Warum die Revolution im Iran eine tiefe Kränkung für westliche Linke darstellt

Von Jürgen Fritz, Do. 15. Jan 2026, Titelbild: DW-Screenshot

Nicht wenigen ist längst aufgefallen, wie verhalten westliche Linke (Sozialisten, Wokeisten) auf die Revolution im Iran reagieren. Müssten denn nicht gerade Linke entschieden auf der Seite der Freiheit, auf der Seite des Kampfes gegen brutale Unterdrückung stehen? Wie ist diese Zurückhaltung zu erklären?

Die Anti-Schah-Demonstration in Berlin am 2.6.1967 war die Geburtsstunde der kulturrevolutionären Linken

Der entscheidende Hinweis auf diese Frage kam von Dr. habil. iur. Ulrich Vosgerau: »Die jüngeren verstehen vielleicht gar nicht, daß und warum die Wiedereinführung eines Shahs von Persien (auch wenn der ganz anders wäre als der letzte Schah) für die heutige, kulturrevolutionäre Linke in der Bundesrepublik eine ähnlich schlimme Kränkung wäre wie seinerzeit die Wiedervereinigung: denn die heutige Linke in der Bundesrepublik hat ein Gründungsdatum und eine Gründungsveranstaltung, und das ist die Anti-Schah-Demonstration in Berlin am 2. Juni 1967 (wo dann Benno Ohnesorg erschossen wurde).«

Der Student Benno Ohnesorg wurde am 2.6.1967 in West-Berlin bei einer Demo gegen den Staatsbesuch von Mohammad Reza Pahlavi von einem Zivilpolizisten erschossen. Dies machte Ohnesorg in ganz Deutschland bekannt und trug wesentlich dazu bei, dass sich die westdeutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre bundesweit ausbreitete und radikalisierte. Sein Todestag gilt als Einschnitt der westdeutschen Nachkriegsgeschichte mit weitreichenden gesellschaftspolitischen Folgen. Der West-Berliner Polizist Karl-Heinz Kurras hatte Ohnesorg ohne Auftrag, unbedrängt und wahrscheinlich gezielt aus kurzer Distanz in den Hinterkopf geschossen. 2009 wurde bekannt, dass Kurras für die STASI, das Ministerium für Staatssicherheit der DDR, tätig war.

Auf den Schah folgte der radikalislamische Revolutionsführer Chomeini, dem westliche Linke äußerst zugetan waren

Es war in der Tat die Anti-Schah-Bewegung die diesen Radikalisierungsprozess der Neuen Linken ausgelöst hat. Der 2. Juni 1967 war quasi die Geburtsstunde. Und später haben die Linksradikalen mitgeholfen, dass der Schah im Jan. 1979 den Iran verließ, ins Exil ging und der radikalislamische Revolutionsführer Chomeini die Macht übernahm. Der Iran wurde zum islamischen „Gottesstaat“ und es kam schon 1979 zu wahren Hinrichtungswellen, dann im November 1979 zur Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran durch radikale Studenten und zum Beginn der mehr als einjährigen Geiselnahme von Teheran. Die politische Opposition wurde vollkommen eliminiert, die Weiße Revolution des Schahs (insbes. aktives und passives Frauenwahlrecht) rückgängig gemacht.

Auf Chomeinis Agenda standen vor allem zwei Punkte:

  1. die Konsolidierung der islamischen Republik durch Islamisierung der iranischen Gesellschaft und
  2. der Export der islamischen Revolution in andere Länder.

Wenn das islamische Terrorregime nun zusammenbricht und der Sohn des damaligen Schahs als neuer Schah Staatsoberhaupt wird, fühlt sich das für die Linksradikalen so an, als sei ihre eigene Geburt beziehungsweise das, was diese bewirkte, rückgängig gemacht worden.

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