Von Jürgen Fritz, So. 25. Jan 2026, Titelbild: Kriegsblick-Screenshot
„Untersuchung und Beobachtung, Philosophie und Erfahrung dürfen nie einander verachten noch ausschließen; sie leisten einander gegenseitige Bürgschaft.“ – Carl von Clausewitz: Vom Kriege
I. Im Krieg ist Pragmatismus und Realitätssinn gefragt
Erster Gedanke: In Zeiten des Krieges erscheint es höchst ratsam, strategisch zu denken. Ein strategischer Schlüsselgedanke scheint mir folgender zu sein:
Wenn du deinen Feinden nicht haushoch überlegen bist, also nicht locker ganz alleine mit ihnen allen fertig werden kannst, dann ist es ratsam, Verbündete an deiner Seite zu haben. Sind deine Feinde sehr mächtig und sehr viele, dann kannst du es dir unter Umständen nicht leisten, sehr wählerisch zu sein, wen du als Verbündeten haben willst, zumal wenn dafür nicht viele zur Verfügung stehen. Wenn du fünf oder zehn Möglichkeiten zur Auswahl hast und nur einen oder zwei Verbündete brauchst, ist das etwas anderes als wenn du unbedingt starke Verbündete brauchst, weil du selbst sehr schwach bist, deine Gegner aber zahlreich und mächtig, und du nur einen oder zwei zur Auswahl hast als Verbündete.
Dann wäre mein Rat: Nimm um Gottes willen jeden, den du kriegen kannst! Sei in solch einer Situation nicht wählerisch, denn das wäre ja irrsinnig! Wenn du überfallen wirst und die Einbrecher dich töten, deine Frau und Tochter vergewaltigen wollen und dein Nachbar dir zu Hilfe eilt, dann wäre es ja vollkommen verrückt, diese Hilfe nicht anzunehmen, weil der Nachbar sonst oft ein übler Kerl war. Die USA haben im Zweiten Weltkrieg nicht nur England, sondern auch die UDSSR massiv unterstützt und haben sich mit ihr verbündet, um Hitler-Deutschland erstmal klein zu kriegen. Später wurden die USA und die UDSSR dann größte Feinde. Aber zuerst musste mal die größte Bedrohung aus der Welt geschafft werden und das war bis 1945 Hitler-Deutschland.
Solche Bündnisse einzugehen, ist also vernünftig, selbst dann, wenn der Bündnispartner höchst fragwürdig ist. Hier gilt das Prinzip des kleineren Übels und hier ist Pragmatismus gefragt. George Orwell: „Man hat gewöhnlich nicht zwischen Gut und Böse, sondern zwischen zwei Übeln zu wählen.“ Das sage ich als moralischer Idealist, ja als radikaler Moralist, denn auch ein radikaler Moralist sollte immer auch Realist sein. Realist sein aber heißt, die Wirklichkeit, so wie sie tatsächlich ist und nicht wie man sie sich erträumen würde, wenn man dürfte, zur Kenntnis und zum Ausgangspunkt zu nehmen für alle weiteren Überlegungen. Denn nur so sind die Ideale, die man anstrebt, realistischerweise auch erreichbar. Die Leiter darf durchaus weit nach oben ragen, aber sie muss ganz fest auf dem Boden stehen und je höher die Leiter, desto wichtiger ist die stabile Bodenhaftung.
II. Kriegszeiten bringen Klarheit, sie zeigen, wer wo steht und auf wen man sich verlassen kann
Zweiter Gedanke: So schrecklich Krieg auch in fast jeder Beziehung ist, so hat doch selbst Krieg auch etwas Gutes an sich: Es zeigt sich der wahre Charakter der Menschen. Krieg und äußere Bedrohung stärken unsere inneren Abwehrkräfte und machen uns, sofern wir daran nicht zerbrechen, innerlich stärker. Wahrscheinlich formt kaum etwas anderes den Charakter mehr als das. Und es zeigt sich, wer wo steht. Jetzt merkt man, auf wen man sich verlassen kann, wenn es wirklich drauf ankommt. Es fallen viele Masken. Das bringt Klarheit. Kriegszeiten sind für Heuchler äußerst ungünstig.
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