Wenn heute Bundestagswahlen wären

Von Jürgen Fritz

Zwei Wochen noch bis zur Schlüssel-Bundestagswahl, bei welcher über die Zukunft unseres Landes entschieden wird. Wahl-O-Matrix, das führende Meta-Analyse-Tool, zeigt auf, mit welchen Ergebnissen die Parteien rechnen könnten, wenn die Wähler heute zu entscheiden hätten.

SPD

Wie würden die Deutschen heute wählen?

Der Wahlkampf ist mitten in der heißen Phase. In den nächsten zwei Wochen kann es noch zu Verschiebungen kommen. Auch deutlichen Verschiebungen um mehrere Prozentpunkte. Aber einige Dinge kann man schon jetzt, zwei Wochen vor der entscheidenden Bundestagswahl, bei welcher wie selten zuvor in den letzten Jahrzehnten über die weitere Zukunft Deutschlands entschieden wird, bereits ablesen.

Wären die Bundesbürger heute zur Wahl aufgerufen, dann könnten die Parteien in etwa mit folgenden Ergebnissen rechnen.

  1. CDU/CSU: 34 – 38,5 %, Tendenz fallend
  2. SPD: 21 – 24 %, Tendenz leicht fallend
  3. AfD: 8 – 11 %, Tendenz steigend
  4. Linke: 8 – 10 %, Tendenz leicht steigend
  5. FDP: 8 – 10 %, Tendenz leicht steigend
  6. Grüne: 6 – 9 %, Tendenz minimal steigend
  7. Sonstige: 4 – 6 %

Im arithmethischen Wahl-O-Matrix-Durchschnitt sieht das wie folgt aus.

2017-09-10

Was jetzt schon konstatiert werden kann

Die Union wird gegenüber 2013, also sie auf über 41,5 Prozent kam, deutlich verlieren. Wahrscheinlich mehr als vier Prozent. Da der Trend bei CDU/CSU in den letzten Tagen stärker als bei allen anderen nach unten zeigt, könnten es auch deutlich über fünf Prozent Verluste werden.

Auch bei der SPD geht es weiter nach unten. Die Wahrscheinlichkeit wird immer größer, dass die Genossen mit Martin Schulz das schlechteste Wahlergebnis in der Geschichte der Bundesrepublik einfahren werden. Der bisherige Tiefpunkt waren die 23 Prozent unter Steinmeier 2009. Zuletzt kamen sie unter Steinbrück 2013 auf über 25,7 Prozent. Davon entfernen sie sich von Woche zu Woche immer weiter.

Die AfD und die FDP, die 2013 mit 4,7 bzw. 4,8 Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten, werden als die großen Gewinner aus dieser Wahl hervorgehen. Beide werden die entscheidende Hürde dieses Jahr locker nehmen und könnten es sogar in den zweistelligen Bereich schaffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die AfD die Nase vorn haben wird bei dem Rennen um Platz 3 steigt von Woche zu Woche. Stand heute kann sie ihr Ergebnis von 2013 bereits verdoppeln.

Die Linkspartei kann sich gegenüber 2013, als sie auf 8,6 Prozent kam, minimal verbessern, die Grünen dagegen um fast ein Prozentpunkt verschlechtern. Sie werden die 8,4 Prozent kaum halten können und müssen sich wahrscheinlich sogar auf Platz sechs einstellen.

2010-09-10-GV

Koalitionsmöglichkeiten

Für eine Mehrheit der Sitze im Deutschen Bundestag wären wegen der 4,6 Prozent für sonstige Parteien knapp 48 Prozent der abgegebenen gültigen Zweitstimmen notwendig. Sollte die Bundestagswahl in zwei Wochen so ausgehen, wie es der aktuelle Stand von Wahl-O-Matrix eruiert hat, wären folgende Regierungskoalitionen möglich:

  • eine weitere große Koalition aus CDU/CSU + SPD: ca. 60 %
  • eine Jamaika-Koalition aus CDU/CSU + FDP + Grüne: knapp 54 %

Nicht sehr weit von einer Mehrheit entfernt wären:

  • SchwarzGelb: ca. 46 %
  • SchwarzGrün: knapp 45 %

Abgeschlagen sind dagegen folgende Optionen:

  • RotDunkelrotGrün: knapp 40 %
  • eine Ampel-Koalition aus SPD + FDP + Grüne: knapp 40 %

Die alte und neue Kanzlerin: Angela Merkel

Wir können relativ sicher davon ausgehen, dass im kommenden Bundestag sechs Fraktionen mit sieben Parteien vertreten sein werden. Und es steht im Grunde schon jetzt fest, wer die neue Regierung anführen wird: die Union mit der alten und neuen Kanzlerin Angela Merkel. Spannend wird dagegen, mit wem sie zukünftig zusammen regieren wird. Entweder wieder mit der SPD als Juniorpartner oder aber mit der FDP und den Grünen in einer sogenannten Jamaika-Koalition aus drei Fraktionen (vier Parteien). Aber auch für Schwarz-Gelb und Schwarz-Grün könnte es noch für eine Mehrheit reichen.

Der große Wahlsieger wird die AfD sein

Trotz der massiven Medienkampagne gegen die AfD, die in den letzten zwei Wochen noch zunehmen dürfte, wird diese nicht nur zum ersten Mal in den Deutschen Bundestag einziehen, sondern könnte auch direkt die drittstärkste Fraktion stellen. Im Falle einer weiteren GroKo wird sie dann die Opposition anführen.

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Bilder: © Eigene Grafiken sowie Youtube-Screenshot

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5 thoughts on “Wenn heute Bundestagswahlen wären

      1. goldsteinweb

        Ich frag mich, wieviele Menschen überhaupt noch erreicht werden können. Meiner Meinung nach gibt es nicht genügend CDUler, um Merkel zu stürzen, egal wie sehr die Wahl (bei unserem Verhältniswahlrecht) Hinterbänkler eliminiert. Der harter Kern der Union ist nicht ideologisch. Die haben Nibelungentreue.
        Ich schätze den Anteil an (inhaltlichen) Konservativen in Deutschland (verteilt in FDP, AfD, Union und Nichtwählern) auf höchstens 30%, wahrscheinlich eher 20%.
        Wenn keine Debattenkultur einkehrt, haben wir das, was Alexander Hamilton als tyranny of the majority bezeichnet hat.

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  1. Pingback: Wenn heute Bundestagswahlen wären – Alternativnews

  2. goldsteinweb

    Hab gerade den Wahlomat bedient, weil ich ein politisches Dummerchen bin und meine Positionen liegen v.a. – laut fragwürdigem Algorithmus – bei AfD, NPD und FDP. Etwa gleich stark, aber mit AfD führend. Tolles Gerät. FDP und NPD aha.
    Auch merkwürdige Fragen. Ich paraphrasiere, ‚Soll der Judenmord Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur bleiben‘. Da hab ich mal ’neutral‘ gedrückt. Heißt Erinnerungskultur Lippenbekenntnisse, Israelverachtung und unpassende Nazikeule? Wenn ja, dann hätte ich nein gewählt. Aber dann wäre nicht AfD, sondern NPD rausgesprungen. Dolles Gerät.

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