„Die deutsche Botschaft und die Bundesregierung wollten mich in Venezuela verrecken sehen“

Von Jürgen Fritz, Di. 19. Mrz 2019

„Ich muss erst mal zur Ruhe kommen“, sagte Billy Six als er gestern Nachmittag endlich heil in Deutschland angekommen war. „Vor allem bin ich immer noch sehr unter Schock, dass ausgerechnet die deutsche Botschaft in Caracas mich ja nicht nur im Stich gelassen hat, sondern alles getan hat, dass ich da lebendig begraben werde und letztlich ja verrecken sollte. Damit muss ich erstmal umgehen lernen, dass mein größter Gegner nicht der Diktator von Venezuela war, sondern die deutsche Regierung.“

Der deutsche Außenminister Heiko Maas hat bis heute nicht gegen die Verhaftung des deutschen Journalisten protestiert

119 Tage war der deutsche Journalist in Venezuela in Haft gewesen. Erst nach Intervention des russischen Außenministers Sergei Wiktorowitsch Lawrow – ja Sie haben richtig gelesen, nicht des deutschen, sondern des russischen Außenministers! – war Billy Six nach fast vier Monaten Isolationshaft endlich frei gekommen, das aber ganz schnell nach dieser russischen Intervention.

Schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung, insbesondere den Außenminister Heiko Maas (SPD) erhebt Billy Six‘ Vater. Die Bundesregierung habe nicht protestiert gegen die Verhaftung seines Sohnes, der als Journalist in Venezuela tätig war, und sie habe sich nicht massiv für seine Freilassung eingesetzt. Vier Monate lang hätten er und seine Frau alles versucht, um ihren Sohn frei zu bekommen, auch viel Unterstützung erhalten, aber nicht von der deutschen Regierung und der deutschen Botschaft in Venezuela. Der Außenminister habe bis heute nicht gegen die Verhaftung Billys protestiert. Vorgestern haben die Eltern einen Brief von Heiko Maas erhalten, in dem er ihnen mitteilte, er werde sich nicht für die Freilassung ihres Sohnes einsetzen, so der Vater des Journalisten.

Billy Six selbst schilderte, wie er die Haft erlebte. Nach einigen Wochen habe er bemerkt, dass sich etwas tue, als man ihm plötzlich ein ordentliches Bett, einen Tisch und Essensbesteck gebracht und die Zelle gereinigt habe, die sich zuvor in einem erbärmlichen Zustand befunden haben muss. Dann machte man Bilder, die zeigen sollten, dass er etwas zu essen bekommt und anständig behandelt wird.

„Die deutsche Botschaft und die Bundesregierung wollten mich dort lebendig begraben und verrecken sehen“

Bei seiner Freilassung am Samstag, habe der Gefängnisdirektor zu ihm gesagt, er solle das Land so schnell wie möglich verlassen, während das Gericht ihm genau das untersagt hatte. Auch die Botschaft habe ihm gesagt, wenn er das Land jetzt nicht schnell verlasse, dann könnten andere Staatsdienste auf die Idee kommen, ihn wieder festzunehmen. Und auch von dem sozialistischen Präsident respektive Diktator Nicolás Maduro hat es wohl klare und eindeutige Signale gegeben, dass Six sofort verschwinden soll. Die Menschenrechtsorganisation „Espacio Publico“ habe ihn sogar gewarnt, es würde Kräfte in der Regierung geben, die ihn ermorden lassen wollten.

Die deutsche Botschaft zeigte sich dagegen äußerst hilfsbereit und spendabel und hat dem nach vier Monaten Haft sichtlich Unterernährten immerhin zwei Müsli-Riegel spendiert. Ja, die Botschaft, so berichtet Billy Six im Interview mit JF, habe ihn nicht mal zur Ausreise begleiten wollen, obschon klar ist, dass die staatlichen Institutionen in Venezuela nicht mehr richtig funktionieren und die linke Hand nicht weiß, was die rechte macht, man ihm die Ausreise also leicht hätte auch verweigern und wieder festnehmen können.

„Die deutsche Botschaft und die Bundesregierung wollten mich dort lebendig begraben und verrecken sehen. Sie haben mir überhaupt nicht geholfen“, so Billy Six auf die Frage nach der Unterstützung durch deutsche Behörden. Es sei für ihn „eine dramatische Erfahrung, dass wir als deutsche Staatsbürger uns nicht mehr sicher sein können, dass uns die Behörden im Ausland wirklich unterstützen.“ Offenbar sei es „mehr und mehr eine politische Frage, ob sie gewillt sind, etwas für dich zu tun, oder nicht“.

„Wenn sich jeder so verhalten hätte wie die deutsche Botschaft, wäre ich dort noch immer und wahrscheinlich viele Jahre“

Und Billy Six macht auch darauf aufmerksam, wie die L-Medien, als Beispiel führt er explizit die FAZ an, Lügen verbreiten über die konsularische Betreuung, die es so gar nicht gegeben habe.

Für ihn eingesetzt habe sich die Menschenrechtskommissarin der Vereinten Nationen, Michelle Bachelet, die ehemalige Präsidentin von Chile, die – anders als Heiko Maas – auch explizit seine Freilassung gefordert habe. Von ihr seien auch Abgesandte gekommen, ihn in seiner Zelle zu besuchen, was dazu führte, dass seine Haftbedingungen schlagartig um ein Vielfaches besser wurden.

„Wenn sich jeder so verhalten hätte wie die deutsche Botschaft, wäre ich dort noch immer und wahrscheinlich viele Jahre“, resümiert Billy Six, der heute eine Pressekonferenz geben wird. Sehen und hören Sie hier das komplette Interview mit der JF:

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Titelbild: Screenshot von Billy Six bei seiner Ankunft in Deutschland

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