Am Anfang war die Lüge (der Selbstbetrug)

Von Jürgen Fritz, So. 8. Jul 2018

Der Selbstbetrug sei der häufigste Betrug – und auch der schlimmste, notierte einst der schweizer Schriftsteller und Philologe Jakob Boßhart (1862 – 1924). Dabei wusste schon der französische Offizier, Diplomat und Schriftsteller François VI. Duc de La Rochefoucauld (1613 – 1680): Sich selbst betrügen, ohne daß man es selbst merkt, ist so leicht, wie es schwer ist, andere zu betrügen, ohne daß sie es merken“.

Die ständige Angst, dass der Betrug aufgedeckt werden könnte

Das Grundproblem, wenn das gesamte eigene Weltbild auf Lügen und Täuschungen aufbaut, mögen sie auch noch so süß sein und zunächst völlig harmlos wirken, ist, dass dies mit der Zeit nahezu zwangsläufig zu einem verlogenen Charakter führt. Und zu noch etwas anderem: zu einer hohen Gewaltaffinität. Weshalb das?

Weil derjenige, dessen gesamte Weltanschauung auf solchen Grundlagen aufbaut, ja immer Angst haben muss, dass diese Täuschungen aufgedeckt werden. Wie soll er sich dem entziehen? Er kann ja nur dem Diskurs ständig ausweichen – was auf Dauer sehr anstrengend werden kann und wiederum neue Ängste generiert, überall mit diesem Spiegel konfrontiert zu werden -, oder den, der Lügen und Täuschungen aufdeckt, ausschalten, ihn zumindest mundtot machen. Das aber geht nur mit Gewalt beziehungsweise Einschüchterung, was ebenfalls eine Form der Gewalt darstellt.

Die eigene Überführung muss mit allen Mitteln verhindert werden

Und natürlich stellte jede Anbetung von Göttern nichts anderes dar als: die Anbetung der Gewalt. Denn welchen Sinne sollte es haben, zu jemandem zu beten, der keine Macht hat, der nichts machen, der nichts ausrichten, der nichts bewirken, der nicht eingreifen kann, der über keine Möglichkeit der Gewaltausübung verfügt?

Befindet sich nun aber derjenige mit einem solchen Weltbild, das auf Lügen und Selbstbetrug aufbaut, selbst in einer Machtposition, ist mithin quasi selbst ein kleiner Gott – denn Gott-sein bedeutet ja gerade über Macht zu verfügen, Gewalt ausüben zu können -, wird er in der Regel alles tun, um diese seine eigene Machtposition zu sichern, und jede Überführung der Lüge und des Betrugs und somit seiner selbst mit allen Mitteln zu verhindern suchen. Mit allen! Denn was würde passieren, wenn er das nicht täte? Er verlöre all seine Macht und noch mehr als das: Er verlöre seine eigene Orientierung und damit die Macht über sein eigenes Dasein. Das aber darf er beides niemals zulassen!

*

Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

**

Aktive Unterstützung: Jürgen Fritz Blog ist vollkommen unabhängig, werbe- und kostenfrei (keine Bezahlschranke). Es kostet allerdings Geld, Zeit und viel Arbeit, Artikel auf diesem Niveau regelmäßig und dauerhaft anbieten zu können. Wenn Sie meine Arbeit entsprechend würdigen wollen, so können Sie dies tun per klassischer Überweisung auf:

Jürgen Fritz, IBAN: DE44 5001 0060 0170 9226 04, BIC: PBNKDEFF, Verwendungszweck: Jürgen Fritz Blog. Oder über PayPal  5 EUR – 10 EUR – 20 EUR – 30 EUR – 50 EUR – 100 EUR

2 Antworten auf „Am Anfang war die Lüge (der Selbstbetrug)

  1. Pingback: Am Anfang war die Lüge (der Selbstbetrug) – BAYERN online

  2. Pingback: Am Anfang war die Lüge (der Selbstbetrug) – Leserbriefe

Comments are closed