Ein Gemeinschaft bilden: die Schlacht bei den Thermopylen

Von Jürgen Fritz

Gemeinschaften sind mehr als nur Gesellschaften. Gemeinschaften haben eine innere Verbundenheit. Sie fühlen sich zusammengehörig, zum Beispiel als Schicksalsgemeinschaft. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl beruht auf Gemeinsamkeiten, beispielsweise einer gemeinsamen Geschichte, einer gemeinsamen Sprache, einer gemeinsamen Tradition, Religion, Kultur, gemeinsamen Sitten und vor allem gemeinsamen Wertvorstellungen, einer gemeinsamen Moral. Im Extremfall ist der Eine bereit, für den Anderen oder für die Gemeinschaft zu sterben, wenn diese angegriffen wird. Man hält zusammen, wenn es drauf ankommt. Die größten Gemeinschaften, die Menschen bislang bilden konnten, die solch eine innere Verbundenheit zusammenschweißte, waren Nationen.

Was verband die alten Griechen?

Die alten Griechen lebten in separierten Stadtstaaten (Poleis), in Athen, Sparta, Theben, Korinth … Was aber alle verband, waren mindestens vier Dinge:

  1. die gemeinsame Sprache,
  2. die gleichen Götter, die im politischen Leben zwar keinerlei Rolle spielten – die Gesetze wurden nicht von den Göttern empfangen, sondern man gab sie sich selbst -, aber als innerlicher Faktor spielten die Götter eine verbindende Rolle,
  3. die olympischen Spiele als gemeinsamer Wettstreit und Kult,
  4. der Wunsch, ja der feste Wille, seine Unabhängigkeit und Freiheit zu wahren, sich nicht von anderen unterjochen zu lassen.

Als die Perser die Griechen im fünften Jahrhundert v. Chr. angriffen und die griechischen Poleis ihrem Großreich einverleiben wollten, hielt man zusammen und wehrte die zahlenmäßig weit überlegenen Perser gemeinsam ab.

Fünf tausend gegen fünfzig tausend

In der Schlacht bei den Thermopylen 480 v. Chr. standen ca. 5.000 Griechen 50.000 bis 60.000 Persern unter Führung des Königs Xerxes I. gegenüber. (Nach dem Bericht von Herodot, der einzigen Quelle aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., soll Xerxes’ Armee über 5 Millionen Mann betragen haben, aber das dürfte deutlich übertrieben gewesen sein.)

Das Kommando über die griechischen Truppen hatte der spartanische König Leonidas. Eine offene Feldschlacht stand angesichts der persischen Übermacht nicht zur Diskussion. Also wollte man versuchen, die Perser bei den Thermopylen aufzuhalten, einem Engpass zwischen dem Kallidromos-Gebirge und dem Golf von Malia, der seit jeher von hoher strategischer Bedeutung war. In der Antike maß der durchschnittlich 15 Meter breite Durchgang an den beiden engsten Stellen nur wenige Meter. Das Ziel war, einen raschen Vormarsch Xerxes’ aufzuhalten.

Der Verrat des Ephialtes von Trachis und die heldenhaften 300

Nach Herodot wichen die Griechen tagelang nicht von ihrer Stellung und fügten den Persern „hohe Verluste“ zu. Erst der Verrat durch Ephialtes von Trachis erlaubte es den Persern, die griechischen Linien über das Gebirge südlich des Küstenkamms, zu umgehen und die griechischen Truppen einzukesseln. Als dem Spartanerkönig Leonidas bewusst wurde, dass ein vollkommener Rückzug die Vernichtung des gesamten griechischen Heeres durch die persische Reiterei nach sich ziehen würde, beschloss er, mit seinen 300 Spartanern den Engpass zu halten, um den Abzug des griechischen Hauptheeres zu decken.

Weitere Truppen, deren Heimatländer direkt hinter dem Pass lagen und daher unmittelbar der Plünderung durch die Perser ausgesetzt sein würden, schlossen sich Leonidas an. Insgesamt scheinen um die tausend Griechen geblieben zu sein. Jetzt standen also tausend 50.000 bis 60.000, wenn nicht noch mehr, gegenüber.

Die Aufgabe war klar: Den Feind so lange wie möglich aufhalten, um den eigenen Brüdern den Rückzug zu sichern, sprich für die seinen in den heldenhaften sicheren Tod zu gehen.

Die Griechen verteidigen ihre Unabhängigkeit

Nach Herodot, der natürlich immer übertrieb und schönte, sollen die Griechen den Persern „schwere Verluste“ zugefügt haben. Unter den Toten waren nach seiner Aufzählung auch zwei von Xerxes’ Brüdern und zwei seiner Halbbrüder. Nachdem Leonidas gefallen war, fanden alle verbliebenen Spartiaten und Thespier den Tod. Die Thebaner hatten sich noch rechtzeitig ergeben. Entscheidend war aber etwas anderes: die Zeit, die man erkämpft hatte, um den Rückzug des Hauptheeres zu ermöglichen, welches später gebraucht wurde für die entscheidenden Schlachten.

Xerxes I. konnte nun zwar ungehindert nach Athen marschieren, dieses war aber auf Antrag des Themistokles und dank der Zeit, die Leonidas und die seinen ihren Brüdern geschenkt respektive erkämpft hatten, zwischenzeitlich evakuiert worden. Die Griechen konnten sich neu aufstellen und in den siegreichen Schlachten bei Salamis und Plataiai (480/479 v. Chr.) verteidigten die griechischen Staaten ihre Unabhängigkeit erfolgreich gegen das persische Großreich.

Inschrift am Thermopylen-Denkmal: „Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.“ (Friedrich Schiller: Der Spaziergang, 1795).

Vergesst uns nicht!

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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10 Antworten auf „Ein Gemeinschaft bilden: die Schlacht bei den Thermopylen

  1. Nix

    Tja – da können, bzw MÜSSEN wir von unseren Fachkräften lernen, und das schnell!
    Leider gegen den Widerstand des Staates, der ja Täterschutz betreibt, und die Angegriffenen bestraft …

    Dazu kommt die seit Anfang der 80er betriebene Vereinzelung der Deutschen, auf allen Ebenen – selbst die Familien sind in sich aufgebrochen – und die meisten Leute sind so dämlich, das sie das nichtmal kapieren …

    Hoffen wir ….

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  2. Der Beurteiler

    „Man hält zusammen, wenn es drauf ankommt. Die größten Gemeinschaften, die Menschen bislang bilden konnten, die solch eine innere Verbundenheit zusammenschweißte, waren Nationen.“
    Wenn es danach geht, hat Deutschland wahrscheinlich schon verloren! Es gibt für viele Gutmenschen nur die „bösen Nazis“, die wahren Feinde in Form der „Flüchtlinge“ wollen oder können sie nicht sehen. Bzw. die etablierten Parteien in Berlin könnte man ebenfalls als „Feinde“ definieren, es wird hier an vieles gedacht, aber nicht an Deutsche!

    Deren Interessen spielen keine große Rolle, der Moslem soll sich hier wohlfühlen. Die Vorliebe für menschlichen Abschaum aus aller Welt ist erschreckend hoch und durch gesunden Menschenverstand nicht zu begründen.

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    1. trumpelman

      Wir haben es hier mit der historisch drolligsten Melange aus psychopathischem Größenwahn, epidemischem Wahnsinn, geilstem Opportunismus, maximaler Realitätsferne, breitbeiniger Ignoranz, kindischem Trotz, schmerzfreier Betriebsblindheit, stoischer Abgebrühtheit, durchorganisierter Unfähigkeit bei ausufernder Überforderung sowie allerlei Kleinkram zu tun, der sich wie Konfetti über einer zerfallenden Volksgemeinschaft ausbreitet. – Welche eine „Gemeinschaft“ aus sozialen Explosivstoffen.

                                           CHAPEAU !

      Sie schaffen es. – Sie: die klandestinen Kulissenschieber. – Schaffen: die Deutschen rettungslos untereinander zu entzweien. – Welche Deutschen: Die als „Gemeinschaft“ im Untertanengeist, in Apathie, in Lethargie und Mitlosigkeit gefangenen.
      .

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  3. Gast

    In wenigen Tagen wird der „Friedenspreis des Ephialtes“ in Gestalt eines 13-armigen Leuchters verliehen werden. Die Welt blickt gespannt nach Rom.
    Eine Abordnung der Quintett-Parteien des Bundestages wird an der Verleihung teilnehmen. Sie betonte vorab in einer gemeinsamen Erklärung, wie gefährlich spartanisches Gedankengut für unsere Gesellschaft sei. Deshalb würden jetzt spartanische Gruppen sowie deren Embleme als verfassungsfeindlich eingestuft. Allein die Weigerung der 6. Partei im Kofferraum des Busses des Bundestages mitzureisen, sei eine schäbige Selbstoffenbarung. Der europäische Weg des Friedens sei alternativlos unumkehrbar. Aus Verantwortung für eine weltoffene, freie und vielfältige Gesellschaft müsse das Übel an seinen Wurzeln vernichtet werden. Aus diesem Grund werde ein neues Politizid mit hoch-selektiver Wirkung gegen spartanisch auf den Markt der Meinungen gebracht.

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  4. Pingback: Ein Gemeinschaft bilden: die Schlacht bei den Thermopylen – Leserbriefe

  5. ceterum_censeo

    Sehr schön dargestellt, lieber Herr Fritz!

    Wie ernst auch immer man Herodot nehmen kann, der in der Tat bisweilen zur Übertreibung neigte; ich für meinen Teil sehe in der Geschichte indessen auch eine Metapher, die uns Heutige inspirieren sollte, die wir mehr und mehr von diesem UNRECHTSstaat MerKILL’SScher und maaaSSloser Prägung bedroht und zunehmend unserer Grundrechte beraubt werden: Widerstand und nochmal Widerstand, und wenn es sein muss, bis zum Letzten!

    Und ich persönlich schöpfe immer noch ein wenig Hoffnung aus dem Text der polnischen Nationalhymne: „Noch ist Polen nicht verloren!“

    Hoffen wir, daß das auch für Deutschland gilt!

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