So wird die NRW-Wahl ausgehen

Von Jürgen Fritz

Rot-Grün wird abgewählt. Die AfD wird in den 13. Landtag in Folge einziehen. Für Rot-Rot-Grün und Schwarz-Gelb wird es nicht reichen. Da man eine GroKo vermeiden möchte, wird es entweder zu einer Ampel (Rot-Gelb-Grün) oder zu einer Jamaika-Koalition (Schwarz-Gelb-Grün) kommen. Die FDP und die Grünen werden also auf jeden Fall in der neuen Regierung sein. Ergo: Wer für die FDP stimmt, wählt damit automatisch die Grünen in die Regierung.

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Wer schafft es 2017 in den Düsseldorfer Landtag? Kann die SPD ihre Mehrheit verteidigen und mit Hannelore Kraft weiterhin die Ministerpräsidentin stellen? Oder wird die Schulz-SPD die dritte Schlappe in Folge einstecken? Gelingt der FDP ein zweistelliges Ergebnis und der AfD der dreizehnte Landtagseinzug in Folge? Vor allem aber: Wer wird die neue Regierung stellen?

Die Schlüsselwahl in NRW

Die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen gelten oftmals als Schlüsselwahl und als richtungsweisend für die Bundespolitik. Wer erinnert sich nicht an die SPD-Schlappe im Mai 2005, nach der Gerhard Schröder vorgezogene Bundestagswahlen beantragte, was gleichsam das Ende seiner Kanzlerschaft einläutete und zugleich Merkels Aufstieg?

Doch warum ist ausgerechnet die NRW-Wahl so wichtig? Das liegt ganz einfach an der Größe dieses Bundeslandes, genauer: an der Anzahl der Einwohner (fast 18 Millionen) und der Wahlberechtigten. Ca. 13,2 Millionen Menschen dürfen morgen in NRW wählen. Das sind 21 bis 22 Prozent aller Wahlberechtigten in Deutschland. Zum Vergleich: Im Saarland waren gerade mal 0,8 Millionen Wahlberechtigte (1,3 Prozent) und in Schleswig-Holstein 2,3 Millionen (3,7 Prozent). 21 bis 22 Prozent heißt jeder Vierte bis Fünfte hat morgen die Möglichkeit, sein Votum abzugeben.

So wird die Wahl ausgehen

Hier meine Prognose basierend auf den NRW-Umfragen aus dem Mai von a) Infratest dimap (1.000 Befragte, 02.05. – 03.05.), b) INSA (1.139 Befragte, 03.05. – 08.05.), c) YouGov (1.017 Befragte, 08.05. – 10.05.), d) Civey (Stichprobengröße 5.030, 06.05. – 11.05.), e) Forschungsgruppe Wahlen (2.402 Befrage, 08.05. – 11.05.), wobei Civey und F’gruppe wegen der deutlich größeren Befragtengruppe und der größereren Aktualität jeweils doppelt gewichtet wurden.

SPD und CDU werden sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Die SPD scheint eher die Nase vorn zu haben, aber das könnte sich auf den letzten Metern vor der Ziellinie noch wenden. Die CDU, die im März noch 11 bis 14 Punkte hinter der SPD zurücklag, hat enorm aufgeholt und war zwei, drei Tage vor der Wahl fast gleichauf. Die SPD wird aber gegenüber 2012 (39,1 Prozent) massiv an Stimmen verlieren. Ich tippe auf ein Minus von 6 bis 9 Prozent. Die CDU (2012: 26,3 Prozent) wird dagegen zulegen können, wahrscheinlich um die 5 Prozent.

Die FDP (zuletzt bei 8,6 Prozent) wird mit ihrem Bundesvorsitzenden Christian Lindner klar als dritte Kraft in den nordrhein-westfälischen Landtag einziehen. Mit Lindner ist dies quasi ein Heimspiel in NRW, wo sie doppelt so stark ist wie bundesweit. Ein zweistelliges Ergebnis ist hier locker drin, wahrscheinlich sogar 12 bis 13 Prozent.

Die AfD wird von Null auf deutlich über 5 Prozent, höchstwahrscheinlich über 6, vielleicht sogar über 7 Prozent durchstarten und souverän in den Landtag einziehen; hat sogar Chancen viert stärkste Kraft zu werden in NRW vor den Grünen.

B’90/Grüne, die bisher mit der SPD regiert haben, werden dagegen kräftige Einbußen verzeichnen. Sie werden von 11,3 auf ca. 6,5 bis 7 Prozent einbrechen, das heißt rund 40 Prozent ihrer bisherigen Wähler verlieren.

Die Linke, die 2012 mit nur 2,5 Prozent klar an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, sollte es dieses Mal schaffen, in den Landtag einzuziehen. Mein Tipp: als sechst stärkste Kraft mit knapp 6 Prozent.

Die Piraten werden auch in NRW hochkant aus dem Parlament fliegen und von zuletzt 7,8 auf unter 2, vielleicht sogar unter 1 Prozent förmlich einbrechen.

Das Ganze im Überblick

  1. SPD: 30 – 33 %
  2. CDU: 30 – 32 %
  3. FDP: 9 – 13,5 %
  4. AfD: 6,5 – 9 %
  5. Grüne: 6,5 – 7 %
  6. Linke: 5 – 8 %
  7. Sonstige: 4 – 6 %

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Gewinne und Verluste gegenüber 2012

  1. AfD: + 7,1 %
  2. CDU: + 5,0 %
  3. FDP: + 3,9 %
  4. LINKE: + 3,4 %
  5. GRÜNE: – 4,6 %
  6. PIRATEN: – 7 %
  7. SPD: – 7,4 %

NRW-G-V

Rot-grün wird klar abgewählt

Für eine Mehrheit der Sitze im Landtag werden auf Grund der ca. 4,8 Prozent für sonstige Parteien knapp 48 Prozent der abgegebenen gültigen Wählerstimmen notwendig sein. Rot-grün kommen aber nur noch auf ca. 38,5 Prozent. Damit wird die bisherige Regierung klar abgewählt sein.

Weder Rot-Rot-Grün noch Schwarz-Gelb werden eine Mehrheit bekommen

Selbst mit der Linken zusammen dürfte es mit ca. 44 bis 45 Prozent kaum reichen für eine Mehrheit. Und Schwarz-Gelb hat mit knapp 44 Prozent noch weniger Aussichten, eine Regierung bilden zu können.

Eine GroKo, eine Ampel- oder eine Jamaika-Koalition?

Damit bleiben, da alle eine Koalition mit der AfD kategorisch ausschließen, nur drei realistische Möglichkeiten: a) eine große Koalition (ca. 63 Prozent), b) eine Ampel (Rot-Gelb-Grün, ca. 51 Prozent) oder c) eine Jamaika-Koalition (Schwarz-Gelb-Grün, ca. 50,5 Prozent).

Wer für die FDP stimmt, wählt automatisch die Grünen in die Regierung

Eine GroKo wird man in NRW unter allen Umständen vermeiden wollen, zumal die beiden Partner nahezu gleich stark wären. Außerdem würde das beide Parteien schwächen. Also werden CDU und FDP versuchen, die Grünen zu sich rüber zu ziehen und die SPD und die Grünen werden versuchen, die FDP in ihr Lager zu ziehen. Das heißt, FDP und Grüne werden auf jeden Fall in der neuen Regierung sein, die Frage ist nur noch mit welchem großen Partner, der SPD oder der CDU. Und das heißt auch, wer für die FDP stimmt, wählt damit automatisch die Grünen in die neue Regierung.

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Bild: © Superbass / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons

Grafiken: (c) Jürgen Fritz

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7 Kommentare zu „So wird die NRW-Wahl ausgehen

  1. Nein, was kommen wird ist eine große Koalition unter welcher Führung auch immer. Laschet versus Hanni, ist wie Pest oder Cholera. Sie stehen beide für die gleiche Politik, für „weiter so“. FDP ist Opposition, AfD ist Opposition, also beides zu begrüßen, es braucht eine starke Opposition. Wobei ich Lindner immer noch seine Haltung bei den Griechenlandpaketen übel nehme.
    Eine weitere Beteiligung der Grünen würde ich als Desaster werten.

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  2. »So wird die NRW-Wahl ausgehen«

    Wie das »Hornberger Schießen«.
    Wenn’s nicht zum Heulen wäre, könnte man sich totlachen!

    Und die ganzen gläubig-verbrämten, nein – verkleisterten Wahlempfehlungen jedweder Fuzzis von »Religions«-Gemeinschaften genannten »Machtausübungsvereinen« sind am besten im Mülleimer aufgehoben. Sie ersetzen nämlich keinen »Gesunden Menschenverstand«.

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