Adieu, Daniel Küblböck, ich schicke Dir ganz viel Liebe!

Ein Gastbeitrag von Eva Herman, Do. 20. Sep 2018

Daniel Küblböck ist offenbar tot. Es heißt, er sei wohl von einem Luxus-Kreuzfahrtschiff ins Meer gesprungen. Die Sucharbeiten wurden eingestellt. Man hatte über 4.000 Quadratkilometer des Meeres abgesucht, doch man fand ihn nicht. Ich habe Daniel Küblböck persönlich kennengelernt und mir ein eigenes Bild von ihm gemacht. Eva Herman mit sehr einfühlsamen Abschiedsworten, die einem unter die Haut gehen.

Daniel konnte das Mobbing nicht mehr verkraften

Während die Boulevardblätter nun Daniels Leben hoch- und runterschreiben, während sie Interviews führen und oberflächlich spekulieren, aber dennoch nicht in die Tiefe kommen, während manche erfolgreiche Musikexperten sich öffentlich gar lustig über den Verschollenen machen und so manche Fans wirklich um ihn trauern, wird immer deutlicher, dass der junge Mann sehr unglücklich gewesen sein muss. Von Mobbing in seinem beruflichen und privaten Umfeld ist die Rede, welches der sensible Künstler offenbar nicht mehr verkraften konnte.

Daniel Küblböck war aus meiner Sicht ein hoch empfindsamer Mensch. Ausgerechnet er war der erste Moderator gewesen, der mich – nach dem ZDF-Kerner-Eklat 2007 – in seine Wiesbadener Internet-Talkshow Küblböcks Talknight einlud. Wenige Wochen vorher war er zu einem persönlichen Vorgespräch zu mir nach Hamburg gereist, wo ich ihn zu Hause empfangen hatte. Es gab lecker Schnittchen, für die er sich so oft bedankt hatte. Ob ich die wirklich extra für ihn gemacht hätte?

Daniel Küblböck stellte mir viele Fragen zur Mutter-Kind-Bindung. Er war hoch interessiert an den Folgen einer mütterlichen Vernachlässigung. Konnte ein Mensch wirklich noch glücklich werden im Leben ohne die Liebe seiner Mutter? Welche Auswirkungen hatte eine frühkindliche Mutterablehnung? Warum spricht man nicht öffentlich über die Wichtigkeit dieses Themas, wollte er wissen?

Er war hundert Mal besser vorbereitet als so mancher „Qualitätsjournalist“

Daniel Küblböck hatte sich minutiös in das Thema unseres Interviews hineingearbeitet. Er las mehrere meiner Bücher, hatte zahlreiche Fachlektüren internationaler Bindungsforscher durchgearbeitet. Er war hundert Mal besser vorbereitet als so mancher „Qualitätsjournalist“ es in den öffentlich-rechtlichen Talkshows zu sein pflegt.

Als ich dann zur Sendung nach Wiesbaden kam, war er ein bisschen aufgeregt. Auch deswegen, weil manche Leute ihn im Vorfeld gewarnt hatten, Eva Herman einzuladen. Die ist doch Nazi, oder so? All dies war Daniel jedoch egal gewesen. Er bestand darauf, in der Öffentlichkeit über die so wichtigen ersten Lebensjahre eines Kindes zu sprechen. Er wollte aufklären. Und konnte nicht verstehen, warum die Parteienpolitiker sich für hunderttausende Krippenplätze entschieden hatten, während es für die Kleinen doch viel besser wäre, in den ersten Jahren bei ihren Müttern bleiben zu dürfen.

Warum gab man den Müttern nicht einfach mehr Geld, damit sie die Chance für ein Miteinander mit den kleinen Kindern hätten? Warum stigmatisierte man jene Frauen sogar, die bei ihren Kindern zu Hause blieben? Betrachtete sie als Schande für die Gesellschaft? Ich gestehe, dass ich sehr verwundert war über das packende Engagement von Daniel Küblböck.

Daniels Kindheit war offenbar ein Albtraum

Heute lese ich, was Daniel über seine Kindheit gesagt hat. In seiner 2003 veröffentlichten Autobiografie Ich lebe meine Töne, schilderte er bedrückende Erinnerungen aus seinen Kinderjahren. Vor allem musste der Junge offenbar die Liebe seiner Mutter gründlich vermisst haben. Sie habe ihn neben den ständigen Männerbesuchen im Rausch verprügelt: »Ich springe auf mein Bett. Ich will ihr ausweichen, aber wohin? Sie legt die Finger um meinen Hals. Beginnt mich zu schütteln und zu würgen. Mama schreit: Du bist nicht mein Kind! Du sollst nicht mein Kind sein!« Auch soll die Mutter immer wieder zu ihrem Sohn gesagt haben: »Du bist und du wirst auch nichts werden.« Ein Albtraum.

Daniel Küblböck scheint nicht mehr zu leben. Er hat diese innere Leere einfach nicht mehr ausgehalten. Daniel hatte sich offenbar selbst nie richtig finden können, durfte sich einfach nicht mögen.

Lieber Daniel, niemand weiß, wohin Dich Deine Reise jetzt führt. Mögen Deine Engel Dich liebevoll an der Hand nehmen und Dich ins Licht geleiten. Ich bete für Dich. Und ich schicke Dir, wie ganz gewiss viele andere Menschen auch, massenhaft Liebe…

Nachwort von Jürgen Fritz

Der Tod dieses talentierten, sehr sensiblen so jungen Mannes, der wohl bisweilen die Rolle des traurigen Clowns übernahm beziehungsweise ein solcher war, hat für mich etwas sehr Tragisches, an dem für mich einiges deutlich wird. Zum einen wie wichtig der Start ins Leben für uns alle ist. Hier wird offensichtlich entweder ein Grundvertrauen in sich, die Mitmenschen und in die Welt gelegt oder aber Selbstzweifel und Misstrauen. Je nachdem ist damit wohl eine Grundlage gelegt, ob man sich in der Welt zuhause fühlen kann oder nicht. Kurz Kinder brauchen das Gefühl, behütet, geliebt und dennoch frei zu sein, um sich entwickeln zu können.

Zum anderen wird hier einmal mehr deutlich, welch verheerende Wirkungen Mobbing haben kann. Niemand muss jeden anderen mögen. Man muss auch nicht zu jedem besonders freundlich sein. Aber eine gewisse Achtung hat jeder zunächst einmal verdient. Und was mit zum Schäbigsten überhaupt gehört, ist, wenn eine Gruppe sich einen herauspickt und ihn ausgrenzt, gezielt verletzend auslacht, drangsaliert und damit innerlich beschädigt oder gar zerstört. Leider passiert das immer und immer wieder und jeder Einzelne von uns ist aufgerufen, hier dazwischen zu gehen, sobald er so etwas sieht, und dem Gemobbten zur Seite zu stehen. Wir müssen hier einfach mehr Courage und Mut entwickeln. Gerade die besonders Sensiblen, die einen Schatz in sich tragen, der aber das Leben alles andere als leicht macht, brauchen hier unsere besondere Unterstützung und Solidarität.

Vielen Dank, liebe Eva Hermann, für Ihre persönlichen, würdigen, warmherzigen und liebevollen Worte für diesen jungen Mann, der jetzt wohl nicht mehr unter uns ist.

Your Song

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Dieser Text erschien zuerst auf dem Blog von Eva Herman und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

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Zur Autorin: Eva Herman war bis zum Herbst 2007 fast 20 Jahre lang Sprecherin bei der Tagesschau, langjährige ARD-Moderatorin verschiedener Unterhaltungssendungen und hatte zehn Jahre eine eigene Talkshow: Herman & Tietjen. Dann haben die Öffentlich-Rechtlichen sie fristlos entlassen. Der Grund: Weil sie ihre Meinung öffentlich geäußert hatte und zwar darüber, dass Babys optimalerweise zu ihren Müttern gehören und nicht in Krippen. Damit berührte sie ein Denkverbot, das schon damals nicht angetastet werden durfte. Zuvor war sie schon einige Male verwarnt worden: Sie dürfe diese Ansicht auf keinen Fall in der Öffentlichkeit vertreten, sonst könne sie dort nicht weiterarbeiten. Doch sie war nicht bereit, den Mund zu halten bei diesem Thema, das ihr viel zu sehr am Herzen lag, und nahm die Konsequenzen in Kauf. Heute schreibt sie Bücher und Artikel, führt Interviews und reist quer durch die Welt. Auf ihrer Webseite finden sich ihre Artikel und Interviews, die ohne Denkverbot und Maulkorb zustande kommen.

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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