Der Stern der Weihnacht

Von Christine Seidl-Danek

Ein Weihnachtsgedicht, welches hier erstmals publiziert wird

Allein geh ich durch die kalten Straßen,
fühle mich verloren und von allen verlassen.
Aus der Ferne hör ich wohl der Glocken Klang
und doch ist mir ums Herz ganz bang.

Meine Gedanken wandern zurück in die Kinderzeit,
zur Weihnacht von damals und nun schon so weit.
Ich seh sie, die mit mir einst standen beim Lichterbaum,
sie ziehn vorbei an mir wie ein flüchtiger Traum.

Die mit mir einst verbracht so frohe Stunden –
wohin nur sind sie alle nun entschwunden?
Das Glück, von dem ich gemeint, dass es niemals vergeht,
hat der Sturm der Zeit unbarmherzig verweht.

Von Wehmut schwer geh ich hinaus aus der Stadt,
die mit all ihrem Licht keinen Trost für mich hat.
Ich wandere durch den Wald und das schneestarre Feld
und hier übermannt mich alles Leid dieser Welt.

Ich denk an all die, die wie ich jetzt allein –
wer wird in der Heiligen Nacht ihr Tröster wohl sein?
Und an die, die gebeugt sind von Kummer und Sorgen –
wer nimmt ihnen die Angst vor dem nächsten Morgen?

Ich denk an die Kinder gequält von Hunger und Not –
wer wird ihnen reichen ein kleines Stück Brot?
An die, aus denen auf eisiger Bank langsam weicht das Leben –
wer wird ihnen etwas Wärme und ein Obdach geben?

Ich denk an all die, die weinend an frischen Gräbern stehn –
wer wird sie trösten, wer ihren Schmerz verstehn?
Und an die, denen Krieg oder Naturgewalt alles genommen –
wer wird ihnen helfen, ihrem Elend zu entkommen?

Und erstarrt bleib ich stehn wie gelähmt vom Schmerz,
der mit eisiger Klammer mir zuschnürt das Herz.
Und ich blicke empor zu den Sternen weit,
wo zu zerfließen scheinen Zeit und Ewigkeit.

Dorthin, wo die Gestirne ihre unendlichen Bahnen ziehn,
möcht ich am liebsten dem ird’schen Jammertal entfliehn.
Da plötzlich vernehm ich’s wie im Klang der Sphären,
aus fernster Ferne vermein ich ihren Gesang zu hören:

„Beende deine Trauer und dein sinnloses Klagen
und hilf du deinem Nächsten sein Kreuz zu tragen!
Sei du ihm in Pein und Not das Licht,
das wie der Weihnachtsstern durch die Finsternis bricht!

Nur wenn du mit dem anderen teilst seinen Schmerz,
kann jemals auch genesen dein eigenes Herz.
Wer auch nur einem Menschen das Licht der Liebe gebracht,
hat die ganze Welt erhellt in dunkelster Nacht.“

Christine Seidl-Danek

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Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

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8 Antworten auf „Der Stern der Weihnacht

  1. Pingback: Der Stern der Weihnacht – Leserbriefe

  2. Margo Wolf

    Das Gedicht ist vom Ästhetischen nicht wirklich anspruchsvoll, in seiner Grundaussage schon stimmig. Aber, wie ein anderer Kommentar feststellt: Das große Leid der Tiere ist tatsächlich unerwähnt. „Die Liebe, die wir geben, kehrt in’s eig’ne Herz zurück“, ein alter Poesiealbumspruch. Das hat die Verfasserin klar empfunden.

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