Grüne und „Klimaretter“ sind keine „Gesinnungsethiker“, sondern inverse Rassisten

Von Jürgen Fritz, So. 22. Sep 2019, Titelbild: Pixabay, CC0 Public Domain

Immer wieder ist zu lesen, Gutmenschen, Grüne und „Klimaretter“ seien „Gesinnungsethiker. Ich halte diese Rubrizierung für nicht richtig. Sie alle sind primär, übrigens genau wie Sozialisten und Nazis, Teleologen (aus griech.: télos = Ziel), natürlich mit sehr unterschiedlicher Zielsetzung. Sobald das verstanden ist, wird auch klar, warum all diese Ideologen oft bis zum Äußersten bereit sind, wenn es sein muss, nur um das jeweilige Ziel, das als höherwertig angesehen wird, zu erreichen. Für sie alle gilt nämlich der Grundsatz: Der Zweck heiligt die Mittel.

Tugendethik – deontologische Ethik – teleologische Ethik

Zunächst etwas zur Terminologie. In der Moralphilosophie spricht man eigentlich weniger von „Gesinnungsethikern“ und „Verantwortungsethikern“. Das scheinen mir eher Laienbegriffe zu sein, die insbesondere der Soziologe Max Weber 1919 in seinem Essay  „Politik als Beruf“ populär machte, der damit Politiker klassifizieren respektive einen Teil von ihnen abqualifizieren wollte. In der Moralphilosophie spricht man eher von:

  1. Tugendethikern (hier gehören sogenannte „Gesinnungsethiker“ wohl am ehesten hin),
  2. Deontologen (Pflichtethiker) und
  3. ethischen Teleologen oder Konsequentialisten (sogenannte „Verantwortungsethiker“ bei Max Weber oder „Erfolgsethiker“ bei Max Scheler).

Tugendethik-Deontologie-Teleologie (2)

Ziel des Tugendethikers ist die Charakterbildung, der innerlich schöne Mensch

Tugendethiker legen, anders als Teleologen, Konsequentialisten bzw. sogenannte „Verantwortungsethiker“, den Schwerpunkt des moralischen Urteils nicht so sehr auf die Handlungsfolgen und, anders als Deontologen bzw. Pflichtethiker, auch nicht so sehr auf die Handlung selbst , sondern mehr auf die Motivation, die Absicht, die der Handlung zu Grunde liegt, also auf das, was vor der Handlung liegt, ob dieses moralisch gut ist. Dies kann eine bestimmte Gesinnung oder eine feste Haltung sein. Solche Gesinnungen und Haltungen können aus ethischer Sicht sehr überzeugend sein, zum Beispiel die Gesinnung oder Haltung, a) jedem gegenüber gerecht sein zu wollen, b) nie zu lügen oder c) nie jemanden zu töten, zu foltern, zu vergewaltigen, d) keinen als bloßes Mittel für meine Zwecke zu benutzen, oder auch weniger überzeugend, zum Beispiel a) niemals Bluttransfusionen zuzulassen, weder bei sich noch bei seinem Kind, selbst wenn dieses dann stirbt, oder b) niemals eine als „heilig“ angesehene Schrift in Frage zu stellen.

Der Tugendethiker legt dabei sein Augenmerk vor allem darauf, feste psychische Dispositionen herzustellen, sprich auf Charakterbildung. Mit anderen Worten dem Tugendethiker geht es primär gar nicht so sehr um die einzelne Handlung, sondern mehr um die eigene Seele, dass sie so gut wie nur irgend möglich werde. Die guten Handlungen sind quasi Mittel zum Zweck, einen guten Charakter zu formen, aus dem  dann wiederum gute Handlungen entspringen. Solche Gedanken finden sich schon bei Sokrates, dann natürlich bei seinem Schüler Platon und dessen Schüler Aristoteles, wahrscheinlich auch bei Buddha, später dann wohl auch bei Jesus von Nazareth.

Gute Handlung – Gewöhnung – guter Mensch

Dabei gilt der Zusammenhang, den schon Aristoteles herausarbeitete und den die modernen Neurowissenschaften bestätigen: Gute Handlungen führen, wenn sie immer wieder ausgeführt werden, durch Gewöhnung zu guten inneren Dispositionen, zu einem guten Charakter, mithin einem guten Menschen, wenn man so will einem innerlich schönen Menschen. Ein solcher wiederum wird automatisch öfter gut handeln. Die guten Handlungen sind also für den Tugendethiker das Sekundäre, das sich aus dem guten Charakter, dem Primären, automatisch ergibt. Ziel ist also das Innere des Menschen, sein Wesen, seine Seele, seinen Charakter zu formen und tugendhaft zu machen.

Schwachpunkt aller Tugendethiken: Sie geben kein klares Kriterium an, was eine gute und was ein moralisch verwerfliche, eine schlechte Handlung ist. Hier haben vor allem deontologische Ethiken und auch teleologische ihre Stärken, die hier mehr oder weniger klare Kriterien für das moralisch Gute angeben. Typische Tugendethiker sind: Sokrates, Platon, Aristoteles, Buddha, Jesus, die christliche Morallehre, Thomas v. Aquin.

Tugendlehren

Platon nennt bezugnehmend auf sein Seelenmodell mit seinen drei Seelenteilen – Logos (Denkvermögen), Thymos (Wille) und Eros (Begehrungsvermögen) – vier Kardinaltugenden: Weisheit (die Tugend des Logos), Tapferkeit (die Tugend des Thymos), Besonnenheit (die Tugend des Eros) und Gerechtigkeit als übergeordnete Tugend, wenn alle drei Seelenteile im rechten Gleichgewicht sind.

Aristoteles, der eine umfassend ausgearbeitete Ethik vorlegte, nennt fünf Verstandestugenden (z.B. Weisheit, Klugheit = rechte Vernunft im Handeln) und elf Charaktertugenden (z.B. Tapferkeit, Besonnenheit, Freigiebigkeit, Großherzigkeit, Ehrbewusstsein, Seelengröße, Sanftmut, Wahrhaftigkeit … und Gerechtigkeit).

Thomas von Aquin, der bedeutendste mittelalterlich-christliche Denker, der den Aristotelismus mit der christlichen Lehre in Einklang zu bringen versuchte, ergänzt noch einige theologische Tugenden: Gottesglaube, Liebe, Hoffnung.

In der modernen Moralphilosophie sind diese tugendethischen Ansätze wieder im Kommen, insbesondere der ethische Aristotelismus.

Deontologie: Entscheidend ist die Handlung selbst, ob sie in sich gut ist

Ein einfaches Beispiel für einen deontologischen Ansatz wäre die goldene Regel: „Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg auch keinem andern zu.“ Oder besser in der Positivformulierung, die umfassender ist: „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“ Hier ist nichts von Folgen erwähnt und auch nichts von Absichten, Motivationen und Charakter. Es wird rein auf die Handlung abgestellt und es wird eine Metaregel angegeben, welche Handlungen okay sind und welche nicht. Dies ist quasi eine Vorstufe zu Kants kategorischem Imperativ, der nochmals deutlich umfassender ist.

Die Moralphilosophie Kants ist der überragende deontologische Ansatz, neben der Tugendethik des Aristoteles das bis heute wohl beste ethische Konzept, das viele Stärken aufweist, insbesondere sehr viele Fälle unserer Intuition abdeckt und ein klares Kriterium für gute Handlungen liefert: nämlich ihre Verallgemeinerbarkeit, ihre Universalisierbarkeit. Vereinfacht ausgedrückt: Was, wenn das jeder täte? Genauer: Was, wenn jedes Vernunftwesen meine Handlungsmaxime hätte? Kann ich das wollen?

Beispiel: Der Schwarzfahrer in einem riesigen Zug richtet keinen messbaren Schaden an. Die Energiekosten steigen durch die eine Person nicht messbar an. Aber seine Handlungsmaxime – „Immer wenn ich Chancen gut stehen, nicht erwischt zu werden, fahre ich schwarz, schadet doch keinem“ -, verstößt zwar nicht gegen die goldene Regel, weil kein direkter Gegenüber vorhanden ist, dem weh getan würde, ist aber natürlich nicht verallgemeinerbar (Schmarotzerdenken). Würden alle so handeln, genauer: Hätten alle diese Handlungsmaxime, müsste die Bahn viel mehr Kontrolleure einstellen und die Preise würden deutlich steigen oder sie könnte gar ganz dicht machen.

Zur Beurteilung einer Handlungsmaximie stellt man sich am besten vor, es kämen Außerirdische auf die Erde, die uns intellektuell und technisch weit überlegen wären. Was würden wir wollen, wie die uns behandeln sollen? Welche Handlungsmaximen sollten diese und überhaupt alle Vernunftwesen haben?

Die Folgen der Handlung sind für Deontologen nicht das entscheidende Kriterium, ob eine Handlung gut oder schlecht ist

Kant distanzierte sich dabei deutlich von allen Konsequentalisten (Teleologen). Entscheidend für eine moralische Beurteilung könne nie sein, was hinten rauskommt, also die Folgen, und zwar aus mehreren Gründen nicht: a) Das Ergebnis, der Erfolg liegt oft überhaupt nicht in unserer Hand. Hans und Sophie Scholl und die Weiße Rose konnten das NS-Regime nicht stürzen. Sie hatten schlicht nicht die Mittel dazu. Ihr Widerstand war aber moralisch natürlich trotzdem richtig und gut, auch wenn sie das Regime nicht gestürzt haben, also keinen Erfolg hatten. Jemand einen Vorwurf zu machen, weil er etwas nicht verhinderte, was er gar nicht verhindern konnte, wäre ja absurd.

Entscheidend ist bei Kant der gute Wille: sich aus innerer Einsicht dem allgemeinen Sittengesetz zu unterwerfen und das Richtige zu tun, nur deshalb weil es gut ist. Es kommt also nur darauf an, ob dieser feste Wille, das Richtige, das Gute zu tun, da ist, mit allen negativen Konsequenzen für sich selbst, im Extremfall sogar ohne dabei positive Wirkungen zu zeitigen, sprich ohne einen Erfolg vorweisen zu können. Deswegen wird die Handlung nicht schlechter, ja nicht einmal moralisch weniger wertvoll.

Anderes Beispiel: Jemand ist sehr, sehr arm, spendet aber für eine gute Sache eine winzige Summe, die kaum etwas bewirkt, die – da insgesamt viele Millionen gespendet werden – überhaupt nicht ins Gewicht fällt, für ihn aber eine enorme Anstrengung und Einbuße darstellt. Dann hat diese Handlung, die gar nichts bewirkt, einen höheren sittlichen Wert, als wenn ein Multimilliardär eine Million gibt, die er gar nicht mal spürt.

Pflichtgemäßes Handeln aus schäbigen Motiven ist im Gegensatz zum Handeln aus Pflicht ohne sittlichen Wert

b) Während also der Tugendethiker den Schwerpunkt auf das Innere des Handelnden legt und der Teleologe auf die Handlungsfolgen, sind für den Deontologen, der immer primär auf die Handlung schaut und Handlungen beurteilt, gerade nicht die Handlungsfolgen entscheidend, gerade nicht die Konsequenzen, und zwar, das wäre dann der zweite Grund, auch deshalb, weil diese oft gar nicht abgeschätzt werden können. Beispiel: Ich rette jemandem nach einem Autounfall das Leben und der bringt direkt anschließend einen anderen oder gar eine ganze Familie, zu der er gerade unterwegs war, aus Rache oder Neid um, was ich aber nicht wissen konnte, da ich ihn nicht kannte.

c) Außerdem kann zwar etwas Gutes gezielt bewirkt und tatsächlich erreicht werden, das aber aus schäbigen Motiven. Beispiel: Jemand pflegt seinen kranken Vater, das aber nur deshalb, weil er/sie hofft, dass dieser dann in seinem Testament dann festlegt, dass ihm/ihr dann alles vererbt wird. Das Pflegen des Vaters ist natürlich trotzdem gut, aber die Handlung hat keinen moralischen Wert. Denn würde der Vater sein Geld an der Börse verlieren oder würde seine Firma in Konkurs gehen, würde der Sohn / die Tochter die Pflege womöglich sofort einstellen. Hier mangelt es also an einer moralischen Handlungsmaxime. Die Handlung ist pflichtgemäß, aber sie geschieht nicht aus dem sittlichen Pflichtbewusstsein, würde Kant sagen, sondern aus anderen Beweggründen und ist damit ohne sittlichen Wert, obschon sie gute Folgen bewirkt.

Teleologie: entscheidend sind die Handlungsfolgen

Nun zu den Teleologen oder Konsequentalisten („Verantwortungsethiker“). Diese achten primär auf das, „was hinten raus kommt“. Entscheidend sind für Teleologen der Erfolg, die Konsequenzen, die Folgen, ob die gut oder schlecht sind. Und hier können natürlich unterschiedliche Bewertungen zu Grunde liegen, was gut und was schlecht ist.

Es gibt unterschiedliche Ziele, beispielsweise a) Abbau von Ungleichheit, das was vor allem die Sozialdemokraten und die sozialistischen Globalisten derzeit antreibt. Ihr Grundsatz: Je mehr Ungleichheit abgebaut wird, desto besser. Denn Ungleichheit empfinden sie als Ungerechtigkeit.

Manchmal geht das sogar soweit, dass sie denken: Die Gruppe A (zum Beispiel Männer oder Weiße oder weiße Männer) war in der Vergangenheit immer privilegiert, die Gruppe B (zum Beispiel Frauen oder Nichtweiße) immer benachteiligt. Um dieses früher begangene Unrecht wieder gut zu machen, müsse jetzt die Gruppe A benachteiligt und unterdrückt werden. Die hätten das verdient (obschon die ja gar nichts dafür können, was andere früher taten). So könne das früher geschehene Unrecht quasi gesühnt werden. Das ist natürlich absurd, aber so denken wohl derzeit viele. Und Ungleichheit abbauen kann man natürlich auch, indem man Privilegierte, zum Beispiel Reiche einfach totschlägt und ihr Vermögen verteilt. Das wäre sogar der maximale Abbau von Ungleichheit. Dieser Ansatz hat, bei all den sonstigen Schwächen, auch keinerlei Kriterium, ob es in dieser großen Umverteilung Grenzen gibt, was die Handlungen anbelangt. Denn dazu bräuchte man ja einen anderen zusätzlichen ethischen Ansatz, der schrecklichen Exzessen Einhalt gebietet. Das ist wohl das, was auch in der Französischen Revolution teilweise fehlte.

b) Ein anderes übergeordnetes Ziel kann sein: das Glück all derer, die von der Handlung betroffenen sind, in der Summe zu optimieren und den Nutzen für alle zu maximieren (Utilitaristen). Das ist eigentlich der überzeugendste teleologische, konsequentialistische Ansatz: The greatest happiness of the greatest number. Hier zählt also keiner mehr als der andere, weder in die eine noch in die andere Richtung. Entscheidend ist also ein optimale Nutzenbilanz.

Grundsatz: Der Zweck heiligt die Mittel

Probleme, die hierbei auftauchen: a) Wie misst man das Glück aller? Wie vergibt man hier Glückspunkte, die dann bei jeder Handlungsalternative aufsummiert und dann verglichen werden? Manchmal ist das sicherlich ganz offensichtlich und sehr leicht grob abschätzbar, in vielen Fällen aber fast gar nicht. b) Was ist entscheidend: Das tatsächlich empfundende Glück am Ende oder die Präferenzen aller Beteiligten, was sie also wünschen? Denn Letzteres kann von Ersterem stark abweichen. Soll vor allem die Intensität des Glücksgefühls zählen oder mehr die Dauer? Was ist, wenn einer ein sehr starkes Glücksgefühl hat, wenn er andere quälen kann, zählt das genauso wie das Glücksgefühl dessen, der von seinem Peiniger befreit wird?

Für alle Teleologen bzw. Konsequentialisten („Verantwortungsethiker“) gilt nun der Grundsatz: Der Zweck heiligt die Mittel. Das heißt, Teleologen sind bereit, letzten Endes über Leichen zu gehen, so sie nicht ein anderes Korrektiv haben und das kann dann eigentlich nur deontologischer oder tugendethischer Natur sein. Sie gehen dabei nicht aus Bösartigkeit, nicht aus rein egoistischen, antimoralischen Gründen über Leichen, sondern „der guten Sache wegen“. Genauer: der Sache wegen, die sie für eine gute halten. Denn bei all den Ansätzen gilt immer: Jedes Vernunftwesen kann sich auch täuschen, sei es a) in Bezug auf die tatsächlichen Folgen, sei es in Bezug auf die Richtigkeit des Ziels, sei es b) in Bezug auf die rechte Gesinnung (Beispiel Bluttransfusion), auf die richtige Haltung oder Tugend oder sei es c) in Bezug auf die richtige Handlungsmaxime.

Die Nazis, so meine These, waren nun genau wie die Kommunisten, genau wie die heutigen Grünen, wie die „Klimaschützer“, wie die Diversität-Anhänger Teleologen. Sie alle hatten oder haben ein übergeordnetes Ziel, welches sie für richtig und gut hielten respektive halten, das sie mit allen Mitteln durchsetzen woll(t)en, die Nazis natürlich besonders brutal und unmenschlich. Aber auch sie waren von einem Gedanken getrieben: Sie wollten das Schlechte, das sie meinten in den Juden zu erblicken, in den Homosexuellen, in den Kommunisten, in den Zigeunern, in den geistig Behinderten usw. ausrotten, um so die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Dies verbindet alle Teleologen: Sie alle sind (Möchte-gern-)Weltverbesserer, wobei natürlich die Vorstellungen, was die bessere Welt ausmacht, bisweilen sehr unterschiedlich sind.

Grün-rote Gutmenschen und Klimaretter sind keine Tugendethiker und auch keine richtigen Teleologen, sondern wirken ethisch ziemlich wirr

Die grün-roten Gutmenschen und „Klimaretter“ argumentieren nun oftmals so, dass es zu einer Katastrophe käme, wenn wir nicht insbesondere den CO2-Ausstoß drastisch reduzieren. Das übergeordnete Ziel ist hier also die Vermeidung der Klimakatastrophe, mithin „die Rettung der Welt“. Wenn wir nun davon ausgehen, dass dieser Zusammenhang – zusätzlicher, menschengemachter CO2-Ausstoß als Ursache der mittleren Erderwärmung, was dann wieder insgesamt eindeutig negative Folgen hat für die Menschheit (utilitaristischer, also teleologischer Ansatz) – tatsächlich gegeben wäre, dann müsste man aber die Hauptverursacher des weltweiten CO2-Ausstoßes dazu bringen, dass diese den ihren herunterschrauben. Das wären in erster Linie: 1. China, 2. USA, 3. Indien, 4. Russland und 5. Japan. Nun springen aber die „Klimaretter“ in ihrer Argumentation plötzlich um und sagen, wir müssten aus Prinzip damit anfangen, auch wenn es weltweit extrem wenig Positives bewirkt, quasi als Vorbild und Vorreiter für alle anderen.

Wenn aber klar ist, dass die anderen dem gar nicht folgen werden, dann wird das angestrebte Ziel ja gar nicht erreicht. Insofern liegt hier überhaupt keine schlüssige ethische Begründung vor. Einerseits argumentiert man völlig vom übergeordneten Ziel (Telos) her, argumentiert also teleologisch, dann aber springt man plötzlich und sagt, wir müssten hier das tun, was gut wäre, wenn es alle tun würden, auch wenn die anderen gar nicht mitmachen und das Ziel gar nicht erreicht wird. Tugendethisch (gesinnungsethisch) ist die Argumentation aber auch nicht, denn dann würde man sich ja um sein eigenes Inneres kümmern, würde sich selbst tugendhaft, also meinetwegen so wenig wie möglich klimaschädlich verhalten. Man würde als Tugendethiker („Gesinnungsethiker“) aber nicht andere zwingen, das auch zu tun. Und deontologisch ist es auch nicht, denn was sollte die allgemein gültige Handlungsmaxime sein, die für alle vernunftbegabten Wesen gelten sollte?

Wenn Z ein ethisch gerechtfertigtes Ziel ist, das wichtiger ist als alle anderen Ziele, dann sollst du M tun, sofern gilt: Wenn alle M täten, dann würde Z erreicht werden. Und das sollst du auch dann tun, wenn es außer dir keiner tut und Z gar nicht erreicht wird. Außerdem sollst du andere, die in deinem unmittelbaren Umfeld sind, dazu zwingen, dass sie M auch tun, auch wenn sie weder an Z noch an M glauben. Andere, die viel mehr Einfluss hätten, dass Z erreicht wird, und die M auch nicht tun wollen, darfst du aber nicht dazu zwingen, M zu tun, sofern sie einer anderen Kultur angehören.

Was, bitte schön, soll das denn für eine ethische Regel sein? Das hat weder Hand noch Fuß. Es entbehrt jeglicher Schlüssigkeit und wirkt, um es vorsichtig zu formulieren, doch recht wirr.

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