Merkeldämmerung: CDU nicht mal mehr doppelt so stark wie die AfD

Von Jürgen Fritz

Ende 2003, zwei Jahre vor Merkels Kanzlerschaft, stand die Union noch bei 50 Prozent. Heute bei 30. Die neuesten Zahlen von Infratest dimap für den ARD-Deutschlandtrend offenbaren ein wahres Debakel für CDU/CSU. Einen niedrigeren Unionswert hat Infratest dimap niemals gemessen. Doch das ist noch nicht alles.

Der Niedergang der Union

50,2 Prozent errang die Union 1957 unter Konrad Adenauer. Auf 48,6 Prozent brachte sie es 1976 unter Helmut Kohl und das bei einer Wahlbeteiligung von fast 91 Prozent. Unvorstellbare Zahlen für uns Heutige. Und diese 48,6 Prozent reichten Kohl nicht einmal, um die Regierung zu bilden und Kanzler zu werden. 1983 brachten es CDU/CSU dann sogar auf 48,8 Prozent. Seither geht es insgesamt bergab für die CDU. 1998 – nach 16 Jahren Kohl, niemand konnte ihn mehr sehen -, fielen CDU und CSU zusammen erstmals seit 1949 unter 40 Prozent (auf 35,1).

Bei der Bundestagswahl 2013, kurz vor dem Höhepunkt ihrer Macht, schaffte es Merkel nochmals auf 41,5 Prozent. In den Umfragen im August und Anfang September 2015 lag die Union sogar bei 42 Prozent. Doch seit ihrer Preisgabe der deutschen Staatsgrenzen im September 2015 und damit dem Verrat des eigenen Staatsvolkes, welches sie inzwischen ja gar nicht mehr zu kennen scheint („die, die schon länger hier sind“) und staatsstreichähnlich von oben einfach so austauscht, haben sowohl Merkel als auch die ihr untertänig ergebene CDU ihren Zenit überschritten. Die CSU, die es versäumt hat, sich rechtzeitig mit aller Konsequenz  gegen den volksfeindlichen Merkelkurs zu stellen (Gauweiler und Stoiber waren fest dazu entschlossen, Merkel zu stürzen, Seehofer aber traute sich nicht), reißt sie mit nach unten. Bei der Bundestagswahl im September kamen beide zusammen gerade noch auf 32,9 Prozent. Der schlechteste Wert seit 1949.

CDU/CSU am absoluten Tiefpunkt

Nach der neuesten Umfrage von Infratest dimap für den ARD-Deutschlandtrend (befragt wurden vom 6. bis 8. November mehr als 1.500 Personen, die Ergebnisse dann mit hauseigenen Formeln hochgerechnet, um ein repräsentatives Resultat zu erhalten) kommen CDU und CSU zusammen gerade noch auf 30 Prozent. Dies ist der schlechteste Wert seit Anfang Oktober 2006. Weniger als 30 Prozent hat Infratest dimap, das seit 1998 entsprechende Umfragen durchführt, niemals gemessen! Und weniger wurde auch bei keiner Bundestagswahl seit 1949 jemals erzielt (das schlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl waren 31 Prozent im Jahre 1949).

2017-11-09

8,6 Punkte hatte die Union bei der Bundestagswahl im September gegenüber 2013 verloren, als sie von 41,5 auf 32,9 Prozent fiel, über 20 Prozent ihrer Stimmanteile, also mehr als jeden fünften ihrer Wähler verlor. Nun kommen zu den 8,6 nochmals etwa 3 Punkte Verluste dazu. Und das in nur sechseinhalb Wochen. CDU/CSU sind am absoluten Tiefpunkt. Am bisherigen absoluten Tiefpunkt, um genau zu sein, denn ob es nicht noch weiter nach unten gehen wird, weiß niemand.

 CDU nicht mal mehr doppelt so stark wie die AfD

Die SPD kann ihr miserables Ergebnis von 20,5 Prozent bei der Bundestagswahl, das mit Abstand schlechteste seit Bestehen der Bundesrepublik, in etwa halten bzw. minimal steigern um 0,5 Punkte. Steigern können sich auch die AfD, die FDP und die Grünen, von 12,6 auf 13, von 10,7 auf 12 und von 8,9 auf 11 Prozent. Minimale Verluste verzeichnet dagegen die Linkspartei (SED-Nachfolgerin) von 9,2 auf 9,0 Prozent, die einzige Partei, die von den weiteren Verlusten der Union nicht profitiert.

Von den 30 Prozent der Union entfallen übrigens knapp 6 Prozent auf die CSU. Die CDU alleine liegt also nur noch bei etwa 24 Prozent. Damit ist sie zwar noch immer die stärkste Partei in Deutschland, aber nicht einmal mehr doppelt so stark wie die AfD (13 Prozent), diese aber mehr als doppelt so stark wie die CSU. Die Entmachtung Merkels (und Seehofers) geht sukzessive weiter. Wir haben Merkeldämmerung.

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Bilder: Youtube-Screenshot und © eigene Grafik (Wahl-O-Matrix, Jürgen Fritz)

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14 thoughts on “Merkeldämmerung: CDU nicht mal mehr doppelt so stark wie die AfD

  1. lynx

    Etwas, was nicht existiert, lässt sich nicht herbeischreiben: die Stimmenverschiebungen sind marginal. Interessant ist, dass die kleinen künftigen Koalitionäre dazugewonnnen haben. Jamaika insgesamt ist stimmenmäßig stabil, es herrscht immer noch gespannte Erwartung, auch wenn manchen das Vorspiel jetzt schon zu lange dauert.
    Und was „Mutti“ angeht: ich wette mal darauf, dass sie noch einen Joker aus dem Ärmel zieht, mit dem sie das AfD-Völkchen versöhnlich stimmen wird. Hat sie ja schon angedeutet. Ich fände es jedenfalls gar keine schlechte Idee, wenn sie noch ein starkes sozialpolitisches Signal senden würde. Und dann schauen wir uns wieder die Zahlen an.

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  2. MaxGrande

    Die Bundestagswahl 2017 war ja nicht mehr als eine Farce. Offenbar traut man die Wähler nicht viel zu. Mit Altkanzler Schröder wäre ein Comeback für SPD durchaus möglich, mit Martin Schulz wohl kaum. Zusammengefasst ist es auf Sicht das Aus für die traditionellen Volks-parteien.

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    1. Clemens Bernhard Bartholdy

      Ist Schröder durch seine Gas-Gerd-Historie und die Agenda2010, welche ihm ja viele speziell aus dem linken Lager der SPD negativ auslegen, nicht verbrannt? Oder meinen Sie, dass die Sehnsucht der SPD nach einer starken Führungsperson so groß wäre, dass sich die hybrisgeschädigten Nahles, Schulz und Gabriel dem widerstandslos unterordnen würden?

      Ich habe da meine Zweifel.

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      1. ceterum_censeo

        Nachtrag:

        https://www.verbformen.de/konjugation/beispiele/kneifen.htm

        lässt allerdings auch nur die Form ‚kniff‘ gelten:

        » Im Juli desselben Jahres kniff van Bommel während eines Ligapokalspiels seinem Gegenspieler Fernando Meira in die Genitalien.

        Also etwa Ansichtssache – oder doch eben ‚Neusprech‘?

        Und der ‚DUDEN‘?

        ich kniff
        ich kniffe
         
        du kniffst
        du kniffest
         
        er/sie/es kniff
        er/sie/es kniffe
        Plural
        wir kniffen
        wir kniffen
         
        ihr knifft
        ihr kniffet
         
        sie kniffen

        Na, wer sagt’s denn:
        → 2:1 für ‚kniff‘!

        Na, dann kneif ich mich mal!

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      2. ceterum_censeo

        Nachtrag:

        https://www.verbformen.de/konjugation/beispiele/kneifen.htm

        lässt allerdings auch nur die Form ‚kniff‘ gelten:

        » Im Juli desselben Jahres kniff van Bommel während eines Ligapokalspiels seinem Gegenspieler Fernando Meira in die Genitalien.

        Also etwa Ansichtssache – oder doch eben ‚Neusprech‘?

        Und der ‚DUDEN‘?

        ich kniff
        ich kniffe
         
        du kniffst
        du kniffest
         
        er/sie/es kniff
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        Plural
        wir kniffen
        wir kniffen
         
        ihr knifft
        ihr kniffet
         
        sie kniffen

        Na, wer sagt’s denn: → 2:1 für ‚kniff‘!

        Na, dann kneif ich mich mal!

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      3. ceterum_censeo

        Nachtrag, zu vorigem:

        https://www.verbformen.de/konjugation/beispiele/kneifen.htm

        lässt allerdings auch nur die Form ‚kniff‘ gelten:

        » Im Juli desselben Jahres kniff van Bommel während eines Ligapokalspiels seinem Gegenspieler Fernando Meira in die Genitalien.

        Also etwa Ansichtssache – oder doch eben ‚Neusprech‘?

        Und der ‚DUDEN‘?

        ich kniff
        ich kniffe

        du kniffst
        du kniffest

        er/sie/es kniff
        er/sie/es kniffe

        Plural
        wir kniffen
        wir kniffen

        ihr knifft
        ihr kniffet

        sie kniffen

        Na, wer sagt’s denn: → 2:1 für ‚kniff‘!

        Na, dann kneif ich mich mal!

        P.S. Damit das hier nicht zu einem Linguistik-Seminar wird, dürfte damit die Frage geklärt sein

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      4. ceterum_censeo

        Nachtrag, zu vorigem:

        https://www.verbformen.de/konjugation/beispiele/kneifen.htm

        lässt allerdings auch nur die Form ‚kniff‘ gelten:

        » Im Juli desselben Jahres kniff van Bommel während eines Ligapokalspiels seinem Gegenspieler Fernando Meira in die Genitalien.

        Also etwa Ansichtssache – oder doch eben ‚Neusprech‘?

        Und der ‚DUDEN‘?

        * Ich kniff – du kniffst – er/sie/es kniff, usw. *

        https://www.duden.de/rechtschreibung/kneifen

        Na, wer sagt’s denn: → 2:1 für ‚kniff‘!

        Na, dann kneif ich mich mal!

        P.S. Da das hier nicht zu einem Linguistik-Seminar werden soll, dürfte damit die Frage geklärt sein

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    1. I. Schuler

      Über diesen Ausrutscher bin ich ebenfalls gestolpert. Es ist nicht das erstemal, daß mir auffällt, wie sehr auch Journalisten, die ständig mit der deutschen Sprache umgehen, Fehler unterlaufen, die mir unerklärlich sind! „Kneifte“ ist ja nicht nur ein Flüchtigkeitsfehler. Wie kommt eine derartige Wortschöpfung zustande, ohne daß es einem kalt den Rücken runterläuft?

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  3. mariettalucia

    Das scheint die neue deutsche Rechtschreibung zu sein…..ich hätte auch „kniff“ gesagt, doch wie man an dem Link vom Herrn Fritz erkennen kann, scheint es tatsächlich auch mit der Variante „kneifte“ zu gehen.

    Schlussendlich ist doch der Inhalt am Wichtigsten, gelle…..
    Oder wird das jetzt auch klein geschrieben ?
    Egal, wer den Fehler findet darf ihn gerne behalten 😉

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