Die Singularität des Holocaust bestreiten inzwischen nicht nur Rechtsradikale

(Thomas Schmid, 28.02.2021) Anhänger der Postcolonial Studies ziehen eine direkte Linie vom Massenmord an den Herero 1904 bis 1908 zum Holocaust. Wer im Holocaust ein singuläres Verbrechen sehe, erliege der eurozentrischen Borniertheit. Nicht zu verkennen ist dabei der Neid anderer Opfergruppen auf die Juden. Diese würden einen singulären Opferstatus für sich usurpieren. Der Holocaust aber war einzigartig, macht Thomas Schmid deutlich, weil es in ihm nicht um Unterdrückung und Ausbeutung, sondern um originäre Vernichtung ging. Der Erlösungsantisemitismus lieferte eine ganze Welterklärung. Und noch etwas arbeitet Thomas Schmid heraus: Im Kern verwerfen postkoloniale Denker die Moderne und den Universalismus. Die Barbarei kam aber nicht aus dem Universalismus, sondern aus dessen Missachtung.

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Der Philosophie-Vorspieler: Vom Schein und Sein

(Jürgen Fritz, 22.08.2020) „Der Philosoph, der in der Öffentlichkeit eingreifen will, ist kein Philosoph mehr, sondern Politiker; er will nicht mehr nur Wahrheit, sondern Macht.“ (Hannah Arendt) – „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern.“ (Karl Marx) – „Philosophen denken nach.“ (Konrad Paul Liessmann)

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Gesetzung und Bewegung (III): Bewegung ist der Modus der verlorenen Menschen der Moderne

(Boris Blaha, 03.06.2019) Der Gegensatz von Gesetz ist nicht gesetzlos. Die gesamte anarchische und später anti-autoritäre Tradition bleibt an die Vorstellung von Gesetz als Vorschrift, als Gehorsamsgebot des Herrn gefesselt. Weil uns der erfahrbare räumliche Sinn von Gesetzung weitgehend abhanden gekommen ist, müssen wir den Umweg über seine Negation nehmen. Der räumliche Gegensatz im Inneren von Ge-setzung ist Zer-setzung, im Äußeren Wüste. Zersetzung holt die Wüste, die die Gesetzung draußen hält in das Innere der Gesetzung hinein. zerschneidet und entbindet, was durch Gesetzung erst entstehen kann: das unsichtbare Geflecht der vielfältigen Bindungen, die zwischen Menschen, die sich in einem geschützten Raum aufhalten können, durch die Zeit, die Wiederholung, die Gewohnheit und die Vertrautheit entstehen. Dritter und letzter Teil des Essays von Boris Blaha.

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Gesetzung und Bewegung (II): Die Bewegten bekämpfen alles, was sie an der Bewegung auf ihre Fiktion hin hindert

(Boris Blaha, 01.06.2019) In Teil 1 machte Boris Blaha deutlich, dass der Rechtsstaat das Recht auch gegenüber heutigen Heils- und Erlöserbewegungen nicht halten kann. Wer sich dem totalen Anspruch der Bewegung verweigert, wird zum „Feind der Menschheit“ erklärt und entrechtet. In der heute zur Ideologie verkommenen „Zivilgesellschaft“ gibt es keine Gefährten mehr. Wer aber im anderen nur den „Menschen“ sieht, bleibt blind für den Unterschied zwischen Zivilisation und Barbarei. Hier nun Teil 2 des dreiteiligen Essays Gesetzung und Bewegung.

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Das Wagnis der Öffentlichkeit: Hannah Arendt über Karl Jaspers, Freiheit und Vertrauen in die Vernunft

(Jürgen Fritz, 25.11.2018) „Wo Jaspers hinkommt und spricht, da wird es hell. Er hat eine Rückhaltlosigkeit, ein Vertrauen, eine Unbedingtheit des Sprechens, das ich bei keinem anderen Menschen kenne“, so die große Hannah Arendt über ihren ehemaligen Lehrer und lebenslangen Freund, den Psychiater und Philosophen Karl Jaspers. Lesen und hören Sie hier, was die wunderbare Hannah Arendt ferner über Freiheit und Vernunft zu sagen hatte und über das Vertrauen in das Menschliche des Menschen.

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