Gutsein to go

Ein Gastbeitrag von Kurt Klarich

Dass Gutmenschen alles andere als gute Menschen sind, vielmehr mit zu den schlimmsten Heuchlern auf diesem Planeten gehören, spricht sich langsam aber sicher immer mehr herum. Wem das noch immer nicht klar geworden ist, dem hilft Kurt Klarich mit leichter Feder auf die Sprünge.

Ach wie schön es ist, ganz gewiss zu sein, zu den Guten zu gehören

Ich bin ein Gutmensch, ein linksgrüner, weltoffener, nirgendwo verwurzelter, angegenderter Gutmensch. Die Welt ist ein endloses Versprechen für mich. Ich kann sein, was ich will. Ich kann sogar mein Geschlecht wechseln. Meine Möglichkeiten als Bürger der OneWorld sind nahezu unbegrenzt. Ich kann jede Sau reiten, die – der aktuellen Mode entsprechend – durchs Dorf getrieben wird. Die Welt ist für mich ein riesiges Warenhaus, in dem ich nach Belieben die Accessoires meiner Selbstverwirklichung zusammensuchen kann. Ich wähle, also bin ich.

Maximale Freiheit, alles gut zu finden und zu imitieren, was gerade IN ist. Zugegeben, diese Freiheit, die kulturelle Identitätslosigkeit, die Entwurzelung, machen mitunter Angst und wecken Zweifel. Alleine hält das kein Mensch aus. Deshalb gibt es das virtuelle Kollektiv der Gutmenschen, das seine Jünger darin bestärkt, zu den Guten zu gehören, zur Internationale der neuen, weltoffenen Menschen. Es gibt mir den Rahmen der Correctness vor, in dem mich sicher wähnen kann. Es vermittelt mir das nötige Feindbild: den bösen, ewig gestrigen, meist männlichen Rechten. Der Kampf gegen diesen klimaschändenden, fleischfressenden, national und traditionell verhafteten Unhold, heiligt meine Existenz. Ich bin Kämpfer und Hedonist zugleich. Ich werde zu den Siegreichen gehören.

Wir haben die absolute Macht über alles und jeden und werden diese nie wieder hergeben

Der Sieg ist unser, dafür haben wir gesorgt. Wir haben die Diskurshoheit, wir geben die Narrative vor und haben die Sprache gekapert und sie an unsere Bedürfnisse angepasst. Wir haben die Schulen und Universitäten erobert und formen dort eine neue Generation von Menschen. Wir haben die Medien in unserer Hand, wir selektieren die Informationen und schreiben die Dramaturgie der Talk-Shows. Aber auch die Unterhaltungsindustrie tanzt nach unserer Pfeife. Es sind unsere Drehbücher, nach denen die Filme gedreht werden, die abendlich in der Glotze bestaunt werden. Es sind unsere Gags, über die das Volk lacht und die die Rechten der Lächerlichkeit preisgeben. Es gibt kaum noch einen Kabarettisten oder Comedian, der nicht zu uns gehört.

Selbstverständlich ist der Apparat, sind Politik und Bürokratie auf unserer Seite. Das war einfach, denn dort sitzen traditionell Opportunisten. Wir mussten nur laut genug schreien, um sie auf unsere Seite zu bringen. Da die Mehrheit schweigt, reichen wenige Stimmen, etwa die der Schwulen, um den Eindruck zu erwecken, hier spräche das Volk. Wir haben das im Lauf der Zeit perfektioniert und können heute die politischen Entscheider wie Marionetten tanzen lassen. Natürlich ist es immer noch notwendig, dass die Mehrheit weiter schweigt. Dafür sorgen die Angst und die political correctness. Es reicht, von Zeit zu Zeit ein paar Aufmüpfige an den Pranger zu stellen oder öffentlichkeitswirksam auszugrenzen und schon kuscht das Volk der Duckmäuser wieder.

Sind sie nicht putzig, unsere wahrheits- und vernunftgläubigen Gegner?

Unsere Gegner haben keine Chance. Sicherlich, von Zeit zu Zeit gelingt es einem Sarrazin oder Sieferle nochmal aufzutauchen und etwas Wind zu machen. Im Internet gibt es eine verschworene Communitiy, die sich um Blogs wie Tichy oder Die Achse schart. Man könnte fast Mitleid mit ihnen haben, wie sie sich unbeirrbar in ihrem Glauben an Logik und Wahrheit abmühen, ihre Analysen, Essays und Traktätchen versuchen unters Volk zu bringen. Diese letzten Dinosaurier haben die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt.

Wir haben sie in die Defensive gedrängt. Alles, was sie treiben, ist defensiv, fad und besserwisserisch. Es sind traurige Bremser auf dem Weg in eine neue Welt, die immer noch an die Kraft der Argumente glauben. Eure so genannte ‚Wahrheit‘ interessiert kaum einen. Nicht, weil sie nicht durchdacht, unlogisch oder von minderer Qualität wäre, sondern einfach, weil ‚Wahrheit‘ als rationales Konstrukt heute ausgedient hat.

Moralische Überlegenheit auf Mausklick

Sie werden es wohl nie kapieren. Wahrheit ist längst ein moralisches Konstrukt. Wahr ist, was gut ist, was ein gutes Gefühl vermittelt und die Menschen darin bestärkt, zu den Guten zu gehören. Gegen den Klimawandel, für Flüchtlinge und Grenzenlosigkeit zu sein, ist richtig, weil es ein gutes Gefühl vermittelt. In einer immer hektischeren und komplexeren Welt haben die Menschen keine Zeit mehr, sich für Logikexzesse und Wortklaubereien zu interessieren. Sie wollen Gutsein-to-go, moralische Überlegenheit auf Mausklick.

Das ist das Geheiminis des Gutmenschen. Er hat sich von den rationalen Fesseln befreit. „Heute zu den Guten gehören und nach mir die Sintflut“ ist seine Devise. Und ihr wollt ihm den Spaß nehmen? Mit euren öden, mühseligen Denkprodukten? Wir feiern mit ihm das große Multikulti- und Weltretter-Fest, wir bestärken ihn mit jedem Fernsehfilm und jeder Unterhaltungsshow, wir versöhnen ihn mit seinen Kindern, die in der Schule längst gelernt haben, dass Traditionen verwerflich sind und dem Kult allumfassender Toleranz huldigen.

Ja, ich bin ein Gutmensch. Weil es sich besser anfühlt und dauerhafter ist, als ein Wutmensch zu sein. Und je mehr wir werden, je mehr Bestärkung wir erfahren, desto besser fühlt es sich an. Dafür werden wir sorgen. Und dagegen kommt ihr in euren intellektuellen Sadomaso-Dungeons im Web niemals an!

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Zum Autor: Hier geht es zur Facebookseite von Kurt Klarich.

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Bild:  © Götz Wiedenroth, Flensburg, www.wiedenroth-karikatur.de/

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6 thoughts on “Gutsein to go

  1. lynx

    Reformationstag
    Prompt geliefert, die gefordert lässige Kritik. Vielen Dank, ganz unironisch. Denn da ist viel Wahres dran. Und dass man etlichen „Gutmenschen“ hier und da mal ordentlich auf den Zahn fühlt – keine Widerrede.

    Dennoch, Sie können es sich denken, bin ich nicht mit allem so ganz einverstanden. Die Argumentation krankt im Wesentlichen an einem Punkt: die behauptete Entwurzelung der „Gutmenschen“.

    Da ich ja hinzugerechnet werde (wenn ich das von mir auch niemals behaupten würde), muss ich an dieser Stelle auch aus ganz persönlichen Motiven für mich widersprechen: mein Denken und Handeln basiert auf den Werten und Erkenntnissen der Reformation, der Aufklärung und unserer Verfassung. Die Wurzeln reichen, auch familiär, tief in diese Tradition, der ich mich ebenso tief verbunden fühle und sie hoffentlich gut an meine Kinder weitergegeben habe.

    Artikel 1 der GG ist aus dieser Tradition heraus nicht verhandelbar und steht über allem, notfalls auch über der Meinungsfreiheit, weil es der 1. Artikel ist. Daran macht sich alles fest, alle Kritik, alle geäußerte Unzufriedenheit mit den Verhältnissen hat das zu respektieren. Hat das etwas mit Gutmenschentum zu tun, oder ist das nur eine Frage des „Gutbürgerlichen“?

    Und als „Gutbürger“ begehe ich jetzt den Reformationstag, ab in den Gottesdienst.

    Gefällt 2 Personen

    1. Benjamin Goldstein

      Wenn ich das richtig erinnere, ist die Würde des Menschen abgeleitet vom kategorischen Imperativ. Den gibt es in mehreren Formulierungen. Der geeignetste, um die Würde zu beschreiben, ist

      „Denn vernünftige Wesen stehen alle unter dem Gesetz, dass jedes derselben sich selbst und alle andere niemals bloß als Mittel, sondern jederzeit zugleich als Zweck an sich selbst behandeln solle.“

      Damit reagierte man auf die Konzentrationslager. Menschen dürfen nie einfach nur missbraucht werden. Dieses Prinzip kann im Wesen nach gar nicht mit der Meinungsfreiheit in Konflikt kommen.

      Gefällt 1 Person

  2. Roger

    Danke dass Sie das demaskieren. Es ist eine Monströsität. Ein System, das spaltet und zerstört. Die Kollateralschäden des „Gut-seins“ sind jetzt schon mit Leid verbunden und werden, wenn dem nicht Einhalt geboten wird, ins unermessliche wachsen. Traurig aber wahr.

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  3. Monte Veritas

    @lynx

    wieder habe ich deinen „schafft deutschland ab“ kommentar nicht bis zu ende gelesen.
    gerade bin ich in deutschland in einem krankenhaus, wo eine krankenschwester aus dem baltikum,einen griechischen patienten fragt, wie man dessen namen ausspricht. da beide keine gemeinsame sprache sprechen, versuchten sie, eine zu finden; natürlich nicht die deutsche.

    kein deutscher muss mehr ins ausland fahren, um ausländer zu treffen.
    deutschland hat sich bereits abgeschafft und ist ausland

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