Klimaleugner lautet das wahre Unwort des Jahres 2019: Warum dies eine gute Wahl war

Von Jürgen Fritz, Mo. 13. Jan 2020, Titelbild: © JFB

Die Leser haben entschieden: „Klimaleugner“ wurde zum wahren Unwort des Jahres 2019 gewählt. 1.005 (21,2 Prozent) der 4.740 Leser, die an der Wahl teilgenommen haben, haben sich für dieses schreckliche Wort entschieden, das wie kaum ein anderes das sprachliche und kognitive Niveau sowie zugleich die Boshaftigkeit derer offen legt, die es verwenden, um Kritiker der Klimawandel-Hysterie zu diskreditieren. Warum dieses Wort so unschön, falsch, schlimm und unangebracht ist, sei hier erklärt.

Warum ist „Klimaleugner“ ein wahres Unwort?

Weil kein Mensch leugnet, dass es so etwas wie Klima, also einen Durchschnitt der dynamischen Prozesse in der Atmosphäre, bezogen auf einen Ort oder auf eine Region,  einschließlich aller Schwankungen im Jahresverlauf, gibt. So verrückt ist kein Mensch. Der Ausdruck ist daher völlig absurd und zeigt, auf welch sprachlichen und kognitivem Niveau sich große Teile der Bevölkerung, aber insbesondere auch die M-Medien und viele Politiker bewegen.

Diejenigen, die dieses wahre Unwort gebrauchen, dürften damit meist wohl etwas anderes meinen: „Klimawandelleugner“. Aber auch das ist so verrückt, dass man sich schwer tun wird, jemanden zu finden, der behauptet, es gäbe gar keinen Klimawandel – nirgends auf der Erde. Natürlich wandelt sich das Klima auf unserem Planeten an allen möglichen Orten im Laufe der Jahrhunderte, Jahrtausende und Jahrmillionen in einem ständigen Prozess und das weiß auch fast jeder, der sich mal ein wenig mit der Materie beschäftigt hat.

Zugleich steckt in diesem Unwort nicht nur etwas sehr Dümmliches, sondern – vielleicht noch viel schlimmer – etwas Bösartiges. Durch das „Leugner“ sollen offensichtlich Menschen, die in einem bestimmten Bereich zu einer anderen Auffassung über das Sein der Welt, darüber was Fakten und Tatsachen einerseits und was Falschbehauptungen und Fehlvorstellungen andererseits sind, diskreditiert werden. Wenn jemand als Leugner tituliert wird, so wird damit zum Ausdruck gebracht:

  • Erstens dass X der Fall ist.
  • Zweitens dass es erwiesen ist, dass X der Fall ist. (Es gibt ja auch die Dinge, die der Fall sind, die aber noch nicht erwiesen sind. Zum Beispiel war die Erde vor dreitausend Jahren auch schon eher kugelförmig denn eine Scheibe, dies war damals aber noch nicht erwiesen.)
  • Drittens dass auch fast alle wissen, dass erwiesen ist, dass X der Fall ist. (In der Anfangszeit von neuen Erkenntnissen, die bereits erwiesen sind, wissen das zum Beispiel nur bestimmte Wissenschaftler, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, und es kann Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis das ins allgemeine Bewusstsein der Gesellschaft gelangt.)
  • Viertens dass es aber einige Spinner gibt, die hartnäckig „leugnen“, dass X der Fall ist, obwohl das längst erwiesen ist und allgemein bekannt wäre.

Mit dem Wort „Klimaleugner“ sollen Assoziationen zu nicht geständigen Straftätern und Holocaustleugnern geweckt werden

All das, alle diese vier Punkte stecken in dem Gebrauch des Wortes „Leugner“ drin. In Bezug auf „Klimaleugner“ geht es also darum, dass so getan wird, dass etwas mit dem Klima vollkommen klar und erwiesen sei, dies auch fast alle wissen, nur eben einige Verrückte das „leugnen“. Und dieses etwas, damit ist natürlich gemeint, nicht dass es ein Klima gibt, auch nicht dass dieses sich beständig wandelt, dass es also einen Klimawandel gibt, sondern gemeint ist, dass dieser Klimawandel sehr stark menschengemacht, sprich anthropogen verursacht sein soll und bedingt durch die industrielle Revolution seit dem 19. Jahrhundert ganz ungewöhnlich schnell verlaufen würde. Das ist die eigentliche Behauptung, die als selbstverständlich und erwiesen suggeriert werden soll.

Zugleich soll mit der Qualifikation „Leugner“ eine Analogie oder zumindest eine Assoziation zu Strafprozessen hergestellt werden, in denen der Angeklagte leugnet, die Straftat, zum Beispiel einen Betrug, eine Vergewaltigung oder einen Mord, begangen zu haben. Oder aber noch schlimmer und perfider: Es soll eine Analogie oder Assoziation zum Holocaust, dem millionenfachen fabrikmäßigen Morden der Nazis, hergestellt werden, genauer: zu den Unmenschen, die diesen Holocaust leugnen und damit die Opfer der Nazis und deren Hinterbliebenen im Nachhinein auch noch verhöhnen und quasi ein zweites Mal ein Verbrechen an ihnen begehen, indem sie nicht einmal anerkennen, welch schreckliches Unrecht diesen Menschen angetan wurde.

Mit diesem wahren Unwort „Klimaleugner“ werden also andere, die – womöglich mehr als berechtigte – Zweifel  hegen, ob es a) überhaupt eine völlige ungewöhnliche Abnormalität bezüglich der Geschwindigkeit des Wandel des Klimas gibt, oder b) Zweifel an der stark menschengemachten Verursachung dieses beschleunigten Wandels, in die Nähe von Holocaustleugnern gerückt. Perfider und bösartiger geht es wohl kaum noch. Insofern, so meine ich, haben die Leser der Freien Medien eine sehr gute Wahl getroffen, als sie mehrheitlich sagten: Dies ist das schlimmste Unwort des Jahres von allen.

„Umweltsau“ und „Verschissmus“ auf den Plätzen zwei und drei

Auf Platz zwei und drei finden sich mit 647 Stimmen (13,6 Prozent) „Umweltsau“ und „Verschissmus“ mit 575 Stimmen (12,1 Prozent).

„Umweltsau“ ist abermals ein Beispiel für die bösartige Verwendung von Sprache. Der Begriff wurde in insbesondere benutzt durch den Kinderchor des WDR, der aus Mädchen besteht, die regelrecht dazu abgerichtet wurden, die eigenen Omas zu „Umweltschweinen“, sprich völlig verwerflichen Personen zu erklären. Damit hat der WDR den Generationenkonflikt befeuert, ja kleine Kinder regelrecht instrumentalisiert und gegen die eigene Familie in Stellung gebracht, um nicht zu sagen: als Waffe eingesetzt, da gerade die Großeltern meist abgöttisch an ihren eigenen Enkeln hängen und es für sie natürlich von immenser Bedeutung ist, von diesen geachtet und wiedergeliebt zu werden. Hier wurden also Emotionen von Kindern gezielt eingesetzt, um so zunächst auf die Emotionen der Großelterngeneration, dann im zweiten Schritt auf deren Verhalten manipulativ und menschenverachtend Einfluss zu nehmen.

Zu dem drittplatzierten Verschissmus“ schreibt Michael Klein auf ScienceFiles: Dieser Ausdruck sei „eigentlich nicht wirklich ein Unwort. Er ist ein Indikator für sinnentleerte Rituale, die ohne Motivation und ohne Interesse aufrecht erhalten werden, weil man, die SPD Mülheim in diesem Fall, denkt, man müsse sie aufrecht erhalten. Das jährliche Ritual des Volkstrauertages, an dem man auch als Parteifunktionär seine Trauer für Leute heucheln muss, die man nicht kennt, es hat in Mülheim einen entlarvenden Twist genommen und das zum Ergebnis gehabt, was man in der Pfalz eine hingekotzte Art nennt. Virtue signalling gone wrong, ist wohl die verträglichere Formulierung, die in freundlicherer Form beschreibt, dass jemand versucht, Dinge, die ihm am Allerwertesten vorbei gehen, zu den Dingen zu erklären, die ihm ganz besonders wichtig sind.“

So haben die Leser der Freien Medien gewählt

Die folgende Abbildung zeigt das Abschneiden der restlichen 13 Unwörter, die unsere Jury aus den 255 Begriffen ausgewählt hatte und die auf den Plätzen 4 bis 16 landeten:

Ergebnis

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