Da waren es nur noch zwei: Medvedev und Nadal im Finale der US Open

Von Jürgen Fritz, Sa. 07. Sep 2019, Titelbild: US Open Tennis Championships-Screenshots von Daniil Medvedev und Rafael Nadal

128 Spieler waren am Montag, den 26. August 2019, im Hauptfeld des Herreneinzels der US Open an den Start gegangen. Zwei sind übrig geblieben: Daniil Medvedev, die Nr. 5 der 52-Wochen-Weltrangliste, und Rafael Nadal, die Nr. 2.

Medvedev und Nadal stehen im Endspiel der US Open 2019

Sowohl Medvedev als auch Nadal gaben sich in ihren Halbfinals gestern Abend respektive heute Nacht keinerlei Blöße. Medvedev besiegte in 2:38 h den Federer-Bezwinger Grigor Dimitrov am Ende doch überraschend glatt mit 7:6, 6:4, 6:3. Zwei Sätze lang war die Partie sehr ausgeglichen, teilweise hochklassig, doch sowohl am Ende des ersten wie auch den zweiten Satzes zeigte sich ein Unterschied zwischen den beiden Kontrahenten. Der 28-jährige Bulgare, der zum dritten Mal in einem Grand Slam-Halbfinale stand, ist kein Mann der Big-Points. Gerade im ersten Satz war er über weite Strecken eigentlich der minimal bessere Spieler, aber er schaffte es nicht, sich im Tiebreak zu steigern bzw. sein Niveau ganz zu halten, während Medvedev ganz im Gegenteil, wenn es eng wird, seine Konzentration noch zu steigern weiß. Der dritte Satz verlief dann etwas klarer und Medvedev verließ als der verdiente Sieger den Platz. Hier die Highlights aus dem ersten Halbfinale, das um 22:18 Uhr MEZ begann.

Im direkt anschließenden zweiten Halbfinale bezwang Rafael Nadal insgesamt sehr souverän Matteo Berrettini nach 2:35 h mit 7:6, 6:4, 6:1. Kurios dabei war, dass Nadal, der im ersten Satz klar der bessere Spieler war – er hatte sechs Breakchancen, konnte aber keine einzige nutzen, während Berrettini keine einzige hatte -, im Tiebreak plötzlich mit 0:4 zurücklag, dann mit 2:5 und bei 4:6 hatte der Italiener sogar zwei Satzbälle. Doch diese konnte er nicht nutzen und ab dann kippte die Partie immer mehr in Richtung des spanischen Matadors und dreimaligen US Open-Champions.

Nachdem er im zweiten Satz seine zehnte Break-Möglichkeit endlich nutzen konnte und mit 7:6, 4:3 in Führung ging, war die Partie weitgehend entschieden, da Berrettini in der gesamten Partie nicht einen Breakball erspielen konnte. Nadal zog auf 5:3 davon und gewann den zweiten Satz mit 6:4. Im dritten gelang ihm dann sofort das Break zum 1:0, dann noch eines zum 4:1 und schließlich sogar noch ein drittes zum 6:1. Nachdem der erste Satz 74 Minuten gedauert hatte, gingen die Sätze zwei und drei relativ zügig und nach nur 2:35 Stunden stand Nadal in seinem fünften US Open-Final. Beide Spieler haben also nicht allzu viel Energie gelassen. Hier die Highlights aus dem zweiten Halbfinale:

Der Mann der Stunde gegen den 18-maligen Grand Slam-Champ

Bei Medvedev überrascht vor allem, dass der 23,5-jährige Shootingstar dieses Sommers, der innerhalb von drei Wochen in der Weltrangliste von 10 auf 5 emporschoss und jetzt nach den US Open auf 4 steigen wird, nicht müde wird. Ende July, Anfang August spielte er das C-Turnier in Washington, kam dort bis ins Endspiel. Nur eine Woche später spielte er die Kanada Open und stand zum ersten Mal in einem Finale eines B-Turniers. Wiederum eine Woche später stand er gleich im nächsten Endspiel, nun in Cincinnati und konnte zum ersten Mal in seiner Karriere ein B-Turnier sogar gewinnen. Es folgte eine Woche Pause und dann die enorm strapaziösen zwei Wochen in New York. Das heißt, der junge Russe hat in den letzten sechs Wochen fünf Wochen Turniere gespielt und stand bei allen vier Tournaments, bei denen er startete – Washington (C), Kanada Open (B), Cincinnati (B) und jetzt US Open (A) -, immer im Finale. Unglaublich! Medvedev ist für mich ganz klar der derzeit beste U25- und auch der beste U30-Spieler der Welt und der Einzige, der den Großen Drei – Djokovic, Nadal und Federer – zur Zeit gefährlich werden kann.

Damit sind wir auch schon bei seinem Finalgegner: Rafael Nadal. Dieser spielte im Vorfeld der US Open nur ein einziges Hartplatzturnier, nämlich vor vier Wochen die Kanada Open, die er auch sehr souverän gewann. Anschließend sagte er Cincinnati ab, um sich ganz auf die US Open zu konzentrieren. In seinem Halbfinale heute Nacht musste er nicht einen einzigen Breakball abwehren, spielte aber bislang in New York noch nicht sein allerbestes Tennis. Dieses wird meines Erachtens am Sonntagabend notwendig sein, wenn er den bärenstarken, fast zehn Jahre jüngeren Russen schlagen möchte. Es wäre Rafas 19. Grand Slam-Triumph. Nur Federer hat mehr Major-Titel (20). Für Medvedev ist es das erste Grand Slam-Endspiel seiner Laufbahn.

Und übrigens, im ersten B-Finale seiner Karriere, bei den Kanada Open vor vier Wochen war wer Medvedevs Gegner? Rafael Nadal. Dieser entschied das erste und bisher einzige Aufeinandertreffen der beiden in nur 70 Minuten klar mit 6:3, 6:0 für sich. Ich bin jedoch sicher, so glatt wird es am Sonntag nicht ausgehen. Ich erwarte ein hoch spannendes Match, denn diese beiden haben die Hartplatzsaison diesen Sommer dominiert, Medvedev noch mehr als Nadal. Für den Spanier spricht allerdings seine riesige Erfahrung. Rafa weiß, wie man die ganz großen Turniere für sich entscheidet. Er hat es 18 mal getan. Gleichwohl glaube ich nicht, dass Medvedev, der vor allem auch mental unglaublich stark ist, sich davon beeindrucken lassen wird. Sonntagabend werden wir sehen, wie der neue US Open-Champion heißen wird.

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