Greta, der neue Jesus

Von Jürgen Fritz, Do. 30. Mai 2019

Sie geht freitags nicht zur Schule, er hat irgendwann überhaupt nicht mehr gearbeitet, auch nicht Montag bis Donnerstag und Samstag, Sonntag. Beide sind sie besessen von einer fixen Idee, die keine andere gleichwertige Idee neben sich duldet, siehe das erste Gebot: „Ich bin JHWH, dein Gott (deine fixe Idee), der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. Du sollst neben mir keine anderen Götter (fixe Ideen) haben.“ Beide malen Untergangsszenarien an die Wand und weisen den einzigen Weg zur Erlösung. Doch die Parallelen gehen noch weiter.

Das Ende der Welt ist nahe, der Klimakollaps ist nahe – Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben

1. Jesus und Greta, beide haben ihre Anhänger, die sie auf Grund ihres Charismas hinter sich zu scharen vermögen; sie natürlich viel mehr auf Grund der perfekten PR, die von mächtigen, enorm vermögenden Playern (Großkapital) gepuscht und systematisch aufgebaut wird.

2. Beide jagen den Menschen Angst ein vor dem Untergang, dem Ende der Welt, das unmittelbar bevor stünde, vor der großen Katastrophe, deren Ausmalung ihnen Aufmerksamkeit und Macht verleiht.

Die Verheißung, dass das Reich Gottes nahe sei, ist der Kristallisationspunkt der Lehre des Nazareners. Während das Wort „Kirche“, das auf etwas Dauerhaftes hinweist, auf ein Sich-einrichten hier in dieser Welt, in allen vier Evangelien zusammen nur zweimal vorkommt, finden wir Jesu Lieblingswort „Reich Gottes“ allein bei Markus vierzehnmal, bei Lukas dreißigmal und bei Matthäus sogar noch öfter, wobei Matthäus, der Judenchrist, den Namen Gottes meidet und aus „Reich Gottes“ kurzerhand „Himmelreich“ macht.

»Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!« (Mk. 1,14-15)

Wie nahe dieses Reich ist, wird dann präzisiert:

»Und er sagte zu ihnen: Amen, ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht schmecken, bis sie gesehen haben, dass das Reich Gottes in Macht gekommen ist.« (Mk. 9,1)

Jesus redet also nicht von Jahrtausenden oder Jahrhunderten, nein, noch diese Generation werde die Niederkunft des Gottesreiches auf Erden mit eigenen Augen sehen und erleben.

»Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.« (Mk. 13,30-32)

Ganz ähnlich im Matthäusevangelium:

»Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.« (Mt. 4,17)

»Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht den Weg zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel! Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe!« (Mt. 10, 5-7)

Hier wird auch deutlich, dass Jesus kein Globalist, sondern ein jüdischer Nationalist war, der sich primär, wenn nicht ausschließlich für das von JHWH auserwählte Volk interessierte. Für mehr blieb ja auch gar keine Zeit mehr, da das Gottesreich schon so nah war. Wie sollte da die ganze Welt bekehrt werden, sofern solche Gedanken Jesus, dem Juden, ohnehin nicht völlig fremd waren?

»Wenn man euch in der einen Stadt verfolgt, so flieht in eine andere. Denn, amen, ich sage euch: Ihr werdet nicht zu Ende kommen mit den Städten Israels, bis der Menschensohn kommt.« (Mt. 10,23)

Auch hier wieder die ausschließliche Rede von den Städten Israels (jüdischer Nationalist).

»Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten. Amen, ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn in seinem Reich kommen sehen.« (Mt.  16,28)

Auch hier also wieder das Bestätigung, wie nahe das Gottesreich schon sein soll. Ganz ähnlich auch bei Lukas:

»Deshalb hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden und sie werden einige von ihnen töten und andere verfolgen, damit das Blut aller Propheten, das seit der Erschaffung der Welt vergossen worden ist, von dieser Generation gefordert wird, vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, der zwischen Altar und Tempelhaus umgebracht wurde. Ja, das sage ich euch: An dieser Generation wird es gerächt werden.« (Lk. 11,50-51)

Der große Irrtum des Jesus

Interessant hier auch der Rachegedanke, den ich aber an dieser Stelle nicht weiter verfolgen möchte. Hier geht es mir zunächst um etwas anderes: Jesus empfand sich offensichtlich selbst als einen weiteren Endzeit-Propheten und schlug den alten apokalyptischen Alarm, was nicht ungewöhnlich war für die Eschatologie des Spätjudentums, das viele Elemente uralter iranischer, babylonischer und ägyptischer Mythen in sich aufgenommen hatte.

Der iranische Erlöser und Weltheiland (saoschjant) wurde geradezu als der „Gesandte par excellence“ angesehen. Man erwartete sein „Kommen in die Welt“. In der Verkündigung Zarathustras (irgendwann zwischen 1000 und 600 v. Chr.) spielte die Vorstellung des nahenden Gottesreiches eine bedeutende Rolle. Und Jesus erwartete genau wie schon Zarathustra die Verwirklichung dessen noch zu seinen Lebzeiten. Freilich blieb dies wie bei allen anderen Endzeit-Apokalyptikern stets aus. Auch die frühen Christen lebten noch bis ins zweite Jahrhundert hinein in dieser Vorstellung. Jede Generation dachte, sie sei die letzte, bevor das Gottesreich endlich auf die Erde herab käme.

Irgendwann konnte diese Vorstellung natürlich nicht mehr aufrechterhalten werden, weil die Menschen dachten, „Das hat man doch schon unseren Vätern und Großvätern und deren Vätern erzählt“. Goethe ironisierte diese ständige Vertröstung, die bis heute niemals eingelöst wurde, in seinem fragmentarischen Der ewige Jude:

»Die Priester schrieen weit und breit:
Es ist, es kommt die letzte Zeit,
Bekehr dich, sündiges Geschlecht!
Der Jude sprach: Mir ists nicht bang,
Ich hör vom jüngsten Tag so lang.«

Erst nachdem die Endzeit-Prophetie nicht mehr glaubhaft gemacht werden konnte – immer mehr Menschen dachten: „Das erzählt man uns doch jetzt schon seit Generationen“ -, entstand die Notwendigkeit, Evangelien, heilige Schriften zu verfassen und eine Kirche zu organisieren, weil man merkte, man müsse sich wohl doch auf eine längere Dauer einrichten, bis „das Gottesreich“ kommt. Jesus – der wohl auch deswegen nie eine Schrift verfasste, sofern er des Schreibens mächtig war, weil er ja vom unmittelbaren Ende ausging, das dicht bevorstehe, wozu soll man dann noch Schriften verfassen? – hatte genauso geirrt, wie alle Endzeit-Propheten vor und nach ihm. Heute haben wir nun wieder eine solche.

Die Notwendigkeit der vollkommenen Destruktion der Jesus- und Mohammed-Figur

3. Doch nicht nur das. Greta prophezeit nicht nur, wie viele vor ihr, das Ende der Welt, auch sie mahnt wie Jesus, dritte Gemeinsamkeit, zur Umkehr und gerät zur Erlöserfigur. Beide weisen den einzig möglichen Weg, wie dem Ganzen noch entronnen werden kann, was ihre Position ins Unendliche überhöht. Beide kennen keine Gegenargumente und lassen keine zu (totalitärer Zug). Denn es geht ja um alles! Um die ganze Welt! Um unser aller Überleben! Wer solche hohe Ziele sein eigenen nennen darf, der darf sie natürlich auch mit allen Mitteln umsetzen (teleologische Ethik: der Zweck heiligt die Mittel).

4. Kommen wir zur nächsten, zur vierten Gemeinsamkeit: Beide werden angehimmelt. Ein geschickte PR-Frau oder ein solcher Mann, noch besser ein Team von neuen Priestern wird Greta mühelos wenige Jahrzehnte nach ihrem Tod, wenn nicht schon früher, heute ist ja alles schnelllebiger, zur Göttin erheben können. Dann haben wir eine richtige neue Religion, mit allem drum und dran: Greta-Tempel, eigene Gebete („Greta sei bei mir, jetzt und in der Stunde meines Todes“), ihre Kleider, die teuer verkauft und in Museen aufbewahrt werden, Wundergeschichten („Greta konnte über das Wasser wandeln und fliegen, wen sie berührte und zu wem sie sprach, der wurde sofort geheilt“) usw. usf. …

Die Muster sind immer die gleichen. Die Linken haben das meiste von den Christen übernommen. Die haben fast zweitausend Jahre Erfahrung, wie man Menschen systematisch und von klein auf manipuliert und indoktriniert, alle auf eine fixe Idee hin ausrichtet. Von den Christen haben alle Totalitaristen (Mohammed, die Kommunisten, die Faschisten, die Nationalsozialisten) gelernt und die bestens erprobten Techniken übernommen.

Solange das Christentum und insbesondere Jesus nicht vollkommen destruiert, nicht vollkommen entzaubert wird (und in anderen Regionen der Welt die Mohammed-Figur), werden wir diese Muster niemals loswerden, werden wir niemals erwachsen und wird die gesamte westliche Kultur, die von dieser fixen Idee aus dem nahen Osten, aus dem Morgenland befallen ist, seit Paulus sie nach Europa einschleppte, untergehen. Eine fixe Idee, die den Europäern selbst, den Griechen, Römern, Germanen …, vollkommen fremd war.

Jesus bringt das Schwert, um die familiären Bindungen der Ideologie willen zu zerschlagen

Denn was Jesus wie Mohammed tatsächlich brachten, war vor allen Dingen eines: das Schwert, wenngleich in unterschiedlicher Schlagrichtung. Es beginnt zunächst bei Moses:

»Mose stellte sich an den Eingang des Lagers und rief: »Wer auf der Seite des HERRN steht, soll herkommen!« Da versammelten sich alle Leviten bei ihm. Er sagte zu ihnen: »Der HERR, der Gott Israels, befiehlt euch: ›Legt eure Schwerter an und geht durch das ganze Lager, von einem Ende zum anderen. Jeder soll seinen Bruder, seinen Freund oder Verwandten töten!‹« Die Leviten gehorchten, und an diesem Tag starben etwa 3000 Männer.« (2. Buch Mose, 32, 26-28).

Hier wird zum ersten Mal einer fixen Idee, einer Ideologie willen, das Schwert gegen den eigenen Bruder, den Freund, den Verwandten erhoben und die familiären Bande zertrennt um der fixen Idee willen. Dieses Motiv finden wir dann auch im Islam wieder, wo Apostaten im Extremfall, wie damals bei Moses, mit dem Tode bedroht werden. Während das Schwert bei den beiden Juden Moses und Jesus jedoch vor allem nach innen gerichtet war, kam bei Mohammed auch die Schlagrichtung nach außen hinzu: die gewaltsame Expansion und Unterwerfung aller anderen. Das fehlt vor allem bei Jesus völlig, wobei der arme Eselreiter im von den Römern besetzten Galiläa dazu ja auch gar keine Möglichkeit hatte. Doch auch er wollte das Schwert bringen. Was wollte er damit zerschlagen, trennen, zerstören?

Wie schon Moses die familiären Bindungen. Was wir bei Jesus sehen und was bei den Neuen Linken nun so massiv wiederkehrt, ist die Auflösung der Familie für die Ideologie, für die fixe Idee, der sich alle unterzuordnen haben. Denken Sie nur an die Pfarrerstochter und RAF-Terroristin Gudrun Ensslin, die ihr zweijährigen Sohn, den kleinen Felix, lieber zu Pflegeeltern gab, um sich ganz dem politisch-ideologischen Kampf verschreiben zu können, als sich um ihr eigenes Kind zu kümmern. 

»Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen! Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das SchwertDenn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde seinWer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.« (Mt. 10, 34-39)

All das kehrt nun in abgewandelter Form bei den Neuen Linken mit ihrer neuen Heilslehre, der einen Welt, wieder und im Klimawandel. Und in Greta, dem neuen Jesus, haben sie gleichsam ihre Heilsfigur gefunden.

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Titelbild: YouTube-Screenshot von Greta Thunberg

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