr die Eigenschaften seines Vaters mit denen seiner Mutter. Von der Mutter Penia, der personifizierten Armut, habe er das Prinzip des Mangels geerbt, von seinem Vater Poros, der Personifikation der Findigkeit, die stets einen Ausweg findet, hat er seine Tatkraft und Schlauheit, seine Zauberkunst und die starke Neigung zum Schönen und Guten, die ihn antreibt.

So wie der mythische Eros trachten auch die von seiner Macht ergriffenen Menschen nach dem Schönen und Guten. Das eigentliche Ziel des Liebenden ist aber nicht das Schöne als solches, sondern eine damit verbundene schöpferische Tätigkeit, die er ausüben will: Ein „Werk“ (érgon) soll erschaffen werden. Was den Erotiker antreibt, ist im Grunde nicht die Liebe zum Schönen, sondern ein Drang zum Zeugen und Hervorbringen im Schönen. Die Zeugungskraft oder Fruchtbarkeit, über die der Mensch sowohl im körperlichen als auch im seelischen Sinne verfügt, drängt nach Verwirklichung. Diese Fähigkeit des Hervorbringens ist ebenso wie die Schönheit von göttlicher Art. Daher entfaltet sie sich dort, wo sie auf Schönes trifft, denn dort kann sie sich mit etwas verbinden, das ihr entspricht. Mit Hässlichem harmoniert sie nicht, daher wird sie von ihm nicht aktiviert.

Fragt man nach der Ursache des Erzeugungsdrangs, so stößt man auf ein Grundprinzip der Natur: Alles Sterbliche strebt von Natur aus nach Fortdauer, nach Unsterblichkeit. Dies zeigt sich bei allen Lebewesen. Mittels der Fortpflanzung können sterbliche Wesen etwas von sich hinterlassen und so eine Dauerhaftigkeit erreichen, mit der sie auf der körperlichen Ebene gewissermaßen am Unsterblichen teilhaben. Soweit Platon und die philosophische Betrachtung der erotischen Liebe. Kehren wir zurück zur Biologie.

C. Die biologische Seite der beiden Geschlechter

Hier gelten folgende Gesetzmäßigkeiten:

  1. Jeder Mensch ist das Produkt einer Verschmelzung einer männlichen Samenzelle (Spermium) und einer weiblichen Eizelle.
  2. Sexuelle Anziehung gegenüber dem anderen Geschlecht ist daher eine conditio sine qua non, eine unabdingbar notwendige Voraussetzung für den natürlichen Fortbestand jeder menschlichen Population.
  3. Wären alle oder fast alle Menschen rein homosexuell, würden sich also ausschließlich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen, hätte diese Population kaum Überlebenschancen und wäre innerhalb von hundert Jahren höchstwahrscheinlich vollkommen verschwunden.
  4. Je höher der Anteil heterosexueller Personen oder solchen, die sich zumindest auch zum anderen Geschlecht hingezogen fühlen, in einer Population, desto günstiger ist dies für ihren Reproduktionserfolg und somit ihr langfristiges Überleben.

Betrachten wird nun die biologische, die naturwissenschaftliche Seite der Sexualität noch etwas genauer. Diese habe ich hier bereits ausführlich erläutert: Es gibt genau zwei Geschlechter, kein drittes und sein Geschlecht kann man nicht ändern, will es aber gerne nochmals kurz zusammenfassen:

Das Geschlecht ist eine in der Biologie übliche Einteilung von individuellen Lebewesen im Rahmen der geschlechtlichen oder sexuellen Fortpflanzung. Bei sexueller Fortpflanzung mit Keimzellen ungleicher Größe (Anisogamie) werden die Individuen, die die größeren Keimzellen produzieren, weiblich, diejenigen, die die kleineren Keimzellen produzieren, männlich genannt. Die biologische Definition der Geschlechter beruht also, bei Individuen, ausschließlich auf der geschlechtlichen Fortpflanzung.

Martin Fieder, Evolutionärer Anthropologe, Assoziierter Professor für evolutionäre Demographie und Verhaltensgenetik, an der Universität Wien: »Niemand hat in letzter Zeit Geschlecht aus Sicht der Biologie/Evolutionsbiologie besser definiert als Richard Dawkins (britischer Zoologe, theoretischer Biologe, Evolutionsbiologe und Autor, gilt vielen als „einflussreichster Biologe seiner Zeit“, jf)… Über alle Arten hinweg, und wahrscheinlich über einen langen Zeitraum der Evolution (länger als 500 Millionen Jahre), ist Geschlecht das, was es jetzt auch immer noch ist, BINÄR!

Richard DawkinsGeschlecht wird weder durch Chromosomen, noch durch Anatomie, noch durch Psychologie oder Soziologie, noch durch persönliche Neigung, noch durch die „Zuordnung bei der Geburt“ definiert, sondern allein durch die Größe der Keimzellen. (…) es wird universell DEFINIERT durch die binäre Unterscheidung zwischen Spermien und Eizellen. Geschlecht gehört zu den wenigen Aspekten der Biologie, die tatsächlich BINÄR sind.«

Der Philosoph Dr. Uwe Steinhoff, Professor am Department of Politics and Public Administration der Universität Hongkong, fasst den Begriff des Geschlechts noch präziser: »Der Duden definiert dem allgemeinen Sprachgebrauch folgend Frauen als erwachsene Personen weiblichen Geschlechts. Desweitern ist demselben Duden zufolge das weibliche Geschlecht das „gebärende Geschlecht“ und das männliche das „zeugende, befruchtende Geschlecht“.

Die Biologie fasst dies noch genauer und definiert Geschlecht als Entwicklungsrichtung eines Organismus hin auf die Produktion einer bestimmten Art von anisogametischen (ungleichartigen) Keimzellen. Die Rede von der „Richtung“ trägt dabei dem Umstand Rechnung, dass aus verschiedenen Gründen (Prepubertät, Menopause, Entwicklungs- oder Funktionsstörungen) nicht jedes Individuum eines Geschlechts auch tatsächlich die entsprechenden Keimzellen produzieren wird – die bloße Ausrichtung auf deren Produktion genügt.

Es gibt genau zwei Keimzellenarten: große, nährstoffreiche (Eizellen) und kleine, bewegliche (Spermien). Mithin gibt es zwei Geschlechterweiblich und männlich. Frauen sind folglich erwachsene Menschen, deren Körper Entwicklungsschritte zur Produktion von Eizellen aufweisen. Bei Männern sind es Spermien.«

Diese weitere Präzisierung von Prof. Steinhoff ist deshalb wichtig, weil es auf dem Weg zur Entwicklung der jeweiligen Keimzellen (Eizellen oder Spermien) zu Störungen kommen kann, so dass sich bei der Person am Ende gar keine Eizellen und auch keine Spermien gebildet haben. Deshalb wäre es nicht richtig zu sagen: Jede Frau hat Eizellen und jeder Mann hat Spermien. Die Umkehrung dagegen gilt immer: Wenn jemand Eizellen hat, dann ist es eine Frau, und wenn jemand Spermien hat, dann ist es ein Mann.

Bei denjenigen, die beides nicht haben, kommt es darauf an, welche Entwicklungsschritte ihr Organismus genommen hat: Ging es in Richtung Eizellen oder ging es in Richtung Spermien? Somit ist bei jedem Menschen das Geschlecht feststellbar. Prof. Steinhoff erläutert weiter: »Dies bedeutet auch, dass Individuen mit biologischen Störungen der sexuellen Entwicklung (sogenannte Intersexualität) in keiner Weise den geschlechtlichen Dualismus in Frage stellen. Sie lassen sich meist eindeutig dem einen oder dem anderen Geschlecht zuordnen und immer eindeutig keinem dritten, da es keinen dritten Keimzellentyp gibt.«

Die Biologin und Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard stellt ebenfalls unmissverständlich klar: »Bei allen Säugetieren gibt es zwei Geschlechter, und der Mensch ist ein Säugetier. (…) Intersexualität entsteht durch sehr seltene Abweichungen, zum Beispiel beim Chromosomensatz. Aber auch intersexuelle Menschen … sind kein drittes Geschlecht

Zu der „politisch korrekten Formulierung“ dieser Mensch sei gar kein Mann, sondern er sei eigentlich eine Frau, sagt die Nobelpreisträgerin: »Das ist Quatsch! Es ist Wunschdenken. Es gibt Menschen, die wollen ihr Geschlecht ändern, aber das können sie gar nicht. (…) Menschen behalten lebenslang ihre Geschlechtszugehörigkeit. (…) Natürlich kann man durch Hormongaben erreichen, dass zum Beispiel ein Mädchen, das Testosteron nimmt, eine tiefe Stimme und Bartwuchs bekommt. Aber davon wachsen dem Mädchen keine Hoden und es wird keine Spermien produzieren. Und biologische Männer produzieren auch durch Hormongaben keine Eier und können keine Kinder gebären. (…)

Der Gesetzgeber kann gar keine Geschlechtsumwandlung ermöglichen. Er sagt nur: Diese Frau darf ab jetzt behaupten, sie sei ein Mann. Und umgekehrt. Die biologischen Grundlagen sind absolut nicht zu ändern.«

Soweit Christiane Nüsslein-Volhard und  die biologische, die naturwissenschaftliche Seite bezüglich der beiden Geschlechter. Hier wurden bereits einige unterschiedliche Ebenen angesprochen, die im folgenden genauer erläutert werden sollen: 1. die Ebene der Keimzellen, 2. der Chromosomen, 3. die Geschlechtsmerkmale, insbesondere Geschlechtsorgane, 4. die sogenannte „Geschlechtsidentität“ (wie sich jemand selbst empfindet) und 5. die sexuelle Orientierung, zu welchem Geschlecht man sich erotisch hingezogen fühlt.

D. Fünf Ebenen der Sexualität, die es zu unterscheiden gilt

Wenn wir vom männlichen und vom weiblichen Geschlecht sprechen, ist es also sinnvoll, diese fünf verschiedene Ebenen zu unterscheiden:

I. Die Ebene der Keimzellen

Diese Ebene ist die für das Geschlecht entscheidende. Es gibt nur Eizellen und Spermien (Samenzellen), keine dritte Art von Keimzellen. So gut wie kein Mensch hat sowohl Eizellen als auch Spermien und falls es doch einige ganz wenige solche geben sollte, dann sind diese zumeist unfruchtbar. Fast jeder Mensch hat entweder Eizellen (Frau) oder Spermien, mindestens aber zeigt sein Organismus eine Entwicklungsrichtung zur Herausbildung einer der beiden Keimzellenarten auf, so dass fast jeder Mensch eindeutig einem der beiden Geschlechter zugeordnet werden kann. Es gibt hier also weder ein Dazwischen noch ein drittes Geschlecht.

II. Die Ebene der Chromosomen

Hier gilt, dass chromosomal gesunde Frauen den Chromosomensatz 46, XX haben, also 46 Chromosomen, davon zwei X-Chromosomen. Chromosomal gesunde Männer haben den Chromosomensatz 46, XY, also 46 Chromosomen, davon ein X- und ein Y-Chromosom. Dies trifft für ca. 99,7 bis 99,8 Prozent der Frauen und für ca. 99,8 Prozent der Männer zu.

Daneben gibt es einige seltene Störungen der Geschlechtsentwicklung.

a) Bei knapp 0,1 Prozent der Frauen tritt das Triple-X-Syndrom (Trisomie X) auf mit dem Chromosomensatz (Karyotyp) 47, XXX. Frauen mit Triple-X-Syndrom sind meist fruchtbar und in zwei Drittel der Fälle ohne physische Auffälligkeiten. Sie sind eher großwüchsig. Teilweise findet sich eine nicht ausreichende Hormon-Produktion durch die Eierstöcke im Sinne einer vorzeitigen Ovarialinsuffizienz und eine eingeschränkte Fruchtbarkeit sowie ein verfrühtes Klimakterium (Wechseljahre). In etwa 70 Prozent der Fälle bestehen Lernbehinderungen (vor allem im Bereich der Lautsprache) und die Feinmotorik kann eingeschränkt sein. Betroffene Frauen haben kein erhöhtes Risiko, eine erhöhte Anzahl von Chromosomen an ihre Nachkommen weiterzugeben. Ihre Kinder sind also chromosomal meist vollkommen gesund und haben einen 46, XX-Karyotyp.

b) Bei unter 0,05 Prozent der Frauen tritt das Turner-Syndrom auf: 45, X (Monosomie X). Bei ihnen fehlt also ein X-Chromosom. Eine vollständige Geschlechtsentwicklung findet bei diesen Frauen nicht statt. Hauptmerkmal ist die Kleinwüchsigkeit. Unbehandelte Frauen erreichen im Mittel eine Körpergröße von ca. 145-150cm. An Herz und Nieren kommt es in vielen Fällen zu Fehlbildungen. Auch die Eierstöcke sind meist unvollständig entwickelt. Hieraus resultiert ein Mangel an Geschlechtshormonen, jenen Botenstoffen, die die weitere geschlechtliche Entwicklung regulieren. Als Folge bleibt das Einsetzen der Regelblutung sowie die Entwicklung sekundärer Geschlechtsorgane (z.B. der weiblichen Brust) in der Pubertät aus. Auch Scheide und Gebärmutter können sich häufig nur unvollständig entwickeln. Junge Frauen mit Turner-Syndrom haben in der Regel keine intellektuellen Einschränkungen. Bei vollem Ausprägungsgrad sind die Eierstöcke vollkommen funktionslos, produzieren so auch keine Eizellen und eine Schwangerschaft ist nicht möglich.

c) In etwas mehr als 0,001 Prozent der Fälle tritt bei Frauen das Swyer-Syndrom auf: 46, XY-Typ. Bei den Betroffenen kommt es zu einer Keimdrüsen-Fehlbildung, die wegen der Unfruchtbarkeit nicht vererbt werden kann. Hauptkennzeichen sind („männliche“) XY-Chromosomen, aber „weibliche“ Genitalien (Vagina, Uterus, Eileiter) und eine ausbleibende Pubertät. Die Person hat also ein weibliches äußeres Erscheinungsbild (Phänotyp), jedoch einen männlichen Chromosomensatz (Karyogramm). Anstelle der Eierstöcke (Ovarien) finden sich funktionslose männliche Gonaden (Hoden). Personen mit Swyer-Syndrom entwickeln sich als Embryo im Mutterleib zunächst vollkommen normal. Ab der 7./8. Embryonalwoche tritt dann aber eine Veränderung ein. Auf Grund eines genetischen Defekts, der meist auf dem SRY-Gen liegt, können keine hormonaktiven Keimdrüsen (Hoden) entwickelt werden, so dass die Entwicklung der männlichen Geschlechtsmerkmale nicht möglich ist. Damit kommt das „Basisprogramm“ der Entwicklung weiblicher Geschlechtsmerkmale zum Zug. Der weitere Weg verläuft so, als würde es sich bei dem Embryo um ein weibliches Individuum handeln. Es kommt zur Ausbildung von Klitoris, Schamlippen, Vagina und Gebärmutter, wobei allerdings die Ausbildung der inneren Geschlechtsorgane und der Brust unvollständig abläuft, so dass nur rudimentäre Anlagen von Uterus und Vagina vorhanden sind. Die Gonadenanlagen werden nicht zu Eierstöcken ausgebildet. Nach der Geburt entwickelt sich das Kind zunächst ganz normal und ist in der körperlichen, geschlechtlichen Entwicklung völlig unauffällig. Ab dem Pubertätsalter kommt es auf Grund der nichtentwickelten Gonaden und fehlenden Hormone zu folgenden Auswirkungen: Es beginnt keine Pubertätsentwicklung. Die sekundäre Geschlechtsentwicklung bleibt aus. Die äußeren Geschlechtsorgane bleiben kindlich (genitaler Infantilismus). Auf Grund der fehlenden bzw. nicht entwickelten Keimdrüsen ist es Swyer-Betroffenen nicht möglich, mit eigenen Eizellen schwanger zu werden und leibliche Kinder zu haben. Die Gebärmutter macht es jedoch möglich, ein Kind nach einer Eizellspende auszutragen.

d) Bei Männern tritt in ca. 0,1 bis 0,2 Prozent der Fälle das Klinefelter-Syndrom mit dem Karyotyp 47, XXY auf, also einem zusätzliches X-Chromosom in allen oder einem Teil der Körperzellen. Jungen mit dem Klinefelter-Syndrom sind bei der Geburt in der Regel alterstypisch entwickelt und unterscheiden sich äußerlich nicht von anderen Kindern. Relativ häufig tritt eine Teilleistungsschwäche im sprachlichen Bereich (Verbal-IQ) auf. Die Pubertät kann verzögert eintreten und mit mehr Schwierigkeiten verbunden sein als bei anderen gleichaltrigen Jungen. Schüchternheit, Unsicherheit, eine geringe Libido und eine verminderte Wahrnehmung der eigenen Männlichkeit können zu seelischen Problemen und Isolation führen. Während bei vielen Betroffenen die Testosteronproduktion bereits während der (dann unvollständig) ablaufenden Pubertät schwindet, so tritt ein regelrechter Testosteronmangel bei den meisten Betroffenen erst im dritten Lebensjahrzehnt ein. Die Hoden sind in der Regel relativ klein (ca. Größe einer Glasmurmel). Auch nach der Pubertät erhöht sich das Hodenvolumen nicht. Durch den Testosteronmangel schließen sich die Wachstumsfugen der Knochen nicht rechtzeitig, sodass bei Betroffenen häufig eine überdurchschnittliche Körperhöhe mit vergleichsweise langen Beinen auftreten kann. Der fehlende oder geringe Bartwuchs kann auffallen; auch die Körperbehaarung ist in der Regel weniger ausgeprägt. Bei Personen mit dem Klinefelter-Syndrom besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer vergrößerten Milchdrüse. Die Muskulatur ist in der Regel schwächer ausgeprägt und es lagert sich vermehrt Fettgewebe im Hüftbereich ab. Eine wichtige Folge der Hodenunterentwicklung ist eine frühzeitig verringerte bzw. fehlende Spermienproduktion. Dadurch befinden sich im Ejakulat entweder zu wenige Spermien oder, wie bei den meisten Männern mit Klinefelter-Syndrom, gar keine Spermien. Aus diesem Grund sind die allermeisten Männer mit dem Klinefelter-Syndrom unfruchtbar.

e) Bei unter 0,1 Prozent der Männer findet sich das XYY-Syndrom. Diese Männer haben also ein zusätzliches Y-Chromosom. Dieser Genotyp verursacht in der Regel wenig Symptome. Phänotypisch ist es nicht zwingend, aber typischerweise treten folgende Dinge auf: eine erhöhte durchschnittliche Körpergröße, in vielen Fällen heftige Akne in der Jugend, die sich durchaus bis weit ins Erwachsenenalter erstrecken kann, öfters auch: leicht vergrößerte Proportionen im Gesichtsbereich (z. B. größere Zähne, Ohren und Gesichtsschädel, prominenter Nasenrücken), längere Hände und Füße, leichte Delle am Brustbein, unterschiedliche Herzfehler, Hodenhochstand, leichte Lernschwierigkeiten. Nicht bestätigt haben sich Annahmen, XYY-Männer seien kognitiv retardiert oder kriminelle Soziopathen. Das Bild des kriminellen XYY-Manns mit einem Hang zu Sexualstraftaten wurde beispielsweise in dem Film Alien 3 propagiert. In der Regel sind XYY-Männer fruchtbar, aber eine Infertilität scheint bei ihnen häufiger aufzutreten als bei XY-Männern.

f) Etwa 0,005 Prozent der Männer sind XX-Männer. Ihr Erscheinungsbild (Phänotyp) ist männlich, obschon sie einen XX-Karyotyp haben. Das normalerweise für die Herausbildung des männlichen Phänotyps notwendige Y-Chromosom fehlt also. XX-Männer haben einen normalen Körperbau, aber eine schwere Hodenentwicklungsstörung und bilden keine Spermien. Sie sind also unfruchtbar.

Neben diesen sechs erläuterten Störungen der Sexualentwicklung gibt es noch einige Mosaikformen und einige andere Entwicklungsstörungen, die aber noch deutlich seltener vorkommen als diese sechs ohnehin schon sehr selten vorkommenden Syndrome. Somit kommen wir zur dritten Ebene, nämlich den Geschlechtsmerkmalen.

III. Die Geschlechtsmerkmale, insbesondere die Geschlechtsorgane

Geschlechtsmerkmale sind körperliche Kennzeichen, die bei den beiden Geschlechtern des Menschen respektive einer Tierart unterschiedlich ausgeprägt sind. Es gibt primäresekundäre und tertiäre Geschlechtsmerkmale.

Primäre Geschlechtsmerkmale sind die Geschlechtsorgane, die vornehmlich der direkten Fortpflanzung dienen,

  • bei Frauen: Vulva (Venushügel, Vulvalippen, Klitoris und Scheidenvorhof), Vagina (Hohlorgan), die Ovarien (Eierstöcke) und Uterus (Gebärmutter),
  • bei Männern: Hoden, Nebenhoden, Samenwege und der Penis.

Im Normalfall sind die primären Geschlechtsmerkmale bei der Geburt bereits vorhanden und legen bei gesunder normaler Genetik (beispielsweise bei Menschen mit dem Chromosomensatz 46, XX oder 46, XY) den Unterschied zwischen weiblichem und männlichem Geschlecht eindeutig fest.

Sekundäre Geschlechtsmerkmale sind nicht unmittelbar für die geschlechtliche Fortpflanzung notwendig, steigern aber in aller Regel den Fortpflanzungserfolg. Sie entwickeln sich während der Ontogenese (Individualentwicklung) durch die Einwirkung von Sexualhormonen, führen dann zur Geschlechtsreife, zeigen diese nach außen an und vervollständigen damit das geschlechtliche Erscheinungsbild als männlich beziehungsweise weiblich. Beim Menschen geschieht diese Entwicklung im Wesentlichen während der Pubertät, also dem Zeitabschnitt in dem das Kind zum Jugendlichen heranwächst. Bei Frauen gehört zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen die weibliche Brust und die Ausbildung des weiblichen Geburtskanals mit der Anatomie des Beckens, bei Männern der Bartwuchs, bei beiden Geschlechtern die Achselbehaarung.

Tertiäre Geschlechtsmerkmale sind sonstige Geschlechtsmerkmale, wie zum Beispiel der Knochenbau in Form eines weiblichen oder männlichen Beckens oder die Körpergröße, die Knochendichte etc.

In ca. 99,95 bis 99,98 Prozent der Fälle haben männliche Säuglinge bei der Geburt eindeutig männliche Geschlechtsorgane und weibliche Säuglinge eindeutig weibliche Geschlechtsorgane. Hier wird also nicht etwas „zugewiesen“, wie Queer-Ideologen das formulieren, sondern es wird festgestellt, welche Geschlechtsorgane bei dem Kind vorhanden sind. Siehe dazu die Bestimmungen in Dänemark, wo dies wissenschaftskonform entsprechend gesetzlich geregelt wurde. Nur in ca. 0,02–0,05 Prozent sind die Genitalien des Säuglings bei der Geburt nicht eindeutig. In diesen Fällen wird das Geschlecht nicht sofort endgültig bestimmt, sondern es erfolgt eine interdisziplinäre Abklärung (Chromosomenanalyse, Hormone, Ultraschall etc.), bevor das Geschlecht festgestellt wird.

In etwa 0,001 bis 0,005 Prozent kommt es vor, dass eine Person sowohl Eierstöcke als auch Hoden entwickelt. Dies nennt sich Ovotestikuläre Störung der Geschlechtsentwicklung (früher auch echter Hermaphroditismus / Zwittertum genannt). Die Ursachen der ovotestikulären DSD sind vielfältig und oft genetisch bedingt. In einigen Fällen können Mutationen in bestimmten Genen oder chromosomale Anomalien die Entwicklung von sowohl Eierstock- als auch Hodengewebe verursachen. Die äußeren Genitalien können sowohl weiblich als auch männlich oder uneindeutig ausgeprägt sein. Vollständig separate, normale männliche und weibliche äußere Genitalien – also Penis + Skrotum mit Hoden plus Vulva + intakte Vagina – kommen nicht vor. In den inneren Strukturen ist oft ist ein Uterus vorhanden (meist unterentwickelt), manchmal eine Vagina (oft kurz/blind endend), aber nie in Kombination mit einem voll funktionsfähigen männlichen System (Prostata, Samenblasen etc.) und gleichzeitig vollständiger weiblicher Anatomie. Echte Hermaphroditen sind meistens unfruchtbar – sowohl als Frau wie als Mann.

IV. Die sogenannte „Geschlechtsidentität“

Unter Geschlechtsidentität versteht man das tief empfundene innere und persönliche Gefühl der Zugehörigkeit zu einem der beiden Geschlechter. Der Sexualwissenschaftler John Money prägte in den 1950er Jahren zunächst den Begriff der Geschlechterrolle (“gender role”) und stellte ihm 1963 jenen der Geschlechtsidentität (“gender identity”) zur Seite. Die Geschlechterrolle sei der äußerlich sichtbare Ausdruck der Geschlechtsidentität, die Geschlechtsidentität die innere Wahrnehmung der eigenen Geschlechterrolle. Die Psychoanalytiker Ralph R. Greenson und Robert Stoller definierten Geschlechtsidentität 1964 bezogen auf das körperliche Geschlecht. Es gehe um die Gewissheit, welchem Geschlecht (“sex”) man angehöre, und um das Bewusstsein, männlich oder weiblich zu sein. In seiner Schrift Sex and Gender verwendete Stoller 1968 erstmals das Wort „Gender“, um die gefühlte Männlichkeit und Weiblichkeit einer Person von deren körperlichem Geschlecht (“sex”) abzugrenzen.

Anhänger der Queer-Ideologie teilen die Menschen ein in

  • Transpersonen (Transgeschlechtlichkeit, transgender) und
  • cis-Geschlechtliche.

Cis bedeutet hier, dass das tatsächliche Geschlecht und das gefühlte Geschlecht übereinstimmen. Transgender soll bedeuten, dass das gefühlte und das tatsächliche Geschlecht nicht übereinstimmen, dass also ein Mann sich als Frau empfindet oder eine Frau als Mann oder aber dass ein Mann oder eine Frau meint, er bzw. sie wäre „non-binär“, also ein Drittes.

V. Die sexuelle Orientierung

Nicht alle, aber die allermeisten Menschen fühlen sich zu anderen Menschen sexuell hingezogen. Je nachdem, worauf sich diese grundsätzliche Begierde oder Neigung bezieht, werden vor allem folgende geschlechtliche Präferenzen  unterschieden:

  • Heterosexualität: Für Heterosexuelle sind ausschließlich oder zumindest überwiegend Menschen des anderen Geschlechts von Interesse.
  • Bisexualität: Bisexuelle empfinden eine körperliche Anziehung sowohl zu Menschen des eigenen als auch zu Menschen des anderen Geschlechts.
  • Homosexualität: Für Homosexuelle sind ausschließlich oder überwiegend Menschen des gleichen Geschlechts von Interesse.
  • Poly-/Pan-/Omnisexualität: Man fühlt sich „verschiedenen“ oder „jeglichen“ Geschlechter hingezogen.
  • Asexualität: Überhaupt kein sexuelles Interesse an anderen Menschen, unabhängig vom Geschlecht (aber kein zwingender Ausschluss von romantischer Orientierung).

In Befragungen stufen Menschen ihre eigene sexuelle Orientierung wie folgt ein:

  1. Rund 90 Prozent der Befragten geben an, rein heterosexuell zu sein (Ältere öfter als Jüngere, bei den Männern ca. 93 Prozent, bei den Frauen ca. 87 Prozent).
  2. Circa 7 Prozent stufen sich als überwiegend heterosexuell ein (Männer: 4 Prozent, Frauen: 10 Prozent),
  3. etwa 1,25 Prozent als rein homosexuell (Männer: 2 Prozent, Frauen: 0,5 Prozent),
  4. circa 0,75 Prozent als bisexuell und
  5. 0,5 Prozent als überwiegend homosexuell.
  6. Unter 1 Prozent der Menschen sind asexuell.

Damit wären also die naturwissenschaftlichen Grundlagen geklärt. Als nächstes stellt sich die Frage, wie die Queer-Ideologie aus dem Thema der menschlichen Sexualität Kapital für ihre die Gesellschaft spaltende neomarxistische Ideologie zu ziehen versucht und wie das Ganze von psychologischer Seite her aussieht.

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