US Open: Federer und Djokovic im unteren Viertel – Zverev nun mit Lendl an seiner Seite

Von Jürgen Fritz, Sa. 25. Aug 2018

Es ist das vierte und letzte Grand Slam-Turnier des Jahres. Am Montag beginnen sie: die US Open. 128 Spieler werden dann im Hauptfeld des Herreneinzels starten und um die Tenniskrone kämpfen. Wer sind dieses Jahr die großen Favoriten, wie gut sind sie in Form und wer kann wann auf wen treffen? Hier alle Antworten.

Das Tennisjahr 2018

Federer, Nadal und Djokovic, so hießen die drei bisherigen Grand Slam-Sieger des Jahres 2018. Federer war zum sechsten Mal bei den Australian Open erfolgreich, Nadal zum elften Mal bei den French Open und Djokovic zum vierten Mal in Wimbledon. Federer, Nadal und Djokovic, so heißen auch die drei alles überragenden Spieler der letzten 15 Jahre. Sage und schreibe 50 der letzten 61 Grand Slams haben die Drei unter sich aufgeteilt. Unfassbar!

An der Spitze Roger Federer mit 20 A-Titeln, gefolgt von Nadal mit 17 und dann Djokovic mit 13. Damit belegen die BigThree in der ewigen Bestenliste seit 1877 die Plätze 1, 2 und 4. Und nun raten Sie, wer die drei Top-Favoriten bei den diesjährigen US Open sind.

Die drei Top-Favoriten

Djokovic wird von allen am höchsten gehandelt. Von July 2014 bis Juni 2016 gewann er sechs der acht Grand Slams und auch noch beide Male die ATP Finals, das fünftwichtigste Turnier der Welt. Dann folgen 24 Monate ohne jeden großen Erfolg, seine erste ganz große Krise in seiner Karriere. Doch mit dem Sieg in Wimbledon Mitte July, besonders dem überragenden Halbfinalmatch gegen Nadal, das Nole mit 10:8 im fünften Satz für sich entscheiden konnte, hat er sich ganz oben bei den Besten der Besten zurückgemeldet. Mit seinem Triumph in Cincinnati (B) letzten Sonntag im Finale gegen Federer, den er bei der Generalprobe zu den US Open relativ mühelos mit 6:4, 6:4 besiegen konnte, hat er seine wiedergewonnene Stärke eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Insofern ist der Serbe klarer Favorit Nr. 1. Gewinnwahrscheinlichkeit: 30 Prozent.

Favorit Nr. 2 ist ebenso klar Rafael Nadal, der aktuelle Weltranglistenerste und Titelverteidiger in New York. Nadal spielt bislang eine ganz exzellente Saison, bestreitet zwar nur noch relativ wenige Turniere, hat aber in 2018 eine sagenhafte Matchbilanz von 40:3 vorzuweisen. Nur Cilic bei den Australian Open im Januar, Thiem im Mai in Madrid und Djokovic im July in Wimbledon konnten ihn dieses Jahr bezwingen. Sollte Nadal, der vor knapp zwei Wochen die Canadian Open (B) gewann, die Form speziell der letzten Monate seit April halten können, ist auf alle Fälle mit ihm zu rechnen. Gewinnwahrscheinlichkeit: 26 Prozent.

Roger Federer hat letztes Jahr mit 35 bzw. 36 Jahren nochmals eine phantastische Saison hingelegt. Was viele ihm nicht mehr zugetraut hatten, er schaffte es tatsächlich nach viereinhalb Jahren wieder A-Titel einzufahren, als er zunächst im Januar die Australian Open gewann, dann auch noch seinen achten Wimbledonsieg errang – Weltrekord! Und dieses Jahr konnte er mit fast 36,5 Jahren seinen Titel in Australien verteidigen. Sollten die beiden Top-Favoriten schwächeln, dann ist Federer am ehesten nochmals ein Grand Slam-Triumph zuzutrauen. Weshalb? Einfach weil er weiß, wie man die ganz großen Turniere gewinnt und noch immer exzellentes Tennis spielt. Gewinnwahrscheinlichkeit: 15 Prozent.

Gute Chancen hat auch Alexander Zverev, der nun Lendl an seiner Seite hat

Und was ist mit der Nr. 4 der Weltrangliste, dem Deutschen Alexander Zverev? Der 21-Jährige, der zehn bis 16 Jahre jünger ist, als die BigThree, ist ein Riesentalent, hat bereits neun ATP-Turniere gewinnen können, darunter sogar drei B-Turniere. Bei den Grand Slams hat er aber noch nie was reißen können. Einmal kam er ins Viertelfinale – bei den French Open dieses Jahr -, sonst war immer in den ersten drei, vier Runden Schluss für den schlacksigen 1,98m-Mann. Gleichwohl darf man Zverev einfach auf Grund seiner Spielstärke als Favorit Nr. 4 ansehen, zumal er vor knapp drei Wochen immerhin das C-Turnier in Washington für sich entscheiden konnte.

Und Zverev hat rechtzeitig vor den US Open Ivan Lendl als Trainer verpflichtet und in sein Team geholt. Eine sehr gute Maßnahme, wie ich meine, denn das könnte den Unterschied ausmachen. Lendl betreute 2012 bis 2014 und 2016 den Schotten Andy Murray, die ewige Nr. 4, die nie ein ganz großes Turnier gewinnen konnte. Während der relativ kurzen Zusammenarbeit mit Lendl holte er dann aber plötzlich 3 Grand Slam-Titel und zweimal die olympische Goldmedaille (2012 und 2016). Gewinnwahrscheinlichkeit für Zverev mit Lendl an seiner Seite: 8 Prozent.

Weitere Favoriten: Del Potro und Cilic

Favorit Nr. 5 und 6 sind der Argentinier Juan Martin Del Potro, der US Open Sieger von 2009, und der Champion von 2014 Marin Cilic. Unter den sechs wird der Turniersieg wohl ausgespielt werden.

Kleinere Gewinnchancen haben darüber hinaus Stan Wawrinka, der Sieger von 2016, der aber nach seiner langen Verletzung noch nicht so weit sein dürfte, wieder mit der Weltspitze mitspielen zu können. Ähnliches gilt für Andy Murray, den US Open Sieger von 2012, der sich sichtlich sehr schwer tut, wieder in Tritt zu kommen nach seiner Verletzung und seiner Hüft-OP.

US Open- und Wimbledon-Finalist Kevin Anderson und der Australier Nick Kyrgios werden zwar auch noch relativ hoch gewettet, sind aber spielerisch nicht stark genug, um mit den Top-Drei bis Top-Sechs mithalten zu können.

Und so sehen die Wettquoten auf den Turniersieg aus:

  1. Novak Djokovic: ca. 30 %
  2. Raphael Nadal: ca. 26 %
  3. Roger Federer: ca. 15 %
  4. Alexander Zverev: ca. 8 %
  5. Juan Martin Del Potro: ca. 6 %
  6. Marin Cilic: ca. 5 %
  7. Wawrinka, Murray, Anderson und Kyrgios: jeweils ca. 2 %

Auslosung und Tableau

Nadal wurde als Weltranglistenerster ganz oben gesetzt, Federer als die aktuelle Nr. 2 der 52-Wochen-Rangliste ganz unten. Del Potro und Zverev wurden auf 3 und 4 gesetzt, einer in die obere Hälfte gelost, einer in die untere. Da Djokovic im Moment nur auf Position 6 der Weltrangliste steht, war klar, dass er entweder in das Viertel von Del Potro oder Zverev, womöglich aber sogar in das Viertel von Nadal oder Federer gelost werden könnte. Genau Letzteres ist nun geschehen.

Federer und Djokovic sind beide im unteren Viertel des Tableaus, können also, so sie nicht vorher ausscheiden, schon im Viertelfinale aufeinander treffen. Im Halbfinale könnte der Sieger dieser Begegnung dann auf Zverev oder Cilic treffen, die beide ins dritte Viertel gelost wurden. Nadal könnte es im Viertelfinale mit seinem letztjährigen Endspielgegner Kevin Anderson zu tun bekommen, im Halbfinale dann mit Del Potro, Wawrinka oder Murray.

Hier die möglichen Begegnungen der dritten Runde (Runde der letzten 32), sofern die gesetzten Spieler bzw. Favoriten vorher nicht ausscheiden:

  1. Nadal – Khachanov
  2. Sock – Edmund
  3. Thiem – Bautista-Agut
  4. Shapovalov – Anderson
  5. Del Potro – Verdasco oder Murray
  6. Coric – Tsitsipas
  7. Isner – Dzumhur
  8. Dimitrov oder Wawrinka – Raonic
  9. Cilic – Mannarino
  10. Cecchinato – Goffin
  11. Schwartzman – Nishikori
  12. Krajinovic – Zverev
  13. Djokovic – Gasquet
  14. Pouille – Carreno-Busta
  15. Fognini – Chung
  16. KyrgiosFederer

Wawrinka und Murray nicht gesetzt mit schweren Aufgaben schon in den ersten Runden

In der ersten Runde kommt es gleich zu einem ungewöhnlichen Kracher. Der ehemalige Weltranglistendritte und US Open-Champion vom vorletzten Jahr, Stan Wawrinka, fiel auf Grund seiner langen Verletzung in der Weltrangliste weit zurück, hat sich diese Woche gerade von 151 auf 101 vorgekämpft. Dadurch befindet er sich nicht unter den 32 gesetzten Spielern und wurde nun gleich in der ersten Runde dem Weltranglistenachten Grigor Dimitrov zugelost. Das ist sicherlich der Höhepunkt in der ersten Runde.

Nicht ganz so schlimm erwischt hat es den Spieler des Jahres 2016, Andy Murray, der ebenfalls auf Grund von Verletzung ganz weit zurückfiel in der Weltrangliste. Er könnte es in der dritten Runde mit Del Potro zu tun bekommen, eine  Begegnung, die man sich eigentlich auch erst später gewünscht hätte.

Einer der besten Ballwechsel aller Zeiten

Und hier nun zur Einstimmung in die US Open 2018 ein Wahnsinnsballwechsel der beiden Top-Favoriten, des zweimaligen US Open-Siegers Djokovic und des dreimaligen Champion Nadal, den beiden größten Spielern dieser Dekade, aus dem Finale 2013:

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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