Boris Johnsons Triumph: 56 Prozent, Sozis: schlechtestes Ergebnis seit 1935

Von Jürgen Fritz, Fr. 13. Dez 2019, Titelbild: YouTube-BILD-Screenshot

Zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren waren die Briten gestern aufgerufen, ihr Parlament neu zu wählen. Nicht wenige werteten diese Wahl als die wichtigste ihres Lebens. Das alles beherrschende Thema war hierbei der EU-Austritt, es war eine Brexit-Wahl. Nun liegt das Ergebnis vor und dieses spricht eine überdeutliche Sprache: Es ist ein Triumph für den konservativen Boris Johnson, der es schafft, 56,2 Prozent der Parlamentssitze zu erringen. Das beste Ergebnis für die Conservative Party seit 1987. Und es ist eine Schlappe sondergleichen für die britischen Sozis (Labour Party) mit Jeremy Corbyn an ihrer Spitze, die ihr schlechtestes Ergebnis seit 84 Jahren einfahren.

Erdrutschartiger Sieg für Johnson

Es war die wegweisende Wahl für Großbritannien und von großer Bedeutung auch für die EU. Denn nun kristallisiert sich heraus, wie der Brexit ablaufen wird. Dabei hat diese Wahl einen ganz klaren Sieger, der alle Erwartungen nochmals deutlich übertroffen hat: der amtierende Premierminister Boris Johnson!

Denn die Konservativen in Great Britain, die Conservative Party, umgangssprachlich Tories genannt, können von den insgesamt 650 Mandaten nicht nur die absolute Mehrheit, also 50 Prozent der Sitze plux X, sprich 326 Mandate erringen, sonders sogar deutlich mehr. Nach Auszählung aller 650 Wahlkreise kommt Johnsons Conservative Party auf sage und schreibe 365 Sitze. Das sind 56,2 Prozent der Mandate, deutlich mehr als alle anderen zusammen (bei 43,6 Prozent der Stimmen).

Die 650 Parlamentssitze verteilen sich demnach wie folgt:

  1. Conservative Party: 365 (56,2 % der Mandate)
  2. Labour Party (Sozis): 203 (31,2 % der Mandate)
  3. Scottish National Party: 48 (7,4 % der Mandate)
  4. Liberal Democrats: 11 (1,7 % der Mandate)
  5. Democratic Unionist Party (Protestanten): 8 (1,2 % der Mandate)
  6. Sinn Féin (irisch-republikanisch): 7 (1,1 % der Mandate)
  7. Plaid Cymru (walisisch-national-sozialdemokratisch): 4 (0,6 % der Mandate)
  8. Green Party of England and Wales: 1 (0,2 % der Mandate)
  9. Sonstige Parteien: 3 (0,5 % der Mandate)

Das britische Wahlrecht ist anders als das deutsche ein reines Mehrheitswahlrecht, kennt also nur Direktmandate. Ins Parlament ziehen aus jedem der 650 Wahlkreise der Kandidat ein, der dort die meisten Stimmen erhalten hat, egal wie knapp der Sieg war. Alle Stimmen für unterlegene Kandidaten verfallen, so dass große Parteien begünstigt, kleine benachteiligt werden, weil sie selten einen Wahlkreis gewinnen. Der Vorteil: Es gibt eher klare Mehrheiten für eine der beiden großen Partei im Parlament, so dass diese klar regieren kann. Daher konnte die Conservative Party mit knapp 44 Prozent der Stimmen 56 Prozent der Sitze im Parlament erringen.

Johnsons Coservative Party erzielt bestes Ergebnis seit 1987, die Labour Party ihr schlechtestes seit 1935!

Klar regieren kann nun Boris Johnson, dem man im Vorfeld die absolute Mehrheit zugetraut hatte, aber nicht über 55 Prozent der Mandate. Damit hat der Publizist, frühere Londoner Bürgermeister, britische Außenminister und seit July 2019 amtierende Premierminister alle überrascht. Johnsons Conservative Party kann um sage und schreibe fast 50 Sitze zulegen und erzielt damit ihr bestes Ergebnis seit mehr als drei Jahrzehnten, der höchste Sieg der Konservativen seit Premierministerin Margret Thatcher 1987. Seine Regierung habe „ein machtvolles Mandat erhalten, den Brexit durchzuziehen“, verkündete Johnson am frühen Freitagmorgen in seinem Wahlkreis nahe London.

Eine fürchterliche Schlappe setzte es dagegen für die „Sozialdemokraten“. Die von Jeremy Corbyn angeführte Labour Party kommt lediglich auf 203 Sitze, ein Minus von fast 60 Sitzen! Ihr schlechtestes Ergebnis seit 1935. Als Konsequenz kündigte Corbyn seinen Rückzug an. Er wolle die Partei nicht mehr in einen Wahlkampf führen, für einen jetzt anstehenden „Reflektionsprozess“ jedoch zunächst Parteichef bleiben, sagte er am frühen Freitagmorgen in London. Ob er sich tatsächlich noch wird halten können an der Spitze der Partei wird sich aber zeigen müssen.

US-Präsident Donald Trump kommentierte als erstes Staatsoberhaupt die Wahlprognose. Er twittere: „Es sieht nach einem großen Sieg für Boris aus“.

Interessant ist hierbei auch, wer wo die meisten Wahlkreise gewinnen konnte:

Nun ist der Weg wohl endgültig frei für den Brexit

Als Termin für den Brexit ist der 31. Januar 2020 vorgesehen. Johnson versprach, er werde „das Land einen und voranbringen und sich auf die Prioritäten des britischen Volks fokussieren“. Boris Johnson kann jetzt sein Wahlversprechen möglich machen und den Brexit über die Bühne bringen. Sein Plan: Er will das Parlament noch vor Weihnachten („Brexmas“) über seinen Austritts-Deal mit der EU abstimmen lassen und zum 31. Januar 2020 den Brexit offiziell durchziehen.

Laut Austrittsabkommen soll Großbritannien dann bis Ende 2020 in einer Übergangsphase bleiben, in der die künftigen Beziehungen zwischen EU und UK ausgehandelt werden.

Die Börse reagierte heute morgen übrigens direkt auf Johnsons Wahlsieg. Das britische Pfund schoss gegenüber dem Euro um ca. 8 Prozent in die Höhe.

*

Aktive Unterstützung: Jürgen Fritz Blog (JFB) ist vollkommen unabhängig und kostenfrei (keine Bezahlschranke). Es kostet allerdings Geld, Zeit und viel Arbeit, Artikel auf diesem Niveau regelmäßig und dauerhaft anbieten zu können. Wenn Sie meine Arbeit entsprechend würdigen wollen, so können Sie dies tun per klassischer Überweisung auf:

Jürgen Fritz, IBAN: DE44 5001 0060 0170 9226 04, BIC: PBNKDEFF, Verwendungszweck: JFB. Oder über PayPal  5 EUR – 10 EUR – 20 EUR – 30 EUR – 50 EUR – 100 EUR