Volkmarsen: Autofahrer rast absichtlich in Rosenmontags-Zug, zig Verletzte

Von Jürgen Fritz, Mo. 24. Feb 2020, Update: Di. 25. Feb 2020, Titelbild: tagesschau-Screenshot

Im hessischen Volkmarsen ist gegen 14:30 Uhr ein 29 Jahre alter Deutscher aus der Region mit einem silbernen Mercedes Kombi gezielt und wohl vorsätzlich in eine Menschenmenge bei einem Rosenmontagsumzug hinein gefahren. Der Fahrer soll mit „hoher Geschwindigkeit“ absichtlich in die Menschenmenge gerast sein.

Mindestens 76 Verletzte

Wie die Polizei in Kassel inzwischen mitteilte, wurden mindestens 76 Personen verletzt, darunter mindestens 20 Kinder. Zwischenzeitlich hieß es, dass sich noch 35 Menschen in stationärer Behandlung im Krankenhaus befänden. 17 weitere konnten das Krankenhaus wieder verlassen. Es melden sich aber immer weitere Verletzte, so dass die Gesamtzahl immer weiter ansteigt. Anfangs war nur von 30 Verletzten die Rede gewesen.

Laut BILD-Informationen handelt es sich bei dem Täter um Maurice P. (29) aus Volkmarsen, ein Deutscher wie die Polizei mitteilt. Er sei unmittelbar vor Ort festgenommen worden und soll mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert worden sein, war am Montag nicht vernehmungsfähig. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort.

Laut Beobachtern soll der Fahrer des silbernen Mercedes die Absperrung des Rosenmontagsumzugs gezielt umfahren haben. Ein Augenzeuge habe berichtet, das Auto sei etwa 30 Meter weit in die Menge gefahren, bis es zum Stehen gekommen sei. Der Fahrer habe sogar noch Gas gegeben. Alles, der gesamte Hergang spricht dafür, dass es sich um eine vorsätzliche Tat handelt und zwar eine solche mit Tötungsabsicht.

Alle Rosenmontagsumzüge in ganz Hessen abgebrochen

Als Konsequenz wurden heute alle Rosenmontagsumzüge in ganz Hessen vorsichtshalber abgebrochen, wie die Polizei mitteilte:

Umzüge-Abbruch

Es hat ,Plopp, plopp, plopp‘ gemacht, immer wenn das Auto einen Menschen überrollt hat

Der 29-jährige Autofahrer sei laut hessischem Innenministerium derzeit nicht vernehmungsfähig.

Landrat Dr. Reinhard Kubat zu BILD:

„Es war ein wunderschöner Rosenmontagsumzug und gerade, als der Zug zu Ende ging, hörte ich plötzlich Blaulicht und Sirenen. Mir kamen weinende Menschen entgegen. Es lagen vor allem verletzte Kinder auf der Straße, aber auch Ältere. Kinder kamen zu mir und sagten es habe ,Plopp, plopp, plopp‘ gemacht, immer wenn das Auto einen Menschen überrollt hatte.“

Der Tatort

Volkmarsen ist eine Kleinstadt im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg, rund 28 km westnordwestlich von Kassel mit knapp 7.000 Einwohnern.

Erste Äußerungen zu dem Vorfall seitens des Polizeisprechers Henning Hinn

Presseinformation der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main

»Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und die hessische Polizei ermitteln gegen einen 29-jährigen deutschen Staatsangehörigen aus Volkmarsen der dringend verdächtig ist, am 24.02.2020 gegen 14.45 Uhr mit einem PKW in eine Personengruppe beim Rosenmontagsumzug in Volkmarsen gefahren zu sein. Durch die Kollision mit dem PKW sind nach derzeitigem Stand der Ermittlungen rund 30 Personen – teilweise schwer – verletzt worden. Unter den Verletzten befinden sich auch Kinder.

Die Verletzten werden derzeit in den umliegenden Krankenhäusern versorgt. Der Beschuldigte konnte noch vor Ort von der Polizei vorläufig festgenommen werden und befindet sich derzeit aufgrund der Verletzungen, die er im Zusammenhang mit dem Schadensereignis selbst erlitten hat, in ärztlicher Behandlung. Der Beschuldigte soll dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, sobald dies sein Gesundheitszustand zulässt.

Die Ermittlungen – insbesondere zu den Hintergründen der Tat – dauern derzeit an. Insbesondere zum Tatmotiv können derzeit noch keine Angaben gemacht werden; es wird in alle Richtungen ermittelt. Vorsorglich wurden alle Rosenmontagsumzüge in Hessen beendet. (…)

gez. Alexander Badle Oberstaatsanwalt«

Der mutmaßliche Täter: Achtung, Fake News!

Die Polizei Nordhessen hat inzwischen klar gestellt, dass auf dem folgenden Bild nicht wie teilweise von einigen Medien berichtet wurde, die Festnahme des Täters zu sehen ist. Sie schreibt:

„Bei der abgebildeten Person handelt es sich definitiv nicht um den Täter. Bitte teilen Sie keine Falschnachrichten!“

Fahrer ist der Polizei schon öfter aufgefallen und es gab eine zweite Festnahme

Die Deutsche Presse-Agentur berichte unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass der Fahrer nach ersten Erkenntnissen den Behörden nicht als Extremist bekannt sei. Allerdings sei er der Polizei in der Vergangenheit durch Beleidigung, Hausfriedensbruch und Nötigung aufgefallen.

Täter

RTL-Screenshot: Maurice P.

Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill bestätigte noch am Montagabend, dass es eine zweite Festnahme gegeben habe. Ein Mann soll hinter dem Auto gefilmt haben, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen berichtet. Dabei sei aber noch unklar, ob es sich um einen Schaulustigen handelte oder ob er eingeweiht war. Er sei bereits kurz nach dem Zwischenfall von der Polizei mitgenommen worden, hieß es.

Laut einem Zeugen seien erboste Menschen am Tatort mit erhobenen Fäusten auf den Fahrer zugelaufen. Die Polizei habe den Mann der so viele Menschen, darunter viele Kinder an- oder überfahren hatte, vor der Menge schützen müssen. Christian Diste, der Vorsitzende der Volkmarser Karnevalsgesellschaft teilte mit, dass an dem Umzug etwa 700 Personen in 27 Gruppen teilgenommen hätten.

Die WELT fasst das bisher Bekannte am späten Montagabend zusammen

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