Realität wird allgemein überschätzt: die Kunst der Auto- und Fremdsuggestion

Von Jürgen Fritz

Wenn man ein Match verloren hat, hat man es noch lange nicht verloren. Entscheidend ist in der Postmoderne, in welcher Wahrheit vollkommen relativiert und subjektiviert wird, immer nur der Narrativ, den man um das eigentliche Geschehen herum zu erzeugen imstande ist. Und hier gibt es eine wahre Meisterin aller Meister, die Niederlagen nicht nur nicht kennt, sondern so sehr negiert, dass diese gleichsam aufhören zu existieren.

Tennis mit und ohne Ball

Stellen Sie vor, es gäbe Tennisspieler, die würden so schnell spielen, der Ball wäre so klein und die meisten Zuschauer so weit entfernt, zudem oftmals mit eher geringer Sehschärfe ausgestattet, dass sie den Ball selbst gar nicht mehr sehen könnten. Sie sähen mithin immer nur, wie die Spieler sich bewegen, welche Anstalten diese machten, woraus sie dann jeweils schlössen, wie der letzte Ballwechsel ausgegangen sein müsse.

Wiederum andere wären aber gar nicht vor Ort im Stadion selbst, sondern würden des Abends nur sehen, was andere für sie gefilmt und entsprechend zurechtgeschnitten hätten und ausführlich kommentieren würden, wobei hier am Fernsehgerät der Ball so winzig wäre, dass er für die meisten überhaupt gar nicht mehr sichtbar sei. Die TV-Zuschauer wären also ganz auf die Bewegungen der Spieler und die Reaktionen des Publikums im Stadion angewiesen und auf die, die das Ganze je nach Perspektive bzw. Blickwinkel filmten und anschließend zusammenschnitten und äußerst eloquent erklärten und kommentierten. Und nun übertragen Sie diese Metapher bitte in einen etwas anderen Kontext.

Welches Match?

Das Ganze funktioniert in etwa so: CDU und CSU verlieren das Match 2:6, 0:6, 1:6, doch alle klatschen wie wild und rufen: „Merkel, Merkel, Merkel …“. Dann erheben sich alle, lachen, applaudieren – minutenlang. Merkel verbeugt sich, lächelt, hebt die Hand, was dann wiederum den Applaus anschwellen, ja zu einem wahren Begeisterungssturm werden lässt. Dies wiederum verzückt die Angebetete so sehr, dass sie noch mehr lächelt, die Hand nochmals hebt, jetzt sogar die zweite hinzu nimmt, da sie merkt, wie die Begeisterung sich erneut aufbaut und sogar die erste Welle noch übertrifft.

Nun faltet sie beide Hände über dem Kopf zusammen und reckt sie, soweit es ihr mit Kostüm möglich, gen Himmel. Die Menge tobt. Dies überträgt sich schließlich auf die Berichterstaater. Presse und TV-Leute sind ebenfalls aus dem Häuschen. Sie werden dies mit nach Hause in ihre Redaktionsstuben tragen und entsprechend berichten. Der Enthusiasmus wird dann überschwappen auf die, die nicht dabei gewesen. Nur wenige sind außerstande oder einfach nicht gewillt, sich davon anstecken zu lassen.

Irgendwann fragt jemand: „Wie ist denn das Match ausgegangen?“ – „Welches Match?“

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Bild: Youtube-Screenshot

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4 Antworten auf „Realität wird allgemein überschätzt: die Kunst der Auto- und Fremdsuggestion

  1. Roman Heit

    Werte Frau Dr.Merkel zum Wohle Deutschlands treten Sie endlich zurück.

    Der Schaden den Sie und Ihre Kollegen angerichtet haben ist schon immens genug.

    Liebe AFD bitte geben sie dem deutschen Volk ihre Stellung als Souverän zurück.

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