Ist es wirklich klug, uns von Linksradikalen gegen Trump aufhetzen zu lassen?

Von Jürgen Fritz, So. 25. Jan 2026, Titelbild: Fox News-Screenshot

Die zweite Achse des Bösen – a) Postkolonialisten in SPD, Grüne, Die Linke, BSW, ÖRR, RTL, Der Spiegel, Die Zeit, SZ, b) ultrakonservative und radikale Islam-Anhänger bis hin zu den Mullahs im Iran – hat ein starkes Interesse daran, Donald Trump als zentrales Feindbild zu stilisieren. Ob es wirklich klug ist, diesen Narrativ unkritisch zu übernehmen, soll im folgenden erörtert werden.

I. Warum versuchen Linksradikale Trump als zentrales Feindbild zu stilisieren?

Trump, Vance, Hegseth und Co. sind gewiss keine weißen Ritter, eher dubiose Figuren, menschlich teilweise wahre Abgründe. Aber wir sollten uns doch immer bewusst machen, warum die zweite Achse des Bösen seltsamerweise Trump und Israel mit aller Macht bekämpft, nicht aber die Hamas-Terroristen, nicht die Hisbollah-Terroristen, nicht das Mullah-Regime im Iran, das tausendfach, womöglich zig-tausendfach das eigene Volk abschlachtet. Das International Centre of Human Rights ging bereits am Dienstag, den 20. Januar 2026 von mindestens 43.000 von Agenten der Islamischen Republik getöteten Menschen aus plus mehr als 350.00 Verletzten, davon über 10.000 Erblindeten. Seit Dienstag dürften weitere tausende Ermordete hinzugekommen sein. Die radikale europäische Linke bekämpft Trump deshalb mit aller Macht – dessen sollen wir uns immer bewusst sein -, weil er die größte Gefahr FÜR SIE SELBST darstellt, da er die linksextremistische demokratieaushöhlende und die islamische Unterwanderung westlicher Gesellschaften massiv bekämpft.

Das übergeordnete Ziel von Achse zwei des Bösen ist genau das gleiche wie von Achse eins (Russland, China, Nordkorea, radikaler Islam, insbes. Iran): die Zerstörung der griechisch-römisch, jüdisch-christlichen abendländischen Kultur, der westlichen, aufgeklärten, demokratischen, menschenrechtsbasierten, freien Welt, mindestens aber ihre maximal mögliche Schwächung. Trump, Vance & Co. stehen nicht für all diese Werte, aber doch für einige. Sie wollen das Abendland nicht zerstören, sondern verteidigen. Das ist ihr übergeordnetes Ziel. Freilich verstehen sie etwas anderes unter Abendland als ich und die meisten von uns. Daher sind sie keine weißen Ritter und mit Vorsicht zu genießen. Aber sie sind NICHT unser Hauptgegner!

Womöglich müssen wir uns sogar mit ihnen, genauer mit den USA verbünden, zumal ja Trump nicht ewig regieren wird. In drei Jahren wird es einen neuen Präsidenten geben und wir wissen nicht, wer das sein wird. Also besteht zumindest eine Chance, dass sich die Dinge in den USA auch wieder verändern. Wie ich neulich schon schrieb: In Kriegszeiten, wenn man in seiner Existenz bedroht ist, muss man manchmal Bündnisse eingehen mit solchen, die man sich, hätte man völlig freie Auswahl und jede Menge Optionen, nicht aussuchen würde. Aber diese mannigfaltigen Optionen haben wir nicht. Und das Wichtigste scheint mir zu sein, sich nicht von der Dauerpropaganda von Achse zwei des Bösen dahin manipulieren zu lassen, wo sie uns alle haben wollen.

Im folgenden ein Text von Baha Jamous, dem vielleicht führenden CDU-Influencer, der wie ich von der Union wohl auch einigermaßen enttäuscht ist und der die Dinge ähnlich zu sehen scheint.

II. Baha Jamous: Ohne das transatlantische Bündnis bleibt Europa schutzloser und genau darauf warten die wirklichen Gegner

Baha Jam(ous) schreibt auf X: »Ich halte mich aus außenpolitischen Debatten häufig raus, da es nicht mein Fokus ist und ich lieber Expertenmeinungen konsumiere. Da aber auch in meiner Partei eine lebhafte Debatte läuft, die immer aggressiver und unversöhnlicher wird, habe ich als Laie ein paar Gedanken aufgeschrieben, warum es meines Erachtens aktuell so zugeht.

Die Beziehung Europas und vor allem Deutschlands zu den USA unter Trump wird zunehmend chaotisch. Und ich merke: Selbst wenn man sich halbwegs für Politik interessiert, ist es inzwischen schwer, da überhaupt noch eine klare Linie zu erkennen. Denn wir haben es geschafft, gleichzeitig drei Dinge zu tun: (1) Trump zum Feindbild zu erklären. (2) Ihn aber als unverzichtbar zu behandeln. (3) Und jedes Mal überrascht zu sein, wenn er sich exakt so verhält, wie er sich immer verhält.

Schon vor der Wahl war die mediale Erzählung klar: Trump ist der Gegner. Nach der Wahl kam dann sofort die Realität um die Ecke. Friedrich Merz reagierte aus Sorge um die NATO und unsere Verteidigungsfähigkeit mit der Lockerung der Schuldenbremse. Was im Kern nichts anderes bedeutet als: Wir haben plötzlich verstanden, dass wir uns nicht ewig auf Amerika verlassen können und es vielleicht auch nicht sollten.

Gleichzeitig haben viele in Europa große Hoffnungen darauf gesetzt, dass Trump „den Ukraine-Frieden“ irgendwie durchdrückt. Nicht weil man ihn plötzlich toll findet, sondern weil wir uns nach über drei Jahren Krieg einfach an jeden Strohhalm klammern, der nach Lösung aussieht. Und während wir auf diesen Deal hoffen, beschimpfen wir ihn weiter für sein mindestens ambivalentes Verhalten gegenüber Russland. Was menschlich nachvollziehbar ist, aber politisch halt… schwierig. Denn entweder man will einen Deal-Maker. Oder man will moralische Reinheit. Beides gleichzeitig funktioniert nicht.

Im Gaza-Konflikt war es ähnlich: Wir begrüßen die Intervention, verurteilen aber die Inszenierung. Wir wollen, dass jemand die Lage stabilisiert, aber bitte ohne Show. Also ohne den Trump-typischen Größenwahn. Das ist ein bisschen wie: „Bitte lösch das Feuer, aber mach dabei keine Geräusche.“

Richtig verwirrend wurde es dann in Venezuela. Nach dem Militäreinsatz kam aus Europa das erwartbare Programm: Völkerrecht, UN-Charta, Deeskalation. Auch wenn einige Staatschefs versuchten, eine positive Note reinzubringen. Versteht mich bitte nicht falsch: Normen sind wichtig. Aber es wirkt eben auch wie ein Ritual, das man abspult, damit man am Ende sagen kann: „Wir haben moralisch das Richtige gesagt.“ Während man gleichzeitig ziemlich genau weiß: Das Völkerrecht funktioniert nur so lange, wie Mächte es freiwillig respektieren.

Dann noch die Handelszölle: Europa gab sich geschlossen und hart in der Ablehnung. Und ging dann doch wieder in Richtung Deal, weil die eigene wirtschaftliche Abhängigkeit halt real ist. Auch wieder dieses Muster: starke Pose, schwache Hand.

Die iranische Revolution? Die Mehrheit solidarisiert sich mit den Demonstranten und hofft auf den Sturz der Mullahs. Aber einen substantiellen Beitrag leistet Europa beziehungsweise Deutschland nicht. Stattdessen schauen alle auf Trump und hoffen insgeheim auf militärische Intervention, natürlich ohne sie offen zu fordern. Denn das würde wieder ein völkerrechtliches Dilemma bedeuten.

Und als wäre das alles nicht genug, haben wir jetzt die Grönland-Debatte. Da verurteilt man zu Recht den imperialen Reflex und die Drohungen gegenüber Verbündeten. Gleichzeitig gesteht man den USA zu, dass sie in der Region strategische Sicherheitsinteressen haben, wegen Russland, wegen Infrastruktur, wegen geopolitischer Verschiebungen und natürlich wegen der Ressourcen.

Und jetzt kommt der Teil, den man nicht gern ausspricht, weil er weh tut: Wir haben in Europa erst 2025 wirklich ernsthaft beschlossen, signifikant aufzurüsten und uns sicherheitspolitisch neu aufzustellen. Nach Jahren der Unterfinanzierung und Verlass auf eine unendliche Geduld der Amerikaner. Aber gleichzeitig reden öffentlich wir schon so, als könnten wir ohne die USA das Bündnis locker alleine tragen. Das ist nicht strategische Souveränität. Das ist eine gefährliche Selbsthypnose.

Am Ende bleibt deshalb ein Gefühl, das viele kennen dürften, die nicht täglich außenpolitische Thinktank-Papiere lesen: Niemand hat eine klare Antwort auf Trump. Nicht wir in Deutschland, nicht die EU, eigentlich niemand. Er wird abgelehnt, aber er darf uns nicht fallen lassen. Wir brauchen ihn als Sicherheitsgarantie, aber wir verachten die Art, wie er Politik macht. Und weil das so unangenehm ist, flüchten wir uns jeden Tag in die bequemste Disziplin Europas: Moral.

Nur. Moral ersetzt keine Strategie. Und Werte ersetzen keine Fähigkeiten. Europa hat jahrzehntelang nicht genug daraus gemacht: keine echte militärische Abschreckung, keine einheitliche industrielle Verteidigungslogik, zu viel Regulierung, zu viel Green Deal. Und genau deshalb sind wir jetzt so nervös, so dünnhäutig, so ängstlich. Wir springen jeden Tag auf die gerade medial dominante Meinung, weil es einfacher ist, als endlich ein Europa zu bauen, das wirklich stark ist.

Und während wir das machen, sitzen zwei Menschen garantiert irgendwo und genießen das Schauspiel: Xi und Putin. Die schauen sich diesen Streit zwischen Europa und den USA genüsslich an, weil sie genau wissen: Ein zerstrittenes westliches Bündnis ist ihr strategisches Geschenk. Noch schlimmer: Es gibt auch bei uns Akteure, die offenbar glauben, man müsse USA, Russland und China auf der Freund-Feind-Skala ungefähr gleich behandeln. Alles gleich schlimm, alles gleich gefährlich, alles gleich zu verurteilen. Weil es so einfacher ist. Wenn alle doof sind, ist man auf der richtigen Seite.

Das ist, bei allem berechtigten Ärger über Trump, ein fundamentaler Fehler. Denn man kann Trump kritisieren. Man kann ihn sogar als Tyrannen bezeichnen. Aber wer ernsthaft so tut, als sei die USA nur „eine Großmacht wie jede andere“, hat unsere selbstverschuldete Abhängigkeit nicht verstanden. Ohne das transatlantische Bündnis bleibt Europa nicht „moralisch überlegen“. Es bleibt schutzloser. Und genau darauf warten die wirklichen Gegner.«

III. Wir sollten den Gegnern des Westens nicht das Schauspiel liefern, dass wir uns im Westen untereinander zerfleischen

Auch Nico Lange, Politikwissenschaftler und Politikberater, bis 2022 Leiter des Leitungsstabs im Bundesministerium der Verteidigung, scheint es ähnlich zu sehen:

»Ein Teil des Problems ist, dass zwanghaft aus jedem unbedacht irgendwo daher gesagtem Spruch Trumps weltweite Eilmeldungen oder “Breaking news” produziert werden. – Wir sollten den Gegnern des Westens nicht das Schauspiel liefern, dass wir uns im Westen untereinander zerfleischen. Statt dauernder Trumpologie brauchen wir eine eigene Agenda für Europa, die wir mit eigener Stärke verfolgen und durchsetzen.«

Die Trump-USA sind ohne Zweifel ein alles andere als einfacher Bündnispartner. Vieles spricht dafür, dass sie zumindest große Teile Europas gar nicht mehr als einen Bündnispartner ansehen und zu der NATO ein äußerst distanziertes Verhältnis haben. Gleichwohl sitzen Europas wahren Hauptgegner, worauf Baha Jamous und Nico Lange zurecht hinweisen, woanders. Und in Kriegszeiten, damit meine ich nicht nur heiße, militärische Kriege, sondern auch Weltanschauungskriege, muss man manchmal auch mit solchen kooperieren, mit denen man nicht genau auf eine Linie liegt, die vielleicht sogar in vielem unterschiedlich sind, sofern man zumindest ein großes gemeinsames Ziel teilt.

Das große Ziel, das alle Feinde des griechisch-römischen, jüdisch-christlichen Abendlandes eint, besteht darin, die moderne, aufgeklärte, freiheitlich-demokratische, menschenrechtsbasierte westliche Welt zu zerstören. Das gilt insbesondere für die postmoderne, postkolonialistische radikale westliche sozialistische Linke. Ihr gefährlichster Feind ist Donald Trump. Ohne Trump und seine Regierung unkritisch schönreden zu wollen, sollten wir auf die linksradikale alles durchdringende Propaganda, die selbst Orwells Engsoz vor Neid hätte erbleichen lassen, nicht blindlings hereinfallen.

Zur Vertiefung des Gedankens, dass man in Kriegszeiten bei der Wahl seines Verbündeten manchmal aus reinen Vernunftgründen (Pragmatismus und Realitätssinn) nicht zu wählerisch sein sollte, siehe auch: Zwei Gedanken zum Thema Krieg.

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