Traurigste Neujahrsnachricht: Im Krefelder Zoo verbrennen über 30 Tiere

Von Jürgen Fritz, Do. 02. Jan 2020, Titelbild: zoos.media-Screenshot

Diese Nachricht schockierte viele Menschen, nicht wenigen blutete förmlich das Herz. Im Krefelder Zoo fing in der Neujahrsnacht – bedingt wahrscheinlich durch illegal gezündete chinesische Himmelslaternen – das Tropenhaus Feuer und brande vollkommen nieder. 150 Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen, um noch Schlimmeres zu verhindern. Für über 30 Tiere kam jede Hilfe zu spät, darunter über 20 Affen. Sie verbrannten bei lebendigem Leib. Dem Feuer zum Opfer fielen insbesondere fünf Borneo Orang-Utans, zwei Flachland-Gorillas und ein westafrikanischer Schimpanse, alles hochbedrohte Tierarten. Unter den toten Tieren befindet sich auch der 48-jährige Silberrücken Massa, der älteste Gorilla Europas.

Das Tropenhaus brennt völlig nieder

Der Brand in dem 1975 erbauten Tropenhaus im Krefelder Zoo muss kurz nach Mitternacht ausgebrochen sein. Aber erst gegen 00.35 Uhr wurde das Feuer von Passanten überhaupt bemerkt. Das heißt, der Zoo scheint über keinerlei Feuerwarnsystem zu verfügen. In der Nähe des Affenhauses führt eine Fußgängerbrücke über das Zoogelände.

Die Feuerwehr gibt an, innerhalb von fünf Minuten vor Ort gewesen zu sein. Kai Günther, der Einsatzleiter der Krefelder Feuerwehr, sagte gegenüber dem Express: Beim Eintreffen haben wir das Affenhaus schon im Vollbrand vorgefunden. Da war uns klar, da ist nichts mehr zu retten.“ 

Folglich konzentrierte man sich darauf, ein Übergreifen des Brandes auf die benachbarten Gehege der Gorillas und der Kängurus zu verhindern. 150 Einsatzkräfte kämpften gegen die Flammen und konnten das Feuer so relativ schnell unter Kontrolle bringen, dergestalt ein weiteres Ausbreiten verhindert werden konnte.

Über 20 Affen, darunter der älteste Gorilla Europas verbrennen lebendig, nur zwei Schimpansen entkommen dem Inferno

Das Tropenhaus selbst aber konnte nicht mehr gerettet werden. In ihm kamen mehr als 30 Tiere zu Tode, darunter mehr als 20 Affen, die bei lebendigem Leibe verbrannten. Neben den großen Menschenaffen lebten auch kleinere Arten wie Zwergseidenäffchen oder Sakis in dem Affenhaus. Daneben gab es dort Flughunde und tropische Vögel. Von dem ganzen Haus ist bloß noch ein Gerippe übrig geblieben. Man könne den Tod dort jetzt förmlich riechen, wird berichtet.

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ZDF-Screenshot

Besonders schwer wiege der Verlust von fünf Borneo Orang-Utans, zwei Flachland-Gorillas und eines westafrikanischen Schimpansen, alles hochbedrohte Tierarten. Diese Tiere waren ein wichtiger Teil des weltweiten Zuchtprogramms. Den Flammen zum Opfer fiel auch der 48-jährige Silberrücken Massa. Er war der älteste Gorilla Europas und einer der ältesten Zoo-Gorillas der Welt.

Wie durch ein Wunder konnten in dem völlig niedergebrannten Gebäude zwei Schimpansen überleben: Bally (um die 30) und Limbo (etwa 25 Jahre alt). Die beiden Schimpansen, die zum Glück nur leichte Brandverletzungen erlitten, wurden narkotisiert und in ein freies Gehege im Gorillagarten gebracht.

Strafermittlungen wegen fahrlässiger Brandstiftung wurden aufgenommen

Ausgelöst wurde das verheerende Feuer offenbar durch sogenannte „chinesische Himmelslaternen“. Laut Polizei konnten in den Trümmern des Affenhauses Überreste von drei solcher Laternen gefunden werden. Gerd Hoppmann, Leiter der Kriminalpolizei in Krefeld, äußerte sich wie folgt: „Himmelslaternen sind seit 2009 verboten. Wir ermitteln wegen fahrlässiger Brandstiftung.

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ZDF-Screenshot

Er geht davon aus, dass eine dieser Himmelslaternen, die nicht nur in NRW, sondern in fast allen Bundesländern schon lange verboten sind, auf dem Dach des Tropenhauses landete. Das Feuer in der Laterne dürfte die kunststoffbeschichtete Dachhaut des Hauses in Brand gesetzt haben. Das Plastik brannte schnell lichterloh, sorgte so für das rasche Ausbreiten des Feuers. Die Tiere hätten keine Chance gehabt.

Wie die Polizei am Mittwochnachmittag mitteilte, meldeten sich mehrere Personen auf dem Krefelder Präsidium, die zugaben, in der Silvesternacht sogenannte Himmelslaternen gestartet zu haben. Eine dieser Laternen soll auf das Tropenhaus des Zoos gestürzt sein und den Großbrand ausgelöst haben, bei dem all die Tiere starben. Den Personen, die diese Himmelslaternen zündeten, droht nun ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Brandstiftung nach § 306d StGB. Hierauf steht entweder eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.

Viele offene Fragen an den Krefelder Zoo: Warum mussten all diese Tiere elendig verbrennen?

Dieses schreckliche Unglück wirft einige Fragen auf. „Selbst wenn die Feuerwehr noch schneller dagewesen oder der Brand noch schneller entdeckt worden wäre. Die Retter hätten nicht einfach hineingehen und die Tiere auf den Arm nehmen können“, sagt Zoodirektor Dreßen. Es seien Wildtiere, die auch Menschen gefährlich werden könnten.

Allein es stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass der Krefelder Zoo über keinerlei Feuerwarnsystem verfügt. In jeder Wohnung sind x Feuermelder angebracht. Warum war in dem ganzen Tropenhaus kein einziger? Wieso merkte das Zoopersonal überaupt gar nichts von dem riesigen Brand? Wieso mussten Außenstehende, die das Feuer bemerkten, die Feuerwehr verständigen? Und wieso war es nicht möglich, rechtzeitig die Türen des Tropenhauses zu öffnen, dass zumindest einige der Tiere eine Chance hatten, den tödlichen Flammen zu entkommen?

Warum mussten alle diese Tiere, für die wir Verantwortung tragen, wenn wir sie in europäischen Zoos halten und zur Schau stellen, verbrennen? Wäre es einigen der Tiere gelungen, aus dem Tropenhaus zu entkommen, dann hätte man sie doch im Verlaufe des Tages wieder einfangen können, notfalls mit einem Betäubungsgewehr. Kurzum es stellt sich die Frage: Ist der Krefelder Zoo hier seiner Verantwortung gegenüber den Tieren gerecht geworden, die elend verbrennen mussten?

Es gibt Geschichten, die man vor Weinen nicht zu Ende schreiben kann

Der Krefelder Zoo bleibt wegen des Unglücks auch heute, am Donnerstag, den 02. Januar noch geschlossen. Der Bereich rund um das Tropenhaus wird noch wesentlich länger gesperrt sein. Ein Zugang zum unversehrten Gorillagarten, der direkt hinter dem abgebrannten Gebäude liegt, ist daher auf unbestimmte Zeit nicht möglich, gibt der Zoo an.

Der BILD-Starkolumnist Franz Josef Wagner schreibt dazu:

„Lieber Silberrücken „Massa“ (†)! Weit weg von deinem Geburtsland Kamerun bist du nun in der Silvesternacht im Krefelder Zoo verbrannt. Du bist 48 Jahre alt geworden, deine Rückenhaare waren silberweiß. Du warst ein kleiner Gorilla-Junge, als dich Wilderer (Zoo-Einkäufer?) deiner Familie entrissen. (…) Vor 44 Jahren hast du zum letzten Mal den Tropenwald gerochen, du hast zum letzten Mal gesehen, wie deine Eltern hoch zu den Bäumen kletterten. (…)

Haben Gorillas eine Seele? (JFB: Ja, natürlich haben sie eine Seele, sie können fühlen und sie können denken.) Können sich Gorillas erinnern? (JFB: Ja, natürlich haben sie Erinnerungen und mehr als das.) Gibt es eine Sehnsucht in ihren Erinnerungen nach Wäldern, Freiheit? Der Gorilla Massa, geraubt aus seiner Heimat Afrika, verbrannt in Deutschland. Es gibt Geschichten, die man vor Weinen nicht zu Ende schreiben kann.“

Danke für diese Worte, Herr Wagner!

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