Was ist dein tiefster Glaubenssatz, der dein Weltbild im Innersten zusammenhält?

Von Jürgen Fritz, Do. 12. Jul 2018

Heute, lieber Leser, sind Sie mal dran mit schreiben und ich mit lesen. Ich möchte also zur Abwechslung die Rollen mit Ihnen tauschen. Zu diesem Zweck werde ich ausnahmsweise die Kommentarfunktion, die ich seit Inkrafttreten unserer famosen Datenschutz-Grundverordnung – ein Herzensanliegen unserer lieben Grünen – geschlossen habe, wieder öffnen, so dass Sie schreiben können. Ich bin gespannt auf Ihre Antworten.

Die Frage aller Fragen

Gnothi seauton – Erkenne dich selbst!, ist eine vielzitierte Inschrift am Apollotempel von Delphi, als deren Urheber Chilon von Sparta, einer der Sieben Weisen der griechischen Antike, angesehen wird. Der erste Beleg für diesen Gedanken findet sich in einem Fragment des Philosophen Heraklit von Ephesos (um 520 – 460 v. Chr.):

„Allen Menschen ist zuteil, sich selbst zu erkennen und verständig zu denken.“ 

Und so frage ich also:

Was ist dein tiefster Glaubenssatz, der dein persönliches Weltbild im Innersten zusammenhält?

P.S.: Erläuterung der Frage

Mit Glaubenssatz ist hier nicht unbedingt, nicht zwingend etwas Religiöses gemeint. Wenn Philosophen von „glauben“ sprechen, dann meinen sie zunächst einmal alles, was man für wahr hält, sei es wohlbegründet oder sogar bewiesen oder weniger gut begründet. Der Begriff des Glaubens ist ursprünglich sehr viel weiter als der des religiösen Glauben. Gemeint ist hier also der weite Begriff, der den religiösen Glauben mit umschließt, aber sehr viel mehr enthält als nur diesen.

Worum es mir in meiner Frage geht, ist also, was im Innersten Ihrer Weltanschauung für eine Grundüberzeugung steckt. Oft machen wir uns das, weil es uns als völlig selbstverständlich erscheint – was es aber nie ist! – gar nicht bewusst. Im Innersten stecken meist erst mal metayphysische bzw. ontologische Überzeugungen ganz grundsätzlicher Art, die wir in unserem Kulturkreis fast alle teilen, die aber in anderen Kulturkreisen bisweilen durchaus anders sind. Sodann kommen meist ethische Grundüberzeugungen, die wir alle haben. Religiöse Glaubenssätze setzen meist darauf auf und betten das Ganze in einen für den jeweiligen religiös Gläubigen in einen für ihn sinnvoll erscheinenden Gesamtkontext.

Ein ganz grundsätzlicher Glaubenssatz wäre zum Beispiel:

  • Ich glaube, dass es die Welt tatsächlich gibt, dass sie nicht nur in meinem Kopf existiert (mein Weltbild), sondern außerhalb von diesem, dass sie zuerst da war und ich mich in ihr befinde“ (ontologischer/metaphysischer Realismus) oder
  • „Nichts, was geschieht, geschieht ohne Grund, alles hat eine Ursache“ (ontologische/metaphysische Grundüberzeugung),
  • „Alles hängt mit allem zusammen“ (ontologische/metaphysische Grundüberzeugung),
  • „Die Naturgesetze gelten immer und überall, sie haben nie Feierabend“  (ontologische/metaphysische Grundüberzeugung),
  • „Im Zweifel sollte man der Natur ihren Lauf lassen“ (ethische Überzeugung),
  • „Was du nicht willst, das man dir tue, das füge auch keinem anderen zu“ (Goldene Regel, ethische Grundüberzeugung) oder
  • „Ich glaube an den einen und einzigen allmächtigen Gott, der mich liebt, hält und beschützt“ oder „… der will, dass alle, die nicht an ihn glauben bekämpft werden, der aber barmherzig ist“ oder „… der am Ende der Zeit streng richten wird“ (religiöse Grundüberzeugung).

Meine Frage zielt also dahin, welche Überzeugung steckt im Innersten Ihres Weltbildes. Was ist das Fundament Ihres Fundamentes, mit dem alles einstürzte, wenn es sich als falsch herausstellte. Was ist das Grundlegendste, der Grund unter dem Grund, auf dem Sie stehen?

*

Titelbild: © By Monika Ledig-Martin

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104 Antworten auf „Was ist dein tiefster Glaubenssatz, der dein Weltbild im Innersten zusammenhält?

  1. Salva

    Im Meer des Lebens
    Im Meer des Sterbens
    In beiden müde geworden
    Sucht meine Seele den Berg
    An dem alle Flut verebbt

    Das stammt, glaube ich, von Gibran. Der „Berg“ ist das Ziel, das Leben und das Sterben sind die Wege dorthin.

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  2. Realistischer

    Grenzen reduzieren Komplexität (falls sie richtig gesetzt sind).
    Das ist vermutlich nicht das tiefste, aber dafür das aktuellste Element des Zusammenhalts.

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  3. Wolf Wal

    Da habe ich wohl mehre Glaubenssätze.
    1. Ich kenne die Welt nur durch meine Augen und Ohren. Also ist das meine Welt. Und ich muss mich vor mir, und nur vor mir rechtfertigen, was ich mit „meiner“ Welt mache. Ob ich sie aktiv gestalte oder passiv beobachte. (Ich bin wohl eher der Beobachter – siehe 3. – aber ich werde mehr und mehr aktiver Beobachter und Kommentierer.)
    2. Ist das alles? Gab es etwas davor? Kommt etwas danach. Ich bin mit zunehmendem Alter immer gespannter auf den Moment, wenn ich es erfahre.
    3. Da ist irgendetwas, was die Dinge im Leben für mich regelt.
    4. Vergangenheit und Gegenwart sind eins. Nichts ist weg. Und so wird es auch in Zukunft sein.
    5. Mein Lebensverlauf gabelt sich ständig. Jede Gabelung Führt zu Punkt 3.. Der andere Weg ist wohl immer die Sackgasse oder das Ende.

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  4. RBPascal

    Das Weltbild selbst ist das Problem. Wenn man es loslässt, erfährt man die Wirklichkeit und braucht keinen Glaubenssatz mehr, der nur im Gehirn existiert wie ein Byte im Computer.
    Wer es aber zu früh loslässt, wird zum Kind oder zum Tier.

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  5. Hans R. Kranz

    Lieber Jürgen Fritz,
    ich bin – seit ich ihn kenne – von Ihrem Blog begeistert. Und das um so mehr wie ich solche Nachrichten höre, dass ein Gefährder wieder nach Deutschland zurück entführt werden soll (vielleicht entzieht er sich im Zielland seiner „Festnahme“?) Aber auch um so mehr wie ich Nachrichten über Vergewaltigungen oder „Totschlag“ lese, was in der linientreuen Presse nicht berichtet wird. Auch habe ich selber schon unschöne „Berührungen“ mit diesen Gästen von Frau Merkel haben müssen (z.B. wenn man in der S-Bahn von Schwarzfahrern (im Doppelsinne) aus dem 1.Klasse Abteil gedrängt wird – und der Schaffner vor Angst nichts machen kann…
    Nun zur Frage:
    Als aufgeklärter Ingenieur ist für mich die Physik – soweit wir, die Menschheit, sie verstanden haben, die Grundlage der Welt – „Die Naturgesetze gelten immer und überall“.
    Wer zwingt mich, mir den Kopf über das, was wir noch nicht kennen, zu zerbrechen z.B. „was war vor dem Urknall“?
    – dafür haben wir unsere Wissenschaftler.
    Alle Glaubensrichtungen dienen nur zur besseren „Beherrschung“ der einfachen Massen durch eine gewisse Elite.
    Beispiel sind die Herrscher, die das ja nur „von Gottes Gnaden“ sein wollen… damit man es nicht anzweifelt.
    Auch andere „Ismen“ wie Kommunismus dienen ähnlichen Machenschaften.
    Vielen Dank nochmals für den Blog.

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  6. Elisabeth

    Mein Weltbild besteht auf dem christlichen Glauben, denn Gott ist der Urheber der Wahrheit, und unsere westlichen Werte sind auf den biblischen Werten aufgebaut, man kann es drehen und wenden wie man will. Wenn man alles relativiert wie es heute der Fall ist, dann gibt es keine Richtlinien mehr, denn jeder ist sich selbst die letzte Instanz. Überall haben wir Regeln die man befolgen muß um brauchbares zu schaffen, Mathematik, Architektur, Kuchen backen ect., der Mensch meint jedoch sein Leben selbst, ohne Grundregeln, die in der Bibel verankert sind , gestalten zu können. Was dabei heraus kommt sieht man im derzeitigen sozialen Verfall der Gesellschaft.

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  7. Reaktionaer

    1- Des Menschen Traum: Omnipotenz durch Faulheit.
    2 – Wenn irrationale Eindruecke mit schlauen Begruendungen verbraemt werden, heisst das: „Rational Denken“
    3 – In jedem System gibt es Gewinner und Verlierer. Die Frage ist, wen man in welcher Rolle sehen will und warum.

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  8. almutrosebrockRosebrock

    Wer vor GOTT niederkniet, kann vor Menschen geradestehen.
    Das ist mein Leitsatz als entschiedene Christin seit vielen Jahren.
    Das gibt mir Mut, Kraft, Richtung – auch zum kritischen Nachfragen.
    Für „das Wahre, Gute, Schöne“ einstehen.
    Für WAHRHEIT, Vernunft und GERECHTIGKEIT!
    Mit Gottes Hilfe… .

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