Der ontologische Gottesbeweis

(Jürgen Fritz, 10.11.2018) Kann man Gottes Existenz beweisen? Immer wieder gab es Versuche, dies zu tun. Berühmt wurden vor allem der kosmologische, der teleologische und der ontologische Gottesbeweis, den Anselm (1033 – 1109) als erster durchführte, später dann Descartes (1596 – 1650), bevor Kurt Gödel ihn im 20. Jahrhundert in der Sprache der modernen Modallogik rekonstruieren sollte. Dies aber nicht, wie Nicht-Logiker, insbesondere Theologen, gelegentlich meinen, um die Existenz Gottes logisch herzuleiten, sondern um gleichsam zu zeigen, dass mit der axiomatischen Methode bei Zurechtlegung der entsprechenden Axiome im Grunde alles bewiesen werden kann, sogar Gott. Doch bleiben wir bei Anselms besonders beeindruckendem Beweis, der natürlich fehlerhaft, gleichwohl aber von atemberaubender Genialität und Schönheit ist und an dem sich ungemein viel erlernen lässt, sowohl in Bezug auf die Geistesgeschichte als auch die Ontologie, die Erkenntnistheorie und das logische Denken.

Read More…

Wahrheit und Vernunft lassen sich nie dauerhaft unterdrücken

(Jürgen Fritz, 01.08.2018) Wir schreiben den 8. November des Jahres 1723. Ein berühmter Professor der Philosophie, der wahrscheinlich größte Geist der Zeit, macht sich in Halle auf den Weg in seine Vorlesung. Da kommt ein Eilbote der Universität und händigt ihm ein Schreiben aus. Der Mann liest es und wird kreidebleich. Zeugen werden später behaupten, er habe sich erbrochen. Der Schreck fährt ihm in sämtliche Glieder. Kein Gedanke mehr an die Vorlesung, kein Gedanke mehr an seine Studenten. Sofort dreht er um und läuft wieder nach Hause. Der Inhalt des Briefes: eine Ungeheuerlichkeit, eine Schicksalsfrage für Europa.

Read More…