TV-Duell: Kein klarer Sieger und doch ein großer Gewinner

Von Jürgen Fritz, Mo. 10. Feb 2025, Titelbild: ARD-Screenshot

Manche sahen nach dem TV-Duell Scholz ganz knapp vorne, manche Merz. Für mich gab es auf jeden Fall keinen klaren Sieger, eher ein Unentschieden. Wenn du aber beim Eishockey vor dem letzten Drittel 0-14 zurückliegst, dann reicht ein Remis im letzten Drittel nicht aus.

Scholz hatte eine Mini-mini-mini-Chance, konnte aber auch diese nicht nutzen

Du musst dann, wenn du doch noch gewinnen willst, sehr aggressiv spielen, denn du musst ja aufholen. Und zwar deutlich aufholen! Genau das gelang Scholz ganz sicher nicht, wenn überhaupt. Deswegen ist er der große Verlierer, vielleicht nicht des TV-Duells, aber des Abends. Scholz hatte nur noch eine Mini-Mini-Mini-Chance, aber auch die konnte er gestern nicht nutzen.

Scholz einen Tick besser, aber dann reißt er mit einem katastrophalen Schlusssatz seinen Vorsprung wieder ein

Für Merz ging es primär darum, keinen großen Fehler zu machen, der ihn den 14 Punkte-Vorsprung kosten könnte (so eine Art von Laschet lacht). Merz war nicht überragend, aber er machte keinerlei Fehler. Null Fehler. Das muss man in so einer extremen Drucksituation über 90 Minuten erstmal hinkriegen. Scholz dagegen, den ich bis dahin leicht vorne gesehen hatte, machte mit seinem letzten Satz einen katastrophalen Fehler, als er in seinem Schlussstatement doch tatsächlich sinngemäß sagte, mit ihm werde es so weiter gehen. Damit riss er den kleinen Vorsprung, den er sich in 89 Minuten mühsam erarbeitet hatte, in meinen Augen mit nur einem Satz komplett ein. Katastrophaler Satz! Weiter so. Ein Weiter so will doch kein Mensch, nicht einmal die eingefleischten SPD-Anhänger!

Merz bietet Scholz keinerlei Angriffsfläche, bleibt ganz ruhig und sachlich

Merz wirkte etwas verhalten, überhaupt nicht aggressiv, sehr sachlich, sehr kompetent und staatsmännisch. Er spielte rein defensiv, weil er genau wusste: „Ich muss keine weiteren 5 Treffer erzielen. Es reicht, wenn ich den 14 Punkte-Vorsprung halte und souverän ins Ziel bringe.“ Daher war sein Auftritt zwar nicht berauschend, in dieser Situation, angesichts des Spielstandes aber genau richtig und clever. Er bot Scholz keinerlei Angriffsfläche, ließ sich auch von etwas unverschämten Bemerkungen („doof“, „Sprechblase“, „lächerlich“) nicht provozieren, blieb ganz ruhig und sachlich.

Merz bewies die letzten Wochen und Monate, dass er als einziger Kanzlerkandidat dem Amt gewachsen ist

Merz lieferte gestern Abend keine große Show. Aber das musste er auch nicht. Er zeigte: Ich bin diesem großen Amt a) intellektuell, b) fachlich und c) charakterlich gewachsen. Dass er d) geistige und politische Führung zu übernehmen imstande ist, hat er die letzten Wochen und Monate bereits bewiesen, als er die Debatten setzte, die anschließend ganz Deutschland bewegten. Er setzte die Themen. Er trieb alle vor sich her. Er agierte, allen anderen mussten reagieren und sich bewegen oder zeigen, wo sie stehen. Er zwang jeden Einzelnen, Farbe zu bekennen. Er brach die grün-rote Debattenhoheit.

Friedrich Merz verfügt nicht über den Esprit und den Charme von Markus Söder. Aber kein anderer Kanzlerkandidat erfüllt diese vier genannten und letztlich in der Sache entscheidenden Kriterien. Scholz ist Merz bezüglich (a) und (b) – intellektuell und fachlich – absolut gleichwertig, das konnte man sehen. Und er ist im Wahlkampf ein gewiefter Taktiker, dabei auch vollkommen skrupellos. Aber bezüglich (c) und (d) – Charakter (damit auch Vertrauenswürdigkeit) und Führungsqualitäten – fehlt es bei Scholz, dem unsympathischen Eigenbrötler, den man nicht mal innerhalb der SPD mag und der Deutschland in Europa und in der Welt fast vollständig isoliert hat, vollkommen.

Merz‘ entscheidende Performance wird die in den vier Jahren sein, nachdem er ins Kanzleramt eingezogen ist

Die gestrige Performance von Merz war „nur“ grundsolide. Aber das reicht. Seine eigentliche Performance wird beginnen, sobald er ins Kanzleramt eingezogen ist. Die vier Jahre, die dann folgen, werden für uns alle entscheidend sein. Und da bin ich guter Dinge, dass es mit einer CDU, die sich die letzten drei Jahre unter seiner Führung gravierend geändert hat, zumindest sehr viel besser wird. Wenn er ohne SPD und ohne Grünen regieren könnte, dann wäre ich sogar guter Dinge, dass es richtig gut wird.

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