Mit dem Tesla an der Tanke

Von Jürgen Fritz, Mi. 19. Dez 2018

Der Strom kommt aus der Steckdose, das Wasser aus der Leitung, die Nahrungsmittel aus dem Supermarkt, das Geld vom Amt, vom Chef oder vom Ehemann und den Sprit kriegt man an der Tanke. Aber wo kommt denn das Zeug bei dem neuen Elektroauto rein?

Wo muss man denn bei diesen Elektroautos den Sprit einfüllen?

Nein, ich glaube nicht, dass es etwas mit dem Geschlecht oder der Haarfarbe zu tun hat. Vielleicht eher mit dem Zeitgeist. Oder, was meinen Sie?

Tesla, der Weltmarktführer bei Elektroautos

Tesla, Inc. (bis zum 01.02.2017 Tesla Motors) ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das 2003 gegründet wurde. Sein Ziel besteht nach eigenen Angaben in der „Beschleunigung des Übergangs zu nachhaltiger Energie“Dazu sollten, so Tesla, so schnell wie möglich Elektroautos, Stromspeicher und Photovoltaikanlagen für ein breites Publikum gebaut werden. Der Name erinnert an den Physiker und Erfinder Nikola Tesla. Die Nutzungsrechte für die Marke Tesla erhielt das US-amerikanische Unternehmen 2010 nach einer Übereinkunft mit der tschechischen Tesla Holding nach einem Markenrechtsstreit.

Zwischen 2008 und 2012 baute Tesla das erste Automobil mit einer Batterie aus Lithium-Ionen-Zellen (wie man sie beispielsweise von Notebooks kennt), den Tesla Roadster, ein rein elektrischer, zweisitziger Sportwagen. Von diesem wurden 2.450 produziert und weltweit verkauft zum Preis von 109.000 US-Dollar aufwärts. Der Roadster wird seit 2012 nicht mehr gebaut.

Danach wurde die Oberklasse-Limousine Tesla Model S entwickelt, ein Siebensitzer. Preis: 78.000 Euro. Es war 2015, 2016 und 2017 das meistverkaufte Elektroauto der Welt. Bis zum Sommer 2018 wurden davon über 235.000 Exemplare an den Mann respektive die Frau gebracht. Ein Ableger von Model S ist der etwas größere Model X mit Flügeltüren, ebenfalls ein Siebensitzer der Oberklasse. Davon wurden bis Sommer 2018 weltweit ca. 100.000 verkauft.

Seit Mitte 2017 bietet Tesla die Mittelklasse-Limousine Model 3 an. Preis: mindestens 49.000 US-Dollar. In den ersten acht Monaten 2018 wurde es zum weltweit meistverkauften Elektroauto. Das Ziel von Tesla ist, im Jahr 2018 davon 500.000 und im Jahr 2020 eine Million Model 3 zu produzieren. Eine Million entspräche bei einem weltweiten Bestand an Autos von knapp 1,3 Milliarden einem Marktanteil von ca. 0,08 Prozent.

Probleme der Elektroautos

Elektroautos haben bislang eine Reihe von Nachteilen und Problemen. Die drei größten dürften sein:

1. Ob die Ökobilanz tatsächlich so positiv ausfällt, wie viele glauben, ist sehr fragwürdig. Zum einen müssen die Elektroautos erstmal produziert werden. Die Fabriken, in denen die Autos gebaut werden, verbrauchen aber Energie. Was dort ausgestoßen wird, muss den Fahrzeugen zugerechnet werden, denn würden diese nicht produziert werden, würde diese Emissionen auch nicht anfallen. Der Bau eines Elektroautos, besonders die Herstellung seiner Batterie, erfordert aber einen Aufwand, der bei keinem konventionellen Wagen anfällt. Das E-Auto hat also der Umwelt schon mehr geschadet als der Diesel oder Benziner, wenn beide mit null Kilometern auf dem Tacho beim Händler stehen. Die interessante Frage ist daher, ob Elektroautos diesen Malus beim Start mit der Zeit wieder aufholen können und wo genau dieser Punkt liegt. Dabei gilt natürlich, dass Elektroautos regelmäßig elektrische Energie zugeführt werden muss. Diese kommt aber ja nicht einfach so aus der Steckdose, sondern muss hergestellt werden. Und dies geschieht wiederum zum Großteil über Kernkraft, Kohle- und Gaskraftwerke etc, die bei der Stromerzeugung natürlich ebenfalls die Umwelt belasten.

2. Die Reichweite beträgt meist nur wenige hunderte (200 – 500) Kilometer, dann muss die Batterie schon wieder geladen werden.

3. Die Ladezeiten sind enorm lang. Selbst beim Tesla S, der hier führend zu sein scheint, dauert es mit dem besten Spezialstecker an der dazugehörigen Supercharger-Zapfsäule 36 Minuten, bis der Akku wieder komplett voll ist. Wenn keine dieser Ladestationen in der Nähe ist, muss man auf mehrphasige Steckdosen zurückgreifen. Mit einem 22 Kilowatt CEE-Rot-Stecker (400V, 32A, dreiphasig) dauert das Aufladen dann schon 3,9 Stunden, mit einem 11 Kilowatt CEE-Rot-Stecker (400V, 16A, dreiphasig) sogar mindestens 7,7 Stunden. Und wer nur einphasige Stecker (7,4 Kilowatt CEE-Blau-Stecker) zur Verfügung hat, wartet 11,5 Stunden. Das Laden via Haushalts-Stecker ist auch möglich, dauert dann aber über 30 Stunden. Und bei den meisten anderen Elektroautos dauert das Auffüllen der Batterien sogar noch deutlich länger.

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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