SC Paderborn will Bundesliga-Tabelle abschaffen

Von Jürgen Fritz, So. 22. Dez 2019, Titelbild: YouTube-Screenshot

„Ich machte das nicht mehr länger mit“, schrie Steffen Baumgart, der Trainer des SC Paderborn, bei der Pressekonferenz sichtlich angefressen in die Mikrofone. „Ich baue meine Spieler jeder Woche auf, sage ihnen, dass sie jeden Club der Welt schlagen können, dass sie mindestens so stark sind wie die Bayern, Dortmund oder Leipzig, und jedes Mal, wenn ich sie soweit habe, dass sie das glauben, kommt da einer daher und zeigt ihnen die Tabelle, macht damit meine gesamte psychologische Aufbauarbeit innerhalb von Sekunden kaputt. Das geht so einfach nicht mehr! Das ist doch hochgradig manipulativ!“ Und um dieser permanenten Manipulation wirkungsvoll zu begegnen, hat der SC Paderborn nun einen Antrag beim DFB eingereicht, der weitreichende Folgen haben dürfte und dem sich bereits etliche andere Clubs angeschlossen haben.

Ein Antrag mit sehr weitreichenden Folgen

Der SC Paderborn möchte nämlich, dass die Bundesliga-Tabelle ab Januar 2020 abgeschafft wird. Man empfinde das nicht nur in Paderborn, sondern auch bei Fortuna Düsseldorf und dem SV Werder Bremen als manipulativ, wenn jede Woche eine Tabelle gezeigt werde. Dadurch würde den Spielern suggeriert, dass sie schlechter wären als die anderen, was sich auf ihre Motivation auswirke, so dass sie dann viele Spiele nur deswegen verlieren. Und das sei einfach unfair. Daher hat der SC Paderborn beim DFB nun den Antrag gestellt, dass nur einmal im Jahr, direkt nach dem 34. Spieltag die Abschlusstabelle gezeigt werden dürfe und das auch nur ganz kurz für einen Tag, um die Psyche der Spieler nicht unnötig zu belasten und permanent zu manipulieren.

Fortuna Düsseldorf und SV Werder Bremen sollen sich bereits an diesen Antrag dran gehängt haben und weitere Vereine, wie der 1. FC Köln und SV Mainz, sind am überlegen, ob sie ebenfalls unterschreiben. Gerüchten zufolge soll es bei Clubs der zweiten und dritten Liga auch schon Überlegungen geben, dass man generell alle Tabellen abschaffen wolle, auch nach dem letzten Spieltag. Zwei Vereine sprachen sich sogar dafür aus, keine Tore mehr zu zählen respektive diese ganz abzubauen, denn das sei diskriminierend für die Mannschaften, die weniger in diese Gehäuse hinein träfen und würde somit gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes verstoßen, so man diesen sozialistisch interpretiere und alles andere sei im Grunde menschenfeindlich.

Asiatische und afrikanische Länder wollen den ins Englische übersetzten Paderborner Antrag bei der FIFA einreichen

Auch aus Asien und Afrika sind ähnliche Stimmen zu vernehmen, die den Paderborner Antrag ins Englische übersetzen lassen und dann bei der FIFA einreichen wollen. Dies könnte weitreichende Auswirkungen schon bei der nächsten WM 2022 in Katar haben. Denn auch andere Länder, wie zum Beispiel Russland und Nordkorea, zeigen sich für diese Vorschläge einer grundlegenden Reformation offen.

In der Hitze in Katar sei es doch ohnehin nicht möglich ständig auf das eine und das andere Tor hin und her zu spielen, wobei ja jedes Mal zig Meter gerannt werden müssten. Das sei doch auch für die Zuschauer mit der Zeit langweilig und am Ende wäre immer eine Mannschaft unzufrieden. Das sei einfach nicht fair. Die Spieler könnten sich doch gegenseitig ganz gemütlich den Ball hin und her schieben und dabei für die Tribünen hin und wieder kleine Kunststückchen vorführen. Auch wäre zu überlegen, ob nicht jede Mannschaft einen eigenen Ball bekommt. Das wäre sozial bei weitem gerechter!

Das ganze Fußballsystem muss einfach viel gerechter werden

Sozial viel gerechter wäre auch, wenn der Weltmeister, der Deutsche Meister, die Auf- und Absteiger jedes Jahr per Los ermittelt würden. Denn dann hätte jeder die gleichen Chancen und die Unterprivilegierten, deren Vorfahren auf keine lange Fußballtradition mit Spitzenleistungen zurückblicken können, wäre dann nicht weiter systematisch benachteiligt, was im Grunde ja eine Form der strukturellen Gewalt des weißen Mannes darstelle.

Oder aber, das wäre natürlich dann die Endstufe der sozialen Gerechtigkeit, wenn man alle vier Jahre jedes Land zum Weltmeister und jeden Club jedes Jahr zum Deutschen Meister küren würde und es auch gar keine diskriminierenden Spielklassen mehr gäbe. Bis dahin ist sicherlich noch ein Stück des Weges zu gehen. Aber das, da sind sich die meisten inzwischen eigentlich einig und auch sicher, wird die letzte Stufe der sozialen Gerechtigkeit sein.

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