Was die Grünen zur Obergrenze von 200.000 Immigranten p.a. sagen

Von Jürgen Fritz

Nach fast zwei Jahren Ringen haben es CSU und CDU endlich zu einer gemeinsamen Position bezüglich einer Immigranten-Obergrenze geschafft. 200.000 pro Jahr lautet die magische Zahl. Doch die hässlichen Schwestern haben die Rechnung ohne unsere hübsche Waldfee gemacht.

Wir wollen 8,9 Prozent nicht nur 0,3

Fast zwei Jahre hat es gedauert, aber nun ist es vollbracht. Die CSU hat es nun endlich geschafft, Merkeluniona dazu zu bewegen, einer Obergrenze zuzustimmen. Und tatsächlich kommt die seit langem hinausposaunte Zahl von 200.000 in dem mühsamst errungenen Kompromiss der beiden hässlichen Schwestern vor. Doch diese haben die Rechnung ohne unsere hübsche Waldfee gemacht. Denn diese ist mit solchen kleinlichen Kleckereien so gar nicht einverstanden.

Was denn, nur 200.000 Immigranten pro Jahr? Wo doch 65 Millionen auf der Flucht sind! Da müssen wir viel mehr aufnehmen, meinen unsere grünen Freunde. Denn 200.000 pro Jahr das sind ja nur – Moment der Grüne muss den Taschenrechner holen – das sind ja nur – was muss ich da jetzt eintippen? – das sind ja nur 0,3 Prozent. Wir hatten bei der Wahl aber 8,9 Prozent. Damit habt ihr alle nicht gerechnet, gell? 8,9 Prozent von 65 Millionen Flüchtlingen, das wären – Moment! – 5,8 Millionen pro Jahr. Also bitte, so was um den Dreh sollte es schon sein, nicht wahr?

Nur 6 Millionen neue Immigranten in 30 Jahren? Ihr spinnt wohl!

Denn 200.000 im Jahr das wären ja in 30 Jahren, also innerhalb einer Generation, nur 6 Millionen. Das ist ja gar nichts, angesichts von über 64 Millionen Ursprungsdeutschen, die es leider noch immer gibt. Gut, 18,6 Millionen direkte oder indirekte Immigranten („Personen mit Migrationshintergrund“) sind ja schon da (22, 5 Prozent der Bevölkerung). Und die bekommen auch viel mehr Kinder als die Ursprungsdeutschen.

Und ja, auch die 6 Millionen, die dann im Laufe der nächsten 30 Jahre nochmals hinzu kämen, bekommen ja auch wieder viel mehr Kinder. Und klar, die 200.000 neuen Immigranten pro Jahr wären ja netto. Also wenn ein anderer Immigrant freiwillig wieder ausreist oder erfolgreich abgeschoben wird, dann kommt dafür gleich wieder einer auf die 200.000 oben drauf. Und natürlich wird es immer Ausnahmesituationen geben, wo man sagen wird „Dieses Jahr müssen es angesichts der dramatischen Lage deutlich mehr als 200.000 sein. Jedoch nur dieses Jahr! Versprochen!“. Aber trotzdem.

Nein, 200.000 netto, also plus die Ersatzleute für die wieder Emigrierten, sind uns Grünen viiieeel zu wenig. Dann dauert das ja ewig mit dem Bevölkerungsaustausch! Nee Leute sorry, das geht wirklich gar nicht. Und außerdem: Wer ist denn Humanitarismus-Weltmeister? Hm? Denkt ihr etwa, damit wäre ein richtiger Grüner zufrieden, einfach nur Weltmeister? Nee Freunde. Wir wollen nicht nur Weltmeister sein, wir wollen alle anderen meilenweit in den Schatten stellen. Alle!

Für eure Armseligkeit haben wir nicht einmal ein müdes Lächeln übrig

Warum wir das wollen? Weil wir es können. Genauer: Weil wir es durchsetzen können. Denn ohne uns kann keine Regierung gebildet werden. Haha! Und mit uns kann inzwischen fast jeder außer den einen. Weil 8,9 Prozent ihr Kreuzchen in unseren Kringel gemacht haben. Da könnt ihr alle gar nichts daran ändern. Und weil wir seit über 35 Jahren die politische und gesellschaftliche Agenda bestimmen. Weil wir nahezu alle Themen vorgeben und besetzen, solange bis sie zunächst die SPD und dann die Merkeluniona übernehmen. Da kann der Bayer brüllen, stauben und wüten wie er will. Haha! Die 93 AfD-Abgeordneten? Deren Stühle werden wir auf die Flure des Reichstages schaffen lassen. Da können sie dann sitzen, am besten direkt vor den Toiletten. Haha! Das sei aber nicht demokratisch. Sehen wir etwa wie Demokraten aus?

So eine armselige Obergrenze der Hilfsbereitschaft werden wir Grüne nicht akzeptieren. Wir werden viel mehr Immigranten aufnehmen. Viel, viel mehr. Dafür werden wir schon sorgen. Und die werden wir von den Deutschen bezahlen lassen. Warum? Weil wir es können. Und weil wir so ein großzügiges Herz haben. Vor allem, wenn andere unsere Großzügigkeit zahlen müssen. Haha!

Obergrenze

Twitter-Screenshot

Wir haben mächtige Verbündete

Und weil wir mit 8,9 Prozent das Land fest im Griff haben. Da könnt ihr machen, was ihr wollt. Wir werden euch auch mit 8 oder 6 Prozent im Griff haben. Wieso wir das mit so wenig Stimmen schaffen? Weil wir raffinierter sind als ihr. Nicht intelligent, nicht gebildet, aber raffiniert und machtbewusst. Weil wir langfristiger denken als ihr. Weil wir mächtige Verbündete haben.

Weil wir die Massenmedien weitgehend unter unsere Kontrolle gebracht haben. Weil wir seit Jahrzehnten die Schlüsselpositionen in Schulen und Hochschulen besetzt haben und damit die jeweils nächste Generation in unserem Sinne indoktrinieren können. Weil wir die Kirchen mit unseren Vorstellungen infiziert haben. Weil das islamische Großkapital, unerschöpfliche Petrodollars!, auf unserer Seite ist. Weil wir eure zweitausendjährige tief eingeimpfte christliche Moral gegen euch selbst einsetzen. Dagegen seid ihr machtlos. Wir hauen euch einfach die Grundrechte um die Ohren, dass die für alle Menschen gelten würden, auch für die, die sich gar nicht auf unserem Hoheitsgebiet befinden. Haha!

Wir setzen eure christliche Moral gegen euch selbst ein

Ob das krankhafte Omnipotenzphantasien sind? Ja und, selbst wenn. Der Christengott macht keine Unterschiede. Mensch gleich Mensch. Alle Ebenbilder von ihm. Also gelten die Grundrechte für alle. Die christliche Nächstenliebe kennt keine Staatsgrenzen. Jesus war ja kein Staatsphilosoph. Haha! Das ist unser Hebel. Und das werden wir durchsetzen.

Warum wir das tun können mit nur 8,9 Prozent? Weil ihr geistig und moralisch zu schwach seid, um euch dagegen zu wehren. Weil euch die christliche Moral, die schon immer ideal war für die Herrschenden und Mächtigen, klein und schwach hält. Und heute sind wir die Herrschenden, die die Macht in ihren Händen halten. Weil wir euch auf die Art suggerieren können, dass wir die moralisch überlegenen, die besseren Menschen wären. Weil euch das lähmt. Weil ihr mehrheitlich keine schlechten Menschen sein wollt. All das setzen wir gegen euch ein.

Wir werden euch ausradieren und dagegen seid ihr machtlos

Warum wir all das tun? Weil wir dieses Land nicht mögen. Weil wir seine Kultur nicht mögen. Weil wir euch nicht mögen. Weil ihr klüger und tüchtiger seid als alle anderen und wir Robin Hood sind, der euch alles wegnehmen wird. Weil wir euch insgeheim verachten und aus der Weltgeschichte ausradieren wollen. Und das werden wir auch schaffen. Mit nur 8,9 Prozent. Dafür brauchen wir keine hundert Jahre. Nee Freunde, das schaffen wir viel schneller. Und die SPD und die CDU werden uns dabei helfen. Wahrscheinlich sogar die FDP. Selbst die finden uns gar nicht mehr so schlimm, seit es die AfD gibt. Haha! Und gegen all das seid ihr völlig machtlos. Fügt euch endlich in eure aussichtslose Lage!

Warum wir euch ausradieren wollen? Warum wir wollen, dass ihr alle für immer von diesem Globus verschwindet? Weil ihr die Kinder von Nazis seid. Das werden wir euch niemals verzeihen. Weil man dem Deutschen an sich nicht trauen kann. Weil wir Afrikaner und Araber viel mehr mögen als euch. Weil wir euch verachten. Weil ihr selbst potentielle Nazis seid. Nazis, ewige Nazis.

*

P.S.: Sven Giegold, der so gar nicht Armselige, ist übrigens Mitbegründer von Attac-Deutschland. Seit 2008 ist er Mitglied bei den Grünen, seit 2009 EU-Parlamentarier und Sprecher der Abgeordneten von B90/Grüne im Europäischen Parlament.

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Bild: Twitter-Screenshot

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22 thoughts on “Was die Grünen zur Obergrenze von 200.000 Immigranten p.a. sagen

  1. Tanzender Berg

    Sehr guter Artikel. Nur haben Sie vergessen, daß die Masseneneinwanderung von Türken, Arabern etc. nicht von den Grünen angefangen wurde. Die gibt es nämlich erst seit 1980. Da waren schon viele Millionen da, alle von der CDU und SPD geholt und hereingelassen. Von Adenauer, Erhard, Kiesinger, Brandt, Schmidt, Strauß. Ganz ohne die Grünen.

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      1. Waldgänger

        Ostdeutsche sind nicht in die BRD „eingewandert“. Sie hatten per definitionem die gleiche deutsche Staatsbürgerschaft wie die Westdeutschen und daher gemäß bundesdeutscher Gesetzgebung das Recht, sich auf dem gesamten deutschen Territorium niederzulassen. Dies nur dem wachen und klugen Luchs zur Information

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      2. lynx

        Dann fragen Sie doch mal in Westdeutschland herum, wie sich das anfühlte, als die Sachsen sich breitmachten und auch noch auf ihre Vorrechte pochten. Da rieben sich nicht nur die lange hier ansässigen Italiener, Kroaten usw verwundert die Augen. Einfach mal versuchen nachzufühlen, wie es ist, wenn es in der Heimat auf einmal überall sächselt, einfach mal die Perspektive wechseln.

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      3. Waldgänger

        Wie sich das für Irgendjemand „anfühlte“, steht nicht zur Debatte, wenn es darum geht, was Einwanderung ist und was nicht. Entscheidend ist die Rechtslage. Und im Hinblick auf sie konnte damals von Einwanderung Ostdeutscher nach Westdeutschland nicht die Rede sein. Die jetzt davon philosophieren, dass das Grundgesetz keine Obergrenze kenne, berufen sich doch auch immer auf die Rechtslage. Nun – wie es in den Wald hineinruft, so schallt es aus ihm heraus!

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      4. lynx

        Aber die, die in Sachsen und anderswo herumkrakelen und AfD wählen, reden doch genau davon: wie es sich anfühlt, wenn Fremde kommen und man meint, die Heimat verändere sich so sehr, dass sie womöglich verloren gehe. Ein wesentliches Motiv, ganz abseits einer Rechtslage, die eben auch Zumutungen bereit hält.

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      5. Waldgänger

        Diejenigen, die – wie Sie zu schreiben belieben – in Sachsen oder sonstwo „krakeelen“, sind aber nicht das Thema. Ich möchte den klugen und aufmerksamen Luchs schon sehr bitten, bei selbigem zu bleiben. Der von ihm als vermeintliches Argument angeführte Sachverhalt war „Einwanderung der Ostdeutschen nach Westdeutschland“. Mein Part war es, auf die Unhaltbarkeit des Begriffs „Einwanderung“ in diesem Zusammenhang hinzuweisen. Ein wieder anderes Thema wäre, wie sich abgehalfterte Rheinländer, Hamburger Glücksritter und skrupellose Schwaben in Sachsen breitgemacht haben. Aber, wie gesagt, auch das ein anderes Thema.

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      6. lynx

        Sie haben recht: auch die umgekehrte Wanderung von West nach Ost verlief oft nicht so glücklich (s. Prenzl-Schwaben). Aber: Wanderung bleibt Wanderung. Auch der Binnenmigrant ist darauf angewiesen, dass er dort, wo er hinzieht, gut aufgenommen wird. Wird einfacher, wenn er sich zu benehmen weiß. Also sind die Krakeler eben doch das Thema, ich wiederhole mich da gerne: sie beklagen den Verlust an Heimat durch die Zuwanderer – aus Arabien und aus Schwaben, beides kommt vor. Der „Rechtsbruch“ ist nur ein Hilfsargument, das ihnen jetzt zupass kommt. Aber eigentlich wollen sie, dass sich nichts verändert, v.a. nicht im sozialen Milieu, das sie kennen.
        Und da habe ich angesetzt: das soziale Milieu im Westen, v.a. im Süden Deutschlands ändert sich seit Menschengedenken fortwährend. Aus bitterer Armut und Binnenmigration haben die Schwaben die wirtschaftsstärkste Region geformt, die Bayern haben es ihnen nachgemacht. Sie haben gearbeitet und dabei, nicht ohne es nicht zu merken, einer Menge Menschen von überall her eine Menge Chancen und Lebensmöglichkeiten eröffnet. Und das Unverständnis hier ist groß für diejenigen, die selber von diesen ihnen gegebenen Chancen profitiert haben und nun nichts mehr abgeben wollen an die, die nachkommen. Geiz gilt als Todsünde.

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      7. truckeropa66

        Ausnahmsweise kann man einigen Ausführungen von lynx zustimmen.
        Wer wohin kommt sollte sich anpassen! Ist das hier der Fall??
        Krakeeler sind unerwünscht, richtig egal ob der kommende oder der dagewesene krakelt…ekelhaft. ist das hier der Fall??
        Wenn sich ein dagewesener beschwert das andere bevorteilt werden, ist das nicht ekelhaft sondern Recht dessen!

        Sie haben in einigen Punkten richtige Aussagen getroffen, aber wie so oft nur bis an das eigene Brett vorm Kopf gedacht, und bloß keinen Blick über den Tellerrand hinaus. Wenn sie endlich mal dazu bereit wären das Gesamtbild zu sehen wäre es besser.

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      8. Waldgänger

        Ihre Argumentation, die hinsichtlich der sozialen Fragen schlüssig sein mag, übersieht oder verschweigt absichtlich einen wesentlichen Umstand: Nämlich die Tatsache, dass es sich bei „Wanderungen“ von Ost- nach Westdeutschland oder umgekehrt um nichts anderes als die Inanspruchnahme der verfassungsmäßig garantierten Freizügigkeit von DEUTSCHEN handelt. Wenn Nichtdeutsche nach Deutschland einwandern, ist dies zum einen rechtlich ganz anders zu bewerten. Zum anderen haben Nichtdeutsche, zumal wenn sie, wie die jetzt in Massen zuwandernden Araber verschiedener Couleur, einem fremden Kulturkreis angehören, eine ganz andere Denkweise und daraus resultierend ganz andere Lebensgewohnheiten als die Deutschen, mögen sie Schwaben, Preußen oder Sachsen sein. Dies stellt für die alteingesessene Kultur eine große Belastung dar. Nicht ohne Grund gibt es Staaten, Staatsbürgerschaft und Einwanderungsrecht seit jeher: Diese historisch gewachsenen Einrichtungen waren dazu da, den je Indigenen eine möglichst friedliche Entwicklung zu gewährleisten. Es ist mehr als fahrlässig, sie für obsolet zu erklären, und ein Zeichen für den Verfall der politischen Kultur ist es, alle, die an ihnen festhalten wollen als rechtsradikal, menschenfeindlich usw. zu verunglimpfen.

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      9. lynx

        Ich kann ihre Argumentation verstehen und will ihr nicht grundlegend widersprechen. Ich halte aber Ihre Betrachtung für zu beengt und auch widersprüchlich. Das, was wir heute als Staat Deutschland wahrnehmen, gab es vor 150 Jahren noch nicht. Da war es, auch im Dt. Reich letzlich ein loser Staatenbund und jeder Kleinstaat hatte seine Staatsbürger und Fremdlinge. Also die Selbstverständlichkeit der Migration innerhalb Deutschlands ist zwar eine gegenwärtige aber keine historische und eine hart erarbeitete. Inzwischen haben wir diesen Prozess auf die gesamte EU ausgedehnt, dagegen hat so gut wie niemand etwas einzuwenden. Vor einer, vielleicht zwei Generationen waren Italiener, Spanier, Finnen doch für die meisten von uns Exoten, vielleicht nicht im Falle bekannter Künstler o.ä., aber im Falle von Alltagsmenschen und Nachbarn.
        Jetzt beginnt sich das auf globaler Ebene zu vollziehen und wir müssen lernen, damit umzugehen. Klassische Einwanderungsnationen tun das längst bzw. dort gibt es genau das nicht, was sie „alteingesessene Kultur“ nennen. Und geradezu frivol wird es, wenn man Ihre Formulierung „den je Indigenen eine möglichst friedliche Entwicklung zu gewährleisten“ auf die USA anwendet. Müssen wir die USA jetzt verdammen für ihre Existenz, die auf einem Völkermord beruht? Oder können wir Staaten wie die USA (oder besser Kanada, Neuseeland) als Beispiel nehmen, dass sich ein Staatsvolk jederzeit bilden kann, egal welcher Herkunft die Bürger sind. Entscheidend ist die Verfassung und der Wille aller Beteiligter, sie mit Leben zu erfüllen. Das soll nicht die Probleme wegdiskutieren, die wir haben, nur helfen, den Blick nach vorne zu richten. Denn vor wenigen Generationen noch waren die Dörfler hinter dem nächsten Höhenzug Fremdlinge, die man verachtete.

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      10. Waldgänger

        Was wir heute Deutschland nennen, gab es vor 150 Jahren sehr wohl, wenn auch nicht als Nationalstaat, so doch als Kulturgemeinschaft. Der „Deutsche Bund“ hat sich durchaus als etwas Zusammengehöriges empfunden, und nicht zuletzt deswegen hat es die Einheitsbestrebungen der damaligen intellektuellen Eliten, die 1848 kulminierten, gegeben. Dabei knüpften diese Bestrebungen allerdings an die Tatsache an, dass es schon 900 Jahre früher das Zusammengehörigkeitsbewusstsein der Deutschen gegeben hat, nämlich in Gestalt der Wahl des Sachsenherzogs Heinrich zum „römischen“ König. Die Wahl war getragen von den Repräsentanten der Herzogtümer: Sachsen, Schwaben, Bayern, Lothringen (d. h. das östliche Rheinland). Die Bewohner dieser Herzogtümer sprachen eine gemeinsame, wenn auch in Dialekten unterschiedene Sprache, und die poltische Einheit des Gebildes, das bei jener Wahl begründet wurde und später als „Heiliges Römisches Reich DEUTSCHER Nation“ bezeichnet wurde, hatte bis zu seiner Zerschlagung durch Napoleon Bestand. Wer also Deutschland erst mit der Reichsgründung 1871 beginnen lässt, weiß nichts von seiner Geschichte oder verleugnet diese absichtlich.
        Aufgrund seiner 1100 jährigen Identität ist Deutschland auch kein klassisches Einwanderungsland. Einwanderungsländer wie die USA oder Australien zeichnen sich dadurch aus, dass auf ihrem Territorium noch keine sich ihrer Identität bewusste Kulturen existierten, bevor Angehörige fremder Kulturen sie besiedelten. Die nordamerikanischen Indianer konnte man ausrotten bzw. überfremden, weil sie es noch nicht zu einem Bewusstsein als Volk gebracht hatten. Nur auf der Grundlage dieser Ausmerzung konnte man den Ableger der abendländischen Kultur namens USA begründen und diese zum Einwanderungsland erklären.

        Aber in Europa gibt es überall jahrhundertelang ansässige, sich Ihrer Eigentümlichkeit bewusste Völker. Die Einwanderung in die von ihnen besiedelten Territorien bedeutet eine Infiltration dieser gewachsenen Völker mit fremden Elementen. Das mag bei sehr spärlicher Einwanderung kein Problem sein – weil dann die Einwanderer gezwungen sind, sich zu assimilieren – , es wirkt aber subversiv, wenn die Zahl der Einwanderer hoch ist, zumal wenn diese einem anderen Kulturkreis angehören. Als Italiener und Kroaten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Westdeutschland einwanderten, war das tolerabel, weil Italiener, Kroaten UND DEUTSCHE zwar nationale Besonderheiten haben, aber doch allesamt im abendländischen Kulturkreis seit mehr als zweitausend Jahren zu Hause sind. Als dann in den 1960er Jahren die Türken nach Deutschland kamen, gab es schon mehr Gründe, Bedenken zu haben. Aber die europäische Erziehung der durch Kemal geprägten Neubürger ließ diese beinahe als verhinderte Europäer erscheinen. Wenn das orientalische Element in ihrem Verhalten sich doch gelegentlich Luft verschafte, konnte man es als folkloristisches Relikt abtun

        Dass nun aber die deutsche Regierung es ablehnt, den mit gutem Grund nachträglich in das Grundgesetz aufgenommenen Passus 16a (2) (wonach Asyl in Deutschland nicht beantragen kann, wer ein sicheres Land bereits betreten hat) zu exekutieren, führt jetzt allerdings zu einer beispiellosen und unkontrollierten Zuwanderung. Und wenn dem nicht Einhalt geboten wird, wird bald „die ganze Welt“ bei uns vorstellig werden. Muss man sich da wundern, wenn „der Sachse“, der die russische Einflussnahme immerhin wagemutig abgeschüttelt hat, da aufmüpfig wird?

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      11. lynx

        Tut mir leid, ihre Argumentation ist sehr oberflächlich und Sie machen es sich zu leicht:
        zum Deutschen Staat: ich persönlich bin ein großer Fan des Hl. Römischen Reiches in den Grenzen von 800, vielleicht der einzige Augenblick, wo es ein starkes „Dt. Reich“ gab. Die 1000 Jahre danach waren doch gekennzeichnet von Binnenkriegen (Reformationskriege, 30-jähr. Krieg usw.), Napoleon hatte leichtes Spiel diesen (überwiegend nur theoretischen) Staat zu zerschlagen, einheitlicher Kulturraum hin oder her. Und noch für die Begründung des 2. Reiches, also des Nationalstaates, brauchte es den Krieg von 1866. Also trotz gemeinsamer Sprache war gar nichts eitel Sonnenschein…

        USA: da sollten Sie sich bitte mit den Indianerkriegen beschäftigen, bevor sie den indigenen Amerikanern das „Bewusstsein als Volk“ absprechen. Tecumseh, Crazy Horse, Sitting Bull: schon mal gehört? Die 5 Nationen? Technologische Überlegenheit und religiös begründeter Alleinherrschaftsanspruch der Immigranten waren die schlichten Gründe.

        Europa: Vergangene Schwierigkeiten als „Folklore“ zu verniedlichen ist nicht sachdienlich. Italiener, Kroaten usw. pflegen bis heute ihre kriminellen Netzwerke und Türken halten sich häufig bis heute für etwas Besseres. So weit so schlecht. Aber genauso gibt es deutsche Banden und manchmal überstolze Hamburger. Das sind Friktionen, die Gesellschaften mit sich bringen, leider. Aber eine aufgeschlossene Gesellschaft kann innerhalb eines Staatengebildes orientalische, russische, was auch immer für Identitäten integrieren, wenn sie willig ist.

        Passus 16a: da wird gerne der Halbsatz überlesen „in dem die Anwendung des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten sichergestellt ist.“ Genau dies war im Sommer 2015 nicht gegeben und darauf wird sich die Bundesregierung immer berufen. Kein Gericht wird sie jemals für ihr Tun verurteilen. Also auch das Recht bitte genau lesen.

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      12. Waldgänger

        Ich muss ergänzen, dass der Sachsenherzog Heinrich 919 von den Sachsen, Schwaben, Bayern, Lothringern und AUCH DEN FRANKEN zum römisch-deutschen König gewählt worden ist.

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      13. Waldgänger

        Wenn es im Heiligen Römischen Reich Kämpfe der Herrschaftsträger untereinander gab, so waren das reichsrechtlich gesehen entweder Territorialstreitigkeiten zwischen Lehensträgern des Königs/Kaisers oder Rebellionen gegen diesen. Dass sie stattgefunden haben, beweist nichts gegen den Bestand der Reichseinhei in Theorie und Praxis: Eine Auflösung des Reichs in seine Stämme wollten selbst Kaiserfeinde wie Heinrich der Löwe nicht. Also bitte: Nicht die unzweifelhaft vorhandenen innerdeutschern Kämpfe als Argument gegen das Bewusstsein der deutschen Identität ausspielen. Dass die Reichseinheit nach dem Westfälischen Frieden mehr Theorie als Praxis war, bestreite ich nicht, aber selbst der poltische Verfall des Reichs konnte das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit der Deutschen nicht beseitigen. Ein J. Seb. Bach konnte von Schwarzburg nach Sachsen-Weimar, von Sachsen-Weimar nach Anhalt, von dort nach Kursachsen gehen, ohne dass er im geringsten Schwierigkeiten gehabt hätte und ohne dass er den Eindruck haben musste, ins „Ausland“ zu gehen.

        Die indigenen Nordamerikaner hatten zwar ein Stammesbewusstsein, aber eben kein Bewusstsein gemeinsamer Volksidentität – wie etwa die Sachsen, Schwaben, Bayern, Franken und Lothringer eines hatten. Ansonsten hätten sie sich nicht immer wieder von den weißen Eroberern gegeneinander ausspielen lassen, worauf letztendlich ihre Niederlage und ihrer Zerschlagung beruht.

        Eine Gesellschaft mit ausgeprägter kultureller Identität kann fremde Elemente eben NICHT unterschiedslos gleich gut integrieren. Vielmehr kann sie sie um so besser integrieren, je verwandter die Neuankömmlinge in ihren soziokulturellen Eigenschaften dem Typus der Autochthonen sind – wenn man unter Integration AUFNAHME in die ansässige Kulturgemeinschaft versteht. Deshalb gelang die Integration der Italiener in Westdeutschland nach 1945 sehr gut, die der kemalisitisch geprägten Türken schon schlechter und die der Araber so gut wie gar nicht.

        Der Passus GG 16a (4), den Sie heranziehen, besagt nichts anderes, als dass die vorangegangenen Passus den Verträgen, die unter Beachtung der Menschenrechtskonvention usw. mit anderen Staaten geschlossen wurden, NICHT ENTGEGEN stehen. Nicht weniger aber eben auch nicht mehr. Es hebelt also Passus 16a (2), wonach Anspruch auf Asyl nicht hat, wer von einem sicheren Drittstaat aus nach D einreist, keineswegs aus. Dass jedoch kein Gericht die Bundesregierung wegen der Aussetzung von GG 16a (2) verurteilen würde, ist schon klar – wo hätte je ein Gericht eine amtierende Regierung verurteilt?

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    1. Tanzender Berg

      Sehr gut. Obergrenze von Null für neue Einwanderung und eine UNTERgrenze von 200 000 für Rückwanderung. Herr Höcke hat das übrigens schon lange gefordert, deshalb wählen in Thüringen so viele AfD.

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  2. Der Blogwart 2.0

    Von welcher Obergrenze reden denn alle???
    „Sollte das oben genannte Ziel wider Erwarten durch internationale oder nationale Entwicklungen nicht eingehalten werden können, werden die Bundesregierung und der Bundestag geeignete Anpassungen des Ziels nach unten oder oben beschließen.“
    Das ist ein Gummiband und keine Grenze. Von daher wird das Volk alleine mit diesem Wort DREIST VERARSCHT, weshalb es auch ganz schnell verschwinden soll.

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