Ist wirklich alles relativ?

Von Jürgen Fritz, Fr. 25. Jan 2019

Unter Relativität verstehen wir, dass A von B abhängig ist. Diese Abhängigkeit kann in drei unterschiedlichen Formen bestehen: 1. dergestalt dass die relativen Eigenschaften von A durch Eigenschaften von B, durch andere Begriffe oder durch ein zugrundegelegtes System definiert, mithin von diesen abhängig sind (Bedeutungsrelativität), 2. dass die Bewertung von A von einem bestimmten Wertsystem B oder einer Perspektive B abhängt (Bewertungsrelativität) oder 3. dass die Existenz von A von der Existenz von B abhängig ist, ohne B kein A (existentielle Relativität). Relativität kann also in Form von Bedeutungs-, Bewertungs- oder existentieller Abhängigkeit bestehen. Im folgenden finden Sie humorvoll aufbereitete Beispiele für Bedeutungsrelativität des Ausdrucks „Kälte“.

Wahrheit und Objektivität

„Es ist kalt“, ist – sobald der Ausdruck „kalt“ definiert wurde – eine wahrheitsfähige, überprüfbare Aussage über die objektiv messbare Temperatur außerhalb. „Mir ist kalt“ („Ich friere“) ist ein wahrheitsfähige Aussage über den inneren Zustand des Sprechenden, insbesondere über seine aktuelle Empfindung in Bezug auf thermische Behaglichkeit bzw. Unbehaglichkeit. Beide Aussagen, auch diejenige, die sich auf die subjektive Empfindung bezieht, sind objektiv wahr oder objektiv falsch.

Derjenige, der bezüglich seiner subjektiven Empfindung lügt, der also vorgibt, eine Empfindung zu haben, die er nicht hat, oder eine Empfindung bestreitet, die er tatsächlich hat, sagt ja gerade die Unwahrheit über sein Inneres. Empfindungen sind natürlich insofern immer subjektiv und damit auch relativ, da sie die Empfindungen von jemand, mithin von diesem abhängig sind. Die Temperatur von X als Maß der mittleren kinetischen Energie der einzelnen Teichen von X ist dagegen etwas Objektives, das messbar ist.

Dazu ein Fundstück von Monika Ledig-Martin aus dem Netz (Autor unbekannt).

Kälteempfinden ist relativ – Temperatur (objektiv messbar) nicht

+ 10 Grad Celsius: Die Bewohner von Mietwohnungen in Helsinki drehen die Heizung ab.
Die Finnen pflanzen Blumen.

+ 5 Grad Celsius: Die Finnen nehmen ein Sonnenbad, falls die Sonne noch über den Horizont steigt.

+ 2 Grad Celsius: Italienische Autos springen nicht mehr an.

0 Grad Celsius: Destilliertes Wasser gefriert.

− 1 Grad Celsius: Der Atem wird sichtbar. Zeit, einen Mittelmeerurlaub zu planen. Die Finnen essen Eis und trinken kaltes Bier.

− 4 Grad Celsius: Die Katze will mit ins Bett.

− 10 Grad Celsius: Zeit, einen Afrikaurlaub zu planen. Die Finnen gehen zum Schwimmen.

− 12 Grad Celsius: Zu kalt zum Schneien.

− 15 Grad Celsius: Amerikanische Autos springen nicht mehr an.

− 18 Grad Celsius: Die Helsinkier Hausbesitzer drehen die Heizung auf.

− 20 Grad Celsius: Der Atem wird hörbar.

− 22 Grad Celsius: Französische Autos springen nicht mehr an. Zu kalt zum Schlittschuhlaufen.

− 23 Grad Celsius: Politiker beginnen, die Obdachlosen zu bemitleiden.

− 24 Grad Celsius: Deutsche Autos springen nicht mehr an.

− 26 Grad Celsius: Aus dem Atem kann Baumaterial für Iglus geschnitten werden.

− 29 Grad Celsius: Die Katze will unter den Schlafanzug.

− 30 Grad Celsius: Kein richtiges Auto springt mehr an. Der Finne flucht, tritt gegen den Reifen und startet seinen Lada.

− 31 Grad Celsius: Zu kalt zum Küssen, die Lippen frieren zusammen. Finnlands Fußballmannschaft beginnt mit dem Training für den Frühling.

− 35 Grad Celsius: Zeit, ein zweiwöchiges heißes Bad zu planen. Die Finnen schaufeln den Schnee vom Dach.

− 39 Grad Celsius: Quecksilber gefriert. Zu kalt zum Denken. Die Finnen schließen den obersten Hemdknopf.

− 40 Grad Celsius: Das Auto will mit ins Bett. Die Finnen ziehen einen Pullover an.

− 15 Grad Celsius: Der finnische Kollege überlegt, eventuell das Bürofenster zu schließen.

− 45 Grad Celsius: Die Finnen schließen das Klofenster.

− 50 Grad Celsius: Die Seelöwen verlassen Grönland. Die Finnen tauschen die Fingerhandschuhe gegen Fäustlinge.

− 64 Grad Celsius: Die Finnen gehen zum Rodeln.

− 70 Grad Celsius: Die Eisbären verlassen den Nordpol. An der Universität Rovaniemi (finnisch Lappland) wird ein Langlaufausflug organisiert.

− 75 Grad Celsius: Der Weihnachtsmann verlässt den Polarkreis, die Elfen sind eingefroren. Die Finnen klappen die Ohrenklappen der Mütze runter.

− 80 Grad Celsius: Die Seelöwen wollen mit ins Bett.

− 120 Grad Celsius: Alkohol gefriert. Folge davon: Der Finne ist sauer.

− 268 Grad Celsius: Helium wird flüssig.

− 270 Grad Celsius: Die Hölle friert.

− 273,15 Grad Celsius: Absoluter Nullpunkt. Keine Bewegung der Elementarteilchen.
Die Finnen geben zu: „Ja, es ist etwas kühl, gib‘ mir noch einen Schnaps zum Lutschen.“

Lappen und Waschlappen

Und jetzt, liebe Leser, kennen Sie nicht nur neben der Lichtgeschwindigkeit (absolute Grenze nach oben) eine zweite absolute Grenze (den absoluten Nullpunkt, also eine absolute Grenze nach unten), sondern auch den Unterschied zwischen Lappen und Waschlappen.

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Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

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