Zeitreise: Wie die Zumus ins Land der Logostai kamen

Von Gerhard Kramler und Jürgen Fritz, Do. 4. Okt 2018

Seit Urzeiten lebte der Stamm der Zumus auf der Erde, seit sie den Ahnen von ihrem Gott geschenkt worden war. Die Zumus lebten im Wald oder in der Steppe. Wo immer sie etwas zu essen oder zu jagen fanden, da gingen sie hin. Und sie teilten immer alles gerecht auf. Wenn sie einmal irgendwo nicht mehr glücklich waren, zogen sie einfach weiter. Irgendwo gab es immer einen Ort, der mehr Glück für sie bereithielt beim Sammeln und Jagen. Irgendwo würden sie immer etwas finden, das hatte ihr Gott ihnen versprochen. So lebten sie glücklich alle Tage. Doch dann geschah etwas Unnatürliches, sehr Seltsames, das für einige Verwirrungen sorgen sollte.

Hier gehen wir nicht mehr weg

Vielleicht war es ein Kurzschluss in der Raumzeit oder etwas anderes. Vielleicht spielte ihnen ihr Gott einen Streich. Sie wussten es selbst nicht so genau. Jedenfalls kam es, dass die Zumus bei ihren Wanderungen zu neuem Glück in einer neuen, ihnen völlig fremden Welt ankamen: im Land der Logostai. In dieser seltsamen Welt war vieles ganz anders.

Die Wälder und Steppen waren sehr klein, überall standen Häuser, in denen Logostai lebten, die so ähnlich aussahen wie die Zumus, aber irgendwie doch anders waren. Die Logostai waren immer gut genährt. Hier musste ein glücklicher Ort sein, dachten sich die Zumus und beschlossen zu bleiben. Andere Zumus hörten vom großen Glück ihrer Brüder und machten sich schnell auch auf den Weg. Sie fanden es ungerecht, dass ihr Gott ihnen davon nichts mitgeteilt hat, dass es einen solch glücklichen Ort gibt, zu dem immer mehr Zumus auch hin wollten.

Die Logostai begrüßten die Zumus anfangs immer ganz freundlich, viele schlugen die Hände immer wieder ganz fest zusammen, so dass es laute Geräusche machte, die alle Tiere weit und breit vertrieben hätten. Einige rannten sogar auf die Zumus zu, umarmten und küssten sie, gaben ihnen kleine Tiere, die sich aber nicht mehr bewegten. Die schienen gar nicht mehr zu leben, verwesten aber nicht und waren ganz weich. Essen konnte man die aber nicht. Wenn man rein biss, merkte man sofort, dass unter den vielen Haaren gar kein Fleisch war.

Ja, die Logostai machten öfters so seltsame Dinge. Vielleicht wollten sie den Zumus nur Streiche spielen. Ein bisschen komisch waren die Logostai schon. „Die sind nicht wie wir“, dachten sich die Zumus mit der Zeit. Aber hier gab es so viel zu essen und viele andere schöne Sachen, die man ganz leicht bekommen konnte, so dass sie nicht mehr weggehen wollten.

Die sind einfach nicht wie wir

Die Logostai  in ihren Häusern hatten aber nie Zeit. Immer mussten sie irgendwo hin. jeden Morgen gingen sie aus dem Haus, fuhren mit Tieren auf Rädern weg, kamen aber nach einigen Stunden wieder zurück. Das verstanden die Zumus nicht. Vieles an den Logostai verstanden sie nicht. „Die sind einfach nicht wie wir“, dachten sie immer wieder und beschlossen, lieber untereinander zu bleiben in ihrem Stamm.

Beim Sammeln und Jagen gab es hier aber sehr viel Glück. Ihr Gott meinte es ja doch gut mit ihnen. Das wurde ihnen dann schnell wieder klar. Man musste nur die Orte kennen. Hier war alles ein bisschen verrückt. Zuerst musste man ganz dünne Papierstücke sammeln, die man dann gegen Essen und andere schöne Dinge eintauschen konnte. Auch das Jagen ging hier ganz anders. Denn hier gab es ja so wenig Tiere.

Und wenn man mal eine Ziege oder ein Schaf auf einem Feld sah und das Tier erlegte, dann schimpften einen die Logostai aus. Wenn man sich erwischen ließ, kamen Männer, die alle gleich angezogen waren. Die nahmen einen dann mit, legten einem Eisen um die Handgelenke, so dass man die Hände gar nicht mehr auseinander machen konnte. Dann stellten sie einem viele Fragen, drückten einem die Finger in schwarze Farbe und dann auf weißes Papier, ließen einen aber nach ein paar Stunden immer wieder gehen. Keine Ahnung, was das sollte.

Eines Tages werden wir den Logostai sagen, was sie zu machen haben

Jagen konnte man aber dennoch, obwohl ja da fast gar keine Tiere umher rannten. Man konnte nämlich manch fremden Menschen, wenn sie einsam und verloren umher irrten, ihre Papierstücke abjagen und diese dann gegen feine Jagdbeute eintauschen. Ja, hier war alles ganz anders, sehr verrückt alles, aber man bekam so viel zu essen, wie man wollte, und viele andere Dinge, die die Zumus früher gar nicht kannten. Daher waren sie sehr glücklich und beschlossen, hier nicht mehr weg zu gehen.

Ja es gefiel den Zumus im Land der Logostai sehr gut, nur die Logostai selbst störten immer mehr. Dauernd wollten sie sich einmischen, immer wieder verlangten sie, verrückte Sachen zu machen. Die Logostai hatten einfach keinen Respekt vor den Zumus. Sie waren überheblich. Immer wieder beleidigten sie die Ehre der Zumus. Außerdem waren sie auch so viele, viel mehr als die Zumus. Und sie hatten Waffen und andere Dinge, deren Fundstellen sie vor den Zumus verborgen hielten. Die Logostai teilten nicht gerecht, sie erniedrigten die Zumus.

„Warum haben die mehr als wir?“, fragten sie sich. „Das ist ungerecht!“ Auf Dauer würden die Zumus sich das nicht gefallen lassen. Denn sie waren stolz. Sie wollten nicht unterdrückt sein, sie wollten nicht wie Tiere behandelt werden. „Eines Tages“, sagten sich die Zumus,„werden wir den Logostai sagen, was sie zu machen haben.“

Sobald wir in der Mehrheit sind, wird es kein Logostai mehr wagen, die Ehre der Zumus zu verletzen

Und es gab auch eine Hoffnung. Weil die Logostai immer so hetzten und keine Zeit hatten, hatten sie auch kaum Kinder. „Die können aber nicht viele Kinder machen“, lachten die Zumus, wenn sie unter sich waren. Eine Logostai-Frau hatte fast nie mehr als zwei oder drei Kinder, viele nur eines und mache sogar nicht mal ein einziges.

Ja, die Zumus mussten laut lachen. „Die haben viele schöne Sachen hier, aber die wissen nicht mal, wie man Kinder macht. Haha!“ Jede Zumu-Frau hatte dagegen mindestens drei, die meisten vier, fünf, sechs, manche sogar sieben, acht oder zehn Kinder. Und je mehr Kinder man hier hatte, desto mehr Papiertstücke bekam man geschenkt. Man musste gar nicht auf die Jagd gehen, um all die kleinen Mäuler satt zu kriegen, was im Zumu-Land nie einfach gewesen war. Hier war alles ganz leicht. Wenn du zehn Kinder hattest, bekamst du so viele Papierstücke, dass du genug zu essen eintauschen konntest und sogar noch mehr übrig blieb, als wenn du nur sechs Kinder hattest.

Ja, hier war es wirklich ein glücklicher Ort, den ihnen ihr Gott geschenkt hatte. Und sie wussten: Irgendwann würden sie viel mehr sein als die, die schon länger da waren, viel mehr als die Ureinwohner. Dann würde es kein Logostai mehr wagen, die Ehre der Zumus zu verletzen.

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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