Die Herrschaft der Phantasten, Realitätsverweigerer und Logiksuspendierer gilt es zu überwinden

Von Annette Heinisch, Mi. 18. Jul 2019, Titelbild: Pixabay, CC0 Public Domain

Die Lage ist nicht nur ernst, sie ist ernsthaft schlimm. Realitätsverweigerung hilft hierbei nicht weiter, ist vielmehr die eigentliche Ursache des Problems. In unserem Staat geht die Macht vom Volke aus. Wenn es sich aber für dumm verkaufen lässt, wird es auch genauso behandelt. Selten hat eine Führung ihre Bürger weniger wertgeschätzt als die jetzige. Das Volk wird aufgewiegelt, es soll gezielt in Panik versetzt werden („I want you to panic“), damit es leichter zu lenken ist. Ob es der Wald bei uns oder der Regenwald am Amazonas ist, Bienensterben, Rinderwahn, Kernenergie oder Klima, alles eignet sich zur Rettung. Das Drehbuch ist immer das gleiche. Annette Heinisch mit einer brillanten Analyse plus Therapievorschlag.

Schöne Bescherung

Kennen Sie den Film Schöne Bescherung (Christmas Vacation) mit Chevy Chase? Er kommt ziemlich regelmäßig im Advent und amüsiert meinen hoffnungsvollen Nachwuchs ebenso wie seine vom Leben gebeutelten Eltern. Eine meiner persönlichen Lieblingssequenzen stammt von der vom trauten Familienfest völlig entnervten Mutter Ellen Griswold: I don’t know what to say, except it’s Christmas and we’re all in misery.“

Der Familienvater Clark Griswold erhält statt der erhofften Weihnachtsgratifikation, mit der er fest gerechnet und deshalb auch schon den Bau eines Swimming-Pools für die Familie beauftragt hatte, eine Mitgliedschaft im Gelee-des-Monats-Club. Sein Bruder Eddie, dessen Herz nach Aussage von Clark größer ist als sein Hirn („I appreciate that, Clark”), versucht ihn zu trösten („Clark, that’s the gift that keeps on giving the whole year”), als dieser sich aber nicht beruhigt und seinem Arbeitgeber Shirley am liebsten persönlich seine Meinung sagen will, entführt er Shirley. Mit einer roten Schleife verziert, präsentiert er ihn seinem Bruder als Weihnachtsgeschenk. Das Haus wird von Polizisten umstellt und gestürmt. Als der Einsatzleiter erfährt, dass Shirley den Mitarbeitern die Weihnachtsgratifikation gestrichen hat, ist er darüber ebenso verärgert wie die Ehefrau Shirleys. Am Ende verspricht Shirley reumütig, doch noch die Prämie auszuzahlen und räumt ein, dass manche Sachen vom grünen Tisch aus gut, in der Realität aber ganz anders aussehen.

Deutschland ist außer Betrieb

An diesen Film muss ich in letzter Zeit häufiger denken. Die Lage ist nicht nur ernst, sie ist ernsthaft schlimm. Der deutsche Stern, der anfangs nur für Weitsichtigere einen Sinkflug begann, wird nun nach unten durchgereicht. Damit meine ich nicht nur Daimler, obwohl dieses Unternehmen beispielhaft für Deutschland steht. Ursprünglich ein Pionier des technischen Fortschritts, dümpelt Daimler seit 30 Jahren vor sich hin. Der Aktienkurs geht mit dem Markt einmal hoch, dann wieder herunter, aber die Aktie konnte sich nie mehr nach oben absetzen. Aus dem Seitwärtstrend ist mittlerweile ein Abwärtstrend geworden.

Dass es der Wirtschaft und dem Euro nicht gut geht, sie nur durch künstliche Beatmung am Leben gehalten werden, wissen mittlerweile viele. Noch mehr verweigern sich aber der Realität, denn sie ist schwer zu ertragen. Zudem scheint es niemanden zu geben, der die Probleme überhaupt schultern kann. Schwer zu übersehen sind jedoch die gravierenden Mängel an der Infrastruktur und das komplette Versagen, daran etwas zu ändern. Deutschland ist außer Betrieb, diese Überschrift bringt es gut auf den Punkt. Anders gesagt: „I don´t know what to say, except it´s Germany and we are all in misery.”

Dass es den Staaten der westlichen Welt insgesamt nicht viel besser geht, daher diejenigen Staaten nun das Sagen bekommen, welche die Mindeststandards des Westens, wie zum Beispiel Menschenrechte, verachten, macht die Situation nicht angenehmer.

Realitätsverweigerung hilft in solchen Situationen nicht weiter. Leider haben wir eine Führung, die zwar stets Besserung gelobt, aber dann wieder in ihre alten Gewohnheiten zurückfällt. Wäre es möglich, dass sie gar nicht besser kann? Dass sie ernsthaft völlig überfordert ist, die Probleme zu lösen, die sie zumeist selbst geschaffen hat? Immerhin haben die Probleme, die man heute „Herausforderungen“ nennt, durch das inkompetente Agieren ein Ausmaß angenommen, dass selbst Fachleute kaum noch ein oder aus wissen. Außerdem ist es ein so praktischer Trick, Probleme zu schaffen, um sich dann als Retter zu inszenieren und damit Wahlen zu gewinnen. Warum sollte man ein derart einträgliches Verhalten ändern, wenn man das politische perpetuum mobile meint gefunden zu haben?

„Die wollen doch betrogen werden!“

Mit denselben Mitteln wie die Politik hetzen NGOs die Bürger auf und treiben damit die Politiker vor sich her. So wurden aus Jägern Gejagte. Das funktioniert aber nur so lange, wie wir als Bürger auf deren Tricks hereinfallen. In unserem Staat geht die Macht vom Volke aus, wenn es sich für dumm verkaufen lässt, wird es auch genauso behandelt – die Verachtung, die weite Teile der Politik dem Volk entgegenbringen, spricht Bände. Bürger werden bestenfalls wie kleine Kinder behandelt, die man gängeln muss, schlimmstenfalls als Pack angesehen, denen alles, aber mit Sicherheit nichts Gutes zuzutrauen ist, weshalb sie bevormundet werden müssen. Selten hat eine Führung ihre Bürger weniger wertgeschätzt als die jetzige. Aber das ist letztlich auch kein Wunder, denn wenn sich viele Bürger derart leicht hinter die Fichte führen lassen, so verfestigt sich die Einstellung, die man bei so vielen Betrügern findet: „Die wollen doch betrogen werden!“.

Dass ein Staat so nicht funktionieren kann, ist klar. Aber aus Fehlern kann man lernen. Es gibt reichlich Ratgeber, wie man sich vor Neppern, Schleppern und Bauernfängern schützen kann, hier ein kleiner Ratgeber, wie man sie im Politikbetrieb erkennen kann. Sie verwenden nämlich im Prinzip immer dasselbe Drehbuch, manchmal gibt es wie im Fernsehen Spin-Offs der Serie, aber das ist dann nur „alter Wein in neuen Schläuchen“.

Aus der Massenpsychologie, die speziell im Finanzbereich sehr gut erforscht ist, weiß man, dass Gier und Angst enorm starke Antriebskräfte sind. Der Nachteil: Sie verleiten zu fatalen Fehlentscheidungen. Dies gilt umso mehr, wenn man dem Gehirn keine Zeit gibt, die Emotionen zu kontrollieren und die Folgen des Handelns zu bedenken. Das Volk wird aufgewiegelt (Agitation), es soll gezielt in Panik gesetzt werden („I want you to panic“), damit es leichter zu lenken wird.

Das aktuelle Beispiel der gezielt geschürten Massenhysterie beim Thema Klimawandel ist ein Musterbeispiel dieser Vorgehensweise. Der rational handelnde deutsche Politiker würde sich fragen, ob er – unterstellt, das Worst-Case-Szenario wäre wahr – etwas gegen diese Entwicklung tun könnte. Da das nicht der Fall ist, wäre es ratsam, CO2 direkt aus der Luft einzufangen.

Investitionen in diese Forschung wären also sinnvoll. Dann müsste man genau prüfen, welche Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit der Bevölkerung zu treffen wären (zum Beispiel Deichbau und ähnliches). Und nur ganz zum Schluss käme der Punkt, an dem sich ein deutscher Politiker fragen müsste, inwieweit bei uns eine CO2-Reduktion erfolgen könnte. Da es keinen Einfluss auf den Klimawandel hat, dürften derartige Maßnahmen natürlich nicht zu negativen Konsequenzen für die Bevölkerung und die Wirtschaft führen. Ein einfacher Weg, der zudem die Versorgungssicherheit stärkt, wäre der Bau von neuartigen, sicheren Kernkraftwerken (siehe hier und hier).

„Besser rot als tot“

Der Umgang mit der Kernenergie ist die Gretchenfrage. Wem die Verhinderung des Klimawandels wirklich ein ernstes Anliegen ist, kann sich der Nutzung von Kernenergie nicht verschließen. Wie die Netherlands Environmental Assessment Agency in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung ausgeführt hat:

“If climate change control ambitions of some countries remain as high as their current intentions to cut down CO2 emissions by 50% around the middle of the century, nuclear energy could significantly reduce emissions.

Nur darf man die Bevölkerung bezüglich der Risiken von Kernenergie natürlich nicht weiter täuschen. Dieses „Panik-Drehbuch“ ist eines der erfolgreichsten Stücke zwecks politischer Manipulation. So wurde vor der Wiederbewaffnung Deutschlands gewarnt, weil diese zu Krieg führen würde. Dasselbe „in grün“ beim NATO-Doppelbeschluss, weil auch dieser mit Sicherheit zur totalen Vernichtung führen würde, denn die UdSSR könne irgendwie zwingend gar nicht anders handeln, als den Westen genau dann anzugreifen, wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis für sie besonders schlecht ist, so die „Logik“. Die alte Weisheit, dass derjenige, der Frieden möchte, sich auf den Krieg vorbereiten müsse („Si vis pacem, para bellum“), wurde ins Gegenteil verkehrt. Eingängiges Motto war: „Besser rot als tot“.

Alles eignet sich zur Rettung

Diese Methode wurde auch bei der Euro-Rettung eingesetzt. Bekanntlich war die Euro-Rettung keine finanz- und währungspolitische Frage, bei der es auf Experten ankäme. Diese hatten sich nämlich aus sachlichen Gründen in großer Mehrheit gegen eine Rettung ausgesprochen. Die Politik machte dem Volk jedoch weis, dass es um die Rettung Europas ginge, das sonst (wieder einmal …) durch deutsche Hand vernichtet würde. Die Devise diesmal: „Stirbt der Euro, stirbt Europa“. Das sind letztlich alles Spin-Offs des gleichen Drehbuchs.

Waren es anfangs nur die „ausgebeuteten Arbeiter“, die vor den „bösen Kapitalisten“ gerettet werden mussten, erkannte die Politik schnell, dass das „Helden-Epos“ noch deutlich mehr Potenzial hat. Alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, muss nun gerettet werden, denn am deutschen Wesen … egal. Ob es der Wald bei uns oder der Regenwald am Amazonas ist, Bienensterben, Rinder-Wahn, Atomkraft oder Klima, alles eignet sich zur Rettung. Und immer bedarf es Verbote und staatliche Eingriffe.

Vertraue keinem, der verhindern will, dass der Verstand eingeschaltet wird. Bei gefährlichen und/oder schwierigen Situationen gilt: Ruhe bewahren. Neben der Panik, die unter Punkt 1 abgehandelt wurde, gibt es noch einen zweiten Weg, den Verstand geschickt auszutricksen. Loriot hat ihn wunderbar in seinem Sketch Das Ei ist hart  gezeigt.

In diesem Sketch moniert bekanntlich ein Mann seiner Frau Bertha gegenüber, dass sein Frühstücksei nicht wie gewünscht weich, sondern hart ist. Er fragt nach, wie sie es denn kocht und bekommt nach einigen Ausweichmanövern („Ich weiß es nicht, ich bin kein Huhn“) die legendäre Antwort: „Eine Hausfrau hat das im Gefühl“. Da das Ei hart ist, antwortet er mit bestechender Logik, dass dann mit ihrem Gefühl wohl etwas nicht stimme. Jeder Ehemann weiß, dass er an diesem Punkt das Spiel verloren hat.

Die Methode Merkel

Was passiert? Bertha hat äußerst geschickt die Kommunikation von der (tendenziell eher männlichen) Sach- auf die (tendenziell eher weibliche) Beziehungsebene gelenkt. Deborah Tannen, Professorin für Linguistik, beschrieb dieses Phänomen der verschiedenen Kommunikationsebenen mit den daraus folgenden Störungen sehr anschaulich und oft auch lustig in ihren Büchern, zum Beispiel Du kannst mich einfach nicht verstehen – Warum Männer und Frauen aneinander vorbeireden.

In dem Sketch ist der Eierkocher der weiße Elefant im Raum. Er ist die sich objektiv aufdrängende Lösung für das Problem, dass das Ei mal hart und mal weich ist. Damit würde das gewünschte Ergebnis zuverlässig erreicht, das Problem wäre gelöst. Bertha hätte entweder gleich einen Eierkocher nutzen können, zumindest aber einräumen, dass ihre Eierkochkünste nicht überzeugen. Statt aber einen Fehler einzuräumen, schiebt sie die Kommunikation von der Sachebene weg auf die Beziehungsebene und stilisiert sich als armes, unterdrücktes Opfer. Er weist auf ihren Fehler hin und wird dafür abgestraft, indem er als der böse, herzlose und grausame Mann gebrandmarkt wird.

Es ist ein typisches Merkmal der Merkel-Zeit, vielleicht auch eines aufkommenden Matriarchats, dass unter ihrer Führung genau diese Verschiebung der Kommunikation von der Sach- auf die Beziehungsebene erfolgt ist. Der Sketch von Loriot zeigt die Methode Merkel.

Bei der Klima-Debatte entspricht die Kernenergie sowie die Maßnahmen, COaus der Luft zu filtern, dem Eierkocher. Diese Debatten werden aber ebenso wenig diskutiert wie Bertha eine Diskussion über den Eierkocher zulässt. Stattdessen kreist die Debatte um die Opfer des Klimawandels, unsere Schuld und die angebliche Pflicht, der gesamten Welt als Vorbild zu dienen – die sich darum aber nicht im geringsten kümmert.

Immer hübsch nüchtern auf der Sachebene bleiben

Dieser Sketch repräsentiert aber nicht nur zwei unterschiedliche Kommunikationsstile, vielmehr spiegeln sie unterschiedliche Denkkulturen wider. Die eine – nennen wir sie einfach mal wissenschaftliche, die nach Ursache und Wirkung fragt – und die andere emotional-moralisierende, die sich mit Schuld und Sühne befasst. Diese unterschiedlichen Kulturen wurden von C. P. Snow in seiner These der Zwei Kulturen  näher erläutert.

Interessant ist aber vor allem das Ende des Sketches: Eben weil „er“ einer solchen, das eigentliche Problem ignorierenden Kommunikation nicht gewachsen ist, ist er von ohnmächtiger Wut erfüllt. „Ich bring sie um … morgen bringe ich sie um!“ Mit diesem Satz endet der Sketch.

Wer sich also fragt, wo die ganze Wut herkommt, sollte sich überlegen, ob das Verlassen der Sachebene ratsam ist. Finger weg von Berthas und immer hübsch nüchtern auf der Sachebene bleiben! Nur so löst man Probleme und nur so verhindert man die Spaltung des Landes.

Wording und framing kennt mittlerweile fast jeder. Auch der Einsatz von buzzwords, bei deren Nutzung bestimmte Reaktionen des Hörers hervorgerufen werden, ist bekannt. So sind die meisten Bürger ähnlich wie der Pawlowsche Hund abgerichtet, bei verschiedenen Signalen automatisch die gewünschte Reaktion zu zeigen: „rechts“, „Atomkraft“, „Klimaleugner“, „Kapitalist“ sind böse, „links“, „soziale Gerechtigkeit“, „Solidarität“, „Nachhaltigkeit“ sind gut, um nur ein paar Beispiele zu zeigen.

Eine Meisterin ihres Fachs

Aber auch diese Methode wurde verfeinert. Wir sind in einem phantastischen Zeitalter, oder genauer gesagt, in einem Zeitalter der Phantasten. Realität war gestern, die Wirklichkeit kann angeblich von Menschen beliebig konstruiert werden. Deshalb gehen wohl so viele in die Politik, die „etwas gestalten wollen“. Um seine Kreativität möglichst weitgehend ausleben zu können, benötigen die Kreativen einen großen Verfügungsrahmen, wofür Grenzen jeder Art hinderlich sind. Um den Rahmen des Möglichen, also moralisch und rechtlich Erlaubten, zu erweitern, nutzen sie eine altbekannte Methode, nämlich das sogenannte Doppeldenk. George Orwell beschreibt diese Art des widersprüchlichen Denkens in seinem dystopischen Roman 1984:

Durch dieses propagierte Denken, bei dem zwei widersprüchliche oder sich gegenseitig ausschließende Überzeugungen aufrechtzuerhalten und beide zu akzeptieren sind, setzt die herrschende Kaste die Gesetze der Logik außer Kraft. Dadurch wird das Denken der Parteimitglieder schwammig und in Zweideutigkeit gehalten, wodurch schnelle Kurswechsel des Regimes auf eigentümliche Weise sofort akzeptiert werden können, auch wenn es sich dabei um das genaue Gegenteil der zuvor noch ‚gültigen Wahrheit‘ handelt, etwa bei abrupten Wechseln der Feindbilder oder der politischen Losungen.“

Auch hier ist Merkel wieder eine Meisterin ihres Faches. Kaum einer kann verschwurbelter sprechen als sie und kein Kanzler hat bisher derart abrupte Kehrtwenden hingelegt. Dabei wirkt sie oft ungewollt komisch, zum Beispiel ihre Berufung auf eine regelbasierte, internationale Ordnung angesichts der Vielzahl von Rechtsbrüchen, die sie zu verantworten hat.

„Die Berufung auf Rechtsnormen wirkt selektiv. Wenn sie dem eigenen Standpunkt nutzen, sollen sie Gewicht haben; wenn nicht, werden sie ignoriert oder darf man sie aus Gewissensgründen missachten…“, so schrieb Christoph von Marschall  schon vor einiger Zeit in einem äußerst lesenswerten Artikel bezüglich der Seenotrettung.

Auch Mama und Papa können dann nicht mehr helfen

Dies zeigt sich auch derzeit wieder in der aktuellen Massenhysterie in Bezug auf den Klimawandel. „Schulstreiks“ sind zwar verboten, aber Eltern oder Lehrer könnten sie doch nicht verbieten! Doch, kann man. Als Erziehungsverpflichteter muss man das sogar, denn es besteht Schulpflicht. Die Verletzung der Schulpflicht ist eine Ordnungswidrigkeit, in einigen Bundesländern sogar eine Straftat. Dabei kann ein Bußgeld bis zu einer Höhe von 2.500 Euro verhängt werden. Eltern, die ihren Kindern ordnungswidriges oder sogar strafrechtlich relevantes Verhalten erlauben, haben irgendetwas an ihrem Erziehungsauftrag falsch oder gar nicht verstanden. Ebenso wenig, wie man betrunken Auto fahren darf oder 180 km/h auf der Landstraße, darf man die Schule schwänzen, denn wenn jeder für sich entscheiden dürfte, ob es nicht gute Gründe für einen Rechtsbruch gibt, dann frage ich mich, wie viele Bürger noch Steuern zahlen würden.

Ganz neben der Sache liegen Begründungen wie „Aber Arbeitnehmer dürfen doch auch in der Arbeitszeit streiken“. Wer diesen Satz bringt, offenbart damit seine intellektuelle Impotenz, denn ein Arbeitnehmer, der wegen einer politischen Demonstration nicht zur Arbeit erscheint, wird kein Verständnis, sondern eine Abmahnung ernten. Im Wiederholungsfalle wird es noch unerfreulicher, es werden die sogenannten arbeitsrechtlichen Konsequenzen folgen. Selbst wenn Schüler sich also mit Arbeitnehmern vergleichen, was abwegig ist, dann sollte man ihnen auch klar machen, dass es auch im realen Leben Grenzen des Erlaubten gibt. Verstößt man gegen diese, hat das ernste Konsequenzen, auch Mama und Papa können dann nicht mehr helfen. Je früher die Kinder das lernen, desto besser.

Vorsicht vor Leuten, die Buzzwords und Schwurbelsprech nutzen. Entweder wollen sie uns Wähler damit auf’s Glatteis führen, oder aber sie können tatsächlich keinen klaren Gedanken fassen. Beides ist inakzeptabel.

Staaten kommen nicht in den Himmel

Die „Religiosität“ der Massen wurde zunächst durch Religionen befriedigt. Um an ihre Stelle treten zu können, haben die politischen Ersatz-Religionen wie Kommunismus / Sozialismus und Nationalsozialismus / Faschismus die herkömmlichen Religionen bekämpft. Mittlerweile ist eine neue, an Sekten erinnernde Bewegung entstanden, nämlich der Ökologismus. Dabei werden sehr gezielt die Erkenntnisse der Gruppendynamik (Konformität durch Gruppenzwang) und Massenpsychologie eingesetzt:

 „Die Masse entwickelt insbesondere beim Vorherrschen starker kollektiver Emotionen (wie Todesangst oder höchster Verwirrung) und geringem horizontalen Organisationsgrad den Wunsch nach Klarheit und Führung. Ihr Überlebenswille konzentriert sich auf die Hoffnung einer begnadeten Leitung, dies umso stärker, je verzweifelter ihre Lage erscheint. Ist ihr Selbstwertgefühl dieserart beschädigt, ist die Masse überzeugt, sich nicht mehr aus eigener Kraft aus hoffnungsloser Situation zu befreien, ist sie auch bereit zur Unterordnung, zur Anerkennung einer höheren Wertigkeit, als der eigenen. Der Hoffnungsträger, der geschickt die charismatische Lücke nutzt, wird wie ein Messias begrüßt, der vom Schicksal geschickt wurde. Rettung aus der Not scheint in greifbare Nähe gerückt, Freude und Erleichterung breiten sich aus, Dankbarkeit wird dem entgegengebracht, der die ‚letzte Hoffnung‘ verkörpert. Der Führer nutzt die Suggestibilität der höchst emotionalisierten Masse gekonnt aus und verstärkt seinen überweltlichen Nimbus, indem er die kollektiven Hoffnungen der Masse aufgreift und sich als Messias präsentiert, der von höheren Mächten geschickt wurde, um eine bestimmte Sendung zu erfüllen.“

Aktuell kann man das bei der Inszenierung von Greta sehen, die sich – als Sechzehnjährige – gezielt als kleines, unschuldiges Mädchen kleidet und gibt. Aber das ist das richtige Kostüm für den Auftritt, bei dem sie mit großen traurigen Augen die Welt anklagt. Der Planet ist in Gefahr, wir haben nur diesen einen und sie öffnet uns die Augen – welch Heilsbringerin! Deshalb kommt sie übrigens auch gerade in Deutschland so gut an, denn sie verkörpert unseren Wunsch nach dem Guten, der Wiederkehr der verlorenen Unschuld. Deutlich wird auch, dass der Konformitätsdruck in und durch Gruppen, das heißt also Städten, besser wirkt.

Problematisch ist, dass das Kollektiv Erlösung bringen soll. Daher müssen Andere gezwungen werden, den Heilsweg mit zu beschreiten. Insoweit gibt es einen gravierenden Unterschied zum Christentum, bei dem jeder einzelne Mensch für seine (aber auch nur für seine Taten) am Tage des Jüngsten Gerichts Rechenschaft ablegen muss. Nur eigene Leistungen und eigene Entscheidungen zählen, nichts sonst. Staaten kommen nicht in den Himmel! Vorsicht bei Heilsbringern und Charismatikern, sie sind gefährlich. Und wer Erlösung sucht, ist beim Staat an der falschen Adresse.

Wir müssen von unserer Demokratie Gebrauch machen

In den vergangenen Abschnitten habe ich typische Verhaltensweisen aufgezeigt, mit denen die Bürger gezielt getäuscht werden. Nepper, Schlepper und Bauernfänger gibt es überall, auch oder sogar besonders in der Politik.

Da wir aber in einer Demokratie leben, haben wir als Volk die Macht. Wir müssen uns nicht betrügen und täuschen lassen, es liegt an uns, eine bessere Führung zu bekommen. Schließlich bestimmt die Nachfrage das Angebot. Wenn wir also eine kompetente und integere Führung wollen, dann müssen wir durch unser Verhalten dafür sorgen, dass wir eine bekommen. Strafen wir konsequent all diejenigen ab, die mit derart billigen Tricks unsere Stimmen bekommen wollen, wird sich das schnell ändern. Solange wir aber Politiker abstrafen, die uns unbequeme Wahrheiten präsentieren, werden wir nur Politiker bekommen, die uns anlügen. Wer einen Helmut Schmidt in die Wüste jagt, weil er Rückgrat bewies, darf sich nicht wundern, wenn er auf kurz oder lang selber in die Wüste geschickt wird.

Es liegt an jedem einzelnen Bürger dieses Landes, deutlich zu machen, dass die Zeit der Realitätsverweigerung vorbei ist, dass die Bürger wissen müssen, wie es wirklich um das Land steht. Auf dieser Grundlage müssen dann nüchtern die notwendigen Maßnahmen auf der Sachebene erörtert werden.

Natürlich kann man nicht alle damit erreichen, viele sind in ihre Gefühle und Ideologien verliebt. Meines Erachtens haben aber mittlerweile so viele Bürger ihr Vertrauen in die Politik verloren, dass es tatsächlich der einzige Weg ist, wieder handlungsfähig zu werden. Eigentlich wäre die Führung eines Landes dafür verantwortlich, ein solches Klima zu schaffen. Kommt sie ihrer Verantwortung nicht nach, muss eben das Volk selbst dafür sorgen. Das würde die Demokratie immerhin auf eine ganz neue Ebene heben.

Keiner kann sagen, er habe nichts gewusst

Für all diejenigen, die meinen, zum Beispiel mit ihrer Klimapolitik etwas Gutes zu tun, empfehle ich einen Besuch der ehemaligen Kohlereviere in der Lausitz. Dort können sie dann mit Menschen sprechen, denen sie ganz real die Zukunft geklaut haben. Sie könnten den Menschen dann erklären, warum dies sinnvoll ist, obwohl es den Klimawandel in keiner Weise positiv beeinflusst und sich wirklich niemand von unserem „Vorbild“ anleiten lässt. Im Gegenteil, wir werden wegen unserer vor Dummheit strotzender Politik belacht. Aber das ist alles egal, wichtig ist das Gefühl einiger Kinder und vieler Journalisten, doch total etwas super Gutes getan zu haben. Das wiegt real zerstörte Existenzen doch bestimmt auf, oder?

Sie können auch Betriebe besuchen, die Weltkriege, Rezessionen, Währungsreformen und Nachkriegszeit überstanden haben, aber zunehmend unter dem Würgegriff des Staates leiden und bei einer weiteren CO2-Bepreisung (welcher Art auch immer) am Ende sind. Ich kann gerne Adressen nennen. Sie können den Menschen in einer Betriebsversammlung genau erklären, warum diese Maßnahmen ungeheuer wichtig sind und wie toll die ganzen Mehrkosten vom Arbeitslosengeld abgefangen werden. Überhaupt, wie toll sozial abgefedert die CO2-Bepreisung sein wird und wie dennoch der Ausstoß reduziert werden wird. Darauf wäre ich wirklich gespannt.

Vielleicht geht es dann manchen so wie dem eingangs erwähnten Mr. Shirley, dem Arbeitgeber von Clark Griswold, der erkennt, dass manche Idee vom Grünen Tisch aus gut aussieht, sich in der Realität aber doch als ziemlich dumm erweist. Nicht jeder kennt den Grundsatz „Was immer du tust, handle klug und bedenke das Ende“, aber wenn man das Ende sichtbar macht, werden einige nachdenklich. Zumindest kann dann keiner sagen, er habe ja nichts gewusst.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf achgut, er erscheint hier mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

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Zur Autorin: Annette Heinisch studierte in Hamburg Rechtswissenschaften, mit dem Schwerpunkt: Internationales Bank- und Währungsrecht sowie Finanzverfassungsrecht. Seit 1991 ist sie als Rechtsanwältin sowie als Beraterin von Entscheidungsträgern vornehmlich im Bereich der KMU tätig.

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