Jens Spahn macht auf Merkel 2.0

Ein Gastbeitrag von David Berger

Wenn man danach fragt, wer die größte Zukunftshoffnung in der CDU sein könnte für die Nach-Merkel-Ära, dann wird zumeist ein Name genannt: Jens Spahn. Zurecht? Nein, meint David Berger und erklärt, warum diese Hoffnungen auf Sand gebaut sind.

Doch nur eine schlanke Ausgabe von Altmaier?

Für die unter Merkel leidenden Konservativen in der CDU war Jens Spahn bislang so etwas wie eine letzte Hoffnung. Immer wieder hörte man aus diesen Kreisen, die Union könnte mit ihm doch wieder zu ihren ursprünglichen Idealen zurückfinden. Diese Hoffnungen zerfallen in den letzten Wochen immer mehr. Und daran konnte auch die Entgleisung einer Bremer Grünen, die vom „rechten, schwulen Jens Spahn“ sprach, nichts mehr ändern. Zumal sie ihn im gleichen Atemzug schon als drohenden Nachfolger von Merkel handelte: „Wenn Merkel das nicht hinkriegt, dann ist sie weg. Und dann kommt dieser rechte, schwule Jens Spahn vielleicht.“

Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen: Schwul ist Jens Spahn auf jeden Fall, er scheint aber alles andere als rechts bzw. eine echte Alternative zu Angela Merkel zu sein. Die jüngsten Aussagen von Spahn lassen jedoch eher vermuten, dass er eine schlanke, geschickter agierende Ausgabe von Peter Altmaier ist.

CDU nun auch für erleichterten Familiennachzug

So hat er gestern – tief beeindruckt von der „coolen Socke“ Jürgen Trittin – jüngst wissen lassen, dass er beim Thema Familiennachzug auf die Grünen zugehen will:

„Wer legal ins Land kommt, sich anpasst, Deutsch lernt, Arbeit hat und so beweist, dass er Teil dieser Gesellschaft sein will, soll auch dauerhaft bleiben dürfen und erleichtert die Möglichkeit zum Familiennachzug erhalten“.

Wie die Bildzeitung schon vor mehreren Wochen berichtete, heißt das konkret: Mehr als 260.000 syrische Migranten, die sich derzeit in Deutschland aufhalten, werden wohl bald ihre Großfamilien aus Syrien nach Deutschland holen. Was Adam Elnakhal damals prophezeite„Erst kommt die Wahl, dann kommt die Katastrophe“, möchte Spahn jetzt also übereifrig einlösen.

200.000 muslimische Migranten jedes Jahr kein Problem

Dazu passt dann auch eine Aussage, mit der er vor zwei Wochen hausieren ging, und die viele damals für einen Ausrutscher hielten: Er halte 200.000 muslimische Zuwanderer pro Jahr in Deutschland für „verkraftbar“. Die Epoch Times bemerkte damals:

„Kurz nach der Bundestagswahl 2017 meinte CDU-Politiker Spahn noch, dass die Gründe für den Vertrauensverlust der Wähler in die CDU auch in der Flüchtlingspolitik liegen würden. Davon ist aktuell nicht mehr die Rede.“

Offensichtlich hat sich Spahn schon häuslich in Schwarz-Grün mit ein bisschen Gelb eingerichtet. Vermutlich deshalb, weil nur so möglichst rasch ein Platz an der Spitze der Familientafel zu erreichen ist. Wer über einen solch langen Zeitraum als möglicher Nachfolger Merkels gehandelt wurde, der verliert halt irgendwann auch mal die Geduld und will endlich mal das genießen, was ihm so lange „versprochen“ wurde …

Jens Spahn ist kein konservativer Hoffnungsträger

Gestern schrieb mir ein Bekannter:

„Ich fürchte, dass diejenigen (und ich gehöre dazu), die in Herrn Spahn eine konservative Hoffnung sahen, sich gründlich geirrt haben. Hier geht es um die Macht, und da werden Positionen und Überzeugungen (so man sie denn wirklich hatte) ganz schnell über Bord geworfen. Ein deutscher Sebastian Kurz ist das nicht.“

Nein, das ist Jens Spahn ganz sicher nicht und inzwischen wissen wir, dass er auch kein Hoffnungsträger für die Konservativen in der Union mehr sein kann, ja vielleicht in der Realität nie war. Ein paar konservativ erscheinende Aussagen zur Burka machen eben noch keinen zukunftsfähigen konservativen Politiker.

Warum setzt man sich noch schnell nachträglich in das Merkelboot, das doch zum Kentern verurteilt ist? Warum nicht lieber noch ein paar Monate ausharren statt für ein paar wenige Monate kurz am Ruder zu sitzen? Schade, das wars dann wohl, Herr Spahn!

*

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem sehr lesenswerten Blog von David Berger Philosophia perennis und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung des Autors und Blogbetreibers.

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Bild: Youtube-Screenshot von Jens Spahn in der TV-Sendung Anne Will.

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4 thoughts on “Jens Spahn macht auf Merkel 2.0

  1. neukonservativ

    Vor ein paar Jahren noch habe ich auf einen Aufstand der Konservativen in der CDU gehofft.

    Das war naiv.

    Fakt ist: Jeder aufrichtig konservative CDUler ist schon längst in der AfD oder hat der Politik ganz den Rücken gekehrt. Wer ernsthaft konservativ und aus dieser Überzeugung heraus in der Politik ist, der kann es in einer solchen Partei unmöglich aushalten.

    Die CDU ist keine konservative Partei. Das Geschäftsmodell der CDU besteht vielmehr darin, linksliberale Ideen an tendentiell konservativ eingestellte Wähler zu vermitteln. Sie ist damit das Gegenteil einer konservativen Partei.

    Wenn die CDU jetzt einen „konservativen“ Hoffnungsträger präsentiert, dann ist das nichts weiter als politisches Kalkül. Gäbe es tatsächlich einen solchen Hoffnungsträger in der CDU, er wäre schon längst wegen Aufmüpfigkeit aus der Partei geflogen.

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  2. Jens

    Es gibt keine CDU/CSU mehr, der Name ist nur noch eine leere Hülle. Merkel hat die SED bundesweit eingeführt, ihre Methode ist einfach, effizient und nach den Spielregeln des Westens gespielt: das Ohr dicht am Zeitgeist hat sie CDU/SPD/Grüne und die FDP entkernt, indem sie alle Programmpunkte dieser Parteien, die Wählerstimmen bringen könnten, einfach übernommen hat. Mir scheint es aber so, als ob zumindest die Stammwählerschaft der Grünen das Spiel durchschaut haben. Nach einem fulminanten Sinkflug konnte sich die Partei einigermaßen stabilisieren bei 10+ Prozent. Sollte es zu „Jamaika“ kommen, wird sich nichts ändern. Grüne und FDP werden in Merkels SED eingespeist werden.

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  3. Horst Schaefers

    Für die FDP kann es nur bedeuten, wenn Merkel wieder ihre Zusagen bricht, raus aus der Regierung und Neuwahl.
    Frau Merkel will nicht erkennen, dass sie das Problem der CDU ist und der Abgang immer würdeloser wird wenn sie weiter am Amt klammert. Wir brauchen ein Gesetz zur zeitlichen Ämterbegrenzung des Kanzlers. (8Jahre sind genug)

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