Wintersonnenwende: Religionen mögen kommen und gehen, dieser Tag bleibt

Von Jörg Schneidereit, Do. 26. Dez 2019, Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

Die längste Nacht des Jahres liegt nun hinter uns, damit zugleich der kürzeste Tag. Es ist das jahrtausendealte Fest des Endes und des Neubeginns. Seit dem 22. Dezember werden die Tage wieder länger, das Licht kehrt zurück. Ganz real und greifbar ist dies der eigentliche Beginn des neuen Jahres. Jörg Schneidereit zeigt auf, wie die Natur selbst diesen Wendepunkt festgelegt hat.

Religionen mögen kommen und gehen, dieser Tag bleibt

Am frühen Sonntagmorgen, den 22 Dezember, um 05:06 Uhr war der astronomisch genaue Zeitpunkt der Wintersonnenwende. Uralt ist dieses Fest. Schon seit wir an den ersten Feuern vor unseren Höhlen saßen, haben wir den Lauf der Gestirne beobachtet. Unser Lebensspender war und ist seit jeher unser Zentralgestirn, die Sonne. Unser Lebenszyklus, unser Jahreskreis, war und ist vollständig auf den Lauf der Sonne ausgerichtet und von diesem bestimmt.

Steinzeitliche, astronomische Tempelanlagen, wie das irische Newgrange, das englische Stonehenge (siehe Titelbild), das 7.000 Jahre alte Sonnenobservatorium in Gosek, in Sachsen-Anhalt als auch unzählige andere waren (und sind es bis heute) auf die Sonnenwenden ausgerichtet.

Der alt-ägyptische Kult um den Sonnenkönig Aton, die Sol-Verehrung im Mithras-Kult des alten Persiens, der Sieg Kaiser Aurelians über die palmyrischen Heere und das daraus entstandene Sol Invictus, die römische Feier des Sonnenkönigs, hatten letztlich die Wintersonnenwende als Kern und Zentrum.

Schließlich kam die Weiterführung jenes, so bedeutenden Festes als Weihe-Nacht des Christentums, mit der bewussten Verlegung des unbekannten und nicht überlieferten Geburtstermins seines angebeteten Kindes auf die Wintersonnenwendzeit. Der Zeitpunkt dieses Festes ist stets gleich geblieben – und wird es, egal wie viele Religionen noch kommen und gehen, auch immer bleiben.

Die Natur selbst bestimmt diesen Tag als Wendepunkt

Ich selbst feiere mit Freunden und meiner kleinen Familie diese Sonnenwendnacht seit nunmehr 25 Jahren. Bei einem gemeinsam vorbereiteten Mahl – dem traditionellen Herstellen echter Thüringer Klöße nämlich -, wunderbarem Wein, einem großen Feuer, und viel Ausgelassenheit und guten Gesprächen.

Ich bin kein religiöser Mensch, wenngleich ich im heimischen, christlichen Kulturkreis erzogen und aufgewachsen bin. Wissen, Erkenntnis und nicht zuletzt die Wunder und Schönheit der realen Welt und des unendlichen Kosmos in dem wir leben, sind mir Freude genug und lassen mich demütig und voller Glück begreifen, dass ich ein Teil all dessen bin. Ein Fest wie die Wintersonnenwende ist ein reales, greifbares, echtes Fest. Die Natur selbst bestimmt diesen Tag als Wendepunkt – ganz ohne unsere menschlichen Befindlichkeiten, Märchen und Rituale. Es ist im besten Sinne des Wortes ein Fest des Kosmos, hier auf unserer kleinen, wunderschönen Erde.

Wie, was oder wo immer Ihr dort draußen gerade feiert, in dieser festlichen, stillen und dunklen Zeit des Jahres – ich wünsche Euch allen eine wundervolle Weihnachtszeit und viel Licht im Neuen Jahr!

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