Von Jürgen Fritz, Mi. 21. Jan 2026, Titelbild: CNN News18-Screenshot
Letzten Freitag wurde bekannt, dass die USA den großen Flugzeugträger USS Abraham Lincoln mit zig Kampfjets, tausenden Soldaten + drei Zerstörer + Atom-U-Boot in die Golfregion verlegen. Anreisezeit: ca. eine Woche. Drei Militärexperten äußern sich zu einem möglichen Angriff.
Die USS Abraham Lincoln ist unterwegs Richtung Iran
Am Freitagmorgen, den 16.01.2026, berichten unter anderem die Zeitung „New York Times“ und das Portal „Axios“, dass der Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ plus Begleitschiffe auf dem Weg vom Südchinesischen Meer in die Golfregion seien. An Bord des von einem Atomreaktor angetriebene Flugzeugträgers sind normalerweise mehrere Tausend Soldaten sowie Dutzende Kampfflugzeuge. Die „USS Abraham Lincoln“ wird in der Regel von Zerstörern der Marine begleitet. Zudem würden zusätzliche Waffen und Verteidigungsausrüstung dorthin gebracht, berichtete die New York Times weiter. Es könnten auch weitere Kampfflugzeuge folgen. Der Verband würde in etwa einer Woche im Nahen Osten ankommen. Damit stellt sich die Frage, ob gegen Ende der Woche ein großer Luftschlag gegen den Iran bevorsteht. Dazu im folgenden drei Statements von ausgesprochenen Militärexperten.
Die Einschätzung von Nico Lange
Nico Lange, Politikwissenschaftler und Politikberater, bis 2022 Leiter des Leitungsstabs im Bundesministerium der Verteidigung, sieht die Lage im Iran recht skeptisch. Am 17.01.2026 schreibt er:
»Vom „Ende des Regimes“ im Iran ist gerade viel die Rede. Die Realität ist ernüchternd: Das System ist brutal und weiter geschlossen. Revolutionsgarden und Sicherheitsapparat funktionieren und es gibt kein alternatives Machtzentrum.
Die Proteste im Iran sind mutig und gesellschaftlich breit, aber auch politisch führungslos. Die Opposition ist noch fragmentiert, im Exil zerstritten und die organisatorischen Strukturen sind schwach. Die reale Bedeutung von Exilfiguren – vom Sohn des Schahs bis hin zu anderen prominenten Stimmen – wird überschätzt.
In Europa wird viel gesprochen, große Worte über Menschenrechte und Solidarität und über „an der Seite der Iranerinnen und Iraner stehen“. Gemacht wird wenig. Selbst die Revolutionsgarden zur Terrororganisation zu erklären, ist bisher nicht gelungen. Das Regime im Iran kann weiter brutal zuschlagen und seine Funktionsfähigkeit aufrecht erhalten.
Trump hätte für Militärschläge gegen die Mullahs diesmal vermutlich viel Applaus bekommen. Er hat die Angriffe jedoch mindestens vorerst abgeblasen, auch weil er ohne Flugzeugträger in der Region kaum gute Optionen dafür hatte. Auch wenn in wenigen Tagen ein U.S.-Flugzeugträger in der Region eintrifft, bleiben Militärschläge jetzt unwahrscheinlich. Trump selbst baut rhetorisch gerade schon vor, um sagen zu können, es gehe nicht mehr um konkrete Angriffe sondern um Abschreckung und Beruhigung. Auch geopolitisch spricht wenig für einen U.S.-Angriff – nicht zuletzt China sieht darin Risiken für Energiepreise, Handelsrouten und regionale Stabilität und wird das den USA bereits deutlich gemacht haben.
Die nüchterne Analyse ist bitter. Falsche Iran-Politik der Europäer, europäische machtpolitische Schwäche, Trumps Hoffnungen auf einen Grand Bargain mit China, gleichzeitig kaum realistisch erfolgversprechende militärische Optionen – all das hält die Mullahs an der Macht.
Die Einschätzung von Joey Hoffmann (U.M.)
Zu einer deutlichen anderen Einschätzung kommt Ex-Nachrichtendienstler und Militärblogger Joey Hoffmann (U.M.). Dieser schrieb am 15.01.2026 folgendes: Ein Luftschlag der USA gegen den Iran werde immer wahrscheinlicher, „die militärischen Vorbereitungen laufen“. Er sah letzten Donnerstag insgesamt eine Phase der Vorbereitung, die durch das dynamische Geschehen sehr ernst zu nehmen sei. Die USA hätten schon in der Woche zuvor viele Transportmaschinen oder Tanker nach oder über Europa verlegt, darunter mehrere Stratotanker (Boeing KC-135). Diese könnten lange in der Luft bleiben und Bomber und Jagdbomber im Flug auftanken. Die USA hätten in der gesamten Region Personal und Material abgezogen bzw. verteilt.
Zu der Einschätzung, dass Trump persönlich bei so etwas nur mitmache, wenn er maximale Sicherheit habe, meint Hoffmann: Ja, Trump wolle den Friedensnobelpreis, weit wichtiger aber sei, dass er seinen MAGA-Wählern keine Verluste erklären müsse. Das hält er für ein stichhaltiges Argument. Um also einschätzen zu können, ob oder wann die USA angreifen könnten, müsse man sich anschauen, welche Kapazitäten sie hätten und was da gerade passiere.
- »In Reichweite zum Iran liegen die Zerstörer USS Roosevelt (DDG-80), die USS Mitscher (DDG-57) und die USS McFaul (DDG-74). Alle drei gehören zur Arleigh Burke Klasse. Das sind so genannte Lenkwaffenzerstörer, die jeweils 90 und mehr Senkrechtstarter haben, aus denen unterschiedliche Raketen abgefeuert werden können.«
- Eventuell komme noch ein vierter Zerstörer und ein Atom-U-Boot dazu, das sei aber nicht verifiziert.
- »In der Region operieren auch die USS Canberra (LCS-30), die USS Tulsa (LCS-16) und die USS Santa Barbara (LCS-32). Das sind Fregatten der neuen Independence Klasse, die für asymmetrische und küstennahe Kriegsführung und nachrichtendienstliche Aufklärung konzipiert sind.«
Durch die Straße von Hormus gingen etwa 25% des weltweiten Öl-Handels. Und der Iran drohe immer wieder damit, diese Meerenge zu verminen. Deshalb sei es sehr naheliegend, dass solche Einheiten ständig zur Aufklärung dort unterwegs sind.
Am Donnerstagmorgen »kam dann die Bestätigung, dass die USA die „Battle Group“ des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln (CVN-72) vor den Arabischen Golf beordert haben. Dazu gehören mindestens (!) die USS Spruance (DDG-111), die USS Michael Murphy (DDG-112) und die USS Frank E. Petersen Jr. (DDG-121). Ebenfalls alles Zerstörer der Arleigh Burke Klasse. Zu der Battle Group gehört immer auch mindestens ein Atom-U-Boot, derzeit der Ohio Klasse. Das sind U-Boote, die ballistische Raketen starten können (SSBN), auch ohne aufzutauchen. Es sind also Drittschlagwaffen für einen Atomkrieg.
Vier Schiffe der Klasse wurden aber zu SSGN umgebaut, zu Trägern für eine große Anzahl von Marschflugkörpern. Diese Schiffe können bis zu 154 Tomahawk Raketen abfeuern. Ein solches Schiff wurde nun gemeldet. Für mich unklar ist, ob das nun zur Battle Group gehört, oder bereits vorm Iran liegt. Ob also eins operiert, oder zwei. Zu einer solchen Battle Group gehören auch immer Versorger, um die Schiffe „nachladen“ zu können. Das bedeutet, diese genannten Schiffe können leicht 1.000 Raketen verschießen. Und sie haben verschiedene Möglichkeiten, über die U-Boote, Helikopter und Fregatten Teams für Spezialoperationen abzusetzen. Durch das aufgebaute Netz von Tankern ist es, wie beim Schlag gegen das iranische Atomprogramm, zusätzlich möglich, B2 Bomber einzusetzen. Diese können ohne Zwischenstopp aus den USA kommen.«
Verschiedene Quellen hätten wiedergegeben, die Verlegung der Battle Group würde sechs bis acht Tage dauern. Hoffmann kommt nach eigenen Berechnungen auf maximal sechs Tage für die Anreise ab dem 15.01.2026 aus dem südlichen Chinesischen Meer. Demnach könnten sie schon heute, am 21.01.2026 ankommen. Dabei werde aber nicht berücksichtigt, dass die Battle Group ja schon schon längst auf dem Weg gewesen sein könne, als die Meldung am Donnerstagmorgen herauskam. Zudem wisse keiner so genau, wo sie zu dem Zeitpunkt war. Außerdem habe eine solche Gruppe einen Einsatzradius von 1.000 Kilometern. Mit Luftbetankung könne das sogar leicht verdoppelt und verdreifacht werden.
Insgesamt sei er keineswegs sicher, ob ein Luftschlag erfolgen werde. Es halte dies zwar für wahrscheinlich, „man sollte aber auch nicht überrascht sein, wenn er ausbleibt.“ Viele Faktoren würden mit rein spielen. Die USA müssten sich nicht nur mit Israel abstimmen, sondern u.a. auch mit Katar, Kuweit und den Vereinigten Arabischen Emiraten. „Denn die würden einen Vergeltungsschlag abbekommen.“ Außerdem spiele Saudi-Arabien eine Rolle. „Denn die sind eigentlich der Erzfeind des Irans. Würde der Iran die Saudis angreifen, kämme es vermutlich zu einem Krieg, der auch Iran-Irak weit in den Schatten stellen könnte.“
Die iranische Flugabwehr sei nach dem letzten Schlagabtausch nahezu ausgeschaltet. Die USA könnten über dem Iran nahezu machen, was sie wollen. Gefährlicher seien die Gegenschläge. Denn der Iran verfüge durchaus noch über ausreichend ballistische Raketen, die in Israel oder den Emiraten einiges anrichten könnten. Die USA werde also vermutlich vor allem diese Systeme angreifen. Und erst sekundär dann Kasernen und Einrichtungen der Revolutionsgarden, der Basij-Milizen und Imam Ali Bataillone, die die Bevölkerung terrorisieren und massakrieren. Dies seien aber hochmobile Milizen, mit Gewehren auf Motorrädern. Die werde man nicht aus der Luft erledigen können. „Es wird kein Weg daran vorbeiführen, dass die Iraner selber das werden erledigen müssen, um das Mullah-Regime zu beenden.“
Ein anderer Faktor dürfe aber nicht unterschätzt werden. Der kurze Krieg gegen Israel habe bereits dazu geführt, dass ein immenser Schaden angerichtet wurde. Das, zusammen mit den Problemen überhaupt noch Öl verkaufen zu können, habe zum Einbruch der Währung geführt. Und das sei wiederum Auslöser für die derzeitigen Unruhen gewesen (Auslöser, nicht der Grund!). Die Frage werde also sein, ob ein Luftschlag ausreiche, die iranische Bevölkerung erneut zu befeuern, die dann die Herrschaft des Mullah-Regimes beenden müssten.
Die Einschätzung von Brennpunkt UA
Am meisten Hoffnung auf einen massiven US-Schlag macht Brennpunkt UA, der gestern am 20.01.2026 folgendes schreibt: Die US-Luftwaffe habe am Wochenende eine großangelegte Operation gestartet, um militärische Ausrüstung, Kampfflugzeuge und Munition in den Nahen Osten zu verlegen, hauptsächlich nach Jordanien. Ständig fänden Frachtflüge der US-Luftwaffe von ihren Stützpunkten in Großbritannien und Deutschland nach Jordanien statt. Die USA würden militärische Ausrüstung in die Golfregion in einem Ausmaß verlegen, wie wir es seit dem Krieg gegen den Irak nicht mehr gesehen hätten. „Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren“, aber die Logistik brauche Zeit braucht, um eine Angriffsstreitmacht aufzubauen.
Gleichzeitig sei ein US-Flugzeugträger vom chinesischen Meer in die Golfregion unterwegs. Voraussichtliche Ankunftszeit: Samstag, der 24. Januar um 16:00 Uhr. Vorher seien keine Kampfhandlungen zu erwarten.
Es gebe unbestätigte Informationen, dass Frankreich sich den USA anschließen würde und seine Luftwaffe bereits mit der Verlegung von Militärgerät in die Golfregion begonnen habe. Der israelische Generalstabschef habe vorgestern erklärt: „man sei bereit“. Das bedeute zweierlei:
1. Das Luftverteidigungssystem sei im Voraus bezahlt, die Raketen seien geladen und sie verfügen über genügend Vorräte, um sich gegen Vergeltungsschläge der Revolutionsgarden und ihrer Stellvertreter im Irak und im Libanon (Hisbollah) zu verteidigen.
2. Die israelische Luftwaffe sei einsatzbereit und werde sich höchstwahrscheinlich auch der US-Luftwaffe anschließen, um Kampfeinsätze gegen das iranische Mullah-Regime und seine Stellvertreter im Irak, Libanon und Syrien zu fliegen.
Vorgestern habe US-Außenminister Marco Rubio mit arabischen Verbündeten der USA, darunter Saudi-Arabien und Katar gesprochen, um deren Überflugerlaubnis für Kampfeinsätze gegen Ziele des Mullah-Regimes zu erhalten. Dies sei von großer Bedeutung, da sich auch diese Länder auf Vergeltungsangriffe der Revolutionsgarden vorbereiten. Seit vorletzter Nacht würden US-amerikanische Aufklärungsdrohnen nahe der iranischen Grenze kreisen, um Informationen über Bewegungen und Truppenverlegungen der Revolutionsgarden zu sammeln. US-Militärsatelliten überwachten iranisches Territorium und erstellten Lagebilder und Berichte. Das alles geschehe bereits.
Trump habe gesagt, das Regime müsse fallen. Dies sei aber nicht so einfach. Denn der Iran sei nicht Venezuela. Und selbst die Operation zur Entmachtung Maduros sei drei Monate lang von der CIA vorbereitet worden. Momentan würden die CIA und der Mossad daran arbeiten, das iranische Volk zu befreien. Doch jeder Schritt der Militäroperation gegen das Mullah-Regime und die Revolutionsgarden muss sorgfältig geplant werden, bevor er ausgeführt wird. Das alles brauche Zeit, um den Schlag richtig ausführen zu können.
Diese Operation dürfe nicht scheitern. Es wäre sinnlos, einfach nur einzelne Personen auszuschalten. Der Schlag gegen das Mullah-Regime und seine Revolutionsgarden müsse dabei so verheerend ausfallen, dass sie sich davon nicht mehr erholen können. Nur so könne der iranische Prinz zurückkehren und eine provisorische Übergangsregierung führen, bis das iranische Volk über seine Zukunft abstimmen könne.
Die meisten Informationen, die Brennpunkt UA auswertet, „stammen aus Quellen der sogenannten OSINT-Community (Open Source Intelligence).“ Diese Community investiere Hunderte von Stunden in die Sammlung und Dokumentation militärischer Bewegungen. „Sie gelten als sehr zuverlässige Quellen.“ ER selbst berichte seit vier Jahren fast täglich über Russlands Krieg in der Ukraine und über Bilder der militärischen Lage sowie über das Geschehen auf dem Schlachtfeld.
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