SPD-Vorsitz: Schlimmer als Schulz und Nahles geht nicht mehr? Von wegen!

Von Jürgen Fritz, Do. 07. Nov 2019, Titelbild: Bitcom-YouTube-Screenshot

Wer glaubte, dass mit Martin Schulz und Andrea Nahles an der Spitze der SPD der absolute Tiefpunkt erreicht sein müsse, tiefer könne es unmöglich noch gehen, könnte sich unter Umständen schwer getäuscht haben. Denn der hatte offensichtlich Saskia Esken nicht auf seinem Zettel. Kennen Sie nicht? Diese Frau müssen Sie unbedingt kennenlernen!

Möchtest du meine letzte Rose annehmen?

Die SPD sucht wieder einmal einen neuen Parteivorsitzenden, nein gleich zwei, weil … Ja warum eigentlich zwei? Vielleicht weil dann, wenn einer der beiden wiedermal nach einem Jahr hinschmeißt, noch ein zweiter da ist, so dass die Sozen nicht wieder monatelang führungslos sind? Oder weil die Grünen auch immer zwei haben? Man weiß es nicht. Ist ja auch egal.

Nun haben sich die Sozis also entschieden, die beiden neuen Vorsitzenden in einem Castingwettbewerb bestimmen zu lassen. Natürlich ein Mann und eine Frau, die Frauenquote muss unbedingt streng reglementiert sein und mindestens 50 Prozent betragen, was bei Zweien natürlich nicht schwer fällt. Solche Castingwettbewerbe kennen wir doch seit Jahren von verschiedenen TV-Formaten, wie DSDS (Deutschland sucht den Superstar) oder vom Bachelor und der Bachelorette.

Sie wissen doch Paul Janke, Jan Kralitschka, Daniel Völz, Andrej Mangold beziehungsweise Jessica Paszka, Nadine Klein, Gerda Lewis und wie die alle hießen. Die Beziehungen zwischen dem Bachelor und seiner Auserwählten beziehungsweise – selten war dieser Ausdruck so passend – der Bachelorette und ihrem Liebling hielten in den meisten Fälle aber nicht sehr lange, so ist überall zu lesen, manchmal nicht mal einen Monat. Kein sehr gutes Omen für die Sozi-Partei-Vorsitz-Wahl!

Insofern interessiert es die meisten von uns, wenn wir mal ehrlich sind, doch kaum die Bohne, wem irgendwelche SPD-Mitglieder, die wir nicht kennen und die nicht mal so fesch aussehen wie Andrei Mangold oder Gerda Lewis ihre letzte Rose geben, oder? Wir ahnen doch: Auch diese Liebe wird wieder nicht lange halten. Gerda hat ihrem Keno gleich im ersten gemeinsamen Urlaub nur wenige Wochen nachdem er die letzte Rose bekommen hat, gesagt: „Du bist ja ganz okay, aber das wird nix auf Dauer mit uns beiden“. War es denn bei der Liebe der SPD-ler zu Martin Schulz und Andrea Nahles viel anders?

Und jetzt sollen wir uns diese ganze neuen Namen einprägen: Saskia Esken, Norbert Walter-Borjans, Klara Geywitz und wie die alle heißen. Gott oh Gott, wer soll sich denn diese Namen alle merken? Und wie die schon klingen! Da ist einem der Olaf Scholz doch irgendwie lieber, oder? Selbst wenn der beim Reden zwischen zwei Worten kurz einschläft, aber eine hübsche Glatze hat er und den kennt man wenigstens. Wozu Neue kennenlernen, wenn wir alle wissen, nach dem ersten gemeinsamen Urlaub ist sowieso wieder Schluss? Oder es endet wie damals bei Scharping. Da hat man auch die Sozen-Basis sich in ihren Neuen selbst aussuchen lassen. Was dabei herauskam, werden zumindest einige noch wissen. Nein, vom Rad isser nicht gefallen. Eher noch schlimmer.

Esken: Der Sozialismus ist eine dauernde Aufgabe

Nun meinen aber einige, schlimmer als mit Martin Schulz (Ruft doch alle mal ganz laut „Maddin, Maddin!“) und Andrea Nahles (Ab morgen kriegen sie alle in die Fresse) könne es unmöglich kommen. Also versuchen wir mal was anderes. Doch diejenigen, die so denken, könnten sich unter Umständen schwer getäuscht haben. Denn sie kannten wohl Saskia Esken noch nicht. „Saskia wer?“, werden Sie jetzt wahrscheinlich denken. Mein Gott, ich kann ja auch nichts für die Namen. Ich bin nur der Übermittler der Botschaft.

Saskia Esken ist die Hälfte von dem Duo Esken + Norbert Walter-Borjans. Und die zwei haben es – bitte, ich kann nix dazu! – in die Stichwahl um den Parteivorsitz gebracht, zusammen mit dem Duo Klara Geywitz + Olaf Scholz. „Ah, den kenne ich“, werden Sie jetzt denken. „Der hat doch den G20-Gipfel in Hamburg so perfekt organisiert und sicher durchgeführt und Hamburg überhaupt so sicher gemacht. Außerdem sitzt der oft neben Merkel. Ist der nicht sogar irgendein Minister. Wusste gar nicht, dass der in der SPD ist.“ 

Ja, genau der. Und der hat jetzt also eine Partnerin (Geywitz, ist kein Scherz, die heißt wirklich so), mit der er zusammen den Parteivorsitz übernehmen möchte, was er zuvor noch als unmöglich darstellte, weil er ja Bundesfinanzminister ist (der ist also wirklich ein Merkel-Minister). Und beides zugleich würde zeitlich unmöglich gehen, wenn man seriös sein wolle.

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SPD-Screenshot: Olaf Scholz, Klara Geywitz, Norbert Walter-Borjans, Saskia Esken

Schulz („G20 Gipfel in Hamburg ist überhaupt kein Problem, das mache ich mit links“), bitte nicht mit Scholz („ruft doch mal alle ‚Maddin, Maddin‘!“) verwechseln, und seine Partnerin haben also ein Kontrahentenpaar und Saskia Esken ist exakt 50 Prozent dieses anderen Paars. Und die ist wirklich eine ganz tolle (nicht dolle! – obwohl …). Die Saskia ist nämlich nicht nur eine Ultralinke, sondern auch wahnsinnig schlau, ja fast möchte man sagen: intelligent. Die sagt und schreibt ganz faszinierende Dinge, wie zum Beispiel das hier:

»Weil hier heute so lebhaft debattiert wurde und wird: Der demokratische Sozialismus bleibt für uns die Vision einer freien, gerechten und solidarischen Gesellschaft, deren Verwirklichung für uns eine dauernde Aufgabe ist. Das Prinzip unseres Handelns ist die soziale Demokratie.«

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Deswegen sagen manche, Saskia sei eine Sozialistin. Ein böser Mann (Tomcat@KleinerBuhmann) schrieb dann sogar:

»Mit dieser Aussage von Frau Esken, wird die SPD zu einer Gefahr für die Demokratie! #NeverSPD«

Und die Saskia denkt offensichtlich nicht erst seit kurzem so, sondern schon lange:

»Wer Sozialismus negativ verwendet, hat halt einfach keine Ahnung. So.«

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Saskia, die Kluge: Ich habe dazu eine abweichende Meinung

Aber offensichtlich mögen sehr viele in der SPD genau das ganz arg. Denn sonst wären Saskia und ihr Partner ja nicht in die Stichwahl gekommen, wo doch so viele Paare angetreten sind. Aber Esken und Dings-Bums, Verzeihung! Norbert Walter-Borjans, haben ja eine der beiden letzten Rosen bekommen. Oder für die Fußballer und Tennisspieler, die kein RTL gucken: Die stehen im Endspiel.

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Und Esken ist wie gesagt nicht nur eine Sozialistin, sondern auch wirklich klug. Glauben Sie noch immer nicht? Dann lesen Sie mal, was Saskia hier schrieb:

»Die SPD hat in der Zeit von Andrea Nahles den Entschluss gefasst, Hartz IV zu überwinden, und ein Konzept für eine Sozialstaatsreform erarbeitet. Heute macht das Urteil des BVerfG nochmal deutlich, dass die Leistungen nicht sanktioniert werden dürfen!«

Darauf antwortete dann ein CDU-Mitglied namens Christian Wohlrabe:

»Das ist schlicht falsch. Die Leistungen dürfen explizit gekürzt werden. Dabei muss jedoch die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. #HartzIV #ALG2«

Das war natürlich schon ein bissel gemein von dem CDU-ler, eine Falschaussage einfach als falsch zu bezeichnen. So etwas macht man heutzutage nicht. Zumindest nicht bei einer SPD-Politikerin. Noch dazu einer solchen, die womöglich bald schon Nahles 2.0 sein wird. Wäre das nicht generell eine Idee, wie man zukünftig alle weiblichen SPD-Vorsitzenden nennen könnte, so dass man nicht alle paar Monate sich neue Namen einprägen muss: Nahles 2.0, Nahles 3.0 … und bei den Männern: Schulz 2.0, Schulz 3.0 …?

Aber Frau Esken – jetzt hab ich mir den Namen ja doch schon eingeprägt, die hat aber auch was Einprägsames, oder? – ist ja schlagfertig und nicht auf den Kopf gefallen und antwortete also dem peniblen CDU-ler:

»Ich habe dazu womöglich eine abweichende Meinung.«

Gut, Meinungen darf man ja frei äußern in Deutschland. Da hat die Saskia wirklich gut aufgepasst und hat sich was gemerkt. Man muss einfach nur sagen: „Ich bin aber anderer Meinung“, dann kann der andere nix machen, weil doch Meinungen vom Grundgesetz geschützt sind, also nicht alle Meinungen, aber Sozi-Meinungen immer! Boah, ist das nicht unglaublich schlau?! Also ich finde die Frau wirklich klasse. Ich glaub, ich würde die wählen, zumal ich mir inzwischen ja auch ihren Namen merken kann.

»Manche sagen so, andere sagen so«

Und die Frau belastet sich auch nicht mit solchen Dingen, die mal eine andere Frau namens Hannah Arendt von sich gegeben hat:

„Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen.“ (Hannah Arendt: Nach Auschwitz)

Nein, mit solch grundsätzlichen Unterscheidungen wie Tatsachen und Meinungen belastet Frau Esken gar nicht erst ihr kluges Köpfchen. Sie hat halt eine „abweichende Meinung“. Vielleicht hat sie ja auch eine abweichende Meinung, was die Form des Erdkörpers anbelangt oder die Stellung der Erde im Universum oder in Bezug auf die Frage, ob die US-Amerikaner wirklich auf dem Mond waren. Why not?

Der penible CDU-ler ließ aber noch immer nicht locker und die arme Frau noch immer nicht in Ruhe. So ein gemeiner Kerl! Das macht man doch nicht, Leute auf das festzunageln, was sie von sich geben. Nein, das gehört sich wirklich nicht, schon gar nicht bei Sozialisten. Das ist einfach unfair!

»Das steht Dir frei. Dein Tweet liest sich aber so, als hätte das Bundesverfassungsgericht Sanktionen ausgeschlossen.«

Ja gut. So kann man das wohl lesen. Aber mein Gott, muss man denn den Leuten immer unterstellen, sie würden tatsächlich meinen, was sie sagen? Aber Frau Esken weiß ja zum Glück immer eine schlaue Antwort:

»Manche sagen so, andere sagen so.«

Boah! Ist das eine fulminante Replik oder nicht?! Hat es die Frau drauf? Wo kann man sofort in die SPD eintreten? Wo muss ich unterschreiben? Die möchte ich unbedingt wählen. Das wäre doch eine würdige Merkel-Nachfolgerin, oder? »Manche sagen so, andere sagen so.« Ja genau. Manche sagen, die Amis waren niemals auf dem Mond. Das wurde alles im Studio gedreht, wahrscheinlich von Kubrick. Manche sagen, die Erde stehe im Mittelpunkt des Universums, alles dreht sich nur um sie und um uns. Manche sagen, die Erde kann gar keine Kugel sein, sie ist natürlich eine Scheibe, sonst würden wir doch alle am Rand runterfallen! Wieder andere sagen, die Erde wäre eine Kugel, aber innen völlig hohl. Nein, nicht das Kopfinnere von bestimmten Personen, sondern die Erde, das Ding auf dem wir rumlaufen. Innen völlig hohl.

Was die Arendt da gefaselt hat, ist doch völlig irrelevant. In Deutschland herrscht Meinungsfreiheit. Ja okay, so richtig nicht mehr, aber für Sozis schon. Als SPD-ler darf man alles sagen. An Tatsachen, falls es so etwas überhaupt gibt, wer weiß das schon?, muss man sich dabei nicht halten. »Manche sagen so, andere sagen so« und Saskia sagt halt so.

Merkel muss weg, Esken muss her!

Und hier nochmals dieser wunderbare, tiefe Einblicke gewährende Dialog, der mich innerhalb von Minuten dazu gebracht hat, Frau Esken ganz toll zu finden, so dass ich mir nun sogar ihren Namen schon merken kann:

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Prof. Dr. Arnd Diringer kommentierte das Ganze übrigens wie folgt:

»Die einen nennen so etwas „fakenews“, die anderen „eine abweichende Meinung“.«

Keine Ahnung, was der damit sagen will. Interessiert mich ehrlich gesagt auch nicht, denn der ist ja nur Professor und kein Politiker, vor allem aber kein SPD-ler. Der hat also schon mal gar nichts zu sagen, wer die letzte Rose bekommt. Professoren pppfff. Denen kann man jederzeit das Mikro abdrehen und das Laptop zuklappen oder Papierkugeln an den Kopf schmeißen und sie laut anschreien, bis sie endlich ruhig sind, wenn die einem blöd kommen. Siehe Hamburg, wo früher der Scholz und jetzt einer anderer Sozi, dessen Name ich mir aber nicht … und die Fegebank von den Grünen, deren Name kann ich mir inzwischen merken!

Also Professoren sollte man schon mal gar nicht ernst nehmen. Ich aber weiß seit heute, wem ich meine letzte Rose geben würde. Merkel muss weg, Esken muss her!

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