Würzburger Schwimmbad: Versuchte Gefangenenbefreiung nach Festnahme

Von David Berger,  Fr. 26. Jul 2019

Immer mehr häufen sich Fälle, in denen – von der Polizei bis zur Feuerwehr – gerade jene Personen, die sich beruflich an vorderster Front für unsere Sicherheit einsetzen, aggressiv angegriffen werden, teilweise von einzelnen, manchmal aber auch gleich von ganzen Menschengruppen. So auch Mittwochnachmittag in Würzburg im dort sehr bekannten Dallenbergbad. David Berger, der in Würzburg aufwuchs, berichtet und fragt sich, wo sich unser Land von Jahr zu Jahr immer mehr hin entwickelt.

Äüßerst aggressives und beleidigendes Verhalten gegenüber den Bemanten, angestachelt von einem 17-Järhigen

Am Mittwochnachmittag ergaben sich im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens auf Grund eines Kfz-Deliktes Hinweise darauf, dass sich der mit Haftbefehl gesuchte Haupttäter im Dallenbergbad befinde. Mehrere Beamte der Operativen Ergänzungsdienste begaben sich daraufhin in die König-Heinrich-Straße, konnten den Gesuchten ausfindig machen und ihm die vorläufige Festnahme erklären.

Als die Beamten mit dem Festgenommenen auf dem Weg zum Ausgang waren, solidarisierte sich plötzlich eine Gruppe von rund 10 Personen im Alter von 15 bis 33 Jahre, die in Badehosen waren, mit dem 18-Jährigen.

Die Gruppe trat äußert aggressiv an die Polizisten heran und beleidigte diese massiv. Insbesondere ein 17-Jähriger kristallisierte sich hierbei als Wortführer heraus, der bereits mit geballten Fäusten auf diese zuging und seine Begleiter mehrfach zur Gefangenenbefreiung aufforderte. Nur durch die Androhung von unmittelbarem Zwang – dem Einsatz von Pfefferspray und dem Einsatzstock – konnten die Beamten eine Auseinandersetzung verhindern. Glücklicherweise wurden keine Einsatzkräfte verletzt.

Selbst die Abfahrt des Polizeifahrzeugs versuchte man zu verhindern

Nachdem der festgenommene 18-jährige mit Haftbefehl Gesuchte sich im Dienstfahrzeug befand, stellten sich mehrere Personen aus der Gruppe – noch immer nur in Badekleidung – vor den fahrenden Pkw und versuchten die Weiterfahrt zu verhindern. Auch hier konnten die Beamten eine Auseinandersetzung mit der Gruppe verhindern.

Der 18-Jährige verbrachte die Nacht in der Haftzelle der Polizeiinspektion Würzburg-Stadt. Er wurde nach er Eröffnung des Haftbefehls am Donnerstag in eine Justizvollzugsanstalt gebracht.

Gegen vier Beschuldigte im Alter von 15 bis 33 Jahren wird nun unter anderem wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter Gefangenenbefreiung, Nötigung, Beleidigung und Bedrohung ermittelt.

Verlust einer „heilen Welt“

Man möge mir verzeihen, dass schon wieder über einen Vorfall in Würzburg berichtet wird, obgleich dieser hier exemplarisch für hunderte an weiteren Schimmbadvorfällen in ganz Deutschland steht. Das hängt natürlich damit zusammen, dass ich mit der Stadt persönlich sehr verbunden bin, da in den 1970ern und 1980ern dort teilweise aufwuchs. Daher erhalte ich häufig detaillierte Infos aus erster Hand. Und ich kann noch eines machen, ich kann vergleichen.

Ich kann nicht mehr zählen, wie viele Male ich an heißen Sommertagen in den Ferien in der „Dalle“ verbracht habe. Nein, eine heile Welt war das natürlich nicht. Es gab auch damals schon einige Vergehen. So kam es immer wieder vor, dass einige Jungs frech vom Seitenrand ins Schimmbecken sprangen, vorher nicht geduscht hatten und nachher ihre leere Pommestüte einfach irgendwo liegen ließen. Von den öffentlich bekannten Vergehen waren diese drei damals aber schon die Schlimmsten.

Wenn ich jetzt in diese Stadt komme, ist das ein ganz seltsames Gefühl: Fast alle Geschäfte, Gebäude, Brücken, Brunnen, Wege und Heiligenfiguren gibt es noch, die zahllosen Glocken der Domstadt läuten noch immer um 7, 12 und 19 Uhr zum Angelusgebet. Und ganz noch oft dazwischen, so dass man vor dem Domplatz seine Stimme nicht mehr hört.

Wie Würzburgs Oberbürgermeister Schuchard (CDU) die Zerstörung des alten Würzburg weiterführt

Aber die Berichte von Rempeleien, Unhöflichkeiten, Beschimpfungen, bewussten Verschmutzungen, über grenzwertige Attacken auf junge Frauen bis hin zu handfester Kriminalität am hellichten Tag und im offenen Raum haben die Menschen dort verändert. Ebenso ist die Atmosphäre im Stadtbild eine ganz andere geworden.

Die alte Fast-Idylle, in der wir lebten wird vermutlich nie wieder kommen. Sie lebte aus einem Gefühl des großen Vertrauens. Ist das einmal zerstört, braucht es viele Jahrzehnte, bis es sich als Grundstimmung wieder durchsetzt.

Da von dem gegenwärtigen CDU-Oberbürgermeister der Stadt derzeit ganz andere Signale ausgesendet werden, werden wir das neu alte Würzburg vermutlich nicht mehr erleben.

Rheinbad bei Düsseldorf musste komplett geschlossen werden

Vor wenigen Wochen musste das Rheinbad bei Düsseldorf komplett geschlossen werden, weil die Bademeister die Menge nicht mehr unter Kontrolle bringen konnten, sich stattdessen selbst in Sicherheit bringen mussten. Die Polizei wurde alarmiert und musste eingreifen. Das Rheinbad wurde für den restlichen Tag komplett geschlossen – zum zweiten Mal in Folge.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf Philosophia perennis und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung von PP und dessen Betreiber David Berger.

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Zum Autor: David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Besteller werdende Buch Der heilige Schein über seine Arbeit im Vatikan als homosexueller Mann. Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Homomagazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritk. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u.a. für die Die ZeitJunge Freiheit, The European). Seine Bibliographie wissenschaftlicher Schriften umfasst ca. 1.000 Titel.

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Titelbild: YouTube-Screenshot vom Würzburger Dallenbergbad aus friedlicheren Tagen

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