AfD: ein Anhängsel Moskaus?

Von Jürgen Fritz, Sa. 07. Mär 2026, Titelbild: RTL/ntv-Screenshot

Mit ihrer Positionierung zum Irankrieg hat sich die AfD an die Seite von Annalena Baerbock und Die Linke gestellt und damit viel Kritik aus dem konservativen und liberalen Lager auf sich gezogen, auch der führenden bürgerlichen Medien. Die AfD-Führung versage in historischer Stunde und wirke wie Putins Außenstelle, heißt es dort.

Die AfD fällt den Iranern, Israel, Trump und den USA in den Rücken

AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag: »Zum Angriff auf den Iran und zur Lage im Nahen Osten teilen die Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Alice Weidel und Tino Chrupalla, mit: „Mit großer Sorge haben wir die Angriffe Israels und der USA auf den Iran zur Kenntnis genommen. Wir fordern alle Kriegsparteien zur unbedingten Zurückhaltung auf. Die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur müssen geschützt bleiben. Das Völkerrecht sowie das humanitäre Völkerrecht müssen uneingeschränkt eingehalten werdenDie erneute Destabilisierung des Nahen Ostens liegt nicht im deutschen Interesse und muss beendet werden.“

Und der finanzpolitische Sprecher der AfD im Bundestag und stellvertretende Bundessprecher der AfD Kay Gottschalk ergänzte: »Ein reifes und vernünftiges Statement. Das Gleichgewicht der Mächte im Nahen Osten zu wahren, ist ein vitales deutsches Interesse. Nur so ermöglichen wir Kooperation, Handel und Remigration. Der keifende Mob von NIUS, Liberalen und ehemaligen Parteifreunden gibt uns recht.«

Und dann legte Tino Chrupalla in der RTL/ntv-Sendung „Frühstart“ sogar nochmals nach. Der AfD-Chef kritisierte auch Trump. Der sei als Friedenspräsident gestartet, am Ende werde er als Kriegspräsident enden, sagte Chrupalla. „Will er das? Das muss er dann auch seinen Wählern erklären, vor allen Dingen, wenn diese Angriffe und auch diese Kriegsführung keinen Erfolg hat“.

Bild

Kommentare zum außenpolitischen Kurs der AfD

Nikolaus Blome, RTL-Ressortleiter Politik und Gesellschaft: »AfD-Chef Chrupalla über Trump: „…endet als Kriegspräsident“ (ntv), AfD-Chef Chrupalla über Putin: „… mir hat er nichts getan“.

Dr. Dr. Rainer Zitelmann, Historiker, Autor, Publizist: »Putins Papagei: Trump ist „Kriegspräsident“ (weil er gegen Moskaus Verbündeten Iran vorgeht). Aber „Putin hat mir nichts getan“. (merke: nur wer Putins Freunden etwas antut, der tut damit auch Chrupalla was an).«

Prof. Dr. Thomas Jäger, Politikwissenschaftler: »Hab das jetzt richtig verstanden? Die AfD findet Putin gut. Die AfD findet Trump gut (und liebt Musk). Die AfD findet Trump schlecht, wenn der die Islamische Republik zerstören will, weil Putin die Islamische Republik gut findet. Also: 1. Putin. 2. Islamische Republik, 3. Trump

Wall Street Journal Opinion: »Italiens Giorgia Meloni und Großbritanniens Nigel Farage sind gute Verbündete. Die AfD eher nicht. Eine kluge US-Politik gegenüber Europa sollte diesen Unterschied erkennen können.«

Jan Fleischhauer, FOCUS-Kolumnist: »Also wenn man sich einige dieser Statements der AfD ankuckt, da hat man das Gefühl, die kommen aus Moskau. Das ist genau die Sprache der Russen und Chinesen…«

Thorsten Alsleben, Berlinreporter: »Lieber Donald Trump, JD Vance und Elon Musk, wenn ihr das nächste Mal Wahlempfehlungen für die AfD abgebt, lasst bitte alle ihre Beiträge übersetzen, nicht nur die, die euch Naomi Seibt zeigt.«

Kieler Aktionär @ KielerFinanzen: »Für Freiheit Anderer einstehen ist keine Frage der Nationalität. Es ist eine Frage des Charakters

Brahmbeere: »In Deutschland positionieren sich Politiker fast aller Couleur gegen das iranische Terrorregime. Ausnahmen sind die AfD, Die Linke, Stegner und Mützenich. Diese stellen die islamistisch-russische Karikatur des „Völkerrechts” über Moral und Mitmenschlichkeit gegenüber Iranern und Israelis.«

Felix Dachsel, Resort-Reporter DER SPIEGEL: »Die AfD ist nicht Pro-Trump. Sie ist nur dann Pro-Trump, wenn Trump mit Positionen Putins übereinstimmt. In erster Linie ist die AfD Pro-Putin. Wenn es Putins Verbündeten an den Kragen geht, dann ist die AfD dagegen. Der außenpolitische Kompass wird in Moskau geeicht.

Andreas Schreiner, FDP Berlin: »Aus „Sorge“ wird bei der AFD jetzt offiziell aus der Fraktion der Schulterschluss mit den Mullah–Verbrechern erklärt. Man braucht die Mullahs für das „Gleichgewicht im Nahen Osten und Remigration“ in den Iran 🤦‍♂️! Dann „keife“ ich mal: Ich habe für jeden Verständnis, der aus Wut und Frustration schon mal AfD gewählt hat. Ich kann den Stillstand in Deutschland aktuell auch nicht ertragen, aber diese intellektuellen Tiefflieger von der Partei AFD haben sich nun endgültig selbst entlarvt.«

Ulf Poschardt, Herausgeber WELT, Politico & Business Insider: »Dass Alice Weidel, Heidi Reichinnek und Annalena Baerbock nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran nahezu dieselben Völkerrechtsversatzstücke bemühten, um den amerikanisch-israelischen Einsatz zu kritisieren und damit nolens volens den Mullahs und ihren russischen und chinesischen Freunden zur Seite zu springen, konnte nur diejenigen überraschen, die nicht so genau hinsahen in den vergangenen Jahren. Die Nähe zu Trump und Musk war eine zwischenzeitliche Verirrung, am Ende haben sich weite Teile der AfD den antiwestlichen Dorfdenkern und ihrem reaktionären Volksromantizismus ergeben. Der ist genauso weltfremd und orthodox wie der neue Linksradikalismus eines Jan van Aken und einer Heidi Reichinnek. Es ist ein kleines, enges Denken, bei dem die ideologische Kirche im Dorf gelassen und mit dem jeweils gefragten Floskelsalat für das eigene Publikum die Sehnsucht im Gestern identifiziert wird…«

Julian Reichelt, Chefredakteur NiUS: »Die AfD stramm an der Seite von Annalena Baerbock und an einem wahrlich historischen Tag auf der falschen Seite der Geschichte. Besonders verheerend ist, dass diese Partei, die sich als letzte Hoffnung gegen den heranstürmenden Islamismus positionieren will, den schlimmsten Islamisten der Welt zur Seite springt, obwohl diese eine strategische Gefahr für Leib und Leben deutscher Staatsbürger in Deutschland sind. Die AfD hängt außenpolitisch vollkommen fest zwischen Wagenknecht, Friedensbewegung der 80er, Bonner Hofgarten, Romantisierung von global agierenden Terrorregimen und gescheiterter Steinmeier-Gesprächsfaden-Ideologie. Gruselig. (…) Besonders erschütternd ist aber, dass die AfD offenbar nicht die intellektuelle Tiefe hat, um über „Abschiebung! Grenzen dicht!“ hinaus zu erkennen, dass es das iranische Regine ist (war), dass all die Phänomene der illegalen Migration (Terror, Menschenhandel, Schwerstkriminalität) als ihr Geschäftsmodell betreibt. Außenpolitisch ist diese AfD so leider nicht im Freien Westen verankert, sondern eher in der (scheinheilig) proklamierten Nicht-Einmischung irgendwo zwischen Kreml und Peking. (…) soviel außenpolitisch-intellektuelle Trübseligkeit war eigentlich ein linkes Monopol. Meloni, Wilders, Milei, Trump – außenpolitisch-strategisch-weltanschaulich alle in einer vollkommen anderen Liga als diese appeasende Mullah-Tümelei der AfD.«

Benedikt Brechtken, NiUS-Kolumnist: »Außenpolitisch muss man sagen: CDU und FDP sind die einzigen deutschen Parteien, die nicht völlig verloren sind. Der Rest ist ein Totalausfall.«

Max Mannhart, Chefredakteur Apollo News: »Wie ist der Krieg gegen den Iran zu bewerten? Die Zeit der Ausreden, der gemütlichen Lebenslügen und Ausflüchte ist vorbei – es braucht jetzt klare Positionen. Es geht darum, auf welcher Seite der Geschichte man steht.« – »Die AfD ist in der Iran-Frage auf ganzer Linie umgefallen. Die Masse der Partei schweigt aus Feigheit. Diese Tatsache kann man nicht aus der Welt pöbeln – und man kann uns auch nicht davon abhalten, sie auszusprechen.« – »In der Iran-Frage macht die AfD-Führung, was sie Merz ständig vorwirft: Umfallen. Es ist die Sprache der Feigheit, die falsche Kompromisse auszeichnet. Das Völkerrechts-Argument ist pure Realitätsflucht. In diesen historischen Stunden kann man sich nicht wegducken. Die AfD muss ihre außenpolitische Linie fundamental korrigieren – für die Zukunft der Partei ist das die wichtigste Frage

Severin Tatarczyk : »Die AfD … vergrätzt nicht nur durch ihre Position zum Iran ein ihr grundsätzlich wohlgesonnenes Milieu im bürgerlichen Lager, sondern reißt jetzt mit Angriffen gegen Max Mannhart etc. aktiv die Brücken zu denen ein, die oft gegen die Brandmauer und für eine Einbindung der Partei plädiert haben. Strategisch ist das ungeschickt und wird – nachdem man zuletzt immer größere Teile des konservativen Felds erreicht hat und langsam eine Brandmauer Diskussion begann – zu einer Isolierung und dann Radikalisierung der Partei führen.«

WELT-Politik-Redakteur Frederik Schindler: »In den eigenen Reihen sorgt das Statement seit der Veröffentlichung für große Diskussionen. Insbesondere die scharfe Kritik aus rechten Medien wird in der AfD genau registriert. „Die AfD-Führung versagt in einer historischen Stunde“, heißt es in einem Gastbeitrag in der „Jungen Freiheit“, verbreitet vom Chefredakteur Dieter Stein. „Nach außen wirkt die Partei wie Putins Außenstelle“.«

Norbert Bolz, Buchautor, Publizist, lehrte bis 2018 als Professor für Medienwissenschaften an der Technischen Universität Berlin: »Vielleicht verliert die AfD durch ihre schwachsinnigen außenpolitischen Äußerungen keine Wähler. Aber sie macht es den Bürgerlich-Konservativen endgültig unmöglich, sie zu wählen

In Umfragen, die nach dem 28.02.2026 durchgeführt wurden, fällt die AfD sogar leicht

Betrachtet man die Umfragen, die mindestens teilweise nach dem 28. Februar, dem Tag des Angriffs auf das Terror-Regime im Iran und dem ersten Statement der AfD-Spitze, durchgeführt wurden, ergibt sich folgendes Bild:

  • Forsa: Umfrage vom 24.02. – 02.03.26: AfD unverändert bei 24%.
  • GMS:  Umfrage vom 25.02. – 02.03.26: AfD fällt um 3 Punkte von 27% auf 24%
  • Ipsos: Umfrage vom 27.02. – 01.03.26: AfD fällt um 2 Punkte von 26% auf 24%
  • Infratest dimap: Umfrage vom 02.03. – 04.03.26: AfD fällt um 1 Punkt von 24% auf 23%
  • INSA: Umfrage vom 02.03. – 06.03.26: AfD unverändert bei 25%.

Insgesamt sieht es so aus, dass die AfD, die Ende 2025 und zu Beginn des Jahres 2026 zeitweise sogar schon die Union überholt und auf Platz eins aller Parteien lag, nun wieder etwas hinter CDU/CSU zurückfällt und der Abstand sich die letzte Woche eher zu vergrößern scheint.

Abschließender Hinweis

Wie anders man es machen kann, hat übrigens sehr überzeugend Team Freiheit gezeigt, welches die unkontrollierte Massenimmigration aus dem afrikanischen und arabisch-islamischen Kulturkreis, die grün-rote Wirtschafts- und Energiepolitik, die Sicherheits- und Islampolitik ebenfalls scharf kritisiert, sich aber außenpolitisch vollkommen anders positioniert. Dazu im nächsten Artikel mehr.

*

Aktive Unterstützung: Jürgen Fritz Blog (JFB) ist vollkommen unabhängig und kostenfrei (keine Bezahlschranke). Es kostet allerdings Geld, Zeit und viel Arbeit, Artikel auf diesem Niveau regelmäßig und dauerhaft anbieten zu können. Wenn Sie meine Arbeit entsprechend würdigen wollen, so können Sie dies tun per klassischer Überweisung auf:

Jürgen Fritz, IBAN: DE44 5001 0060 0170 9226 04, BIC: PBNKDEFF, Verwendungszweck: JFB und ggf. welcher Artikel Sie besonders überzeugte. Oder über PayPal – 3 EUR – 5 EUR – 10 EUR – 20 EUR – 50 EUR – 100 EUR