Was ich Heiligabend mit lieben Christenmenschen erleben durfte

Von Jürgen Fritz, Mi. 25. Dez 2019, Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

Heute feiert die Christenheit das Weihnachtsfest, welches für sie für die Geburt Christi steht. Zugleich steht Weihnachten für ein Fest des Friedens. Lesen Sie hier, was ich dieses Jahr an Heiligabend mit gleich mehreren lieben Christenmenschen erleben durfte, und was es mit dem Weihnachtsfest tatsächlich genau auf sich hat.

Wieso gerade der 25. Dezember?

An Weihnachten feiern Christen also „die Geburt Jesu Christi“. Der eigentliche Festtag ist der 25. Dezember, doch die Feierlichkeiten beginnen meist schon am Vorabend, dem sogenannten „Heiligen Abend“. Weihnachten wird meist auch in der Familie oder mit Freunden und mit gegenseitigem Beschenken gefeiert. Der Brauch der Bescherung der Kinder zu Weihnachten wurde um 1535 von dem Reformator und Begründer der evangelischen Kirche Martin Luther eingeführt als Alternative zu der Sitte des Gabengebens am Nikolaustag, um so das Interesse der Kinder auf „das Fest der Geburt Christi“ zu lenken.

Jesus von Nazareth wurde aber mit Sicherheit nicht Ende Dezember geboren. Wie es zu diesem Datum 25. Dezember kam, ist nicht genau geklärt. Nicht unwahrscheinlich ist aber, dass es vom Mithraskult übernommen wurde. Dazu gleich mehr.

Der 25. Dezember liegt auf jeden Fall nur drei bis vier Tage nach der Wintersonnenwende, welche auf der Nordhalbkugel der Erde je nach Jahr auf den 21. oder 22. Dezember fällt. Dann erreicht die Sonne die geringste Mittagshöhe über dem Horizont und ab nun werden die Tage wieder länger, die Sonne gewinnt quasi wieder mehr an Macht. Zwischen diesem Sonnengott und „Christus, der wahren Sonne“ (Christus verus Sol) zogen frühe Christen Parallelen und versuchten wohl, wie sie das so oft mit Traditionen anderer Kulturen taten, den alten Brauch mit ihrem neuen zu überdecken.

Mithras, der Gott des himmlichen Lichtes, ist eine Personifikation der Sonne. Die aus Persien und Indien stammende Lehre war schon im 3. Jahrhundert v. Chr. bis nach Ägypten gekommen. Von dort gelangt sie ins römische Reich und verbreitete sich etwa zeitgleich wie das Christentum und ähnlich rasch wie dieses. Vor allem über Soldaten, Händler und Sklaven gelangte der Kult bis nach Nordafrika, Spanien, Gallien, Germanien und Britannien. Die Forschung stellte eine Reihe von Entsprechungen zwischen der Predigt des Paulus, dem Begründer oder Erfinder des Christentums und dem Mithraskult fest.

Was hat dieser christliche Festtag mit dem Mithraskult zu tun?

Mithras stieg nach dieser antiken Lehre vom Himmel herab, bei seiner Geburt sollen ihn Hirten angebetet und ihm die Erstlinge ihrer Herden und Früchte dargebracht haben. Später fuhr Mithras wieder zum Himmel auf, wurde durch den Sonnengott inthronisiert, somit seine Allmacht teilhaftig und schließlich Glied einer Trinität. Die Anhänger dieser Lehre glaubten, dass Mithras einst wiederkehre würde, um die Toten zu erwecken und sie zu richten.

Mithras war mithin Mittler zwischen Himmel und Erde, Gott und dem Menschengeschlecht, Gottmensch, Weltheiland und Erlöser. Der heilige Tag des Sonnengottes war der Sonntag. Er wurde im Mithraskult als erster Tag der Woche gefeiert und dann später als „Tag des Herrn“ von den Christen, für die ursprünglich alle Tage in gleicher Weise dem Herrn gehörten, übernommen.

Kaiser Aurelian hatte im Jahr 274 den 25. Dezember reichsweiten Festtag für Sol Invictus  („der unbesiegte Sonnengott“) festgelegt. Aber noch bis ins 4. Jahrhundert gab es im Christentum auch in strengsten Klöstern am Sonntag keine Arbeitsruhe. Erst 321 führte Kaiser Konstantin, der erste christliche Kaiser, den Sonntag gesetzlich ein.

Der Geburtstag Christi wurde unter den Urchristen lange Zeit überhaupt nicht begangen. Als man ihn dann einführte, war zunächst völlig unklar, welches Datum man nehmen soll. Um das Jahr 200 meinten die einen laut Clemens von Alexandrien, der 19. April sei das richtige Datum, andere meinten der 20. Mai, während Clemens selbst den 17. November für das richtige Datum hielt.

Das Weihnachtsfest selbst ist bereits im 2. Jahrhundert in Ägypten aufgekommen und wurde dort am 6. Januar, dem Geburtstag des Gottes Aion oder Osiris gefeiert. Erst 353 hat die katholische Kirche den Geburtstag Christi dann auf den 25. Dezember verlegt, auf den Geburtstag des Mithras, des unbesiegbaren Sonnengottes, wohl um diesen aus dem Bewusstsein des Volkes zu verdrängen. Das neue Fest konnte sich umso rascher durchsetzen, als es sehr beliebt war, knüpfte es doch unmittelbar an das heidnische Sonnenwendfest an.

Wie ist die Weihnachtsgeschichte tatsächlich entstanden?

Die christliche Weihnachtserzählung ist den meisten so vertraut, dass sie meinen sie stünde in mehrere Evangelien. Sie findest sich aber nur im Lukasevangelium, dem historisch wohl dritten, wahrscheinlich zwischen 70 und 90 entstandenen Evangelium, verfasst von einem Autor mit hellenistischer Bildung.

Lukas hat die Geschichte, so darf vermutet werden, aus alttestamentlichen und mehr noch aus heidnischem Gut herausgesponnen. Bei der leicht sentimantalen Schilderung der reisenden Mutter, die keinen Platz findet, ihr Kind zu gebären, denkt jeder antike griechische Leser an die Mutter Apolls. Wie das Zeuskind bei Kallimachos in Windeln gewickelt wird und das Dionysoskind in einer Getreideschwinge liegt, so liegt bei Lukas das in Windeln gewickelte Jesuskind in einer Krippe.

Die Hirtenerzählung wird ganz ähnlich bei der Geburt des Kyros und des Romulus überliefert, wohl auch in Mithraskindheitsgeschichten. Die Lichterscheinung in der Nacht dürfte von Mysterienkulten übernommen sein. Etliche Rufe sind sogar wörtlich oder fast wörtlich übernommen. Kurzum, Lukas hat die ganze Geschichte wohl aus mehreren Quellen antiker Mythen einfach zusammengeschrieben, etwas von hier übernommen, etwas von dort usw.

Auf jeden Fall aber gilt Weihnachten weltweit auch als Tag des Friedens. Im Jahr 1914, im ersten Kriegsjahr des Ersten Weltkrieges, legten etwa 100.000 Soldaten der West- und Ostfront zu Weihnachten ihre Waffen in einem unautorisierten Waffenstillstand nieder und hielten mehrere Tage Weihnachtsfrieden.

Was ich Heiligabend mit lieben Christenmenschen erleben durfte

Was nun aber geschieht, wenn man es wagt, die christliche Weltanschauung oder Ideologie in Frage zu stellen oder gar substanziell zu kritisieren, durfte ich dieses Jahr an Heilig Abend erfahren. Nachdem ich dieses Jahr mehrere christentumskritische Texte auf JFB und auf Facebook veröffentlicht hatte und ich am Montagmorgen, den 23. Dezember den Artikel Warum wir das Christentum endlich überwinden sollten veröffentlicht hatte, ging es am gleichen Tag nachmittags bereits los.

Zunächst erreichte mich eine fast schon drohende SMS, in der ich aufgefordert wurde, „meine ständige Diskreditierung des Christentums“ zu „unterlassen“, wenn ich „davon keine Ahnung habe!“. Sodann folgte eine Erklärung, was wahres Christentum bedeuten würde: nicht „Devotismus“, „auch keine Anpassung“ usw. usf.

Dann wurde am 24. Dezember auf Facebook das erste Mal seit vielen, vielen Monaten, wenn nicht länger, ein Kommentar von mir gelöscht, indem ich mich sehr negativ über das Christentum geäußert hatte, ein Wort benutzt habe, das mit H beginnt und das auf ein ganz besonderes Verhältnis zur Wahrheit hindeutet, und dieses Negativurteil mit drei Fakten aus der wissenschaftlichen Forschung belegt und erläutert habe. Das von mir benutzte H-Wort kommt übrigens in der sogenannten „Heiligen Schrift“ des Christentums, der Bibel, ständig vor.

Die Christen werfen also anderen seit zweitausend Jahren vor, solche H-Menschen zu sein, es ist aber – zumindest auf Facebook – im Jahr 2019 offensichtlich nicht erlaubt, Christen ihrerseits dieser Unwahrhaftigkeit zu bezeichnen und dies mit Fakten zu belegen, wobei sogar Paulus selbst und mehrere antike Kirchenlehrer offen zugegeben und dazu aufgefordert haben zu lügen, so es ihrer Weltanschauung bzw. Ideologie und ihrer Ausbreitung nutze. Das Prinzip der Taqīya (für die eigene Weltanschauung die Unwahrheit sagen) ist also keine islamische Erfindung, wie Christen gerne behaupten, und geht im Christentum sehr viel weiter als im Islam. Gleichwohl darf man dieses H-Wort in Bezug auf Christen auf Facebook nicht mehr benutzen und ich werde es fortan also umgehen.

Die Krönung kam dann jedoch am Abend des 24. Dezember. Kurz nach 19:30 Uhr, meine Partnerin und ich wollten es uns endlich gerade gemütlich machen, nachdem wir im engsten Familienkreis einen medizinischen Notfall hatten und ein Familienmitglied am späten Nachmittag / frühen Abend noch ins Krankenhaus bringen mussten (nichts Tragisches, nur eine heftige allergische Reaktion), erhielt ich einen Anruf eines freundlichen Herrn, der meinte, er müsse mit mir am Heiligabend über das Christentum diskutieren und es mir endlich so richtig erklären.

Ich gehe davon aus, dass dies auch im kommenden Jahr so weiter gehen und sich noch viele richtige Christen melden werden, die mir alle das wahre Christentum vermitteln wollen, so ähnlich wie all die Sozialisten, die allen immer wieder erklären, dass der richtige Sozialismus ganz anders sei als das, was alle sozialistischen Systeme bisher angerichtet haben.

P.S.

Im übrigen gilt wie immer: Natürlich gibt es in jeder Weltanschauungsgruppe und in jeder Ideologie, sei sie metaphysisch spekulativ oder metaphysisch asketisch und bescheiden, solche und solche Menschen. Die Zusammensetzung oder das Mischungsverhältnis kann dabei aber natürlich deutliche Qualitätsunterschiede aufweisen. Das gilt es weiter zu untersuchen, denn: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

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