Was machen die drei Größten aller Zeiten im Vorfeld der US Open?

Von Jürgen Fritz, So. 18. Aug 2019, Titelbild: Focus-Screenshot

Sowohl Federer als auch Djokovic sind beim B-Turnier in Cincinatti, der Generalprobe für das vierte und letzte Mega-Event des Jahres, die US Open, überraschend ausgeschieden. Nach ihrem sensationellen Wimbledonfinale, dem längsten aller Zeiten (4:57 Stunden), legten beide eine vierwöchige Pause ein und traten letzte Woche beim Kanada Masters (B) überraschend gar nicht an. Die zwei Superstars spielen also beide nur ein einziges Hartplatzturnier zur Vorbereitung auf die US Open. Das ist ungewöhnlich. Und was macht der Dritte im Bunde Rafael Nadal?

Rafa gewinnt das Kanada Masters, Federer und Djokovic scheiden in Cincinatti überraschend aus

Federer schied gleich in seinem zweiten Match, im Achtelfinale gegen den 21-jährigen Russen Rublev, aus. Rublev verlor dann gegen den 23-jährigen Russen Medvedev, welcher letzte Woche auch im Finale der Canadian Open stand, dort aber ganz klar mit 3:6, 0:6 gegen Nadal verlor. Heute Nacht konnte Medvedev aber im Halbfinale von Cincinatti den Titelverteidiger Novak Djokovic in drei Sätzen mit 3:6, 6:3, 6:3 bezwingen und trifft heute im Finale auf den Belgier Goffin.

Djokovic, Nadal und Federer, die drei Oldies, die seit 2017 die letzten elf Grand Slam-Turniere alle gewannen (Djokovic und Nadal je 4, Federer 3) sind nach wie vor auch die Top-Favoriten für die US Open, vor Medvedev, der sich bei den Buchmachern jetzt auf Platz 4 vorschob. Nadal, der in Wimbledon im Halfbinale gegen Federer ausschied, spielte letzte Woche das Turnier in Montreal (Kanada Masters), gewann es zum fünften Mal in seiner Karriere und entschied dann kurzfristig, Cincinatti auszulassen, um sich für die US Open zu schonen.

Dies war Rafas 35. Titel bei einem B-Turnier. Damit führt er hier die ewigen Bestenliste vor Djokovic (33), Federer (28) und Agassi (17) an. Allerdings werden diese neun Masters 1000, wie sie inzwischen heißen, erst seit 1990, also erst seit knapp 30 Jahren gespielt und nicht wie die vier Grand Slam-Turniere seit 114 bis 142 Jahren (Wimbledon). Bei den A-Turnieren liegt Federer mit 20 Titeln ganz vorne in der ewigen Bestenliste, vor Nadal (18), Djokovic (16) und Sampras (14).

Who is The Greatest Of All Time (GOAT)?

Zu bedenken ist, dass Rafa als einziger der Big Three die olympische Goldmedaille im Herreneinzel gewonnen hat und den Daviscup (eine Art Mannschafts-WM) viermal, Federer und Djokovic je nur einmal. Allerdings hat Rafa noch nie die ATP Finals (B+), das zusammen mit Olympia fünftwichtigste Turnier, gewonnen. Das Hallenturnier der acht Saisonbesten am Jahresende liegt ihm nicht so richtig.

Die drei Ausnahmeathleten spielen inzwischen letztlich auch darum, wer als größter Tennisspieler aller Zeiten in die Geschichte eingehen wird, und sie liegen extrem nah beisammen. In den letzten Jahren konzentrieren sie sich daher vor allem auf die A-Titel. Federer führt zwar noch mit einigen Punkten Vorsprung, wenn man alles zusammenrechnet und die Turniere auch adäquat gewichtet, aber er ist schon 38 Jahre alt. Nadal ist 33, Djokovic 32 und die beiden rücken ihm immer näher.

Vor allem Djokovic, der weniger Verletzungsprobleme aufweist und dessen Spiel weniger körperbetont ist als das von Rafa, könnte also noch einige ganz große Titel holen. Bei den US Open, die in acht Tagen beginnen, geht es also auch darum, wer sich in der ewigen Bestenliste noch weiter nach vorne schieben können wird. Letztlich geht es um die Frage: Who ist The Greatest Of All Time (GOAT)? Wer ist der größte Tennisspieler, wenn nicht größte Sportler aller Zeiten?

Federer, Nadal und Djokovic haben seit Wimbledon 2003, also in den letzten 16 Jahren von den 65 gespielten Grand Slam-Tournaments 54 (über 83 Prozent) für sich entschieden. Aber wer weiß, vielleicht schafft es ja nun doch einmal ein Jüngerer, zum Beispiel Medvedev, ein Grand Slam-Turnier zu gewinnen. Bisher hat kein einziger Spieler, der nach 1988 geboren ist, jemals ein A-Turnier für sich entscheiden können.

Grand Slam-Rekordsieger (A)

Das wichtigste Kriterium – neben dem Spieler des Jahres – ist sicherlich die Anzahl der gewonnen A-Turniere, der Majors. Hier liegen die Großen Drei weit vor allen anderen:

  1. Roger Federer: 20
  2. Rafael Nadal: 18
  3. Novak Djokovic: 16
  4. Pete Sampras: 14
  5. Roy Emmerson: 12 (alle 12 vor der Open Era, ohne Konkurrenz der Profis)
  6. Rod Laver: 11 (6 als Amateur ohne Konkurrenz der Profis, dann selbst 5 Jahre nicht spielberechtigt als Profi, dann nochmals 5 Titel als Profi mit Konkurrenz der besten der Welt in der Open Era)
  7. Björn Borg: 11
  8. Bill Tilden: 10

Spieler des Jahres

Diese Liste lässt sich bis 1877 zurückverfolgen. Folgende Akteure waren am häufigsten Spieler des Jahres (wenn am Jahresende zwei zugleich auf Position 1 gelistet wurden, bekommen beide 0,5 Punkte und das Jahr 2013 wird hier voll Rafael Nadal zuerkannt und nicht geteilt, da der Spanier in diesem Jahr insgesamt doch knapp vor Djokovic lag; lediglich die ITF sah das anders):

  • Pancho Gonzalez: 7 Jahre (1952 – 1960)
  • William Renshaw: 6,5 Jahre (1881 – 1889)
  • Bill Tilden: 6,5 Jahre (1920 – 1931)
  • Rod Laver: 6 Jahre (1964 – 1970)
  • Pete Sampras: 6 Jahre (1993 – 1998)
  • Jack Kramer: 5 Jahre (1947 – 1953)
  • Roger Federer: 5 Jahre (2004 – 2009)
  • Novak Djokovic: 5 Jahre (2011 – 2018)
  • Ken Rosewall: 4,5 Jahre (1960 – 1970)
  • Laurence Doherty: 4,5 Jahre (1902 – 1906)
  • Don Budge: 4,5 Jahre (1937 – 1942)
  • William Larned: 4 Jahre (1901 – 1910)
  • Rafael Nadal: 4 Jahre (2008 – 2017)

Federer, Nadal und Djokovic, die innerhalb einer Ara spielten, jagten sich nicht nur gegenseitig etliche Grand Slam-Titel ab, sondern noch mehr die Auszeichnung als Spieler des Jahres, die ja jedes Jahr nur einer erringen konnte. Interessant ist es daher zu betrachten, wie oft sie am Jahresende in den Top-Drei waren.

Federer war sechsmal am Jahresende die Nr. 2 und dreimal die Nr. 3, insgesamt also 14 mal unter den ersten drei. Djokovic zweimal die Nr. 2 und viermal die Nr. 3 (11 mal unter den ersten drei) und Nadal sechsmal die Nr. 2 und einmal die Nr. 3 (11 mal unter den Top drei). Wenn wir Platz 1 mit einem Punkt bewerten, Platz 2 mit 0,5 und Platz 3 mit 0,3 Punkten, dann kommen die Big Three auf folgende Punktzahlen:

  • Roger Federer: 5 x 1 + 6 x 0,5 + 3 x 0,3 = 8,9 Punkte
  • Rafael Nadal: 4 x 1 + 6 x 0,5 + 1 x 0,3 = 7,3 Punkte
  • Novak Djokovic: 5 x 1 + 2 x 0,5 + 4 x 0,3 = 7,2 Punkte

Djokovic, Nadal und Federer führen auch derzeit die Weltrangliste an, so dass sie auch hier wohl noch weitere Punkte sammeln werden.

Wer führte die Weltrangliste im Herreneinzel am längsten an?

Die ATP Weltrangliste, welche die Ergebnisse der letzten 52 Wochen berücksichtigt, wird erst seit dem 23. August 1973 geführt. Folgende Spieler führten die Rangliste seither am längsten an:

  1. Roger Federer: 310 Wochen (5,9 Jahre)
  2. Pete Sampras: 286 Wochen (5,5 Jahre)
  3. Ivan Lendl: 270 (5,2 Jahre)
  4. Jimmy Connors: 268 (5,1 Jahre)
  5. Novak Djokovic: 264 Wochen (5,1 Jahre)
  6. Rafael Nadal: 196 Wochen (3,8 Jahre)
  7. John McEnore: 170 Wochen (3,3 Jahre)
  8. Björn Borg: 109 Wochen (2,1 Jahre)
  9. Andre Agassi: 101 Wochen (1,9 Jahre)

Aktuell ist Djokovic die Nr. 1 der Weltrangliste.

Olympische Goldmedaille im Herreneinzel (B+)

Tennis gehört erst wieder seit 1988 zum olympischen Programm. Federer und Djokovic schafften es nie, die olympischen Spiele im Herreneinzel zu gewinnen. Nadal gewann 2008 im Einzel und 2016 im Doppel die Goldmedaille. Federer gewann 2008 im Doppel die Gold- und 2012 im Einzel die Silbermedaille. Djokovic gewann 2008 die Bronzemedaille im Einzel. Rekordsieger ist hier Andy Murray, der 2012 und 2016 Gold im Einzel gewann.

  • Andy Murray: 2
  • Rafael Nadal: 1
  • Nicolás Massú: 1
  • Jewgeni Kafelnikow: 1
  • Andre Agassi: 1
  • Marc Rosset: 1
  • Miloslav Mečíř: 1

Rekordsieger ATP Finals (B+)

Die ATP Finals werden seit 1970 gespielt (früher lautete der Name anders: Tennis Masters Cup, ATP World Tour Finals). Sie gelten abgesehen von den Jahren, in denen die olympischen Spiele stattfinden, nach den vier Grand Slam-Turnieren als das wichtigste Tennisturnier der Herrentour. Die meisten Titel holte hier Roger Federer.

  1. Roger Federer: 6
  2. Ivan Lendl: 5
  3. Novak Djokovic: 5
  4. Pete Sampras: 5
  5. Ilie Năstase: 4
  6. Boris Becker: 3
  7. John McEnroe: 3

Davis Cup-Sieger

Der Davis Cup ist der wichtigste Wettbewerb für Nationalmannschaften im Herren-Tennis. Er wird jedes Jahr von über hundert Nationen in Gruppen und Runden ausgespielt. Veranstalter ist die International Tennis Federation (ITF). Nadal gewann mit Spanien viermal den Davis Cup, Federer mit der Schweiz und Djokovic mit Serbien je nur einmal.

  • Rafael Nadal: 4
  • Roger Federer: 1
  • Novak Djokovic: 1

Rekordsieger ATP Master 1000-Sieger (B)

Diese neun B-Turniere werden seit Anfang 1990 gespielt. Sie zählen sicherlich nicht so stark wie die oben genannten anderen Aspekte. Gleichwohl zeigen diese Erfolge, wer über die A-Turniere hinaus sehr erfolgreich war. Hier heißt der Rekordsieger Rafael Nadal.

  1. Rafael Nadal: 35
  2. Novak Djokovic: 33
  3. Roger Federer: 28
  4. Andre Agassi: 17
  5. Andy Murray: 14
  6. Pete Sampras: 11

Bilder vor Rafas Turniersieg beim Kanada Masters

Hier Bilder von Rafas Sieg in Montreal letzte Woche:

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