Haltung zeigen und gegen den Strom schwimmen

(Karoline Seibt, 06.10.2018) Nur wer mit dem Strom schwimme, werde das Meer erreichen, meinte der überaus weise Konfuzius (551 – 479 v. Chr.). Wenn du jedoch zurück zur Quelle willst, so eine alte Weisheit des Zen-Buddhismus, dann musst du gegen den Strom schwimmen. Machen wir uns nichts vor, die meisten Menschen sind eher Opportunisten als so freiheits-, wahrheits- und gerechtigkeitsliebend, dass sie den Mut aufbrächten, in essenziellen Fragen nicht mit der Masse zu schwimmen. Sie wollen lieber zusammen mit all den anderen im Meer untergehen als mühsam zur Quelle zu gelangen. So lebt es sich einfach wesentlich leichter und angenehmer, weniger aufreibend. Gleichwohl braucht eine freiheitliche Gesellschaft gerade die Ausscherer und Gegen-den-Strom-Schwimmer. Wenig stromlinienförmige Menschen, die Ecken und Kanten haben, die für ihre Überzeugungen einstehen und Haltung zeigen und zwar nicht mit der, sondern gegen die Masse, sind meist nicht die beliebtesten, gleichwohl werden sie – zumindest von Menschen mit etwas Format – oft besonders geachtet. Ich freue mich, Ihnen mit Karoline Seibt so eine Person präsentieren zu dürfen.

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Wahrheit und Vernunft lassen sich nie dauerhaft unterdrücken

(Jürgen Fritz, 01.08.2018) Wir schreiben den 8. November des Jahres 1723. Ein berühmter Professor der Philosophie, der wahrscheinlich größte Geist der Zeit, macht sich in Halle auf den Weg in seine Vorlesung. Da kommt ein Eilbote der Universität und händigt ihm ein Schreiben aus. Der Mann liest es und wird kreidebleich. Zeugen werden später behaupten, er habe sich erbrochen. Der Schreck fährt ihm in sämtliche Glieder. Kein Gedanke mehr an die Vorlesung, kein Gedanke mehr an seine Studenten. Sofort dreht er um und läuft wieder nach Hause. Der Inhalt des Briefes: eine Ungeheuerlichkeit, eine Schicksalsfrage für Europa.

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