ARD benennt sich um in: FLUNKER-TV

Von Jürgen Fritz, Sa. 11. Aug 2018

Der Leidensdruck war seit langem schon gewaltig. Immer wieder wurden insbesondere ARD und ZDF als „Lügenpresse“ tituliert respektive also solche rubriziert. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch schmierten dann Unbekannte in riesigen Lettern folgendes Wort an die Fassade des ARD-Hauptstadtstudios: „FLUNKER-TV“. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Der Sender reagierte prompt und entschloss sich zu einem sehr ungewöhnlichen Schritt.

„Das hält auf Dauer kein Mensch aus“

Das Problem war lange schon bekannt. Es schwelte und schwelte, konnte immer weniger unter Verschluss, konnte immer weniger gedeckelt, konnte immer weniger in Schach gehalten werden. Tausende Mitarbeiter der ARD hielten den inneren Zwiespalt nicht mehr länger aus. Überall, wo sie hin kamen, diese Blicke, immer wieder auch abschätzige Bemerkungen, ja teilweise sogar verletzende solche. Dass die ARD es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, war längst nicht nur Insidern bekannt. Nein, die letzten Jahre sprach es sich in der Bevölkerung in der Breite herum. Das Vertrauen schwand und schwand, ja man lief Gefahr, sich lächerlich zu machen und zur Karikatur seiner selbst zu werden.

„Wozu braucht ihr denn uns eigentlich noch, wenn doch der ganze Landen immer mehr zu einer einzigen Witzplatte verkommt“, soll einer der ARD-Comedians erst kürzlich in seiner Rage einer der Intendantinnen der ARD an den Kopf gedonnert haben. Viele versuchten abzuwandern, waren sogar bereit, für deutlich geringere Einkommen woanders zu arbeiten, um nur von der ARD wegzukommen, denn der soziale Druck wurde immer größer.

„Man wird zum Beispiel einfach nicht mehr zur Geburtstagsparty des besten Freundes eingeladen“, gesteht ein ARD-Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden möchte, im vertraulichen Gespräch. Der Mann, das sieht man direkt, ist nervlich am Ende. Diese ständige Lügerei und Verdreherei, irgendwann hält man das nicht mehr aus. Ja klar, die ersten Jahre kriegt man das gut hin. Man wird ja auch mehr als ordentlich entlohnt. Früher war man ja auch im Freundes- und Bekanntenkreis hoch angesehen. ‚Hey, du bist jetzt bei der ARD? Ja Wahnsinn!‘ Die Mutter war stolz auf einen. Doch heute, heute sieht ja alles ganz anders aus. Die eigene Mutter lügt die Leute an: ‚Nein, mein Sohn ist schon lange nicht mehr bei der ARD. Der macht jetzt was ganz anderes‘, nur weil es ihr peinlich ist. Und dann immer diese Blicke, wenn man jemandem sagt, wo man arbeitet. Das hält auf Dauer kein Mensch aus!“

Aus ARD wird jetzt FLUNKER-TV, sonst ändert sich nix

Schauspieler, die jahrelang für die ARD tätig waren, hatten plötzlich andere Verpflichtungen, keine Zeit oder versprachen, sich zu melden. Doch der Rückruf kam niemals. Ganz schlimm traf es die Tatort-Reihe. Ich hab bald niemanden mehr, mit dem ich die kleinen Rollen besetzen kann, beschwerte sich unlängst ein Regisseur der besonders penetranten Manipulationsmaschinerie.

Doch dann der Höhe- respektive Tiefpunkt dieser ganzen Entwicklung in der Nach von Dienstag auf Mittwoch. Morgens kommen die ARD-Mitarbeiter in Berlin zur Arbeit und was müssen Sie an der Fassade des Hauptstadtbüros in riesigen Lettern lesen?: „Flunker-TV“. Das hat gesessen. Frauen sollen in Schrei- und Hysteriekrämpfe ausgebrochen sein, selbst die härtesten Männer hatten Tränen in den Augen, wird gemunkelt. Caren Miosga und Pinar Atalay sollen sich schluchzend in den Armen gelegen haben. Viele waren dem Zusammenbruch nahe. Donnerstagmorgen erreichten die Krankmeldungen einen nie dagewesenen Rekordwert. Nun war klar, man müsse umgehend handeln, bevor alles zu spät wäre. Und die ARD hat gehandelt.

In einer extra anberaumten Pressekonferenz gab die ARD heute morgen offiziell bekannt:

„Die ARD wird sich ab dem 1. September 2018 nicht mehr ‚ARD‘ und auch nicht mehr ‚Das Erste‘ nennen. Nach reiflicher Überlegung und ausgiebigen Diskussionen ist die führende Sendeanstalt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu dem Schluss gekommen, dass es nach nunmehr fast 70 Jahren Zeit ist für eine neue Namensgebung. Dieser neue Name soll lauten: ‚FLUNKER-TV‘. Damit wollen wir ein Zeichen setzen und zeigen, dass wir stets auf der Höhe der Zeit sind.“

Fairplay und wahrheitsgemäße Berichterstattung passt doch schon lange nicht mehr zeitgemäß

Auf die Nachfrage, ob das denn aber nicht ein Eingeständnis sei, dass man es mit der Wahrheit nicht mehr so genau nehme, antworteten die ARD-Verantwortlichen, dass die Zeiten sich nun mal geändert hätten. Schon lange gehe es nicht mehr um eine wahrheitsgemäße Berichterstattung und Information, sondern darum, das Richtige zu sagen und gezielt in die richtige Richtung zu lenken.

Wie sich das mit dem berühmten Diktum von Hanns Joachim Friedrichs, dem früheren Anchorman der ARD, vereinbaren lasse, dass man einen guten Journalisten daran erkenne, dass er sich nicht mit einer Sache gemein mache – auch nicht mit einer guten Sache, dass er überall dabei sei, aber nirgendwo dazu gehöre, so eine der vielen kritischen Rückfragen.

Das, so die Antwort einer der ARD-Intendantinnen, seien doch völlig andere Zeiten gewesen. Was damals gegolten habe, könne heute schon lange nicht mehr gelten. Zudem wäre Kollege Friedrichs ja in England zum Journalisten ausgebildet worden und noch sehr stark vom Gedanken des Fairplay geprägt gewesen. Das passe alles überhaupt nicht mehr in die Zeit und davon habe die ARD, die den Anspruch habe, nicht nur auf der Höhe dieser zu sein, sondern sogar einen Schritt voraus, sich lange schon verabschiedet.

„Hey, die machen es ja genau wie ich – voll cool ey!“

Aber ob das dem Image des Senders nicht schade, wenn es jetzt schon im Namen quasi selbst zugibt, es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Genau das Gegenteil sei der Fall, so die ARD-Verantwortlichen. Ab jetzt können wir uns jedes Mal, wenn wir ertappt und einer Lüge oder einer Verdrehung überführt werden, sagen: „Wir dürfen das, wir sind ja schließlich das Flunker-TV“. Das würde enorm entlastend gerade auch für die Mitarbeiter wirken.

Man werde aber den neuen Namen oben rechts so klein einblenden, dass gerade ältere Zuschauer, die ja das Hauptklientel des Senders ausmachen, das gar nicht lesen können, so dass sie den Unterschied schwerlich bemerken werden. Während es bei der ganz jungen Bevölkerung durchaus sehr gut ankommen könnte, bei der das Wort „flunkern“ überhaupt nicht negativ besetzt sei. Ganz im Gegenteil, welcher Schüler und Student flunkere denn nicht regelmäßig bei den Hausaufgaben oder Klausuren? Dies würde für eine Vertiefung der emotionalen Bindung zum jüngeren Publikum führen, ist man sich in der ARD sicher. Die Kids und Jugendlichen werden denken: „Hey, die machen es ja genau wie ich. Voll cool ey!“ Das schaffe eine tiefe Identifikation, wie sie bislang noch nie erreicht wurde.

Ein geschickter Schachzug: Wie schaffe ich Räume für noch mehr Schäume?

Der Lügenäther sei inzwischen so dicht und erfülle bereits den gesamten Raum, war vom Orakel aus Karlsruhe, dem Philosophen Peter Sloterdijk zu hören, bildete quasi einen sich stets weiter verdichtenden Schaum, dass dieser zu gerinnen drohte. Die Maßnahme der Umbenennung sei daher nur konsequent, um die Sphären gleichsam wieder aufzulockern. Und die Ersetzung von „lügen“ durch „flunkern“ hält der zentrale Denker des Landes für eine raffinierte Maßnahme, denn dieser Ausdruck erzeuge völlig andere Assoziationen und Konnotationen, lockere das Ganze einfach auf.

Das schaffe mithin neuen Raum, der nun in einem unaufhörlichen Schöpfungsprozess quasi aus dem Nichts – einer creatio ex nihilo – immer neu hervorquellen könne und somit wiederum Platz schaffe für noch mehr Lügen, ohne dass es infolge von exorbitant werdenden Horizontalspannungen zu einer Implosion komme. Im Grunde also ein sehr geschickter Schachzug der ARD, so Sloterdijk, der sich sofort selbst korrigiert: „Verzeihung, ein sehr geschickter Schachzug von FLUNKER-TV“.

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Titelbild: Twitter-Screenshot

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